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Zwangsgedanken: Nurnoch ratlos...

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Mittwoch, 28. Januar 2015, 10:12

Nurnoch ratlos...

Hallo zusammen,

ich bin neu hier und muss mich endlich mal jemandem mitteilen. Kurz zu meiner Geschichte:

Ich bin jetzt 22 Jahre und war schon immer ein eher vorsichtiger Mensch. Schon seit ich denken kann habe ich gedacht, wenn ich Husten hab, dann ist es Krebs...Wenn ich Kopfweh habe,dann ist es ein Hirntumor...usw. Das war aber eher dumm denken und hat mich nie so richtig stark belastet, weil es ja nach 1-2 Tagen wieder vorbei war.

Das eigentliche Problem hat vor etwa 1 1/2 Jahren begonnen.

Phase1:
Ich habe mich plötzlich schwer getan, beim Autofahren den Abstand zum Gegenverkehr oder zu parkenden Autos einzuschätzen. Ich dachte mir immer "was wenn ich das Auto gestriffen habe und nichts gemerkt hab...Summa sumarum kam das dann Tag für Tag vor und ich hatte jeden Tag angst, dass am Abend die Polizei bei mir auf der Matte steht. Das ging dann soweit, dass ich das Autofahren phasenweise soweit eingestellt habe, dass ich nurnoch absolute Pflichtfahrten gemacht habe. Ansonsten habe ich mich immer irgendwie rausgeredet oder es einfach gelassen. Ich muss dazu sagen, dass ich es davor geliebt habe Auto zu fahren. Egal wie lang, egal wohin. Und dann plötzlich das.

Phase 2:

Das ganze hat sich dann, auch aus mir nicht erklärlichen Gründen, noch weiter verschärft. Plötzlich kamen beim Fahren Gedanken auf wie "stand da grade jemand?", "hab ich den Fahrradfahrer gestriffen und es nicht gemerkt? Hat er sich vielleicht sogar schwer verletzt und ich bin dann Schuld daran?". Das hat das ganze natürlich noch anstrengender gemacht.

Es hat sich vor einigen Wochen eigentlich wieder etwas gebessert. Aber seit diesem Wochenende ist alles wieder zurück und gefühlt stärker als je zuvor. Grund: Ich war seit langem mal wieder feiern, habe lange nicht mehr getrunken und dementsprechend nichts mehr vertragen. Ich hatte einen totalen Chaosabend und echt viele Wissenslücken. Und diese Wissenalücken machen mich gerade vollkommen fertig. Mir kommen die wildesten Gedanken, was gewesen sein könnte. Der schlimmste Gedanke ist, dass ich irgendwen verletzt habe könnte oder sonst was. Ich muss dazu sagen, dass ich so ein Typ bin der wort wörtlich nichtmal ner Fluege was antun könnte. Ich fang die immer ein und lass die aus dem Fenster raus. Ich habe auch in meinem ganzen leben nie irgendetwas negatives gemacht. Mein schlimmstes vergehen war vis jetzt ein 10 Euro Falschpark ticket.

Ich weiß nicht, warum ich plötzlich immer diese Gedanken habe, dass ich anderen in irgendeiner Weise schade. Ich muss vielleicht noch dazu sagen, dass ich noch ziemlich viel Vorhabe in meinem Leben, sowohl privat, als auch vor Allem Karrieretechnisch.

Aber diese quälenden Gedanken, Tag für Tag, ohne irgendwann mal eine Pause zu haben, rauben mir wirklich sämtliche Kräfte. Ich schlafe kqum noch, habe kaum Kraft bei dem was ich tue.

Ich bin wirklich ratlos...Ich will doch nur mein altes Leben wieder, ohne mir ständig sorgen über Dinge zu machen, die nie passiert sind.

Hat irgendjemand eine Erklärung warum es mich erwischt hat? Und gibt es irgendwas, dass mir den Kopf wieder frei macht?

girasol1991

unregistriert

2

Mittwoch, 28. Januar 2015, 11:17

Hallo PiPaPaddy,

Hat irgendjemand eine Erklärung warum es mich erwischt hat?

Nein, so ohne weiteres sowie mehr über deine Vergangenheit, etc. natürlich nicht. Es gibt aber mit Sicherheit Ursachen, die aber wahrscheinlich tiefer liegen. Ich rate dir einen Experten (Psychologen, Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut) aufzusuchen. Damit wären wir auch schon bei deiner nächsten Frage:

Und gibt es irgendwas, dass mir den Kopf wieder frei macht?

