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snowwhite

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Aktueller Therapie-Status: War erfolgreich in Therapie

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1

Freitag, 16. Januar 2015, 09:33

Was mir geholfen hat, meine Zwänge zu überwinden

Was mir geholfen hat, meine Zwänge zu überwinden

Hallo Ihr Lieben!

Ich habe im Alter von etwa 15 bis 18 Jahren unter Zwangsneurosen von variierender Stärke gelitten. Jetzt bin ich 21, und - zur Zeit damals hätte ich niemals erwartet, das jemals von mir sagen zu können! – in keiner Weise mehr von meiner Krankheit beeinflusst.
Ich hoffe, dass meine Erfahrungen anderen Betroffenen Mut machen, und ihnen helfen, das Gute in sich zu erkennen und nicht aufzugeben, auch wenn alles absolut hoffnungslos scheint.
Mich persönlich hat es immer sehr gerührt, von anderen Betroffenen zu lesen und sich einmal von Mensch zu Mensch, von jemandem, der tatsächlich dieselbe Erfahrung gemacht hat, verstanden zu fühlen, wenn der Rest der Welt das nicht tut, egal wie man sein Handeln erklärt.

Wenn man unter Zwangsneurosen leidet, weiß man, dass die rationalen, gut gemeinten Argumente der Mitmenschen, die einem die Handlungen ausreden wollen, nicht ankommen. In zahlreichen Gesprächen, hauptsächlich mit meinem Psychologen, aber auch Handlungssituationen, gab es bei mir jedoch einige „Aha-Momente“, Argumente, die tatsächlich zu mir durchgedrungen sind und die es geschafft haben, meine Sichtweise ein wenig zu ändern. Ich versuche, diese in diesem Post zu rekonstruieren und hoffe, dass diese vielleicht beim ein oder anderen auch ins Schwarze treffen, und etwas Erleichterung schaffen können.
Ich will kurz beschreiben, welche Formen der Krankheit sich bei mir in welchem Ausmaße geäußert haben. Am längsten hat sich wohl der Waschzwang gezogen, am tiefsten saß immer die Angst anderen Menschen Krankheiten oder giftige Stoffe unabsichtlich zu übertragen oder zu verabreichen, die im schlimmsten Fall zu deren Tod führten. Ich schätze, ich habe mir in etwa 50x täglich die Hände gewaschen, wenn ich sie zu einer Faust geballt habe, sind blutige Risse entstanden.
Auch unter Zwangsgedanken verschiedener Art habe ich gelitten, sie habe ich als besonders aggressiv empfunden. Denn kann man den Wasch- oder Kontrollzwang vielleicht für einige Minuten, in denen man z.B. still daliegt ohne etwas zu berühren, zumindest kurz vor sich herschieben. Aber man kann nicht aus seinem Kopf aussteigen, man ist gezwungen jeden Moment mit sich selbst auszuhalten, auch wenn man überzeugt davon ist ein grausamer Mensch zu sein.
Ich bin oftmals mitten auf dem Weg zu Terminen wieder nach Hause gefahren um den Herd oder das Glätteisen zu kontrollieren, nur um festzustellen, dass alles ausgeschaltet war. Schalter für elektrische Geräte legte ich mehrmals um, bis ich mich beim Ausschalten ausreichend konzentriert hatte und die Erinnerung festgehalten hatte, manchmal half es nur die abgestellten Geräte inklusive Schalter zu fotografieren.

Ich hoffe das klingt nicht, als wolle ich Mitleid. Ich will aber das Ausmaß der Krankheit beschreiben, um Euch zu zeigen, dass es, je aussichtslos (denn das trifft das Gefühl genau!) Euch eure Situation vorkommen mag, eine Chance auf Besserung gibt! Ich hätte nie gedacht, jemals wieder Türklinken, den Boden oder Socken (!) berühren zu können, ohne mir die Hände und Unterarme (zeitweise auch die Badarmatur) waschen zu müssen, doch heute tue ich es ohne Nachzudenken. Das ist natürlich kein Fortschritt, der in einer Woche zu erreichen ist, aber wenn ich das geschafft habe, könnt ihr das auch!

