Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Zwangserkrankungen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Sonntag, 16. September 2012, 12:08

Zwangsgedanken und skurile Bilder knallen nach Absetzversuch (Amisulprid) auf einmal wieder VOLL REIN...

Hallo, ich bin männlich, 37 Jahre und
lebe seit ca. 2 Jahren mit Zwangsgedanken. Den auslösenden Moment
erinnere ich noch sehr genau, ich befand mich aufgrund einer
ausgebrochenen Angststörung in einer psychosomatischen Klinik, die
Angst zeigte sich nach einer allergischen Reaktion auf ein Medikament
(Atemnot, Hautrötungen, Hitzewallungen, Todesangst). Ich wurde
(rückblickend leider) mit „Tavor behandelt“ bzw. nahm es in
geringen Dosen (aus Angst vor Medikamenten mit denen ich im Leben
zuvor nie etwas zu tun hatte), ca. 7 Monate lang. In der Klinik
konnte ich den den Konsum von täglich max. 1,5mg auf locker 0,5mg
reduzieren – klar: Sicheres Umfeld, Mitpatienten mit Verständnis,
immer jemand zum Reden da.



Dann die Nacht vor der Abreise nach
Hause... in ein ungewisses zu Hause, denn das Objekt in dem ich mit
meiner Partnerin damals lebte sollte geschlossen werden weil die
Vermieterin ein marodes Dach nicht mehr hat reparieren lassen –
entgegen aller vorherigen Zusagen. Ergo wurde ich aus der warmen,
kuscheligen Klinik mit Einzelzimmer auf Hotelniveau inkl. Parkanlage
zurück ins harte Elend einer bei Regen tropfenden Hütte
geschleudert die noch nicht einmal fertig renoviert war – was sich
bei einer angekündigten Stilllegung der Wohnung ja auch nicht mehr
lohnte.


In besagter Nacht vor der Abreise also
extreme Unruhe und dann auf einmal: PENG... ekelhafteste
Zwangsgedanken gegenüber der Partnerin und unserem damaligen Hund.
So als würde alles in mir schreien: „Ich will da nicht hin!“.
Vermutlich wäre das nicht passiert, hätte ich mehr von dem Tavor
genommen – ein Arzt, der mich vor 1,5 Jahren erfolgreich ambulant
entzogen hat meinte: „Hätten Sie mehr genommen, wären Sie nicht
in solche Emotionsschwankungen geraten, aber weil sie wenig genommen
haben, war der Entzug jetzt um so leichter!“.


Nun denn, ich ging nach einigen Monaten
noch mal in eine Klinik (aus Angst vor diesen Gedanken), aber das war
eher ein Flop. Medikamentös wollte man mir damals „Seroquel“
angedeihen lassen. Nach der Einnahme von nur 25mg hatte ich nach 2
Stunden Beton in Armen und Beinen, mein Hirn war vernebelt, Schleier
vor den Augen. Prima, die Zwangsgedanken waren weg – aber alles
andere auch.


Nun denn, wir zogen in eine neue
Wohnung, in der ganzen Zeit verstarb auch meine Mutter, mein Vater
suchte das Weite, heiratete neu. In der neuen Wohnung ging es dann
besser, der Druck der Wohnungssuche war weg. Dumm nur: Die Wohnung
befindet sich in einem Objekt das zum Verkauf steht, seltsamer
Erbstreit und ein Nachbar (Schwiegersohn des verstorbenen Inhabers)
der ständig Terror machte um uns und unsere Nachbarin rauszumobben.
Wir haben uns erfolgreich gewehrt, es kehrte Ruhe ein, einen
Neurologen fand ich auch und wir haben uns auf „Amisulprid“
geeinigt. Da ich auf Medikamente extrem empfindlich reagiere, wurden
MAXIMAL 50mg für den ganzen Tag angesetzt die ich nach Bedarf nehmen
sollte (also auch in mehreren, kleinen Stückchen). Das Zeug wirkte
super, ich wurde aber immer fetter (bin eh schon kein Magermodel).


Nach 3 Monaten und 10 Kilo mehr meinte
der Doc auf meinen Frust: „Dann lass die mal weg!“. Ich also von
heute auf morgen abgesetzt und siehe da: Keine Zwangsgedanken,
Gewicht ging runter, ich fühlte mich mehrere Monate wie neu geboren,
ganz ohne Medikamente. Dann tauchten auf einmal wieder die
Zwangsgedanken auf, sehr intensiv und skuriler als sonst – meist,
wenn ich zur Ruhe komme und nicht abgelenkt bin. Ich nahm also wieder
„Amisulprid“ und schlagartig waren die Gedanken wieder weg. Das
ging wieder so ca. 3 Monate bis ich vor ca. 4 Wochen extreme
Muskelprobleme bekam oder sagen wir eher: Es fühlte sich an wie nach
2 Wochen Arbeiten im Steinbruch, ein ziehen und zerren im ganzen
Körper.