Ja, es gibt Sachen, die dir helfen können. Das wären u.a.:
- Therapie
- ggf. Medikamente, wenn es sehr schlimm ist
- bei Bedarf ein Klinikaufenthalt

Nächste Schritte für dich sind dann, wenn nicht bereits getätigt:
  • Hausarzt kontaktieren, Sorgen ansprechen. Wenn er kompetent ist, wird er dich an Experten weiterleiten. Wenn er das nicht tut, dann solltest es selbst in die Hand nehmen.
  • Dann gilt es: Therapeuten in deiner Umgebung suchen, ideal ist bei Zwangsstörungen eine kognitive Verhaltenstherapie. Google kann dir bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten helfen. Es ist wahrscheinlich, dass du längere Wartezeiten in Kauf nehmen musst und vielleicht auch mehrere Therapeuten 'testen' musst bis du einen findest, mit dem du gut zurecht kommst. Vielleicht hast du auch Glück und kriegst direkt einen Termin bzw. Therapieplatz.


je nachdem wie sehr dich das Ganze belastet wären weitere Möglichkeiten:
  • Medikamente --> hierfür suchst du, ggf. in Absprache mit Hausarzt/ Psychotherapeut, einen Neurologen oder Psychiater auf. Für gewöhnlich werden SSRI (selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer) verschrieben. Das ist eine Unterkategorie von Antidepressiva. Meistens werden sie auch höher dosiert als Antidepressiva normalerweise, da sie nur so gegen die Zwänge wirken können. Medikamente sind aber keine (!) Langzeittherapie, sie sollen viel mehr unterstützen, Spitzen kappen, etc.
  • Klinikaufenthalt --> wenn du ganz tief in einer Krise stecken solltest, ggf. suizidal bist, etc., kann auch ein Klinikaufenthalt (stationär, teilstationär) helfen. Auch das solltest du mit Hausarzt, Psychotherapeut oder Psychiater abklären. Meine persönliche (!!!) Einschätzung ist aber, dass du das momentan noch nicht brauchst, sondern noch gut selber + ambulante Therapie wieder aus dem Zwangskreis herauskommen wirst.


Das klingt jetzt auf den ersten Blick und für jemand, der sich in der Materie nicht auskennt, nach viel, aber lass dir gesagt sein: Du bist erst relativ kurz erkrankt (im Schnitt sind die Menschen 7 - 10 Jahre zwangskrank bis sie Hilfe in Anspruch nehmen) und hast deshalb gute Chancen auf ein zwangsfreies Leben - unter Voraussetzung, dass du jetzt handelst und Hilfe in Anspruch nimmst.

Alles Gute, Kraft & Mut!

3

Mittwoch, 28. Januar 2015, 13:26

Danke für deine schnelle Antwort. So etwas ähnliches habe ich fast schon erwartet. Aber gibt es nicht noch andere Mittel und Wege die dem ganzen Entgegenwirken? Irgendwelche Übungen? Irgendwelche Gegengedanken?

Das soetwas keinen Profi ersetzt ist mir bewusst, aber das ganze wurde doch durch irgendwelche Gedanken ausgelöst...Kann man mit gewissen Gedanken das alles nicht beeinflussen?

Achja und falls der Text den Eindruck erwecken sollte: Suizidgedanken habe ich nicht. Die wird es auch nicht geben, dafür bin ich ein zu lebensfroher Mensch.Im Gegenteil...Ich habe schon früher immer gesagt, ich möchte mal der älteste Mensch der Welt werden. hehe ^^ Wenn garnichts hilft, dann würde ich das Autofahren einfach komplett aufgeben. Bei mir ist es ja glücklicherweise ein eher Banaler Grund, der mir diese Sorgen bereitet.

Wie aiehts denn mit Hypnose aus? Hilft sowas? Oder ist das ganze Humbug?
Und wie läuft denn so eine Therapie beim Experten ab?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »PiPaPaddy« (28. Januar 2015, 13:32)


4

Mittwoch, 28. Januar 2015, 14:47

Hallo!

Girasol hat das Ganze schon sehr gut beschrieben. Das sind echt die Schritte, die du tun solltest. Wenn du zu lange wartest, kann es gut sein, dass es chronisch wird. Du hast bestimmt gute Chancen, dass das bei dir nicht passiert.

