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Imaginarrator

Anfänger

  • »Imaginarrator« ist männlich
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Zwangssymptome: Zwangsgedanken

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1

Sonntag, 21. August 2016, 18:31

Zwischen Zwang und seiner Bezwingung

Hallo ihr,
das ist das erste Mal, dass ich mich auf diesem Wege zu diesem Thema, von dem
ich seit meinem 12. oder 13. Lebensjahr betroffen bin in dieser Form äußere(,
bzw. das zweite Mal in meinem bisherigen Leben, dass ich mich überhaupt zu diesem
Fall äußere). Auch wenn ich schon sehr lange mit diesem Phänomen zu kämpfen und
mit der Zeit Techniken entwickelt habe, damit zurecht zu kommen, so verhält es
sich damit bei mir wie mit Ebbe und Flut, womit es Phasen gibt, in denen diese
beiden Pole in meinem Kopf in erschreckender und radikaler Plötzlichkeit
wechseln. Erst vor einigen Jahren habe
ich mich überhaupt mit diesem Thema gedanklich auseinandersetzen und darüber
recherchieren können, ohne zu befürchten, die zuvor bekämpften
"Kräfte" wieder heraufzubeschwören, womit ich das Phänomen, mit dem
ich in den letzten Monaten teilweise in seinen extremsten Auswüchsen zu kämpfen
hatte als Zwangsstörung, genaugenommen als "magisches Denken"
identifizieren konnte. Im Verlauf meiner (vor)pubertären Entwicklung keimte in meinem
Kopf zunehmend etwas heran, dass Phantasie und Verstand gegen mich verschwören
ließ. Es fing erst mit Ideen, teilweise banalen, aber erschreckenden Gedanken
an, die dann in meinem Kopf nach dem Schneeballeffekt zu einer immensen Furcht
entbrannten, die zunehmend Zugang zu meinem Handeln und Denken fand. Gemeint
sind (meist) "unsichtbare Zusammenhänge", Ursache und Wirkung
zwischen denen eigentlich kein Kausalzusammenhang bestehen sollte.
Kleinigkeiten, die sich zu konkreten Handlungsmustern entwickeln, von denen ich
dem Gefühl nach befürchte, sie könnten einen Einfluss auf mein Schicksal oder
das anderer Menschen haben.



Zuvor sollte ich vielleicht noch anmerken, dass ich, auch wenn das vielleicht
zunächst widersprüchlich klingt, weder religiös bin noch vom Weltbild her an
übernatürliche Wesen und Welten aller Art glaube. (So der bewusste Teil meines
Selbst.)Auch bin ich mir der Natur meines Problems bewusst und verstehe
die psychologischen Mechanismen, die diese Zwangsgedanken auslösen. Dennoch
habe ich aus meiner Erfahrung ebenso die Erkenntnis gewonnen, dass die reine
Erkenntnis allein manchmal nicht ausreicht, da diese meist erst durch erlebte
Bestätigung das Gefühl erreichen muss, um den ebenfalls gefühls-, also
furchtbasierten Zwangsgedanken entgegenwirken zu können. Diese Bestätigung im
Gefühl zu finden, nachdem die "magischen Gedanken" als wirkungslos
erkannt werden und somit ihre tatsächliche Wirkung, die einzig und allein von
der Furcht und dem von ihr am Leben erhaltenen Gedankengeflecht ausgeht kann
viel Zeit und Kraft auf vielen Ebenen kosten.