Ich hielt das einige Zeit durch, dann
nervte es mich. Neurologe meinte beim Termin: „Sie schildern
typische Nebenwirkungen von „Amisulprid“, aber die haben andere
erst bei der 10-fachen Menge (also 500mg und mehr). Ich setzte das
Zeug wieder ab (von jetzt auf gleich) und nach nur einem Tag waren
diese „Zerrgefühle“ verschwunden. Allerdings kamen meine
Gedanken und Grübeleien wieder durch, stärker als sonst. Beim
Einkaufen dann ein „Knallen in der Lippe“ (Zucken), habe mich
total verjagt, Unruhe, Angst, Unsicherheit. Lag zu Hause total
aufgelöst, Freundin meinte: „Du musst es mit dem Absetzen auch
immer gleich übertreiben, Du nimmst jetzt ein Stückchen
Amisulprid!“. Gesagt, getan... nach 20 Minuten wurden die Muskeln
wieder schwer aber ich ruhig, die Zwangsgedanken und Ängste: Weg....
Ich fühlte mich erleichtert.


Am Abend jedoch stand auf einmal jemand
vor der Türe (ein Rumäne) der meinte, er wolle mal die Wohnung
sehen, vielleicht will er das Objekt kaufen um Gastarbeiter
unterzubringen (in unserem Dorf ein aktueller „Trend“ aufgrund
einer naheliegenden Fleischfabrik, einer der modernsten und größten
Europas). Das es einmal so in der Art kommen würden war abzusehen,
aber jetzt war es präsent, hatte ein Gesicht. Also wieder Verlust
von etwas, Unsicherheit über die Zukunft. Prompt überrannten mich
einen Tag später meine Zwangsgedanken TROTZ erneuter Einnahme von
Amisulprid. Vollkommen wirres Zeug, teilweise so als würde ich
„Tagträumen“ und es „live miterleben“, einfach ekelhaft. Ich
konnte kaum irgendwo hinschauen ohne dabei skurile Bilder oder
Gedanken auszulösen. Also Amisulprid etwas erhöht (aber immer noch
max. 50mg am Tag) – ohne Erfolg. Und das ist der aktuelle
„Ist-Zustand“: Vollkommen wirre Bilder und Gedanken, so als
pralle die gesamte Krankheit mit voller Wucht auf mich zu. Das
Amisulprid das zwei Tage vorher in einer Mini-Dosis noch gewirkt hat
(inkl. Nebenwirkungen) zeigt nun bei doppelter oder dreifacher Menge
keinerlei Effekt (auch keine Nebenwirkungen).


Ich hatte schon häufiger das Gefühl,
das Medikamente bei mir manchmal gar nicht wirken und dann auf „einen
Schlag“, so als würde der Körper eine Art „Depot“ anlegen
dessen Inhalt irgendwann voll reinknallt, bis dahin jedoch: Gar
nicht. Nun bin ich unsicher, mein Neurologe geht zum Ende des Monats
aus der Praxis (wieder Verlust) und mit Amisulprid will ich mich
jetzt auch nicht in meiner Unsicherheit „vollpumpen“, wobei ich
ja mit 50mg wirklich extrem niedrig agiere. Soll ich nun einfach mal
eigenmächtig auf 100mg hochgehen? Für den „Notfall“ habe ich
noch Atosil hier (2 Tropfen reichen um innere Unruhe zu nehmen), auch
„Opipramol“ (Insidon) und Seroquel. Angepackt habe ich davon noch
nichts, auf Seroquel möchte ich nach der unschönen Erfahrung vor
1,5 Jahren auch eher verzichten.


Puuhh, das war jetzt viel „Input“
für Euch aber ich denke die Umstände sollten genannt werden damit
man sich ggf. ein besseres Bild machen kann. Meine Vermutung ist:
Durch das letzte Absetzen des Amisulprid (wegen der „Muskelschwere“)
war mein Schutzschild kurz weit offen und in genau diesem Moment
landet die Realität auch noch unerwartet einen perversen Treffer.
Und jetzt „bebt“ meine Seele noch nach und die erneute Einnahme
des Amisulprid verpufft in kleineren Mengen erst einmal wirkungslos.



Watt nu? ;-)

Ähnliche Themen

Verwendete Tags

Amisulprid, Angst, Bilder, Gedanken, Solian