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1

Dienstag, 17. Juni 2014, 11:37

Umgang mit kontaminierten Gegenständen wegschmeissen putzen usw.

Liebe Forumsmitglieder
Wie geht Ihr mit "kontaminierten" Gegenständen um?
Einerseits nutze ich expos, um Bereiche zurueckzuerobern, andererseits habe ich einfache Zwangs-Reinigungsrituale entwickelt, die aber trotzdem noch soviel Kraft erfordern, dass ich darauf kaum Lust hab. Manches erscheint mir kaum je bewaeltigbar, z. B. Buecher, ich verkaufe oder verschenke viel und schmeisse wenig weg, ganz unkontaminiert wirds ja eh nie. Leider hat Verschenken meine Zwaenge schonmal extrem verschlimmert!! :alarm:
Ich hab wie bessessen alles gelesen uber Aussortieren usw: Oft will ich alles nur weggeben (wie messi...nur umgekehrt), da ich gerade zu einigen Erinnerungsstuecken ein extrem gespaltenes Verhaeltnis habe.
Weder weggeben noch aufheben erscheibt mir eine Loesung, sie traumatisieren mich allerdings fast schon inklusive Zwangsgedanken....aufschieben ist nach 10 Jahren Dauerthema und viel Therapie auch irgendwann keine Loesung mehr..
Behalten, teilweise behalten, aufschieben oder alles weg - wie haltets Ihr es so? Bin dankbar fuer alle Tipps!!
Gruss
Nick
PS: mir ist schon klar, dass es der Zwang ist, aber ich muss fuer mich
Eine lebbare Lösung finden...

Sommerwiese

Schüler

Beiträge: 146

Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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2

Dienstag, 17. Juni 2014, 13:09

Hallo Nick,
Ich muss ein wenig nachfragen:
geht es dir bei den kontaminierten Gegenständen darum, dass sie dich an traumatisches Material erinnern?
Und wenn du sie reinigst, willst du dabei Keime oder kleinste Partikel entfernen, weil bestimmte Menschen sie angefasst haben?

Ich verfahre bei reinen Erinnerungsgegenständen (z.B.Papier) ohne Gebrauchswert so,dass ich vor dem wegwerfen/ weggeben Fotos davon mache. Sachen,die zu reinigen sind, wasche oder desinfiziere ich.

Wenn das nicht geht,z.b. bei Büchern, so benutze ich diese nur in eh schon “ unreiner Umgebung“, aber nicht bei mir zuhause.

Sommerwiese

girasol1991

unregistriert

3

Dienstag, 17. Juni 2014, 19:19

Hey,

also in meinen Augen hast du im Endeffekt zwei Fragen gestellt. Ich beantworte diese mal so, wie ich sie verstanden habe, ok?

1.) Wie gehe ich mt kontaminierten Gegenständen um?
Bei mir variiert das je nach 'Kontaminationsgrad' und Wichtigkeit des Gegenstandes. Hier mal einige Beispiele zur Erklärung:
- unwichtige Sachen werfe ich weg, zum Beispiel Briefe von Krankenkasse etc., die keine (für mich) wichtigen Sachen enthalten. Falls ich noch einen Anruf in dem Zusammenhang des Briefes tätigen muss, mach ich es wie Sommerwiese und fotografiere oder scanne den Brief (in der Uni ist das scannen mit dem kontaminierten Papier kein Stress, da es sich nicht um meinen Scanner handelt und das Papier ja eh kontaminiert ist)
- mittelwichtige Sachen, die ich nicht wegwerfen kann, wie z.B. ein Rezept, dass wasche ich (ich lasse Wasser ins Becken und tauche das Papier unter, lege es danach dann glatt zum Trocknen hin, sieht danach zwar etwas schäbig aus, aber mir ist das egal, so kann ich es wenigstens nutzen) --> ist jedoch nur möglich, weil es sich bei mir nicht um reale Keime/Bakterien, etc. handelt, sondern um den emotionalen, unsichtbaren Dreck
- wichtige Sachen, die ich nicht wegwerfen oder waschen kann, die packe ich in Klarsichtsfolien (damit nichts anderes kontaminiert werden kann).
- alle Sachen, die man abwischen oder waschen kann, wasche ich bzw. wische sie ab. Wenn ich jedoch schlechte Tage habe, dann liegen die Sachen in einer gesonderten Ecke und irgendwnan packt mich dann so ein Wahn und ich bringe einmal Grund rein
- Bücher sind etwas seeehr umständliches zum Säubern, habe ich leider über die Jahre feststellen müssen, weshalb ich lange nicht gelesen habe oder nur an Orten die dreckig werden durften - habe mir daher einen Kindle zugelegt, den kann ich mit einem Desinfektionstuch, oder auch feuchtem Tuch, bei Bedarf abwischen. Die Problematik, dass man die Seiten nicht abwischen kann oder, wenn man in einer Buchhandlung die Bücher kauft, jemand schon durchgeblättert hat und so, besteht somit nicht.

