Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Zwangserkrankungen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

alleswirdgut

unregistriert

1

Freitag, 22. März 2013, 03:51

Suche nach dem Ursprung der Zwangsgedanken

Hallo,

ich bin 24 Jahre alt und habe kürzlich den Namen von dem gefunden, was mich plagt. Ich habe Zwangsgedanken, bei denen es meistens darum geht, dass ich Menschen, die ich liebe Schaden zufügen könnte. Ich habe bereits seit der frühen Kindheit nach der Scheidung meiner Eltern gewisse Zwänge gehabt, bei denen ich ständig versucht habe irgendetwas zu verdrängen.
Vor 5 Jahren hatte ich allerdings erstmals Zwangsgedanken, die zu Panik-Attacken und Angstzuständen geführt haben. Diese habe ich zeitweise gut in den Griff bekommen. Vor zwei Monaten kamen sie plötzlich wieder und an diesem Punkt habe ich letztlich erst in Erfahrung gebracht, was ich eigentlich habe.
Habe durch sehr viel Nachdenken und Mut mit meiner Mutter und einem Freund darüber geredet und einige Beratungsgespräche bei Therapeuten gemacht.

Ich bin jetzt auf einer Warteliste für eine ambulante Verhaltenstherapie (Wartezeit beträgt im Durchschnitt 6-12 Monate) und habe für die Zwischenzeit ein Buch zur Selbsttherapie empfholen bekommen.

Die Ängste kann ich inzwischen ganz gut kontrollieren, weil ich sofort versuche die Angst so stark zu machen wie es nur geht, wenn sie im Anflug ist. Dadurch verschwindet sie. Man kann sie kontrollieren.

Die Zwangsgedanken kommen allerdings trotzdem noch. Mir hat das analysieren meines Zustands sehr viel geholfen und ich glaube es würde mir noch mehr helfen, wenn ich die Ursachen für die Erkrankung kennen würde. Wie erlange ich diese? Gibt es typische Gründe?

Außerdem würde ich gerne wissen, ob man jemals komplett "geheilt" sein kann. Ich meine Gedanken wird man nie komplett steuern können, aber kann man an einen Punkt kommen, an dem man den ganzen Scheiß einfach hinter sich lassen kann und sich jahrelang nicht mehr daran erinnern muss?

Grüße!

mia

Anfänger

  • »mia« ist weiblich

Beiträge: 20

Zwangssymptome: Gedankenzwänge Schwerpunkt Krankheiten & Vergiftungen

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Studentin

  • Nachricht senden

2

Freitag, 22. März 2013, 11:05

Hallo,

zu den Ursachen gibt es viele Theorien. Eine eindeutige Antwor gibt es nicht. Ich selbst denke, dass sie vermutlich bei jedem anders sind. Vielleicht hatten wir sie schon immer in uns, vielleicht haben wir sie in der Kindheit erworben. Bei mir, zumindest so meine Theorie, liegt meine Ursache in den Punkten Vertrauen in mich und Verantwortung gegenüber mir und beides hapert. (Vor allem beim Punkt Vertrauen in mich)

Ich hab mich 2 Jahre lang als nahezu geheilt betrachtet. Hier und da kamen die Zwangsgedanken mal ganz ganz kurz hoch, aber so schnell wie sie gekommen waren, waren sie wieder weg. Und dies war auch ganz selten in den 2 Jahren.

Nun, da mich ein Rückfall in die Zwangsgedanken plagt, viel mir ein Satz meines Therapeuten ein, den er mir am Anfang der Therapie sagte: Das wird Ihre Lebensaufgabe. Ich habe das für mich nun wie folgt interpretiert: Wir Zwängler haben, auch wenn die Zwänge mal nicht so groß oder gar weg sind, immer ein Risiko, dass sie wieder kommen können. Dann heißt es für uns, schnell Handel und Auffrischungssitzungen nehmen, damit die Zwänge keinen großen Raum bekommen. Und ich habe meinen Glaubenssatz: Es gibt ein Leben ohne Zwänge auch für mich! Und das gibt mir Mut.

Deswegen finde ich es großartig, dass du schon Vorgespräche hattest. Mein erstes nach dem Rückfall steht nächste Woche an.

Ich wünsche dir alles Gute!

