Sie sind nicht angemeldet.

Zwangsgedanken: Unflexible Arbeitgeber

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Zwangserkrankungen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Shark

Anfänger

  • »Shark« ist männlich
  • »Shark« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 9

Zwangssymptome: Kontrolle beim Autofahren, beim Arbeiten im Lager, beim Reden mit Leuten, Spazierengehen, Fahrradfahren

Medikament / Dosis: Cipralex

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Lagerarbeiter

Hobbys: Musizieren

  • Nachricht senden

1

Mittwoch, 18. September 2013, 15:50

Unflexible Arbeitgeber

Ich kann mich über meinen jetzigen Arbeitergeber nur noch aufregen. Es ist wahnsinn zu sehen wie unflexibel sich ein großes Unternehmen anstellen kann. Ich bin Lagerarbeiter und habe ein Studium absolviert. Während dem Studium haben diverse Zwänge angefangen (siehe Profil). Nach meinem Studium bekam ich die Möglichkeit im Büro zu arbeiten, was jedoch nicht funktioniert hat. Daraufhin kam ich wieder ins Lager zurück. Die ganze Sache wurde dort aber noch schlimmer.

Inzwischen habe ich einen Klinikaufenhalt und eine Reha hinter mir. Meine Therapeuten halten es, genau wie ich, nicht mehr für möglich, dass ich im Lager arbeiten kann. Das bedeutet ich müsste eine Bürotätigkeit ausüben. Hier stellt sich jedoch mein Arbeitgeber quer.

Ich habe ihm angeboten, dass ich auch für deutlich weniger Geld arbeiten würde. Hauptsache ich bekomme etwas, dass ich machen kann ohne ständig mit meinen Ängsten konfrontiert zu werden. Leider entspricht dies nicht dem Prozessvorgaben, bekam ich als Antwort. Ich habe es inzwischen so satt. Vermutlich wollen die mich los haben und warten ab, bis ich ausgesteuert werde oder selbst kündige. Naja das hab ich davon, dass ich mir vor der Krankheit den Arsch aufgerissen habe.

Ich bewerbe mich inzwischen extern und hoffe, dass ich was vernünftiges finde. Naja das wollte ich mal loswerden. Welche Erfahrungen habt ihr so gemacht?

Quovadis

unregistriert

2

Donnerstag, 19. September 2013, 14:38

Zitat

Meine Therapeuten halten es, genau wie ich, nicht mehr für möglich, dass ich im Lager arbeiten kann.
Warum?

Zitat

Hauptsache ich bekomme etwas, dass ich machen kann ohne ständig mit meinen Ängsten konfrontiert zu werden.
Es ist eigentlich ziemlich gut mit seinen Ängsten konfrontiert zu werden!

Ich will Dir jetzt keine Angst machen, aber zumindest bei mir war es immer so, dass Vermeidung von Ängsten die Ängste immer weiter wachsen lassen und sie sich oftmals auf andere Gebiete ausweitet. Wenn Du dich hier umsiehst gibt es zB auch hier im Forum Menschen mit Problemen bei Büroarbeit aufgrund von Kontrollzwängen.



Zitat

Welche Erfahrungen habt ihr so gemacht?
Arbeit hat mir in schweren Zeit meist sehr geholfen und mein Leben "stabilisiert". Man bleibt in Kontakt mit Menschen und ist gezwungen sich mit angstauslösenden Situationen / Reizen zu konfrontieren.

Anerkennung für Leistung ist ein entscheidender Stützpfeiler für das Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen.





Was hast du denn studiert? Warum arbeitest du im Lager als Akademiker?

Hängen deine Zwänge eventuell mit Unterforderung zusammen?

girasol1991

unregistriert

3

Donnerstag, 19. September 2013, 15:05

Zitat


Meine Therapeuten halten es, genau wie ich, nicht mehr für möglich, dass ich im Lager arbeiten kann.
Warum?

