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Zwangsgedanken: Zwangsgedanken

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Dienstag, 12. März 2013, 19:15

Zwangsgedanken

Hallo zusammen!

Ich bin mit meiner Mutter aufgewachsen welche unter dem Tourette Syndrom leitdet und ebenfalls Zwangsgedanken & Handlungen ertragen muss.
Schon seit ich denken kann wurde ich mit Themen wie: 50x den Herd kontrollieren oder 200x schauen ob das Wasser auch wirklich zugedreht ist konfrontiert.
Grundsätzlich wurde ich von meiner Mutter extrem ängstlich und übervorsichtig erzogen - jetzt weiß ich warum. Hätte meine Mutter mir beim Verlassen des Hauses nicht genau 5 oder 6 mal gesagt "Gut aufpassen" hätte Sie wahrscheinlich die Tür zu gemacht und es wären Zwangsgedanken zur Stelle gewesen. Die übertriebene Vorsicht war also schätzungsweise eine "Zwangshandlung". Schnell hab ich mir viel davon "abgeschaut".

Im Laufe meiner Kindheit hatte ich aber nie wirklich ein Problem mit dieser Erkrankung, vllt. hab ich ein paar mal häufiger geschaut ob alles aus ist, doch wie schon beschrieben wahrscheinlich eher weil ich´s mir abgeschaut hab.

Doch vor ca. 3 Jahren ging es los - anfänglich ziemlich schwach - jetzt extrem stark.

Vor 3 Jahren war ich mit Arbeitskollegen unterwegs, wir hatten Weihnachtsfeier. Es wurde viel getrunken, vielleicht etwas zu viel. Es war eben ein typischer "oh man, nie mehr Alkohol" Abend. :prost: Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht, mir gings natürlich "super" :thumbdown: . Ich denke so einen Abend hatte schon fast jeder mal. Ich wusste nicht mehr alles, mir war schlecht und mein Kopf schmerzte! Wir waren in verschiedenen Bars, Kneipen und auch in einem Stripclub (wird dann evtl. noch wichtig), aber an 100% des Abends konnte ich mich eben nicht erinnern. Passiert ist nix, ich lag friedlich im Bett, die Haustür war abgeschlossen und vom Geldbeutel bis zum Handy war alles da...ppuuhhh! Gefehlt hat also nix, im Gegenteil, ich hatte etwas mit nach Hause gebracht! Gedanken, Gedanken und noch mehr Gedanken! Ich weiß, nach so einem Abend haben viele vielleich ein schlechtes Gewissen und denken sich "das blöde Gesaufe.....hätte ich mal". Dieses "schlechte Gewissen" verfliegt aber meist recht schnellt, besonders wenn ja eig. nix passiert ist! Bei mir war das nicht so! Aus irgendeinem Grund hatte ich extreme Angst ich hätte sexuellen Kontakt mit einerFrau haben können und habe es vergessen. Einfach so. Sex gehabt, wo auch immer, und dann vergessen. Ich würde meine Freundin nie betrügen, ich liebe sie über alles und sie ist der wichtigeste Mensch in meinem Leben. Ich war auch vor meiner Beziehung in einer längeren Beziehung und nie in einem Bordell oder hatte One-Night-Stands. Niemals. Ich hatte auch keinerlei Interesse daran meine Freundin zu betrügen. Ja, wir waren in einem Stripclub, und ich finde es auch schön anzuschauen wenn eine nette Dame leicht bekleidet durch die Gegend springt, aber betrügen - nie!

Die größte Angst war es, Sex gehabt zu haben, es vergessen zu haben, und deshalb jetzt HIV zu haben. HIV! Die ultimative Krankheit (zumindest in meinen Augen). Ich schlechter Mensch hatte mich also besoffen, ging fremd und habe jetzt HIV. Und jetzt die Angst #1 - ich stecke meine Freundin an (seit 5 jahren ein paar)! Das hat mich extrem fertig gemacht! So fertig dass ich nach 12 Wochen Wartezeit (so lange muss man warten nachdem man einen sexuellen Risikontakt hatte bevor man sich testen lassen kann) einen HIV Test gemacht haben. Im Grund ohne jeglichen Anlass! Aber die Angst war einfach so so groß!
Da diese 12 Wochen extrem schlimm sind und Kraft kosten habe ich mir geschworen mich nie mehr so zu besaufen!
Dies ging 1,5 Jahre echt gut! Ich konnte mit Freunden weg, locker mal 1 - 2 Bier trinken (war nie betrunken - bin 1.85 groß und wiege 85 Kilo, da strören 2 Bier nicht wirklich) danach Heim, und alles war tutti! Doch seit ca. 9 Monaten sind die Gedanken wieder da, und so stark wie noch nie!