Mia

PS: Mir hat die Recherche über die Krankheit sehr geholfen. Habe mir auch Bücher aus der Bibo darüber ausgeliehen.

alleswirdgut

unregistriert

3

Freitag, 22. März 2013, 13:45

Ich muss sagen der Satz "Das wird Ihre Lebensaufgabe" hat mich ein etwas aus der Bahn geworfen. Der Gedanke, dass man den Rest seines Lebens ein "Kranker" ist, hat mich belastet.
Aber ich beobachte immer wieder, dass meine Zwangsgedanken und Ängste nur ausgelöst werden, wenn die Rahmenbedingungen diese begünstigen.
Das bedeutet, wenn man sein Leben nicht ausgeglichen gestaltet (unregelmäßiger Schlaf, ungesunde Ernährung, kein Sport, wenig soziale Kontakte), dann muss man damit rechnen, dass man seine biologisch gegebene Schwäche (Zwänge) herbeibeschwört.
Wenn sie erstmal da sind, gibt es Taktiken sie zu bekämpfen. Sie zu kennen und auszusprechen ist denke ich ein sehr wichtiger Schritt zur Besserung. Irgendwann verschwinden sie dann auch wieder.

Aber in der Zwischenzeit, in denen man "frei" davon lebt, sollte man sich vermutlich an gewisse Regeln halten. Und ich meine damit nicht zwanghafte "Ablenkungen" oder Rituale, sondern vernünftige Maßnahmen, an die sich jeder Mensch halten sollte.
Dazu gehört es regelmäßig Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und einen geregelten Tagesablauf zu haben.
Dadurch wird man im Leben mehr erreichen und die Zwänge, in die man sich hineinsteigert, haben gar keine große Chance überhand zu gewinnen. Man sollte sie aber vermutlich niemals vergessen, damit sie einen nicht irgendwann "überraschen" können.

Die Zwänge haben nur eine Chance, wenn man sich schwach fühlt. Sich stark zu fühlen ist eine Frage der Lebengestaltung und die hat man selbst in der Hand.
Am Ende entscheidet also die auch die Disziplin.

So ab jetzt wird weniger nachgedacht und mehr gehandelt! :)

mia

Anfänger

  • »mia« ist weiblich

Beiträge: 20

Zwangssymptome: Gedankenzwänge Schwerpunkt Krankheiten & Vergiftungen

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Studentin

  • Nachricht senden

4

Freitag, 22. März 2013, 15:44

Ich muss sagen der Satz "Das wird Ihre Lebensaufgabe" hat mich ein etwas aus der Bahn geworfen. Der Gedanke, dass man den Rest seines Lebens ein "Kranker" ist, hat mich belastet.
Aber ich beobachte immer wieder, dass meine Zwangsgedanken und Ängste nur ausgelöst werden, wenn die Rahmenbedingungen diese begünstigen.
Das bedeutet, wenn man sein Leben nicht ausgeglichen gestaltet (unregelmäßiger Schlaf, ungesunde Ernährung, kein Sport, wenig soziale Kontakte), dann muss man damit rechnen, dass man seine biologisch gegebene Schwäche (Zwänge) herbeibeschwört.
Wenn sie erstmal da sind, gibt es Taktiken sie zu bekämpfen. Sie zu kennen und auszusprechen ist denke ich ein sehr wichtiger Schritt zur Besserung. Irgendwann verschwinden sie dann auch wieder.

Aber in der Zwischenzeit, in denen man "frei" davon lebt, sollte man sich vermutlich an gewisse Regeln halten. Und ich meine damit nicht zwanghafte "Ablenkungen" oder Rituale, sondern vernünftige Maßnahmen, an die sich jeder Mensch halten sollte.
Dazu gehört es regelmäßig Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und einen geregelten Tagesablauf zu haben.
Dadurch wird man im Leben mehr erreichen und die Zwänge, in die man sich hineinsteigert, haben gar keine große Chance überhand zu gewinnen. Man sollte sie aber vermutlich niemals vergessen, damit sie einen nicht irgendwann "überraschen" können.

Die Zwänge haben nur eine Chance, wenn man sich schwach fühlt. Sich stark zu fühlen ist eine Frage der Lebengestaltung und die hat man selbst in der Hand.
Am Ende entscheidet also die auch die Disziplin.


