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Mittwoch, 13. Februar 2013, 23:52

Zwangsgedanken, Selbsttherapie und Hilfe

Hallo zusammen,

ich bin 21 und leide jetzt etwa seit Mai bewusst unter Zwangsgedanken (anfangs wusste ich noch nicht einmal was Zwangsgedanken sind), es fing langsam an und wurde immer intensiver. Ich hatte wenn ich zurück denke immer schon zwanghafte Gedanken, die mich aber nicht weiter gestört haben. Ich hatte dabei kurz ein schlechtes Gefühl, konnte es aber durch mir selbst gut zu reden abwehren, ich wusste auch damals nicht dass es Zwangsgedanken sind.

Aber jetzt im Mai kam ich irgendwie auf die Schiene sexueller Zwangsgedanken und diese schaffe ich nicht mehr einfach so wegzuschieben.
Mir ist bewusst wie absurd diese Gedanken sind und dass sie mich nicht betreffen und trotzdem lösen sie in mir dieses schlechte Gefühl und eine gewisse Angst und doch eine Unsicherheit aus. Anfangs wusste ich auch noch gar nicht was ich genau habe, durch Internetrecherche stieß ich auf den Begriff Zwangsgedanken, ich bemerkte dass die Symptome exakt auf das zutrafen was ich empfand und dieses Wissen gab mir anfangs Erleichterung, aber letztendlich kommt es mir vor als verschlimmerte es die Sache nur dass ich jetzt wusste was ich habe.
Das lesen in solchen Foren hilft mir oft mich zu beruhigen, im Nachhinein hab ich aber auch das Gefühl es wühlt mich noch mehr auf. Und deshalb jetzt auch meine Fragen:

1. Ich habe schon oft von dem Buch gelesen "Der Kobold in meinem Kopf". Ich habe jetzt aber Angst dass das Lesen in diesem Buch mich nur auf noch weitere Gedanken bringt und alles nur verschlimmert, so wie es mir auch durch meine Internetrecherchen passiert ist. Sie haben mir oft geholfen, aber vereinzelt traf ich auf Geschichten die mich so aufwühlten dass ich selbst anfing wieder neue Fragen zu stellen. Momentan habe ich zwar das Gefühl dass es nicht viel schlimmere Gedanken gibt, aber das ist wohl sehr subjektiv zu betrachten. Deshalb wollte ich Fragen ob manche von Euch dieses Buch kennen und mir vielleicht etwas zu meiner Befürchtung sagen können, oder ob Ihr viellecht die gleichen Befürchtungen hattet und sie sich als falsch herausgestellt haben?

2. Da ich oft lese dass sich so etwas mit der Zeit nur verschlimmert, und ich auch Vertrauen in Fachkräfte habe, plane ich Kontakt mit einem geeigneten Therapeuten aufzunehmen. Da ist aber das Problem, dass ich nicht weiß wie ich so jemanden finde. Kann ich zu so jemandem direkt Kontakt aufnehmen? Geht so etwas nur über den Hausarzt? Ich bin neu umgezogen und habe in dieser Stadt noch keinen Hausarzt, deshalb hätte ich auch irgendwie Probleme einem neuen Arzt, bei meinem ersten Besuch, von meinen Zwängen, die mir sehr peinlich sind (was aber ja auch üblich ist) zu erzählen, da ich ja auch nicht weiß inwieweit er sich auf diesem Gebiet auskennt. Gibt es Internetseiten über die man die passenden Therapeuten bei Zwangserkrankungen findet?


Ich bin dankbar für jede Hilfe, Fühle mich, da ich aus Scham mit niemanden darüber reden möchte, auch momentan sehr einsam, und das obwohl ich eigentlich ein funktionierendes soziales Leben mit tollen Freunden und einer tollen Familie habe. Aber ich merke auch schon dass mir allein schon das Schreiben hier hilft :)