Meine letzten Monate waren zu einem nicht geringen Teil (die längste dieser
Phasen in dieser Zeit dauerte ungefähr zwei Wochen am Stück an) von permanenter
Panik geprägt, ausgelöst durch die mich in (zu) vielen Alltagssituationen
begleitende Furcht, bestimmte Gedanken, Gesten und sonstige Interaktionen mit
meiner Umwelt hätten "metaphysische Auswirkungen" auf mein Schicksal
oder meinen Verstand. (Früher bezogen sich diese Gedanken auch auf das Leben
anderer Personen, aber als ich zunehmend erkannt habe, dass diese davon absolut
nicht betroffen sein können, beschränken sich diese Ängste nur noch auf mein
Leben, dass auch den betroffenen Kopf führt...) Es ist ein ziemlich abstrus
erscheinendes, paradoxes aber in diesen Momenten für mich mehr als reales,
furchtbefruchtetes Gedankengebilde, aus dem ich mich nur mit Mühe und oft auch
erst nach Stunden oder Tagen vollständig befreien kann. Es gab Fälle, wo ich
bis zu sechs Stunden in meinem verbarrikadierten Zimmer an einem einzigen
Zwangsgedanken bzw. einer Zwangshandlung gesessen habe, der sich, gleich einem
Bakterium bei jedem Bekämpfungsversuch anpasst und neue Pfade versucht, um sich
in meinem Verstand voranzufressen. In den meisten Fällen gelingt es mir
normalerweise diese zu den "Zwangsanfällen" führenden Befürchtungen
abzuwehren, noch ehe sie tiefer vordringen und zu einer größeren Gefahr wachsen
können. Nur ist es, insbesondere in den letzten Monaten sehr oft vorgekommen,
dass ich, vor allem unter den dafür idealen Bedingungen wie Stress und
reduzierter Ernährung diese Gedanken als derartig echt empfunden habe, dass ich
sie mit bestimmten Handlungen und Ritualen abzuwehren versuchte, wodurch sie es
dann schafften sich wieder in ein Gedankengebilde zu verwandeln, aus dem ich
erst wieder mit "präzisen Griffen" unter Zeit und Mühe herausfinde.
In solchen Phasen bin ich kaum und auch nur unter größerer, innerer
Aufgeregtheit, die ich dann zu verbergen versuche in der Lage, am Leben
teilzunehmen(, auch wenn dieses dann von mir volle Teilnahme
"verlangt".) Es sind Phasen, in denen ich mich in einem Zustand
zittriger, dauerüberreizter Lethargie vorfinde, wo sich das Leben vor meinen
Augen gewohnt abspielt, während ich selbst dem Gefühl nach nur beschränkt oder
gar nicht daran teilnehmen kann. Mein Körper ist anwesend, lässt sich nichts
von dem inneren Krieg, dem Wahn anmerken, der sich noch immer im Hinterkopf
austrägt und meinen Geist durchwütet.

Die Handlungen und Gedankenmuster wechseln mit der
Zeit und so verschwinden ursprüngliche Rituale entweder durch Verdrängung durch
stark negativ oder positiv empfundene Erlebnisse oder durch bewusste
Überwindung, während neue zu entstehen drohen. Auch wenn die Gedanken- und
Handlungsmuster der Rituale variieren, so bleibt die Mechanik hinter ihrem
Entstehen, wie auch hinter ihrer Überwindung die gleiche.

Imaginarrator

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2

Sonntag, 21. August 2016, 18:35

Seite 2

(Aufgrund der Feststellung, dass in einem Thema nur eine beschränkte Buchstabenzahl geschrieben werden kann, werde ich meinen ursprünglichen Text aufteilen und den Rest in die "Antworten" packen. Ich hoffe, das geht in Ordnung.)