Das Ganze ist ja nun schon eine Weile her und die Erinnerungen nicht mehr ganz so frisch, und ich kann natürlich nicht garantieren, dass Euch diese Punkte genauso helfen wie mir – doch ich denke, sie sind mir mit besonderem Grund in Erinnerung geblieben.
Ich habe einfach versucht, so gut wie möglich das zusammenzufassen, wovon ich glaube, dass es mir am meisten geholfen hat.

1. Wärest du tatsächlich ein so schlechter Mensch, wären dir nicht gerade dann all diese Risiken egal? Und du würdest das, was du fürchtest zu tun, nicht dann erst recht tun?
Würdest Du diese hypothetischen Gedanken überhaupt als so furchtbar belastend und zerstörend empfinden, wenn du ein schlechter Mensch wärst? Wäre es dir dann nicht egal, dass du anderen schadest?
Ein Zwangsneurotiker ist meistens der allerletzte Mensch, der die Handlungen, Gedanken oder Vorstellungen, die ihn abschrecken, tatsächlich ausführen würde.
Mein Psychologe sagte mir einmal, einem Fremden würde er kein Messer in die Hand geben und sich mit geschlossenen Augen vor ihn stellen. Aber mir würde er da, trotz dieser Gedanken, zu 100% vertrauen. Es tut gut, jemand anderen zu haben, der an das Gute in einem glaubt, wenn man selbst daran zweifelt.
Außerdem hat mir hierzu der Vergleich zum Alltag in der Welt geholfen. Ich bin niemand der Menschen schwarz-weiß sieht, in gut oder schlecht einteilt, ich versuche, das Gute in Menschen zu sehen oder ihre schadenden Handlungen zumindest nachzuvollziehen, nicht zu rechtfertigen, aber wenigstens Ursachen dafür zu finden. Und doch muss man nur einen Blick in die Medien werfen: Vergewaltiger, Mörder, Entführer, Menschen, die sich betrügen für Geld ... der einfache Gedanke: „Schau dir die einmal an. Sind das nicht viel eher schlechte Menschen als du?“ kann schon helfen.

2. Man erwartet eine Disziplin von sich selbst, die man anderen niemals abverlangen würde.
Mein Therapeut fragte mich, ob meine Mitmenschen ähnliche Handlungen ausführten wie ich, und natürlich verneinte ich. Im Anschluss fragte er, ob ich sie dafür verurteile – das tat ich natürlich nicht. Da wurde ich stutzig. Das hilft natürlich nicht viel gegen das Problem an sich, aber ich fand es überraschend, zu erkennen, wie viel härter ich mit mir selbst ins Gericht ging als mit anderen.

3. Speziell zu Zwangsgedanken

Zwangsgedanken zerstören einen richtig, so ist das einfach. Man spürt es, wenn eine neue Idee, eine neue Angst was man wollen könnte – sexuell abnormes, blasphemisches, sadistisches - aufkommt. Warum ist das in meinem Kopf? Will ich das? Wenn nicht, warum muss ich dann pausenlos daran denken?
Ich weiß, dass es mit dieser einfachen Antwort nicht getan ist, denn dann wäre die Therapie um einiges einfacher, und doch hoffe ich, es hilft euch vielleicht: ich habe vor allem im Nachhinein mit vielen Menschen geredet, und siehe da: zahlreiche hatte schon einmal eine „abnorme“ Idee, hatte ein Bild vor sich, in dem er sich selbst oder geliebte Menschen verletzte, tötete oder mit den abwegigsten Personen den abwegigsten Sex hatte. Das ist normal, das Gehirn macht nun mal ab und zu solche Gedankenspiele, und der einzige Unterschied zwischen den „gesunden“ Menschen und Neurotikern ist, dass die „anderen“ diesen Gedanken als normal abstempeln.
Siehe 1. – ein Neurotiker ist meistens der letzte, der je eine der Handlungen, die er auszuführen fürchtet, tatsächlich ausführt.