Hier ein Beispiel: Ich bin mit Freunden in einem Restaurant essen, zum Essen trinke ich 1 Bier (nicht mehr und nicht weniger). Während des Abends gehe ich auf die Toilette, dann ganz normal zurück zu meinem Platz. Ich sage es an dieser Stelle ganz deutlich: ICH BIN ABSOLUT NICHT BETRUNKEN!!!!!!
Wenn ich dann aber daheim ankomme, kommt mir auf einmal dieser Gedanke: "Was ist auf dem Klo passiert?!" "Evtl. war da ja was?!" ....was da gewesen sein soll? Das Upgrade der Gedanken tritt jetzt in Erscheinung: Ich bin schwul! Ich bin schwul und hatte auf der Toilette Sex mit einem Mann! Folge: HIV --> Freundin bekommt HIV.
Da ich mich während meiner ersten HIV-Angst-Phase aber extrem mit dem Thema HIV befasst habe, weiß ich dass das HIV Problem stark in der homosexuellen Szene vertreten ist. Evtl. habe ich mir deshalb den Gedanken ausgesucht!
Ich rede mir also ein dass ich, weil ich ja ein Bier getrunken habe, komplett vergessen habe auf der Toilette Sex mit einem Mann gehabt zu haben - dann aber völlig normal zurück zu meinem Platz bin als ob nix gewesen wäre. Fast schon schizophren. Ich versuche mich dann immer krampfhaft an jeden einzelne Schritt zu erinnern...jedes mini Detail....alles! Aber alles kann man sich halt nicht merken, oder wisst ihr noch welche Farbe das erste Auto hatte welches Gestern früh an euch vorbeigefahren ist? Ich setze das Vergessen von solch unwichtigen Details mit dem Vergessen eines sexuellen Aktes (noch dazu mit einem Mann) gleich. Quasi: "hmm...wenn du die Farbe des Autos vergessen hast, was hast du wohl noch alles vergessen?!". Und dann startet das Grübeln. Jetzt ist es wieder soweit, 12 Wochen in Angst warten bis ich den nächsten HIV Test machen kann! 12 Wochen voll Gedanken und Angst. Ich kann meine Freundin nicht wirklich berühren weil ich Angst habe sie anzustecken (ja, ich weiß so schnell steckt man keinen an. Ich bin fast schon ein HIV Profi nach all dem Nachlesen. Aber ich möchte absolut kein Risiko eingehen) Sex ist z.B. absolut nicht drin.

