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  • »derausgelaugte« ist männlich
  • »derausgelaugte« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4

Status: Angehörige/r

Wohnort: Münsterland

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1

Montag, 17. Juni 2013, 22:18

Meine Frau hat Waschzwang und Kontrollzwang. Gemeinsam haben wir Streit

(dieser Bericht ist in Form einer E-Mail an einen
Guten Freund Geschrieben)




hallo liebes Forum,



ich hoffe, bei dir ist alles in Ordnung und du hast
viel spaß mit deinen neuen und alten freunden in deiner dir so vertrauten
Umgebung.




bei uns ist auch alles in Ordnung wir haben immer
sehr viel spaß in unserem neun haus fühlen wir uns sehr wohl und es fehlt uns an
nichts. wir lieben uns nach 4 Jahren ehe und 8 Jahren Beziehung mit jedem tag
ein wenig mehr und wenn es doch einmal kracht besprechen wir unsere Probleme wie
erwachsene Menschen, ohne groll, Verständnislosigkeit oder Jähzorn.


Auch unserem 4 jährigen Sohn L. geht es prima, er
hat im Kita sehr gut Anschluß gefunden und genießt es im Dreck zu matschen ohne
dass er von irgendwem gemaßregelt wird.




leider muss ich dir sagen liebes Forum sind dies
doch nur Allgemeinplätze, die unseren Mittmenschen ( Familie, freunden,
Kollegen, Nachbarn, bekannten ) eine scheinbar heile Welt
vorgaukeln.




in unseren Familien liegt vieles im argen, und dass
ist sicher auch der Grund warum F. diesem schlimmen Waschzwang und den noch viel
schlimmeren kontrollzwang entwickelt hat.




alles fing toll an, sicher erinnerst du dich noch
liebes Forum, es war der sommer ´05 und es war Wahnsinn.... Endlich Die eine
Gefunden, Du warst oft sehr sauer, dass ich dich einfach links liegen gelassen
habe aber die liebe ist ein starkes band, dass so schnell niemand
trennt.




Lange waren wir zusammen und es war perfekt, auch
du hast mir gesagt: "Die F. ist eine tolle Frau, pass auf dass sie dir nicht
wegrennt."




Sicher ich hab aufgepasst, bis 2007, du erinnerst
dich sicher noch im abstand von 3 Monaten Oma und Mutter von F starben. Ich weiß
es noch wie gestern: Sie war am Boden zerschlagen aber bis auf ein paar
Aussetzern hatte F. sich schnell wieder unter Kontrolle. Manchmal fing sie ohne
Grund einfach an zu heulen doch das verging schnell.




Leider sind die schlimmen Sachen ehr schleichend
gekommen. Zum Beispiel nach der Arbeit: Freitags Mittags:




Wir konnten uns nicht in ruhe hinsetzten, nein Tür
auf, f. zurück von der Arbeit saugen, wischen, staubwischen einkaufenbad putzen,
Wäsche abends Tod ins Bett. sicher jetzt erwiderst du natürlich:" ist doch alles
normal. das ist halt so" aber ich kann dir sagen "Nein"




Wenn zwischendurch die Hände gewaschen werden und
das mehrmals hinter einander dann ist es nicht mehr normal und wenn man im weg
steht oder irgendwas sagt und dann regelrecht angegiftet wird ist es nicht
normal.




Aber F. versicherte mir: Alles wird gut, ich
brauche niemanden, der mir hilft, ich bin verspannt von der Arbeit.... komm hilf
mir mal hier beim Bett..... ja genau so..... (Sprecher aus dem off sagt:"
Wunschkind")




9 Monate später hatten wir einen Sohn! und es ist
der tollste Sohn der Welt ich bin wahnsinnig stolz.




Leider würde dadurch alles schlimmer, wir hatten
nun das Kind, F. keinen Freiraum, keine ruhe und keine Hilfe aus ihrer Familie
mehr. Vermeidlich alles blieb an ihr hängen darüber hinaus ein schrecklich
pingeliger wickelzwang der mich das erste mal in meinem leben aggressiv auf
meine Partnerin werden ließ. es folgten endlose Diskussionen, in dem niemand
auch nur einen Millimeter nachgab, was alles nur schlimmer machte.