4. Konfrontation als wirksamste Therapie (das bezieht sich vor allem auf meine Erfahrung mit Waschzwang)
Und ich weiß, wie hart dieser Satz klingt. Wann immer mein Psychologe den Vorschlag gemacht hat, habe ich abgelehnt. Und doch muss ich sagen: Es ist die wirksamste Therapie.
Bei mir kam es dazu, dass meine damalige Beziehung auch aufgrund der Zwänge in die Brüche ging. Das war der Moment, in dem ich wusste, ich muss mich entscheiden – mich der Angst stellen oder meinen Partner verlieren. Ich denke, mir ist in dem Moment klar geworden, dass es tatsächlich noch schlimmere Dinge gibt, als die Angst vor nichtausgeführten Zwangshandlungen. (Je mehr Konfrontationen man hinter sich bringt, desto klarer wird einem das auch.)
Ich weiß genau wie unglaublich das klingt, doch wenn ihr es schafft, eine Handlung bewusst zu unterlassen, entspricht die tatsächliche Panik nach einer kurzen Zeit nicht mehr den Erwartungen, es ist viel besser! Traut euch!
Ich denke nicht, dass man mit den schlimmsten Ängsten beginnen sollte und ich finde es auch okay, zunächst Vertraute um Rat zu bitten, sich sagt, dass ihnen auch nichts passiert ist und letztendlich das Risiko eingeht. Natürlich soll man irgendwann selbst die Verantwortung übernehmen, aber oft kann man sich auch ableiten „Person X hat im Fall Y bewusst so gehandelt. Ich weiß dass er/sie ein guter/verantwortungsvoller/verlässlicher Mensch ist. Dann kann/darf ich das jetzt auch, ohne mir Vorwürfe machen zu müssen.“
Ich weiß wie unglaublich anstrengend das ist, doch einige Zeit nach der nicht erledigten Handlung dämmert es einem, dass das Risiko tatsächlich unwahrscheinlich gering war und man es, ohne sich Vorwürfe machen zu müssen, eingehen darf. Und das Gefühl ist mehr wert als alles Geld der Welt!
Ich bin außerdem überzeugt, dass man sich an immer „schwierigere Projekte“ herantrauen kann. Das erste „Anfassen“ von zunächst „leicht konterminierten“ Gegenständen hat dann eine richtige Lawine ins Rollen gebracht. Man fühlt sich auf einmal unglaublich stark!
Ich schätze innerhalb eines Vierteljahres waren die „härtesten Angewohnheiten“ weg, und etwa nach einem ganzen Jahr habe ich kaum einen Gedanken mehr an die Zwänge verschwendet, bis auf ein paar Erinnerungen.

5. Therapie

Mir persönlich hat eine Gesprächstherapie tatsächlich sehr geholfen. Falls Ihr noch nicht in Behandlung seid, schreckt nicht davor zurück und schämt euch nicht. Kein Forum kann eine speziell ausgebildete Person ersetzen, die Eurer Geschichte unvoreingenommen begegnet und individuell auf Euch eingehen kann.
Allerdings habe ich zwischendurch den Psychologen gewechselt, mit der ersten hatte ich irgendwie keine Verbindung, aber der zweite hat mir tatsächlich eine ganz neue Sicht auf die Dinge ermöglicht.

snowwhite

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Aktueller Therapie-Status: War erfolgreich in Therapie