Das ist das, was mir aktuell zu dieser Frage einfällt. Es ist noch viel, viel mehr, aber vieles ist so Routine, dass ich es gar nicht mehr bemerke.

2.) Wie gehe ich mit kontaminierten Gegenständen um, die kontaminiert sind aufgrund des Zusammenhanges mit Erinnerungen/Trauma?
- als ich in Hamburg gewohnt habe, war alles für mich so kontaminiert - vor allem aufgrund der Erinnerungen gesamten negativen Gefühle, die ich damit verbinde - dass ich bis auf vllt ein paar Unterhosen, mein Handy und ein oder zwei andere Kleidungsstücke, alles (!) weggegeben habe bzw. meine Eltern haben das alles geregelt. Ich habe im Endeffekt alles, was ich für die Wohnung damals neu gekauft habe (circa 4000€ mit Elektrogeräten eingerechnet), weggegeben.
- inzwischen, da es immer wieder Gegenstände gibt, die aufgrund der Erinnerungen an damals kontaminiert sind, habe ich gelernt, dass zu akzeptieren (z.B. Zeitschriften, Möbelstücke, Namen die mich an damals erinnern). Wenn es schwierig wird und ich am liebsten waschen würde, sage ich mir dann immer wieder, dass es nur in meinen Gedanken und alles in Ordnung ist.

Ich fürchte, es gibt kein richtig oder falsch...ich kann dir sagen, dass ich im Nachhinein manchmal bereute vor vier Jahren alles weggeschmissen zu haben. vielleicht wäre es gut, wenn man einen teil behält und einen teil weggibt. ich weiß nicht, was für ein trauma du erlebt hast - ich erlebe aufgrund meiner Erfahrungen manchmal so viel Wut, dass ich mir wünsche noch etwas zu haben, was mich an damals so richtig intensiv erinnert, weil ich dann sagen könnte, ich habe den zwang nicht gewinnen lassen, ich habe vor allem die dämonen in meinem kopf, diese dämlichen menschen von damals, nicht gewinnen lassen. aber wenn die gegenstände dich an zutiefst traurige dinge erinnern, dann wäre weggeben wohl das richtige. letztendlich wirst du es wohl nur durch ausprobieren erfahren, versuchen zu schauen womit du dich am wohlsten fühlst vielleicht...

hoffe, ich konnte vllt ein wenig helfen...

4

Dienstag, 17. Juni 2014, 22:14

Hallo!
Danke für Eure Antworten! 
Ja, es waren eigentlich zwei Fragen, einerseits um die Reinigung von Partikeln und Kosmetik(die die Partikel festklebt) und andererseits um die Erinnerungsstuecke die mich an schwierige Phasen mit doofen Gefühlen erinnern.
@ Girasol: Wie konntest Du denn Deine Eltern dazu bringen Dir so zu helfen?? Meine drehen schon immer durch, wenn ich Erinnerungsstuecke oder etwas Brauchbares wegschmeisse oder zu billg verkaufe.

Früher habe ich immer vorm Duschen geputzt, dass schaffe ich im Moment nicht mehr. Im Moment spruehe ich vieles mit Wasser ab, ist einfacher als wischen......aber bei den schwierigen Gegenstaenden traue ich mich das einfach noch nicht. Ich spruehe mich danach mit Wasser ab statt zu duschen und das ist das Problem, das ich Angst hab, das es bei extremen Kontaminationen nicht genug wirkt, bei den Gegenstaenden selbst klappt es schon!
Vielleicht hilft Euch das Wasser sprühen auch, statt Rezept baden oder Klarsichthuellen zu benutzen??
Wobei ich jedem Betroffenem wuensche irgendwann doch mit expos klarzukommen, statt mit dem Zwangsputzen.
Gruss Nick

girasol1991

unregistriert

5

Mittwoch, 18. Juni 2014, 09:20

Gute Frage... ich habe meinen eltern mal versucht klar zu machen, was es bedeuten würde, wenn der 'dreck' von hamburg bei mir wäre...ich war damals so verzweifelt und hatte das gefühl, dass wenn all das bei mir wäre, dann müsste ich mich umbringen. dann hätte meinen leben keinen sinn mehr.
im nachhinein muss ich sagen, dass es eignetlich echt mies war meinen eltern das zu sagen, aber ich wusste damals einfach nicht weiter.

mmh alles sehr verkorkst. eine zeitlang konnte ich auch nur putzen, wenn ich direkt danach duschen konnte. inzwischen geht das glücklicherweise, wobei ich dennoch eher selten putze weils immer noch ein anstrengender akt ist.

hast du mal versucht die ganz schlimmen gegenstände abzusprühen und dann nur dich abzubrausen? vielleicht ist die angst davor viel größer als der akt an sich. notfalls könntest du doch dann noch richtig duschen oder? ist zwar zwangsbezogen nicht sinnvoll aber darum solls hier ja grad nicht gehen.

6

Donnerstag, 19. Juni 2014, 23:32

Danke noch fuer den Tipp, im Moment gehts
Mir nicht gut und ich muss das wohl erstmal aufschieben...
Gruss
Nick