Zitat

Das würde mich auch interessieren,...

Hauptsache ich bekomme etwas, dass ich machen kann ohne ständig mit meinen Ängsten konfrontiert zu werden.
Es ist eigentlich ziemlich gut mit seinen Ängsten konfrontiert zu werden!

Ich will Dir jetzt keine Angst machen, aber zumindest bei mir war es immer so, dass Vermeidung von Ängsten die Ängste immer weiter wachsen lassen und sie sich oftmals auf andere Gebiete ausweitet. Wenn Du dich hier umsiehst gibt es zB auch hier im Forum Menschen mit Problemen bei Büroarbeit aufgrund von Kontrollzwängen.

Zitat

...denn das würde wahrscheinlich passieren - also, dass du dann auf anderen Gebieten Zwänge entwickelst. Hab ich so erlebt und ich glaube, das geht vielen so.
Ich habe erst neulich eine vergleichbare Erfahrung gemacht. Ich habe neben meinem Studium nun einen Nebenjob angefangen und da waren von Anfang an Ängste dar bezogen auf meinen Zwang und die sind nicht besser geworden, dennoch gehe ich da regelmäßig hin, auch wenn ich am überlegen war, ob ich nicht vllt einfach wieder kündige. Aber dann laufe ich ja weg vor meinen Ängsten und das wäre doof. Denn beim nächsten Job hätte ich genau dasselbe Problem (hatte ich bisher früher oder später immer).

girasol1991

unregistriert

4

Donnerstag, 19. September 2013, 15:06

hoffe man steigt durch meinen Post und die Zitate, das ist irgendwie momentan so doof beim Zitieren hier bei mir. Tut mir leid!

Quovadis

unregistriert

5

Freitag, 20. September 2013, 13:40

Nein, da ist keine Aussage, oder Sinn mehr zu erkennen.

Zudem zitierst du mich falsch und schiebst mir Text unter, den ich nicht geschrieben habe.

girasol1991

unregistriert

6

Samstag, 21. September 2013, 14:01

das wird alles anders angezeigt als gewollt...an sich wollte ich quovadis zitieren mit den zitaten von shark dadrin...war jetzt keine böse absicht, wir sind hier aber ja auch keine wissenschaftler und wer sich quovadis beitrag durchliest, der merkt auch, dass beim zitieren bei mir die funktionen nicht funktioniert haben. also schiebe ich hier niemandem was unter...nun denn

meine aussage war zusammengefasst folgende:
mich würde ebenso wie quovadis interessieren, weshalb sharks therapeuten meinen die arbeit im lager würde nicht mehr gehen, denn ähnlich wie quovadis bin ich der meinung, dass es in den meisten fällen nicht besser wird durch einen 'arbeitswechsel' und der zwang sich dann für gewöhnlich eben andere wege sucht und auch bei einer bürotätigkeit durchkommen würde. war bei mir und bei anderen menschen, die ich kennengelernt habe und die zwänge haben, ebenso. das ist jetzt nicht entmutigend gemeint, aber man sollte sich dessen bewusst sein. wenn einem die arbeit nicht zusagt und man an sich lieber was anderes tun würde, dann ist ein wechsel aber denke ich in ordnung. man muss das aber differenzieren und reflektieren. und ein arbeits(ort)wechsel heißt nicht, dass es dann besser wird...

gardener

Anfänger

  • »gardener« ist männlich

Beiträge: 13

Zwangssymptome: Waschzwang

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: NRW

  • Nachricht senden

7

Mittwoch, 25. September 2013, 18:46

Hi shark,

meine Erfahrungen mit dem Arbeitgeber und meiner Krankheit sind ebenfalls eher mau.

Ich habe meine Krankheit über 10 Jahre im Betrieb verheimlicht und kam damit über lange Strecken relativ (!) gut klar. Als es vor einiger Zeit schwieriger wurde, habe ich mich "teilgeoutet", also bestimmten Personen (direkter Vorgesetzter, Betriebsrat) mein Leid geklagt.