Sicher hat F. tolle Eigenschaften aber sie hat eine
Eigenschaft die mich immer extrem explosiv macht.




sie kann nicht aufhören. Wie ein
lautes, verbittertes
Meckermonster muss sie aus
der nichtigsten, kleinsten Kleinigkeit ein ding machen, dass existenziell wird.
ich denke das meiste geschieht in ihrem kopf.




F. kann sehr gut nach einem streit zum tagesplan
zurück, ich hingegen gar nicht. ich finde einfach nicht mehr in die spur. bin in
Gedanken, kann gar nicht fassen, dass mich da grade sein Meckerbus angefahren
hat. uns so ist für mich so mancher tag gegessen, der eigentlich nett und
verheißungsvoll anfing.




aber zurück zum Thema.



F. wollte aus der Wohnung und hat mich nach
langer zeit dazu gebracht ein haus zu kaufen. alles wunderbar, aber mittlerweile
ist es so schlimm, dass wir noch nicht mal draußen gesessen haben, der kleine
darf nicht raus, muss nach dem Kita direkt in die Wanne, darf dann nicht mehr
spielen. f. wäscht sich laut eigener aussage ca.200 mal am tag die Hände, ihre
Aversion gegen Müll und Dreck ist so schlimm das es mir manchmal körperliche
schmerzen bereitet. ich stehe machtlos und hilflos alles gegenüber. habe das
Gefühl mein eigenes leben nicht mehr im griff zu haben.




lieben Forum, wenn du bis hierhin gelesen hast,
dann bedanke ich mich sehr. ich hatte vor einiger zeit schon einen ähnlichen
Bericht geschrieben nur hatte ich mich während des Schreibens automatisch
ausgeloggt und alles war dann weg *grmpf*




Stell bitte fragen,falls ich irgendwo zu unpräzise
bin ich habe es einfach fließen lassen.

Maine-Coon

unregistriert

2

Mittwoch, 19. Juni 2013, 15:26

hallo, was ich gerade gelesen habe erinnert mich sehr an mich damals, ;( ich hatte auch mal so nen waschzwang beziehungsweise hab mich vorallem geekelt. bin dann auch meine eltern angegangen ob sie sich hände und so weiter gewaschen haben wollte nicht mal mehr was daheim groß berühren. das ist weggegangen naja mittlerweile hab ich nen ziemlichen kontrollzwang und habe auch ständig streit mit meinem partner. war deine frau schon mal in behandlung? oder will sie gar nicht? das mit der scheinwelt kenn ich, ist ja bei mir genauso. trotzdem solltest du dich jemandem wegen deiner frau anvertrauen jemanden dem du vertraust. es wird sonst nur schlimmer, versuche ihr zu sagen wie sehr du darunter leidest, auch euer kind. das ständige waschen ist auch für ihn nicht gesund. der zwang nimmt dann immer mehr in beschlag. weiß überhaupt wer von der krankheit? sie braucht auf jeden fall hilfe, alleine kommt man da nur sehr schwer raus. lg

  • »derausgelaugte« ist männlich
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3

Freitag, 5. Juli 2013, 19:27

Hallo Maine-Coon,

danke für deine Antwort. Ja meine Frau hat die schwere Ihrer Krankheit insgesamt schon eingesehen und hat auch den ersten Versuch gemacht und ein Erstgespräch bei einer Therapeutin gemacht. Termin leider erst in einem Jahr!!!!
Habe schon oft versucht meiner Frau zu erklären wie schwer das alles für mich ist aber am Ende eines Gesprächs ist es immer so, das von mir verhaltensänderungen eingefordert werden. Habe grade einen schönen EIntrag von Ehemann gelesen, der sehr gut beschreibt wie verworren und ausweglos so etwas ist. Vor allem weil unser Sohn da mit drinhängt.

lilly116

unregistriert

4

Sonntag, 7. Juli 2013, 03:16

Hi,

ich weiss aus eigener Erfahrung,dass "Zwaengler"ihre Umwelt regelrecht terroriesieren koennen.