Es ist aber leider nicht so dass ich 12 Wochen warten kann, dann zum Test geh, und alle ist gut. Genau in Woche 11 passiert wieder irgendwas und die Frist verlängert sich. Aktuelles Beispiel: In der 11 Woche war ich beruflich unterwegs und hatte ein leicht offenes Nagelbett am Finger. Ich musste diversen Personen die Hand schütteln. Zack, HIV war wieder zur Stelle. In meinem Kopf hatte mein Gegenüber an der gleichen Stelle ein Wunde welche meine berührt hat. Natürlich hat die Person HIV (hat ja jeder Zweite :rolleyes: ), und ich jetzt auch, und meine Freundin auch bald! Selbst nachdem mir 5 HIV&Aids Experten versichtert haben dass ich nie ein Risiko in dieser Situation hatte, bleiben die Gedanken nicht aus. Ich sehe es schon vor mir: Meine Freundin und ich beide abgemagert, krank, kaum noch Kraft zum sprechen, sterben einsam und ich bin dran schuld! Ich weiß durchaus das HIV heutzutage gut behandelt werden kann und die lebenserwartung fast normal sind, aber dieses Bild von meiner jetzt so schönen Freundin in einem kaputten Zustand lässt mich einfach nicht los! Ich wache damit auf, und schlafe damit ein. Aktuell sind die Gedanken so stark, dass nicht mal mehr ein Anlass wie z.B. ein Bier oder eine kleine Wunde notwendig ist. Ich bilde mir einfach ein mich an irgendwas zu erinnern. Kleine Gedankenfetzen. Und anstatt zu denken "ahhh das habe ich im TV gesehen", denke ich "das muss wohl eine vergessene Erinnerung an einen Abend auf dem Klo mit einem Typen sein." Selbst wenn ich etwas Träume muss ich tagelang darüber nachdenken ob es evtl. doch kein Traum sondern Erinnerung war. Oder ich sehe jemanden auf der Straße (meistens Männer) und ich kenn diese Person von irgendwo. Kennt bestimmt jeder, man sieht jemanden und kommt beim besten Willen nicht drauf woher man den kennt oder an wen er einen erinnert. Bei mir kommt sofort der Gedanke "hmm mit dem musst du wohl Sex gehabt haben!". Jetzt ist es so schlimm dass selbst HIV Tests nichts mehr bringen (habe in den letzten 6 Monaten 6 Tests gemacht - natürlich alle negativ (geht ganz schön ins Geld)) da ich diese seltsamen "Erinnerungen" nicht zeitlich einordnen kann. Ich kann höchstens das Datum des "ersten Erinnerns" als Start nehmen. Und das geht wirklich zu weit.

Ich lebe ständig in der Angst HIV+ zu sein und eigentich auf Männer zu stehen. Ich lebe ständig in der Angst meine Freundin zu schädigen und ihr Leben zu zerstören weil ich ja eigentlich ein Schwein bin. Ich lebe ständig in der Angst etwas vergessen zu haben und dies hat jetzt schlimme Konsequenzen für meine Freundin.

Femme1705

Anfänger

  • »Femme1705« ist weiblich

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Zwangssymptome: Zwangsgedanken, grübeln, Kontrolle

Medikament / Dosis: Clomipramin 75 mg retardiert

Status: Betroffene/r

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2

Mittwoch, 13. März 2013, 11:05

Hi,

Ich kann deine Misere absolut verstehen und gut nachvollziehen... Ich habe auch Zwangsgedanken aber in eine andere Richtung...

Letztes Jahr hatte ih auch eine Phase mit panischer Angst vor HIV. Ich dachte ich hätte mih in der Vergangenheit damit infiziert, es bezieht sich nur auf die Vergangenheit, da ih seit 5 Jahren mit meinem Mann zusammen bin. Meine Lösung war also ein Test beim Gesundheitsamt ( kostenfrei) der negativ war und für mich war es dann gegessen und abgehakt, ich hatte mich nicht damit infiziert. So ist dieses Thema verblasst und ich hatte mich auch informiert und dann wurde mir schnell klar: die Wahrscheinlichkeit sich mit HIV anzustecken ist sehr sehr gering. Aber in einer Phase der Angst davor, kann man nicht rational denken, bzw es fällt schwer. Also damit meine ich, wenn es irgendwie gelingt Abstand zum Thema zu bekommen und einen realistischeren Blick, könnte das vielleicht helfen...

Man will immer 100% ige Sicherheit die es fast nie gibt - es gibt nur eine hohe, sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass das was wir so befürchten nie eintrifft.

Mein Doc empfiehlt mir zu denken: ok meine schlimmste Befürchtung trifft ein - was ist dann, wie geht's weiter?

Die Wahrscheinlichkeit HIV zu bekommen ist gering, dazu die Wahrscheinlichkeit ungewollt sex zu haben auch (wenn man, wie du darauf achtet nicht zu betrunken zu sein), die Wahrscheinlichkeit schwul zu sein finde ich sehr Paradox, denn wenn du schwul wärest hättest Du bestimmt keine Angst davor, oder?
Deine Befürchtungen sind mehrere aufeinander folgende Voraussetzungen die für sich alleine gesehen schon recht unwahrscheinlich sind und als Ereigniskette unmöglich...