Es ist, als
würden statt Nerven glühende Drähte meinen Körper und vor allem meinen Kopf
durchziehen, wo sie sich impulsiv ineinanderfangen und den Kopf unter ständiger
Anspannung zum kochen, meinen Restkörper zum zittern und mich dazu bringen,
furchtverfroren im Zimmer hin und her zu laufen, bis ich den Mut, die
"Muse", den "richtigen Moment" gefunden habe, um Worte zur
Auflösung des "Problems", des ganzen "magischen" Humbugs zu
finden, die sich, je nachdem wie sie "wirken" zunehmend zu einem
neuen "Zauber", einem neuen, eigenen Zwang entwickeln. Immer dann,
wenn ich plötzlich das Gefühl hatte, durch eine bestimmte, eigentlich banal
scheinende Tätigkeit, wie das starke Kreuzen meiner Zehen, das Schlucken bei
einer bestimmten Kopfhaltung oder gar durch einen alleinigen Gedanken etwas
"Negatives aktiviert", irgendeine "übernatürliche Macht" zu
einem "Unheil", meist bestimmte Vorhaben und Ziele in dieser Zeit
betreffend "angeleitet" zu haben, sagte ich laut Dinge wie
"Nein. Das ist völliger Irrsinn, von dem ich mich nicht beirren lasse!
Niemals werde ich das!". Einige Male mag das zuerst den gewünschten Effekt
hervorrufen, doch dann kommt es, ob durch Unterbrechung von außen, durch
Zufall, oder durch andere(, stresserzeugende )Faktoren dazu, dass ich einen
Teil vergesse oder "falsch" aufsage, wo ich dann zu erst in sich
anbahnender Panik rumrätsle, wie ich weiter vorgehen, die Situation "in
den Griff" kriegen soll. Tritt dies ein, so krachen verschiedene
"Parteien" meines Verstandes gegen- und ineinander und zergliedern
sich dann in neue, wiederwirrende "Kleinstparteien ", die ihre
Argumente gegenseitig verschlucken, während sie sich gleichzeitig damit zerschlagen.
Während einige mir raten, diese ganze Situation zu ignorieren und mit den
wesentlichen Dingen weiterzumachen, mich eben wirklich "nicht beirren zu
lassen", gibt es im Hinterkopf immer diese "Randpartei", die vor
der "möglichen Wirkung" des "fehlgeschlagenen Spruches"
warnt: "Was ist, wenn es nur halb oder gar nicht wirkt? Was ist, wenn du
damit irgendwelche Nebeneffekte provozierst?! Schon provoziert hast!? Tu was!
Tu was! Du willst doch funktionieren! Ein erfülltes Leben führen! Du willst
doch funktionieren!" Und so ist aus einem ursprünglichen
"Heilungsakt" selbst ein Ritual, ein neuer Zwang geworden, der von
dem Netzwerk aus furchtbefruchteten Gedanken einverleibt wurde. So wird die
Angst lauter, nach der ich das Vorgenommene nicht schaffe, als Mensch versage,
im Leben versage, wegen dieser einen, ursprünglichen kleinen Sache ein großes
Unheil beschworen habe(, womit sie mir ihre eigene Existenz zum Vorwurf macht),
alles eintreffe, was ich befürchte, nach der all das "ja theoretisch
möglich wäre
", wenngleich ich, mittlerweile mit Sicherheit weiß, dass
das nie der Fall sein kann, gewesen ist und sein wird. Wenngleich ich mir
durchaus bewusst bin, dass all das nichts weiter ist als eine wildgwordene
Lüge. Eine intelligente Lüge, die sich mit "Ansätzen von Wahrheiten",
also bloß besser getarnten Lügen mischt um zu einer größeren, komplexeren, aber
dadurch in keiner Weise wahreren Lüge zu mutieren. Anders kann dieses Geflecht,
dieses Gedankengeschwür in einem halbwegs rationalen Verstand nicht bestehen.



Und genau da steckt ein anderer, bizarr-erschreckender Aspekt dieses
„magischen“ Gedankengeflechts. Es bemächtigt sich einer "rationalen
Stütze" um der Eliminierung durch logische Schlussfolgerung irgendwie noch
entgehen zu können. Denn selbst wenn ich die nichtexistente "magische Kraft" von Gedanken und Gesten nicht
mehr fürchte, so entwickelt sich daraus die Furcht vor einem "negativen
Placebo-Effekt". Heißt: Ich fürchte, dass meine Furcht so stark ist, dass
sie sich indirekt "neurologisch bewahrheitet", nämlich über eine Art
negativen Placebo-Effekt. Und auch wenn ich in der Tat im Zuge solcher Zustände
spüre, wie sich in meinem Kopf "Dinge verändern", nachdem bestimmte
Handlungen durchgeführt, manchmal auch nur bestimmte Gedanken gedacht wurden,
so denke ich, dass diese Gedanken einer furchtgeladen-geleiteten Interpretation
eines Wechsels des Neurotransmitterhaushalts entspringen. Die Zwangsstörung versucht
also, sich an einer Interpretation ihrer eigenen, neurologischen Grundlage zu
nähren. (Das meinte ich unter anderem mit bizarr und paradox.)