Im wesentlichen musste ich zwei Sachen feststellen:

Als psychisch Kranker hast Du im Vergleich zu körperlich behinderten, was das Entgegenkommen und das Verständnis anbelangt, die Arschkarte. Da die Auswirkungen einer körperlichen Behinderung auf die Arbeitsfähigkeit und mögliche Unterstützungsmaßnahmen seiten des Arbeitgebers offensichtlicher sind, fällt es zumindest MEINEM Arbeitgeber schwer, mich angemessen zu unterstützen.

In meinem Fall ist es allerdings nicht so, daß gewünschte Erleichterungen vollkommen verweigert werden, allerdings quälen sich Vorgesetzte und Personalbteilung ziemlich damit ab, so weit, daß ich den Eindruck hab, daß die spärlich installierten Hilfsangebote mir nicht wirklich weiter helfen.

Die zweite Sache ist das fehlende Verständnis und Einfühlungsvermögen: fühlt sich eher immer wie vorgespielt oder aus reinem Pflichtbewußtsein geboren an: daß ein Vorgesetzter, Kollegen (die aber nur vom Hörensagen eingeweiht sind) oder der Betriebsrat wirklich großes Verständnis für meine Problematik aufbringen ist nicht wirklich zu erkennen. Das ist eng verzahnt mit dem erstgenannten Punkt: alle Maßnahmen zu meiner Unterstützung sind halbherzig und ich fühle mich immer wie ein Bittsteller, wenn ich um irgendeine Maßnahme bitte, die mir die Arbeit erleichtern soll. Obwohl meine Einstellung dahin geht, daß man genau genommen eine Behinderung hat (eine psychische Erkrankung kann man auch als Schwerbehinderung anerkennen lassen), auf die Rücksicht genommen werden sollte.

Aber im Gegenteil, teilweise war der Umgang mit mir eher als frei von Empathie, teilweise sogar als rüde zu bezeichnen (o.k., das ist sicher zum Teil auf den generellen Ellbogen-Boom in der deutschen Wirtschaft zurückzuführen).

Wenn Dein Arbeitgeber sich in Deinem Fall allerdings so quer stellt, daß er Dich nicht einmal eine Deinem handicap angemessene Arbeit verrichten lässt, solltest Du tatsächlich einen Wechsel anstreben.

Wie hier schon geschrieben wurde, kann der Zwang sich auch bei einer anders gelagerten Tätigkeit einen Weg suchen, daß MUSS aber nicht eintreten und selbst wenn, so kann Dir ein Wechsel in eine andere Umgebung möglicherweise ein paar Jahre Luft verschaffen in dem Sinne, daß Dir die neue Arbeit zunächst einmal leichter fällt.

Gruß


Der Gärtner
Am Morgen Deines Lebens macht alles einen Sinn, doch schon am Mittag
spürst Du: die Schönheit ist dahin (Thunderbolt (Clint Eastwood) in "Den
Letzten beißen die Hunde")

Shark

Anfänger

  • »Shark« ist männlich
  • »Shark« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 9

Zwangssymptome: Kontrolle beim Autofahren, beim Arbeiten im Lager, beim Reden mit Leuten, Spazierengehen, Fahrradfahren

Medikament / Dosis: Cipralex

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Lagerarbeiter

Hobbys: Musizieren

  • Nachricht senden

8

Freitag, 27. September 2013, 01:55

danke für die antworten.

1. Ich weiß es ist sinnvoll mit seinen Ängsten konfrontiert zu werden. Man macht ja nicht umsonst Expositionen. Das Problem ist jedoch, dass diese Ängste bei mir mit konkreten Erfahrungen hinterlegt sind. Und ich müsste 8 h am Tag eine Dauerexpo machen. Dies habe ich bereits versucht und es hat nicht funktioniert.