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2

Freitag, 16. Januar 2015, 09:34

So, das ist jetzt tatsächlich unfassbar lang geworden … so lange, dass es nicht in einen Post gepasst hat :D
Aber es muss ja nur lesen, wen es interessiert, und ich denke tatsächlich Betroffene stören sich nicht daran.
Ich weiß dass ich nicht wirklich für die sprechen kann, die seit Jahren oder sogar Jahrzehnten unter der Krankheit leiden, aber ich denke meine drei Jahre waren schon auch ein ganzes Stück Zeit, zumindest genug um zu verstehen, was es bedeutet unter Zwängen zu leiden.
Ich hoffe wirklich sehr, dass ich dem einen oder anderen Mut machen konnte.
Ich weiß dass ich damals nicht anders gesprochen hätte! Aber es tut einem wirklich in der Seele weh von so viel Hoffnungslosigkeit zu lesen, obwohl es zu schaffen ist.
Wie gesagt – ihr könnt das hinkriegen, und ihr gewinnt so viel an Lebensqualität, das ist den unglaublichen Kraftaufwand den es kostet, die Zwangshandlungen zu unterlassen wirklich wert.
Habt den Mut euch der Angst zu stellen! :*

Ihr könnt mir natürlich auch eine PN schreiben.
(Ich weiß allerdings nicht, wie schnell ich antworten kann, da ich bald Klausuren schreibe.)
Ganz viele liebe Grüße :)

Mic26

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Beiträge: 13

Zwangssymptome: Zwangsgedanken

Medikament / Dosis: Citalopram

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Im Büro *gähn*

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3

Freitag, 16. Januar 2015, 12:22

Hey,

ich sag mal Danke für den Beitrag sowas hilft immer find ich gut :thumbsup:

Sommerwiese

Schüler

Beiträge: 146

Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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4

Samstag, 17. Januar 2015, 21:00

Hallo Snowwhite!

Auch ich danke dir sehr für deinen tollen und ausführlichen Bericht.

Sowas macht wirklich Mut!:)

Schön,dass Du es geschafft hast! :thumbsup:

Liebe Grüße
Sommerwiese

girasol1991

unregistriert

5

Sonntag, 18. Januar 2015, 19:05

Hallo,

zunächst einmal ist es schön zu hören, dass es dir wieder gut geht :)

Hast du in der Zeit mal erlebt, dass wenn das Allerschlimmste weg war, was neues Allerschlimmstes sich entwickelt hat?


Grüße & danke :)

Jo

Anfänger

  • »Jo« ist männlich

Beiträge: 30

Zwangssymptome: Kontroll-; Gedanken

Medikament / Dosis: keine

Status: Betroffene/r

Wohnort: Hessen

Beruf: Techn. Angestellter

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6

Sonntag, 18. Januar 2015, 22:26

Vielen Dank für deinen Bericht!
Ich freue mich, dass du das geschafft hast, solche Beispiele sind sehr mutmachend und sehr wichtig! Ich finde es sehr schön von dir, dass du anderen Mut machst den Kampf nicht aufzugeben. Ich wünsche dir alles Gute!
Liebe Grüße
Jo
Macht zu haben, bedeutet nicht, Recht zu haben.

snowwhite

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Aktueller Therapie-Status: War erfolgreich in Therapie

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7

Dienstag, 20. Januar 2015, 22:04

Hallo,

zuerst mal danke für Eure lieben Wünsche. :)

An girasol1991:

Wie meinst du "etwas neues Allerschlimmstes"? In der Zeit, in der es allgemein präsenter war oder eher als es sich langsam gebessert hat?

Also ich kenne es natürlich, dass eine neue Idee (z.B. eine neue Vorstellung einer Übertragungskette) einen quasi zu noch viel übertriebenerem Konsequentsein zwingt, und man sich dafür verflucht, dass einem diese Idee überhaupt erst gekommen ist, da sie einen zu weiteren Zwangshandlungen zwingt. Und das das Ganze innerhalb von wenigen Sekunden noch viel anstrengender macht als vorher.