Nicht nur vor der Arbeit, sondern auch kurz vor
Verabredungen, vor Begegnungen mit vertrauten Menschen habe ich immer das
krampfhafte Bedürfnisse "zu funktionieren". Ein "produktives
menschliches Wesen" sein, dass die Situationen bestmöglich meistert, wobei
ich mich von irgendwelchen "Störkräften" nicht dabei sabotieren
lassen darf. Eine Einstellung, die häufig in gleichsam krampfhaft ausgeführten
Handlungen mündet, bei denen die Furcht vor den "potenziellen
Auswirkungen
" einer gewaschenen wie ungewaschenen Hand, eines
"fehlplatzierten Papierstapels", einer "falschen Sitzart"
mit der Kraft und Zeit steigt, die ich in ihre "äußere
Ursachenbekämpfung" hineininvestiere. Ironischer Weise weiß ich schon,
dass gerade die Beschäftigung mit diesen Dingen selbst eine "störende
Kraft" ist, aber wenn ich mich erst einmal, meist mit einem banalen Anfang
auf diesen Gedankenstrudel eingelassen habe, kriege ich dieses Gefühl, diese
innere Wahrnehmung, diesen Strudelsturz nicht mehr aus meinem Kopf. Selbst wenn
ich mich abzulenken und weiterhin ein "produktives menschliches
Wesen" zu sein versuche, so verbleibt es doch als Echo eines jeden, wachen
Momentes im Hinterkopf und lässt mich eine hoffnungslose Enge, eine Art
"Klaustrophobie im eigenen Kopf" fühlen, aus dessen scheinbarer,
seelenerdrückender Enge es kein Entkommen gibt. Das ist zumindest das, was mir
mein (in Wirken und Wichtigkeit nicht zu unterschätzendes) Gefühl in diesen
Momenten sagt. Es gibt wieder, was die Lüge mir weis zu machen versucht. Ja sie
ängstigt, sie lässt einen das Leben, mehr noch den eigenen Kopf fürchten, über
den man eigentlich Herr ist und das ist das einzig wirkliche, zu dem sie fähig
ist. Sie kann einen erschrecken, aber wie mich versuchte, neue Schritte im
Umgang damit lehrten, bleibt es bei einem kurzen, schnell verschwindenden
Schreck, wenn man die Furcht sofort abwehrt und ihr nicht gestattet, in den
gewollt verfolgten Tagesablauf einzugreifen. (Danach verringert sich auch
erheblich die Anzahl an „versuchten Übergriffen“ der eigenen Psyche an sich
selbst.)


Neben den Momenten völliger Erfülltheit, wo es mir wirklich gut geht, gibt es
auch kurze Momente des "Quasi-Friedens", wo die Zwangsgedanken an
sich
nicht vorhanden sind, es einem die Furcht und das neurotische Bangen jedoch
unmöglich machen, wirklichen Frieden zu (emp)finden. Es sind dann Gedanken wie
"Was ist, wenn die Zwangsgedanken notwendig sind? Was ist, wenn ich ohne
sie keinen produktiven Tag haben kann?" Meine Erfahrung hat mich
inzwischen so weit gebracht, dass ich nun aus selbsterlebter Quelle sicher weiß,
dass das ausgekotzter Humbug ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Imaginarrator« (21. August 2016, 18:40)


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Sonntag, 21. August 2016, 18:39

Seite 3

Allein das hier aufzuschreiben und abzuschicken hat mich die Überwindung einiger „magischer“
Befürchtungen gekostet, die während des Schreibprozesses aufgetreten sind. Dass
ich überhaupt über dieses Thema schreiben kann, ohne mich von der Furcht, damit
irgendwelche "destruktiven Kräfte zu wecken" davon abbringen zu
lassen, ist auf einen älteren und teilweise ständig neubestrittenen Durchbruch
zurückzuführen.

Der Grund, weshalb ich mich hierzu bislang kaum geäußert und diesen durch
meinen Kopf wütenden Wahn vor meinem Umfeld stets zu verbergen versucht habe
liegt, neben meinem noch immer präsenten Selbstschutzreflex, nach dem ich
solche persönlichen Dinge für mich behalten sollte und dem Drang, eine
Stigmatisierung zu verhindern auch an meiner Abneigung gegenüber der Psychiatrie,
vor allem gegenüber der immer üblicher werdenden Behandlung mit Psychopharmaka,
die für mich aus persönlichen Gründen nicht in Frage kommt. Eine Haltung, die
auf negative Erfahrungen zurückzuführen ist, die ich mit der Psychiatrie und
Neuroleptika(, genaugenommen Haloperidol) gemacht habe. Dabei wird praktisch
ein lebenslanger "Zwei-Fronten-Krieg" geführt, in dem ich meinen
Verstand vor zwei Bedrohungen aus gänzlich unterschiedlicher Richtung zu
schützen versuche: Da wäre einmal der gegen die Zwangsneurose, eine
wildgewordene Verwandlung von Phantasie und Vernunft und der gegen die
Psychiatrie, von der ich weiß, dass sie meiner Seele mit ihren gegenwärtig
gängigen Praktiken keine echte Heilung, sondern nur abstumpfende Betäubung
"anbietet".