Vielen Dank schonmal für die Antworten :)

girasol1991

unregistriert

2

Donnerstag, 14. Februar 2013, 12:33

RE: Zwangsgedanken, Selbsttherapie und Hilfe

1. Ich habe schon oft von dem Buch gelesen "Der Kobold in meinem Kopf". Ich habe jetzt aber Angst dass das Lesen in diesem Buch mich nur auf noch weitere Gedanken bringt und alles nur verschlimmert, so wie es mir auch durch meine Internetrecherchen passiert ist. Sie haben mir oft geholfen, aber vereinzelt traf ich auf Geschichten die mich so aufwühlten dass ich selbst anfing wieder neue Fragen zu stellen. Momentan habe ich zwar das Gefühl dass es nicht viel schlimmere Gedanken gibt, aber das ist wohl sehr subjektiv zu betrachten. Deshalb wollte ich Fragen ob manche von Euch dieses Buch kennen und mir vielleicht etwas zu meiner Befürchtung sagen können, oder ob Ihr viellecht die gleichen Befürchtungen hattet und sie sich als falsch herausgestellt haben?

2. Da ich oft lese dass sich so etwas mit der Zeit nur verschlimmert, und ich auch Vertrauen in Fachkräfte habe, plane ich Kontakt mit einem geeigneten Therapeuten aufzunehmen. Da ist aber das Problem, dass ich nicht weiß wie ich so jemanden finde. Kann ich zu so jemandem direkt Kontakt aufnehmen? Geht so etwas nur über den Hausarzt? Ich bin neu umgezogen und habe in dieser Stadt noch keinen Hausarzt, deshalb hätte ich auch irgendwie Probleme einem neuen Arzt, bei meinem ersten Besuch, von meinen Zwängen, die mir sehr peinlich sind (was aber ja auch üblich ist) zu erzählen, da ich ja auch nicht weiß inwieweit er sich auf diesem Gebiet auskennt. Gibt es Internetseiten über die man die passenden Therapeuten bei Zwangserkrankungen findet?

Hey,

also super schonmal, dass du bereit bist dir Hilfe zu holen und all das :)

zu 1. kann ich dir folgendes sagen:
Ich kenne das Buch nicht, lese generell auch so gut wie nichts über Zwangsstörungen - vor allem so Geschichten aus der Betroffenenperspektive, Fachliteratur die erklärend ist schon eher mal, da ich ähnlich wie du Angst habe, mir da dann neue Dinge abzuschauen. Es ist schwer, letztendlich machen damit alle Menschen unterschiedliche Erfahrungen. Bisher habe ich im Forum hier eher positive Rückmeldungen gelesen rund um das von dir erwähnte Buch.

zu 2. folgendes:
Ich bin mir inzwischen nicht mehr ganz sicher, ich brauchte damals noch einen Hausarzt (vor zwei Jahren) damit ich überwiesen werden konnte. Allerdings braucht meine jetztige Therapeutin seit Anfang diesen Jahres keine Überweisungen mehr. Alle meine anderen Fachärzte brauchen jedoch noch Überweisungen bei mir - sodass ich da etwas unsicher bin.
Ich verstehe, dass du keinem neuen/fremden Hausarzt direkt was erzählen magst, wie weit ist dein alter Hausarzt weg? Kannst du ihn nicht einmal ansprechen, wenigstens für eine Überweisung, wenn du die brauchst?
Allgemein kannst du aber auch direkt einen Facharzt anschreiben. Für das Bundesland NRW gibt es zum Beispiel die 'Grünen Seiten' oder die Onlinesuche von der Psychotherapeutenkammer NRW - da kannst du je nach Ort die dort ansässigen Psychologen etc. finden. Da steht dann auch welche Schwerpunkte die haben, welche Therpieform etc. sie anwenden. Dann musst du dich dransetzen und ganz viel Geduld mitbringen, da du die dann anrufen musst oder anderweitig kontaktierne musst. Teilweise haben die echt unglaublich lange Wartelisten und vertrösten einen, sodass du nicht direkt aufgeben darfst!

Alles Gute und viel Erfolg!