Als ich dann aber langsam aber sicher gemerkt habe, dass ich wieder alles besser im Griff habe, ging es eher bergauf. Wie gesagt, definitiv nicht von heute auf morgen, und sicher habe ich auch ein paar Mal den Zwängen nachgegeben, aber wie gesagt, ich glaube wenn man es einmal geschafft hat, Handlungen zu unterlassen (und die Zwangshandlungen nicht nur aufschiebt und später doch noch ausführt) schafft man immer größere Schritte. Die Selbstwirksamkeitsüberzeugung steigt einfach und das gibt Energie. Neue Ängste sind irgendwann nicht mehr dazugekommen, beziehungsweise konnte ich sie ab einem gewissen Zeitpunkt als Risiken, die moralisch vertretbar einzugehen sind, abtun ohne neue Zwangshandlungen entwickeln.

Was natürlich nicht heißt, dass man seine Chance vertan hat, wenn man mal einen Rückfall hatte! Ich denke man sollte stolz auf jeden kleinen Fortschritt sein, auch wenn man nicht von heute auf morgen alle Symptome von sich wirft.
Meintest du das? :)

An Jo:
Danke!
Hatte das schon seit Ewigkeiten mal vor, weil irgendwo hatte ich wohl auch einfach das Glück, dass mir die richtigen Menschen im richtigen Moment das Richtige gesagt haben, was dann tatsächlich mal bis zu mir durchgedrungen ist. Wie gesagt, ich hoffe einfach, beim ein oder anderen kann das auch etwas bewirken. Dir auch gute Besserung!

Liebe Grüße!

girasol1991

unregistriert

8

Dienstag, 20. Januar 2015, 22:24

Ich mach meins mal an einem konkreten Beispiel deutlich:

Hatte schlimme Zwangsgedanken die den Waschzwang getriggert haben rund um zwei bestimmte Namen (das war wirklich richtig schlimm) und dann habe ich das mit meiner Therapeutin in einer Exposition auch durchgemacht und es wurde wirklich besser. Dann aber kam nach einigen Wochen auf einmal ein neuer Name, der vorher schon manchmal problematisch war, aber bei weitem nicht so sehr wie die beiden, die ich in der Expo hatte, und dann wurde der Name so schlimm wie die, die ich gerade konfrontiert hatte. Die zwei Namen sind inzwischen echt kein Ding, der andere ist aber jetzt so schlimm wie die anderen beiden zuvor. Jetzt frage ich mich, weil ich das Gefühl habe, dass es bei vielen Sachen so ist, wofür soll ich dann überhaupt noch Expos machen, wenn A durch B ersetzt wird? Dann kann ich ja auch bei A bleiben, oder?

Heartsease

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Zwangssymptome: Angst anderen zu schaden,Wasch- und Kontrollzwänge

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Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

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9

Mittwoch, 21. Januar 2015, 11:05

Hallo Girasol,

wenn ich dein Beispiel richtig verstanden habe, dann ist es doch eigentlich immer wieder der selbe Zwang. Hast du über den Zeitraum der Therapie keine Unterschiede in der Intensität oder darin, wie schnell man den Zwang wieder los wird, feststellen können? Es dauert ja manchmal so seine Zeit bis das ganze Früchte trägt.

Ich glaube sinnvoll ist es auch, sich in der Tiefe mit der Angst und allen Nebenängsten auseinanderzu setzen. Ein Beispiel von mir: Ich habe die Angst anderen zu schaden, die sich in verschiedenen Zwängen zeigt (Grübeln darüber, in allen möglichen Situationen vielleicht etwas falsches getan zu haben, Kontrollzwänge, Waschzwänge aus Angst andere anzustecken). Durch irgendetwas wird also der Waschzwang aktiviert (z. B. eine Infektion ist im Umlauf und ich bin zu einer Party eingeladen). Dann ist da die augenscheinliche Angst "Oh Gott, was wenn ich mich infiziert habe und nun alle Partygäste anstecke", tiefersitzend: " Jemand könnte sich bei mir anstecken und ernsthaft zu Schaden kommen", noch tiefer:"Ich bin ein schlechter Mensch, wenn ich das Risiko eingehe", noch viel tiefer: "Ich habe keine Existenzberechtigung wenn ich ein schlechter Mensch bin", Nebenangst:" Ich könnte alles um mich herum verseuchen und mich nie wieder wohlfühlen". In der Beschäftigung mit der Grundangst könnte ich mir vorstellen, dass auch eine tiefenpsychologische Therapie (dies nicht als allgemeiner Tipp, sondern wegen deines anderen Threads) auch einen Beitrag leisten kann.