Mit erfahrungsbasiertem Wissen über den Verlauf und die Natur dieser „Ausbrüche“, ist es mir
mittlerweile gelungen mein Leben (momentan) durch bewusste Führung so zu
lenken, dass diese gestoppt werden, noch ehe sie gefährliche Ausmaße annehmen
und mich bei dem Verfolgen meiner Ziele und meines Tagesablaufes behindern
können.

Ich weiß, dass das alles ziemlich wirr und absurd
klingen muss, aber ich habe versucht die Mechanismen hinter diesem „Gedanken-
und Empfindungsknäul“ sprachlich so zu umschreiben, dass man sich vielleicht
ein ungefähres Bild von dem Ganzen machen kann. Dafür wurden die konkreten
Rituale hier nur in Ansätzen beschrieben.


So hoffnungslos es auch immer scheinen mag, so habe ich doch bisher immer einen Weg gefunden,
diese Zustände zu überwinden und mir von ihnen nicht das Leben wegnehmen zu
lassen. Auch wenn diese Zustände mir meist Stunden, auch ganze Tage an
Lebenszeit wegfressen, so gelingt es mir am Ende doch noch, sie zu durchbrechen
und die Fesseln zu sprengen, die mich in Wahrheit nie festhielten. Das
Schreiben ist mir dabei immer das am wundervollsten und wahrsten wirkende
Werkzeug gewesen, um mich in meiner brennenden, aber nie völlig durchgebrannten
Birne beisammen zu halten und abzubilden, dem erlebenden Bewusstsein, der Seele
selbst noch mal zu zeigen, was ich empfinde und die Zeit und Zustände über eigentlich
immer wusste. Nämlich die Wahrheit über die Zwänge und die lügende Furcht,
welche sie am Leben erhält, während sie mir mein eigenes zu nehmen versucht.
Ich lasse diesen Versuch nicht mehr sein als das, einen bloßen Versuch. Einen,
den ich nicht nur als das erkenne, sondern auch als fehlgeschlagen entblöße,
womit er entmachtet zurückbleibt, während ich weiter meines Weges gehe und mein
Leben fortverfolge. Selbst hervorgebrachte Erfolgserlebnisse sind dabei immer
ein wichtiger, persönlicher Meilenstein, um der Furcht den Spiegel vorzuhalten,
in dem sie, sich der Wahrheit ihres Wesens beugend erkennen muss, dass sie nie
mehr gewesen ist, als der bloße Schatten eines Geistes, der weitaus mehr ist
und immer mehr sein wird, als alles, was die Furcht je wirklich darstellen kann. Ein Gegenbeweis, der die Furcht wieder
in ihren Ursprung zurückschreckt. Ein bestimmter Fleck meines Hinterkopfes, wo
sie meist auch bleibt, seit ich Techniken entwickelt habe, diesen immer mal
wieder aufflammenden Funken zu ignorieren und ihm keine größere Aufmerksamkeit,
keine Relevanz zu widmen, die er als Fläche für einen Brand nutzen würde, den
ich mittlerweile früher und besser zu verhindern weiß. Auch wenn ich diesen
Scheiß vielleicht nie komplett aus meinem Kopf kriegen werde, dann doch aus
meinem Leben. Das Wissen um die Möglichkeit, die praktische Hoffnung,
herausragende Schritte auch in den verzweifeltsten Momenten vollbringen zu
können, ist meine Motivation, voranzuschreiten, worin, wie ich finde der wahre
Sieg über die Zwangsneurose liegt.



Es wäre eine für mich neuartige, aber nicht unwillkommene Erfahrung, hier auf
andere Seelen zu treffen, die einen ähnlichen Pfad beschreiten, bei dessen
Durchquerung wir vielleicht einander helfen können.