Gegenübungen oder Gegengedanken sind immer so ne Sache. Die können auch schnell man in einen Teufelskreis führen, wenn du was falsch machst. So eine Selbsthilfe ist ne heikle Sache und sollte echt von nem Profi unterstützt werden. Ich kann dir nur sagen: Stell das Auto fahren NICHT ein! Damit lässt du die Angst nur über dich gewinnen. Und wenn du Auto fährst und der Gedanke kommt, du könntest etwas verursacht haben, versuche nicht, es nachzuprüfen. Geh nicht nochmal den Weg oder den Ablauf durch, fahr nicht zurück und schau nach oder dergleichen. Versuch, die Angst zu überwinden. Die spielt dir nämlich was vor und deine Wahrnehmung ist verzerrt. Dann fängst du an, dir irgendeinen Schrott zu konstruieren. Ich habe neulich etwas sehr interessantes von einer amerikanischen Therapeutin gelesen. Ich gebe das einfach mal in eigenen Worten wieder: Weil es etwas so schreckliches ist, wovor wir Angst haben, messen wir der Sache eine viel zu große Bedeutung bei und glauben, nur weil es ja ständig in unserem Kopf ist, muss doch was Wahres dran sein. Dabei treibt sich die Angst dadurch nur selbst an und hat selten etwas Reales. Außerdem kann der Kopf nur schlecht mit Ungewissheit leben und konstruiert sich eher etwas unwahrscheinliches zusammen, nur um eine Information zu haben.

Lass dich da nicht reinziehen und tu was dagegen. Das hier sind nur Tipps, um dir etwas Erleichterung zu verschaffen. Du solltest aber auf jeden Fall mit einem Arzt sprechen, damit das alles gut für dich ausgeht. Du wirst niemals 100 %ige Sicherheit haben, ob du nicht mal irgendwas falsch machst, aber das haben alle anderen Menschen dieser Welt auch nicht. 100 %ige Sicherheit gibt es nicht. Vertrau dir einfach, dass, sollte irgendwann mal etwas passieren (wovon ich ganz stark mal nich ausgehe), du es merken wirst und wissen wirst, was zu tun ist und bis dahin ist nun mal einfach nichts, wonach du suchen musst.

Alles Gute für dich!

Jyoti

5

Mittwoch, 28. Januar 2015, 15:25

Danke erstmal noch für beide Antworten.

zu dem Punkt der Kontrolle:

Genau da sehe ich auch einen großen Punkt, den es für mich zu überwinden gilt. Zu der Zeit als ich dachte ich wäre "Tod krank" bin ich immer und immer wieder ins Internet gegangen um mich eigentlich beruhigen zu können. Aber egal was man hat. Es läuft immer irgendwie auf Krebs raus, auch wenn es nur ein umgeknickter Fingernagel ist. Irgendwann war mir das zu blöd und ich hab damit aufgehört. Es ging zwar ein paar Monate, aber bis heute habe ich nie mehr solche Gedanken gehabt, wenn ich irgendwelche Probleme habe.

Bei dem Autoproblem sieht das ähnlich aus. Wenn ich der Meinung bin, dass etwaa passiert ist, bin ich immer bis zum nächsten Tag verunsichert. Dann schau ich in die Polizeimeldungen, sehe ok es ist natürlich wieder nichts passiert und dann sind die Sorgen wie verflogen bis zum nächsten Fall. Ich habe dann vor ein paar Wochen auch damit aufgehört und wie gesagt...Es wurde wirklich deutlich besser. Ich konnte wieder fahren ohne mich ständig über den Abstand zu allen Seiten zu vergewissern, ausparken ohne zu warten bis das Auto neben mir wegfährt, damit mehr Platz ist und auch Musik konnte ich wieder hören. Zwar deutlich leiser, aber immerhin.

Aber nach diesem Rückfall am Wochenende, schau ich da wieder rein. Ich werde aufjedenfall wieder damit aufhören, denn es hilft mir auf jedenfall.

Und weil es eben damals mit den Krankheiten und auch heute mit dem Auto geholfen hat, dachte ich, dass ich es auch so wieder aus eigener Kraft schaffen könnte. Das es diesmal schwerer wird und länger braucht, darüber bin ich mir bewusst. Aber ich dachte eben, dass es vielleicht doch noch weitere Möglichkeiten wie dieses "aufhören zu kontrollieren" gibt, die helfen.

Erstaunlicherweise hat mich allein das "Mitteilen" in diesem Forum schon wieder etwas ruhiger gemacht.

Ich werde eure Ratschläge allerdings zu Herzen nehmen.