Hallo,
jetzt hab ich ein schlechtes Gewissen, dir auf deine Nachricht geantwortet zu haben.
Man sollte sie aber vermutlich niemals vergessen, damit sie einen nicht irgendwann "überraschen" können
So wie du das hier formuliert hast, so ist es vermutlich gemeint. Wenn man merkt, es kommt zurück sollte man wachsam werden und reagieren. Wie du ja gelesen hast, war ich auch länger zwangsfrei und das kannst du sicher auch schaffen!

Sorry, ich wollte dich nicht durch meinen Text verunsichern oder aus der Bahn werfen.

viele Grüße
Mia

mia

Anfänger

  • »mia« ist weiblich

Beiträge: 20

Zwangssymptome: Gedankenzwänge Schwerpunkt Krankheiten & Vergiftungen

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Studentin

  • Nachricht senden

5

Freitag, 22. März 2013, 15:45

Sorry, irgendwie kam ich grad nicht mit der Zitierfunktion klar :(

girasol1991

unregistriert

6

Freitag, 22. März 2013, 23:50

Hey,

also zu den Ursachen: Es ist so, dass es (soweit ich weiß) verschiedene Faktoren gibt, die eine Rolle spielen. Neurologische, biologische, persönliche, erzieherische etc. - und dann gibt es einen Auslöser. Letztendlich ist es bei jedem Menschen individuell, aber für gewöhnlich kommen mehrere begünstigende Faktoren zusammen.
Ich glaube, dass die meisten Menschen mit Zwangsstörungen ein sehr hohes Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle haben, auch ein gewisses Streben nach Perfektionismus steht hinter manchen/vielen Zwangssörungen.
Aber das herauszufinden ist auch ein Teil der Therapie. Denn grundlegend für eine komplette Heilung ist, dass man die Ursachen kennt und das Verhalten/Denken neu, richtig erlernt. Es gibt durchaus komplette Heilungen, aber das ist viel Arbeit und kostet Kraft.
Letztendlich ist es wichtig, dass man sich während/zu Beginn der Therapie klarmacht, was ist mein Ziel, wo will ich hin, was will ich erreichen?
Ich habe für mich persönlich zum Beispiel entschieden, dass ich gewisse Zwänge gar nicht ändern möchte, zumindest nicht momentan. Ich will ein Leben mit einer gewissen Qualität und Stabilität, das habe ich aktuell trotz meiner Zwänge. Es könnte besser sein, daran arbeite ich, aber komplett zwangsfrei will ich gar nicht mehr werden. Der Zwang zeigt mir, dass ich jeden Tag neu auf mich achten muss, neu lernen muss etc.

Liebe Grüße!

Spurensucher

Anfänger

  • »Spurensucher« ist weiblich

Beiträge: 32

Status: Angehörige/r

Wohnort: Baden-Württemberg

  • Nachricht senden

7

Freitag, 19. April 2013, 21:59

Ich finde diesen Satz "Das wird ihre Lebensaufgabe" gar nicht so schlecht. Natürlich weiß ich nicht, wie sich ein Zwangs"erkranker" fühlt, wenn er sowas zu hören bekommt. Als Angehörige kann ich nur sagen, dass ich dran glaube, dass es Dinge gibt, auf die wir geprüft werden. Sowohl als Betroffener als auch als Angehöriger. Natürlich ist man mit Zwängen krank. Aber "krank" ist nicht gleich krank. Das ist immer auch Ansichtssache. Wenn einer eine richtig heftige Grippe hat, dann fühlt sich manch einer unfähig zur Arbeit zu gehen. Er braucht absolute Ruhe, muss alles um sich rum ausschalten. Ein anderer mit der gleichen heftigen Grippe geht los, sagt: Das bisschen Kränkeln hier, das kriege ich schon hin.

Menschen sind unterschiedlich! Nichts ist gleich. Niemand! Deshalb fühlen wir auch alle unterschiedlich, nehmen unterschiedlich wahr.

Aber dennoch gehe ich mit girasol konform. Vielleicht geht es gar nicht darum, die Zwänge unbedingt loszuwerden - sondern einen guten Lebensweg mit ihnen zu finden! Von dem her passt dann wieder Mias Aussage, die Lebensaufgabe!
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

Zur Zeit ist neben Ihnen 1 Benutzer in diesem Thema unterwegs:

1 Besucher

Verwendete Tags

Angst, panik, panikattacke, Zwangsgedanken