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Sommerwiese

Schüler

  • »Sommerwiese« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 146

Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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1

Samstag, 27. April 2013, 20:53

Wann erlebt Ihr Ausnahmen vom Zwangsimpuls?

Hallo liebe Leidensgenossen,

angeregt durch die Themen Konfrontation und Aushalten habe ich überlegt,dass ich in bestimmten Situationen in meinem Zwangsleben ganz mühelos, ohne Therapie, Medikamente oder bewusstes Üben manchmal auf die Ausübung der Zwänge verzichten konnte. Das waren meist solche Situationen, in denen ich eine positive Stimmung hatte, in denen mich irgendwas im Außen fesselte und anzog, so dass die Motivation, darauf zu zu gehen größer war als die Bedenken und die Ängste und das Streben nach Sicherheit. Ich wollte also etwas und ging dabei ein kleines oder größeres Risiko ein.

Das kann eine Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel sein, einfach, weil ich das Ziel erreichen will und in Kauf nehme, dass es unterwegs dreckig und voller Keime ist, das kann eine Mahlzeit im Restaurant oder an einem Imbiss sein, bei der ich nicht drüber nachdenke, ob in der Küche alle Hygienevorschriften eingehalten werden (bestimmt nicht!) , einfach, weil ich Hunger habe oder das Erlebnis haben möchte oder die Geselligkeit mit anderen dort genießen will, oder das kann das Streicheln einer Kuh beim Spaziergang an einer Weide entlang sein oder das kann das Benutzen der Toilette ohne diese zu desinfizieren oder mit Papier abzudecken, bei Leuten, die mir sympathisch sind, sein. (obwohl ich ja nicht genau wissen kann, ob diese sich nicht auf andere, fremde Toiletten setzen)

Ein noch simpleres Beispiel: ein Kuss ist ja im Grunde etwas völlig Unhygienisches und kommt einer Schluckimpfung gleich, wie ich mal las. Und trotzdem küsst man die Menschen, die man liebt und ekelt sich nicht. Fremde würde man nicht küssen.
Ist es also das: Wenn die Zuneigung die Abneigung überwindet? Wenn der Antrieb größer ist als der Ekel?

Müssten Therapeuten nicht auch in dieser Hinsicht ermuntern und Vertrauen schaffen anstatt nur das Aushalten der Angst-und Ekelkurve anzuregen? Und beruht der Effekt von begleitenden Medikamenten nicht letztlich auch nur darauf, dass die Stimmung verbessert wird?

Wann überwindet Ihr Euch und es fällt Euch leicht? Wann macht Euer Zwang Ausnahmen und gönnt Euch etwas Freiheit?

Neugierige Grüße
Sommerwiese

girasol1991

unregistriert

2

Sonntag, 28. April 2013, 16:46

Ein noch simpleres Beispiel: ein Kuss ist ja im Grunde etwas völlig Unhygienisches und kommt einer Schluckimpfung gleich, wie ich mal las. Und trotzdem küsst man die Menschen, die man liebt und ekelt sich nicht. Fremde würde man nicht küssen.
Ist es also das: Wenn die Zuneigung die Abneigung überwindet? Wenn der Antrieb größer ist als der Ekel?
Ich kann sagen, dass es bei mir so ist. Bei mir hat der ganze Zwang eh mit Gefühlen zu tun, aber das banalste aber einprägendste Beispiel sind meine beiden Hunde. Die sind ja nun wirklich nicht sauber und wir waschen die auch so gut wie nie (außer die stinken tierisch nach Kot oder sind wirklich schwarz im Fell weil sie gewühlt etc. haben). Nun worauf ich hinaus will, die dürfen bei mir alles (ins Bett, der eine pillert und macht auch sein großes Geschäft manchmal im Haus, schlabbern mir durchs Gesicht etc.).
Sie heilen meine Seele, mit jedem ihrer Blicke macht mein Herz einen Aussetzer, sie lieben mich bedingungslos und das ist eine Erfahrung, die - meiner Meinung nach - a.) nur Tiere einem schenken können und b.) den Zwang ausschalten können oder zumindest für den Moment unwichtig erscheinen lassen.
An das was die Hunde (oder auch andere Tiere) bei mir auslösen, kommt kein Mensch ran. Wobei ich dennoch in Intimitäten mit Männern auch den Zwang in den Hintergrund schieben kann, jedoch ist er da immer noch ein Stück präsenter als wenn ich mit meinen Hundis was mache.

Müssten Therapeuten nicht auch in dieser Hinsicht ermuntern und Vertrauen schaffen anstatt nur das Aushalten der Angst-und Ekelkurve anzuregen? Und beruht der Effekt von begleitenden Medikamenten nicht letztlich auch nur darauf, dass die Stimmung verbessert wird?
Also meine Therapeutin macht das, sie fragt auch ständig, was es war und wieso ich die Situation aushalten konnte, wieso ich nicht waschen gegangen bin und den Zwang ausgeübt habe, etc. Manchmal finde ich das schon fast nervig, aber irgendwie hilft es auch!

Liebe Grüße!

Jake_Sully

Fortgeschrittener

  • »Jake_Sully« ist männlich

Beiträge: 265

Zwangssymptome: Angst vor Schmutz/Parasiten

Medikament / Dosis: Fluoxetin

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Pandora

Beruf: EU-Rentner

Hobbys: PC, Internet, Linux-Mint, Kinofilme

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3

Freitag, 10. Mai 2013, 22:33


... meine beiden Hunde. Die sind ja nun wirklich nicht sauber und wir waschen die auch so gut wie nie (außer die stinken tierisch nach Kot oder sind wirklich schwarz im Fell weil sie gewühlt etc. haben). Nun worauf ich hinaus will, die dürfen bei mir alles (ins Bett, der eine pillert und macht auch sein großes Geschäft manchmal im Haus, schlabbern mir durchs Gesicht ...

Iii ! Pfui, das ist doch kein Vergleich zum Menschen-Kuss.
:tocktock:

girasol1991

unregistriert

4

Samstag, 11. Mai 2013, 14:00


... meine beiden Hunde. Die sind ja nun wirklich nicht sauber und wir waschen die auch so gut wie nie (außer die stinken tierisch nach Kot oder sind wirklich schwarz im Fell weil sie gewühlt etc. haben). Nun worauf ich hinaus will, die dürfen bei mir alles (ins Bett, der eine pillert und macht auch sein großes Geschäft manchmal im Haus, schlabbern mir durchs Gesicht ...

Iii ! Pfui, das ist doch kein Vergleich zum Menschen-Kuss.
:tocktock:

a.) Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass ich das direkt vergleiche. Ich wollte nur aufzeigen, dass sowas möglich ist, genauso wie ein Menschenkuss auch wenn der Bakterien überträgt.

b.) Wieso pfui?

c.) Warum wertest du meine Aussage mit einem 'pfui' und 'iii' ab? Ich persönlich denke, dass jeder, der Ausnahmen vom Zwang erlebt, egal wie 'dreckig' sie vielleicht seien mögen, eine starke Person ist und dem Zwang Kontra gibt. Da gibt es meines Erachtens nach nichts abzuwerten ;-)

girasol1991

unregistriert

5

Samstag, 11. Mai 2013, 14:02

EDIT:

und d.) Wieso kann ich eigentlich einen Gesichtsschlabber vom Hund nicht mit einem Menschenkuss vergleichen? Letztendlich sind es beide Formen bzw. Ausdrucksweisen der Zuneigung und Liebe. Vor allem die vom Hund oder Tieren generell ist eine der reinsten Formen, denn Tiere sind nicht berechnend, hinterhältig etc. wie Menschen.