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Mathematica

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Beiträge: 3

Zwangssymptome: Wasch- und Wiederholungszwang

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Studentin

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Samstag, 19. März 2016, 15:10

Therapie eines Waschzwang ohne übermäßige Keimphobie

Hallo,
ich leide seit etwa zwei Jahren an einem Waschzwang, welcher mit der Zeit immer schlimmer wurde.
Ich war bereits bei einer Psychiaterin, welche mir Citalopram verschrieben hat, welches ich über drei Monate genommen habe. Außerdem habe ich eine Psychotherapeutin aufgesucht, doch mir wurde klargemacht, dass die Behandlung nur mit einer Therapie mit Expositionsübungen und damit verbundener Konfrontation gemacht werden kann.


Mir ist klar, dass die bei einem Waschzwang eine erprobte Therapiemöglichkeit ist, doch ich habe nicht in erster Linie Angst vor Bakterien, Viren oder Keimen, sondern es ist vielmehr ein Ekel vor anderen, mir fremden Menschen und deren Körperflüssigkeiten und damit verbundener Kontaminationsangst. Meine Eltern machen sehr viel Druck, da sie die ganze Situation nicht verstehen können und sie sich eingeschränkt fühlen. Ich habe Angst vor einer Konfrontation und auch Zweifel, ob diese Therapie erfolgreich sein wird :( .




Es wäre schön, wenn einige ihre Erfahrungen mit mir teilen würden.

Vielen Dank, Mathematica

Daniela

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Zwangssymptome: Waschzwang mit Vermeidungsverhalten, Zählzwang, Kontrollzwang, Grübelzwang, Wiederholungszwang, Zwangsgedanken, magisches Denken

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

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2

Sonntag, 20. März 2016, 13:14

Hallo Mathematica,

ich habe auch einen Waschzwang ohne Angst vor Bakterien oder Viren. Bei meinem Waschzwang ist auch Ekel das Problem, vor allem vor Urin und Spucke anderer Menschen, und ich mag es auch einfach nicht, wenn so manch andere Menschen Sachen angefasst oder damit in Berührung gekommen sind.

Ich habe auch bereits eine tiefenpsychologisch fundierte Gesprächstherapie gemacht, die aber leider nicht zur Heilung der Zwänge geführt hat. Ich habe nun eine kognitive Verhaltenstherapie angefangen, hatte aber erst die erste Therapiestunde und vorher das Erstgespräch, so dass ich noch keine eigenen Erfahrungen mit den Expositionen im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie schildern kann.

Aber schon beim Erstgespräch wurde mir klar gemacht, dass der einzige Weg zur Heilung der Zwänge durch die Angst bzw. den Ekel (oder auch die Angst vor dem Ekel) führt und Expositionen mit Reaktionsverhinderung bedeutet. In meinem Fall (bei manch anderem langt vielleicht auch eine graduierte Konfrontation, wobei ich persönlich glaube, dass diese bei einem Waschzwang kaum bis gar nicht zur Heilung führt) muss eine massierte Konfrontation stattfinden. Die Therapeutin hat auch gesagt, dass am Ende meine ganze Wohnung (aus meiner Zwangssicht heraus) so verschmutzt sein muss, dass es nicht umkehrbar ist. Und was denkst du, was mir das für eine Angst und Panik gemacht hat...

Aber ich weiß ja auch, dass das mit dem Ziel gemacht wird, dass man zwar eine zeitlang mit der Angst und dem Ekel leben muss, aber eben auch damit, dass diese Gefühle irgendwann nachlassen und man gut unter diesen Bedingungen leben kann, es sogar auf lange Sicht bzw. am Ende zu einer logischen Sicht auf die Dinge und zu einen normalen Fühlen und Empfinden führt.

Es verändert sich durch dieses Therapieverfahren auch etwas im Gehirn, was durch ein SSRI unterstützt wird. Ich kann das nicht so richtig erklären bzw. wiedergeben. Aber es bilden sich irgendwie neue Lernbahnen und neue Synapsen werden gebildet (oder so).

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass der Therapeut die Expositionen da macht, wo der Zwang am stärksten ist. D.h. dass er mit dir zusammen die Konfrontationen macht und zwar auch und vor allem außerhalb der Praxisräume wie eben z.B. Zuhause. Und dass der Therapeut kompetent ist und du dich bei ihm wohl und gut aufgehoben fühlst.

Bei meiner Therapie wird eine lange Vorbereitungsphase stattfinden und erst danach, wenn ich gut gerüstet und auch bereit für die Expositionen bin, beginnen wir mit der Konfrontation.

Ich kann dir nur zu einer kognitiven Verhaltenstherapie raten. Aber nicht weil dir deine Eltern Druck machen, denn diese Therapie sollte auch nicht unter Zwang stattfinden. Sondern nur weil du es willst.

Ich verspreche mir davon auf jeden Fall sehr viel und bin zuversichtlich und die kognitive Verhaltenstherapie gilt ja nicht umsonst als Therapie der ersten Wahl bei Zwängen.

Alles Gute und berichte doch mal, wie du dich letztendlich entschieden hast.

Gruß

Daniela

Mathematica

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Zwangssymptome: Wasch- und Wiederholungszwang

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

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3

Samstag, 2. April 2016, 17:16

Danke für die Antwort Daniela.


Mein Problem ist, dass ich vor einigen Monaten schon mal an dem Punkt war, dass mir meine ganze Wohnung kontaminiert vorkam wegen einem traumatisierenden Vorfall. Ich habe es wochenlang mehr schlecht als recht ertragen. Auch wenn die anfängliche Angst und Verzweiflung in den ersten Tagen ein wenig abgenommen hat, sodass ich wenigstens essen konnte, so bliebt auch zwei Monate danach noch ein Gefühl der Unruhe, welches mich wahnsinnig gemacht hat und ich konnte überhaupt nichts mehr machen. Erst nach einer sowieso anstehenden Renovierung und ein paar neuen Dinge, die die Hotspots der Kontamination ersetzten wurde es besser.


Ich weiß, dass ich dadurch meinem Zwang nachgegeben habe, doch ich konnte es einfach nicht mehr aushalten. Jetzt geht es mir relativ gut, doch mir ist klar das sich was ändern muss, damit ich wieder normal am Alltag teilnehme, doch ich habe Angst, dass durch die Konfrontationstherapie es wieder so schlimm wird wie vor einigen Monaten und ich habe ja gesehen, dass es trotz des Aushaltens nicht viel gebracht hat. Ist dies denn wirklich die einzige Möglichkeit?


Über Erfahrungen und Tipps würde ich mich sehr freuen.
Mathematica