Ich bin kein Angehoeriger sondern Betroffene seit ueber 30 Jahren....

Das Schlimme ist,dass unser Verstand uns sagt dass wir diese Handlungen nicht machen sollen,aber der Zwang so stark ist,dass man immer wieder nachgibt ohne es zu wollen.

Zwaenge sind beherrschend und wir koennen nicht anders.Es ist wie "ein Suechtiger",der sich nachdem er sein Rauschmittel genommen hat wieder eine kurze Zeit "wohlfuehlt".....dann aber schon wieder ans naechste denkt.

Ich habe Kontrollzwaenge und die machen mich manchmal irre,aber ich habe gelernt damit zu leben.Allerdings laesst es einen wohl nie los........

Therapien habe ich auch gemacht und da es leider kein Patentrezept fuer uns gibt,brachten Therapiestunden einiges weil man sich selber seine Verhaltensweise besser vor Augen halten kann und darueber nachdenkt.Auch den Umgang mit der Familie die ja meistens mehr als hilflos ist.

Ich hoffe sehr fuer euch alle dass es mit der Zeit besser wird und dass sie hoffentlich die Therapie etwas frueher anfangen kann.....



Liebste Gruesse ;)

Spurensucher

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5

Sonntag, 7. Juli 2013, 13:57

Lieber ausgelaugte,

Therapie-Gespräch erst in einem Jahr???
Definitiv viel zu spät.

Gibt es in eurem Ort keine Beratungsstelle, oder so? In so einem akuten Fall muss ein Gespräch einfach eher möglich sein.
Vor allem kann es sein, dass die Therapeutin/der Therapeut deiner Frau nicht liegt, "die Chemie nicht stimmt", dann müsst ihr auf weitere suche gehen und verliert nur noch viel mehr Zeit.
Das Leben mit einem zwangserkrankten Menschen ist mitunter sehr anstrengend und bedarf sehr viel Einfühlungsvermögen.
Da kommst auch DU nicht alleine durch.
Im Notfal wende dich an deinen Hausarzt, ob der Adressen hat.

Viel Kraft weiterhin.

Lieben Gruß
Petra
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

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6

Sonntag, 7. Juli 2013, 17:52

Danke Spurensucher,

das mit dem Termin ist derzeit auch mein größtes Dilemma.

Sie hatte anfang Januar das erste Gespräch. Also noch 5 Monate warten.... vielleicht klappt es dann und meine Frau fühlt sich auch bei der Therapeutin wohl aber zwischen den Zeilen habe ich nach dem Erstgespräch schon rausgehört, dass die Therapeutin vielleicht doch zu Alternativ ist.
Darauf habe ich meine Frau angesprochen und auch ganz klar gemacht, das Sie sich Alternativen suchen soll.
Ich war auch sehr direkt und habe gesagt, dass ich kein verständniss hätte, wenn sie eine begonnene Therapie abbricht und dann wieder sucht mit allem was dazu gehört(Wartezeit usw.)
Die Therapeutin hat Ihr vorgeschlagen pflanzliche Medikamente von einem Psychologen verschreiben zu lassen. Da war sie auch. Hat alles nocheinmal geschildert, ein Rezept bekommen. Das Medikament genommen und gleich wieder abgesetzt den nächsten Termin hat sie vergessen und keinen neuen gemacht. Das alles lässt mich ein wenig am Thearapiewillen meiner Frau Zweifeln. Ich habe momentan den Eindruck, das sie sich immer ein Hintertürchen offen lässt. Scheinbar ist alles noch nicht schlimm genug.

Wir waren Heute auf einem Trödel. Scheinbar hat sie mittlerweile auch ein großes Problem mit größeren Menschenmassen. Sie ist dann sehr verkrampft.