Gruß,
Heartsease

girasol1991

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10

Mittwoch, 21. Januar 2015, 11:34

Das Prinzip meines Zwanges ist immer dasselbe, es verändert sich 'lediglich' der Inhalt.
Unterschiede bezüglich der Intensität des Zwanges und all dem, was damit verbunden ist, spüre ich auch. Häufig sind äußere Faktoren (Stress in Uni, Familie, Freundschaft, Partnerschaft, Haushalt, finanziellen Angelegenheiten), selten auch innere Aspekte (Depressionen, die aber auch durch außen bedingt sind) auslösend bzw. zwangsverschlimmernd. Es gibt - so ist das Leben - gute und weniger gute Tage. Diesen Zwangsgedanken und die damit verbundene Waschhandlung habe ich nun seit geraumer Zeit (6 - 9 Monate würde ich schätzen) und innerhalb dieses einen Zwanges erlebe ich auch gute und weniger gute Tage, die Grundproblematik bleibt jedoch bestehen.


Anders als viele Waschzwängler habe ich keinerlei Probleme mit potentiellen Viren, etc. - ich zähle da auch eher zu den unempfindlicheren Menschen. Ich habe somit keine Angst irgendjemanden anzustecken, Schaden zu verursachen, ein schlechter Mensch zu sein, etc. Mein Zwang ist vielmehr auf einer rein emotionalen und kognitiven Ebene angesiedelt (Erinnerungen, Gefühle, Gedanken, etc.) - so ist ein Mensch, der mir absolut unsympathisch ist, für gewöhnlich auch dreckig.
In der Therapie haben wir herausgearbeitet, dass mein Zwang
- Kontrolle bedeutet, die ich im Leben zwischenzeitlich verloren habe. Entwickelt hat sich der Zwang mitsamt der Depressionen nach dem Tod meiner Oma. Tod bedeutet zwangsläufig (haha) Kontrollverlust und man stellt sich Aspekten des Lebens auf die der Mensch keinen Einfluss hat. Indem ich wasche, etc. kann ich kontrollieren was sauber, was dreckig ist, etc. - ich behalte also über einen, wenn auch absurden und abstrakten sowie ungesunden, Weg Kontrolle in meinem Leben. Der Zwang ist eine Stütze, gibt mir Halt.
- ein Ventil für meine Gefühle, die ich anderweitig nicht zeigen kann bzw. nicht adäquat zum Ausdruck bringen kann, da nie richtig erlernt. Wir haben diesbezüglich auch bereits trainiert wie gehe ich mit anderen Menschen um, wenn ich diese nicht mag, sie mich herabwürdigend behandeln und das Wut, etc. in mir auslöst, und und und...

so, ich hoffe das ist verständlich. tut mir leid :(

Heartsease

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Zwangssymptome: Angst anderen zu schaden,Wasch- und Kontrollzwänge

Medikament / Dosis: 60 mg Fluoxetin

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

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11

Mittwoch, 21. Januar 2015, 22:10

Hallo Girasol,

da braucht dir doch nichts leid zu tun... Aber die Beispiele machen es für mich deutlicher. Den Rest schreibe ich jetzt im anderen Thread. Das ist zu verwirrend immer hin und her zu wechseln. :)

Gruß,
Heartsease