SJ5

Anfänger

  • »SJ5« ist männlich

Beiträge: 22

Zwangssymptome: Zwangsgedanken

Medikament / Dosis: 10 mg Paroxitin

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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3

Donnerstag, 14. Februar 2013, 16:16

Hey!

deine Schilderungen scheinen auch mir recht vertraut und ich will dich zunächst einmal dazu beglückwünschen, dass dus gewagt hast dich hier darüber auszutauschen. Ich kann dir aus meiner Perspektive zum 1. Thema soviel sagen; sich mit der Thematik auseinanderzusetzen ist meines Erachtens ein guter Schritt, um selbst eher damit klar zu kommen, doch musst du wissen, dass die Gedanken - selbst wenn du anfängst ihre Irrationalität zusehends selbst zu erkennen - nicht einfach weg gehen werden - dafür braucht es meines Erachtens (je nach Grad der Intensität - und die scheint bei dir ja gravierend zu sein) Hilfe in Form einer Gesprächstherapie und einer eventuellen medikamentösen Behandlung.

Zu 2.: Ich selbst war, was die Therapie-Situation anging, in genau deiner Situation; neue Stadt, noch kein Hausarzt, Angst davor, dass ich Monate auf den nächsten Termin bei nem Therapeuten warten müsste usw... Was habe ich also nach einer qualvollen Woche, in der die Gedanken omnipräsent waren und mich schier in den Wahnsinn trieben gemacht? Ich habe meine Ängste mich jemandem anzuvertrauen über den Haufen geworfen, zunächst mit meiner Partnerin darüber gesprochen, war am nächsten Tag bei einem Allgemeinmediziner, den ich nicht kannte, der mich dann sofort (weil er die Dringlichkeit - eben auch auf Grund meiner offenen und ehrlichen Schilderung - erkannte) an einen befreundeten Psychiater verwiesen, den ich noch am selben Tag aufsuchen konnte. Dieser sprach dann zum ersten Mal von Zwangsgedanken und ich konnte mich daraufhin selbst mehr mit der Thematik vertraut machen. Gerade das Lesen und Schreiben in solchen Foren halte ich für wichtig - jedoch würde ich die Recherche tatsächlich auf einen bestimmten (eingegrenzten) Bereich beschränken, da - und hier stimme ich dann auch mit einigen Psychologen überein - man immer mehr Fragen stellen wird, je mehr man in Erfahrung bringt (irgendwie für Zwangspatienten ein regelrechter Teufelskreis). Also: Wisse, wo (was Informationen angeht) deine Grenzen liegen (frage dich also: was kann ich mir und meinem Gefühlszustand zumuten?) und überwinde dich schnellstmöglich und sprich mit einem Therapeuten. Mir hat das sehr geholfen - auch wenn die richtigen Gesprächssitzungen jetzt erst langsam anlaufen...

bzgl. "Der Kobold im Kopf": Ich habe das Buch gelesen und nichts darin hat mich beunruhigt - eher war es dazu angehalten mir weiterzuhelfen - gerade weil die dort angesprochenen Thematiken eher "radikalere" Fälle von Zwangsgedanken darstellen, die oft schambehaftet sind und über die es schwer fällt zu sprechen... Von meiner Seite her kann ich dir definitiv zum Kauf raten...

zuletzt: Teile der Artikel auf folgender Seite fand ich sehr hilfreich - eventuell möchtest du einmal die Überschriften durchlesen und schauen, ob deine Symptomatik unter ihnen auftaucht. http://www.ocdonline.com/articlesphillipson.php

Yezrel

Fortgeschrittener

  • »Yezrel« ist weiblich

Beiträge: 219

Zwangssymptome: Zwangh. Persönlichkeit, Zwangh. Langsamkeit, Kontroll-/Zählzwang

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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4

Mittwoch, 20. Februar 2013, 16:59

@TomTom

Ich selbst habe mich direkt an eine Psychosomatik-/Psychiatrie-Kliniken gewandt für einen ambulanten Therapieplatz und auch gleich einen Termin erhalten. Ich hörte schon öfter, das gehe schneller. Vor allem ein Erstgespräch zur Diagnosestellung wird Dir wahrscheinlich schnell mal gegeben. Und dann ein paar Überbrückungstermine, bis Du den richtigen Therapeuten hast. Meist delegieren sie selbst zu einem geeeigneten Psychotherapeuten.
Lieben Gruß
Yezrel

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