Aber ich kenne von mir : selbst das Gefühl von Sicherheit verblasst nach Tagen und die Gedanken kommen wieder... Also die Gedanken müssen ihren Reiz verlieren, dann ist alles gut ;)
Machst Du denn eine Therapie?

Alles Gute

3

Mittwoch, 13. März 2013, 15:03

Hi femme,

schön dass du dir die Mühe gemacht hast meine Story zu lesen :)

Dass die eigentliche Ansteckung verhältnissmäßig unwahrscheinlich ist, ist mir klar. Ich habe extrem viel über HIV gelesen, soviel dass ich fast eine eigene Beratungsstelle öffnen könnte!

In mir ist diese enorme Angst dass ich eig. insgeheim ein Perverser bin der nur auf der Suche nach "schnellem dreckigen Sex" auf der Toilette mit Schwulen bin. Ein anderes "ich" quasi. Die Geschichten mit Wunden an den Fingern etc. treten auch ein - hier ist dann jedoch immer der Gedanke: "Wenn du dich jetzt über die Wunde infiziert hast, glaubt dir das kein Mensch! Jeder wird denken du hast deine Freundin betrogen - wahrscheinlich sogar mit einem Mann!"
Wie bei dr jekyll and mr hyde! Und da ich mir ja vorstelle auf der Toilette innerhalb weniger Minuten Verkehr gehabt zu haben, macht es für mich nur Sinn dass dies mit einem extrem Perversen stattgefunden haben muss welcher dann sicherlich HIV hat.

Ich glaub für mich ist das Machen eines HIV Tests eig. genau falsch - ich füttere fast meinen "Kobold" damit oder geb ihm eine Belohnung für seine tollen Taten :P
Ich habe immer große Angst bis zu dem Tag an dem ich den Test machen kann, in der Zeit auf der ich aufs Ergebniss warten muss bin ich extem entspannt weil ich ja eh weiß was raus kommt. Mir gehts quasi nur darum mein Blut loszuwerden.


Aktueller Vorfall: Ein Kumpel hinterlässt mir im betrunkenen Zustand eine Nachricht auf der Mailbox. Man versteht kaum was, hört aber das es sich um eine männliche Person handelt. Er behauptet am nächsten Tag er hätte nicht angerufen (er hats im Rausch vergessen) und für mich beginnt der Alptraum! "Das war bestimmt ein schwuler dem du nach dem Sex deine Nummer gegeben hast, jetzt wollte er dich anrufen!". Jetzt muss ich krampfhaft versuchen rauszufinden wer das war und warum! Es war natürlich er, stellte sich dann raus. Früher hätte mich sowas null gejuckt, jetzt macht es mir alles kaputt!


Mitte April habe ich meinen ersten Termin bei einer Psychologin.


Ich will keine Million, kein Luxusauto oder eine Villa. Ich will einfach wieder frei sein. Ich würde 1 Jahr Knast eintauschen wenn ich danach "frei" wäre. Momentan sitze ich schon in einem von mir selbst gebauten Knast. ;(

Femme1705

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Zwangssymptome: Zwangsgedanken, grübeln, Kontrolle

Medikament / Dosis: Clomipramin 75 mg retardiert

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4

Mittwoch, 13. März 2013, 19:00

Da hast du auch recht - diese Tests immer wieder stärken den zwang... Was soll ich sagen, ich kenne das Prinzip des Zwangs von mir selbst mit Verstand und Vernunft bringt's wenig. Bei mir hilft oft das ignorieren - aber immer nur kurzweilig.
Du klingst auch ziemlich abgeklärt und gut informiert, da wüsste ich keinen Tipp mehr...

Ich bin ja selbst in Therapie und gespannt was ich dadurch für mich gewinnen kann, ich wünsche mir auch nichts mehr wie ein unbeschwerteres leben...

Ich wundere mich aber immer wieder wie abgefahren und extrem die Gedanken sein können - damit schließe ich auch mich ein.

Das ist eine blühende Phantasie , vielleicht können wir die ja bald für was positives einsetzen...

Lg

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Mittwoch, 13. März 2013, 19:35

Vielleicht ja, schön wärs! Gruß...