Ich habe manchmal das Gefühl und das wird mir von meiner Frau auch vorgehalten, nicht der Richtige Partner zu sein um mit Ihr durch diese Krankheit zu gehen.
Nun bin ich aber an Ihrer Seite, will es mit Ihr schaffen. Allerdings nur, wenn sie es auch will. Ich habe schreckliche Angst davor, dass sie die Therapie abbricht und alles wieder von neuem beginnt. Momentan würde ich glaube ich nicht die Kraft aufbringen noch ein weiteres Jahr auf einen Beginn zu warten.

Nel84

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Beiträge: 1

Zwangssymptome: Waschzwang, Zwangsgedanken - Inhalt ist aber egal - es ist immer dasselbe Muster

Medikament / Dosis: Cipralex 10mg

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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7

Sonntag, 7. Juli 2013, 23:22

Lieber Ausgelaugte,

erst einmal tut es mir für deine Frau sehr leid, dass der Zwang sie so gefangenhält. Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Noch fünf weitere Monate warten ist zu lang. Zwänge können sich ausweiten, je mehr Raum sie bekommen und so wie du es beschreibst, wird ja auch eurem Kind ein Verhalten vorgelebt, welches ihm ein sehr schwieriges Verhältnis zu Hygiene vermitteln wird.

Wenn sie bereits erkannt hat, das Therapiebedarf besteht, dann ist schon ein guter Schritt getan. Meistens braucht es etwas um die Beziehung zum Arzt aufzubauen. Und es gibt bestimmt noch andere Therapeuten, die eine positive Wirkung auf sie haben können.

Therapeuten sollten, wenn es wie bei deiner Frau eindeutig ist, bei akut Zwangserkrankten, diesen nicht auf einen Termin in einem Jahr vertrösten sondern weiterempfehlen an einen Kollegen, der einen Termin frei hat. So ist es bei mir immer gelaufen und ich habe schnell Hilfe gefunden.
Bittet um Weiterempfehlung oder fragt bei eurer Krankenkasse nach, ob diese jemanden nennen kann.

Was den "Rückzug" vom Neurologen betrifft: eventuell hat deine Frau ja Ängste bezüglich Medikamenten? Es gibt ja immer mal schlechte Berichte und vielleicht hat sie sich ihre Gedanken gemacht.

Ich wünsche dir persönlich ganz viel Kraft und deiner Frau Energie für diese Veränderung!

Spurensucher

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  • »Spurensucher« ist weiblich

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8

Montag, 8. Juli 2013, 11:27

Lieber ausgelaugte,

zuerst ein großes Kompliment für dich über deine Äusserung: "Ich bin an ihrer Seite. Will es mit ihr schaffen." Das zeigt, dass du deine Frau sehr liebst.

Es ist so, dass Zwangserkrankte es nur schaffen können mit Hilfe. Und diese Hilfe kannst nicht DU sein. Du kannst deine Frau auf diesem Weg begleiten, sie halten und stützen, ihr Mut zusprechen, aber du kannst sie nicht "heilen". Das können nur die Erkrankten selbst (und auch das ist ein langer, schmerzhafter, mit vielen Steinen beschwerter Weg).

Es ist also wichtig, nicht zu warten! Ihr müsst immer in Betracht ziehen, dass die Therapeutin deiner Frau nicht zusagt. Definitiv ist so eine lange Wartezeit eine Zumutung für einen zwangserkrankten Menschen. Voraussetzung natürlich, dass deine Frau Hilfe annehmen will!

Ich würde an deiner Stelle noch andere Anlaufstellen in Betracht ziehen. Ich selbst habe hier in Baden-Württemberg über die Kassenärztlliche Vereinigung nach Ärzten gesucht. Es ist ein undankbarer "Job." Mitunter telefoniert man sich die Finger wund - es ist nervenaufreibend. Fakt ist aber auch: Ihr müsst euch selbst kümmern, solange deine Frau noch keinen festen Therapieplatz hat (und selbst dann seit ihr immer für euch selbst verantwortlich).

Ich wünsche dir Durchhaltevermögen und Kraft!
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

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