2. Ich habe die Wahl zwischen Pest und Cholera. Bleibe ich bei meinem jetzigen Arbeitergeber, habe ich zwar einen guten Verdienst und ne Soziale Absicherung, bleibe aber im Lager stecken bei einer Tätigkeit die mir aufgrund meiner Zwänge total missfällt.

Wechsle ich, ist die Frage ob es dort dann klappt. Ausserdem ist es nicht einfach etwas zu finden, wie ich inzwischen feststellen musste. Ich habe 30 Bewerbungen verschickt. 3 Leiharbeitsfirmen haben sich gemeldet, der Rest nur Absagen. Auch frustrierend.

3. Ich heule meinen verpassten Chancen hinterher. Ich hätte ins Ausland gehen können, und eine Tätigkeit wahrnehmen können die womöglich funktioniert hätte trotz der Zwänge. Ich traute mich aber damals nicht diese einmalige Chance zu nutzen, da ich hätte kündigen müssen und nur einen lokalen Vertrag bekommen hätte. Heute könnte ich mich in den Hintern beißen dafür. Wenn es nicht funktioniert hätte, stände ich genauso da wie jetzt. Aber ich hätte es wenigstens versucht.

Es ist zum Kotzen!!!

Schussel

Anfänger

  • »Schussel« ist männlich

Beiträge: 54

Zwangssymptome: Magisches Denken, grübel Zwang, Waschzwang

Medikament / Dosis: Sertralin 200mg

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Hobbys: Basketball, Fitness, Musik

  • Nachricht senden

9

Freitag, 27. September 2013, 07:21

Hallo Shark!

Bei mir ist es auch so, dass meine Ängste nicht ausschließlich in bestimmten Situationen auftreten. Die Arbeit kommt mir auch so vor wie eine Dauerexposition von 8 h. Ich hoffe allerdings es zu schaffen.
Ich habe bereits meinen Arbeitsplatz gewechselt.
Ich habe als Krankenpfleger auf einer Intensivstation gearbeitet und da war es sehr schwierig abzugrenzen, was ist Zwang und was normal (Waschzwang). Ich hab lange versuch es dort auszuhalten, weil ich vor meiner Erkrankung sehr viel Spaß an meiner Arbeit hatte.

Ich sitze nun in einem Büro und bearbeite Akten. Ich habe also deutlich weniger Verantwortung als vorher, bin keinen Infektiösen Erkrankungen ausgesetzt und habe geregelte Arbeitszeiten.
Für einen sehr begrenzten Zeitraum ging es mir besser (3-4 Monate schätze ich). Jetzt ist es aber fast noch schlimmer als vorher.

Ich leide unter Zwangsgedanken und magischem Denken und schaffe meine eigentliche Arbeit kaum noch.
Deshalb glaube ich, dass nicht der Job der Auslöser oder das Problem ist. Ich denke auch, dass man eher dem Zwang noch mehr Macht gibt, wenn man ihm ausweicht.

Ich wünsche dir alles Gute.

Schussel

Shark

Anfänger

  • »Shark« ist männlich
  • »Shark« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 9

Zwangssymptome: Kontrolle beim Autofahren, beim Arbeiten im Lager, beim Reden mit Leuten, Spazierengehen, Fahrradfahren

Medikament / Dosis: Cipralex

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Lagerarbeiter

Hobbys: Musizieren

  • Nachricht senden

10

Sonntag, 29. September 2013, 11:27

Ich finde es gut, dass dein Arbeitgeber das überhaupt mitmacht. Ich hätte diese Möglichkeiten gerne. Aber als Arbeiter darfste nicht ins Büro. Ist ausserhalb der Prozesse.

Es kann natürlich sein, dass es mir genauso ergeht. Dass nach 3 bis 4 Monaten das Theater an anderer Stelle weitergeht. Aber die Befürchtung habe ich für Tätigkeiten im Büro nicht.