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giftmischer

unregistriert

1

Sonntag, 9. August 2009, 18:29

Angst vor alltäglichen Anforderungen

Hallo,

ich bin 20 Jahre alt und habe seit circa 8 Jahren ganz schlimme Zwangsgedanken. Das Problem ist, dass meine Art der Zwangsgedanken nicht gerade weit verbreitet ist, im Grunde genommen habe ich noch von niemandem gehört oder hier im Forum gelesen, der so etwas ähnliches hat. Das ist ein großes Problem, weil man dann immer Schwierigkeiten bei Therapeuten oder Psychiatern hat, das überhaupt einmal zu erklären und dass es dann auch noch anerkannt wird. Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, dass meine Krankheit Zwangsgedanken heißt.

Ich versuche jetzt erst einmal meine Zwangsgedanken zu beschreiben, auch wenn ich das sehr schwierig finde.
Also, es geht darum, dass ich Ängste vor ganz alltäglichen Abläufen habe, die andere Menschen problemlos hinnehmen können. Es sind Ängste vor abstrakten Vorstellungen, ich denke manchmal, dass ich solche Vorstellungen nicht verarbeiten kann in meinem Gehirn und dass das dann zu immer im Kreis laufenden Gedanken führt, die sich steigern, weil ich immer mehr Energie dazu aufwende, dass sie verarbeitet werden, aber diese Verarbeitung gelingt eben nie. Das hat dann zur Folge, dass mir der Kopf schon weh tut vor lauter Denken und ich fast verzweifele, weil ich das nicht abstellen kann und zu keinem Ergebnis komme. Aber ich will mir diese Dinge vorstellen, damit meine Angst weniger wird. Vielleicht sind ja auch meine Gefühle die Ursache dazu, denn hätte ich keine solche Angst und nicht das Gefühl, dass es unerträglich ist, müsste ich auch nicht so scharf nachdenken.

Konkret habe ich Angst, weil ich glaube, die Anforderungen eines Tages nicht erfüllen zu können. Wenn ich weiß, dass ich morgen einige Termine habe, gerate ich fast in Panik, weil ich Angst habe, diese Termine zeitlich nicht miteinander koordinieren zu können. Ich brauche immer genug Zeitspannen, in denen ich nichts vor habe, um sicher gehen zu können, dass ich alles andere schaffe. Aber eben diese Zeit habe ich nicht, was mich in Panik verfallen lässt. Außerdem fühlt es sich unerträglich an, dass ich eine bestimmte Zeit einfach nur aushalten muss, dass ich in dieser Zeit dies und jenes tun muss. Ich ertrage die Vorstellung nicht, beispielsweise 8 Stunden in der Schule sitzen zu müssen. Das ist so eine abstrakte Vorstellung, an der mein Gehirn scheitert. Ich darf an einem Tag nicht zu viel verplante Zeit haben, weil ich sonst verzweifelt werde. Es bringt mich schon total aus der Bahn, wenn ich nach der Schule noch zum Arzt soll. Ich habe das Gefühl, das nicht zu schaffen, das nicht auszuhalten. Das größte Problem aber sind Hausaufgaben. Ich fürchte mich immer, sie zeitlich am Nachmittag oder Wochenende nicht hinzubekommen. Das versetzt mich schon bevor ich überhaupt weiß, was es aufgibt, in Panik. Ich kann mir für Nachmittage oder Wochenenden nichts vornehmen aus lauter Angst, dazu keine Zeit zu haben, weil ich noch Hausaufgaben machen muss. Und vor lauter Angst mache ich mir immer Horrorvorstellungen, was, wie schwierig und wie viel wir denn aufbekommen könnten und weine fast schon im Unterricht, weil mich allein die Vorstellung überfordert.

Ich bin eigentlich ständig tief in meinen Gedanken versunken, rechne mir Zeitpläne aus, überlege wie viel Zeit ich zum essen, zum Schuhe anziehen, zum duschen usw. habe, damit ich noch meine Schulsachen gemacht bekomme, verzweifle völlig, wenn ein unvorgesehenes Ereignis meinen Zeitplan durcheinanderbringt oder wenn alles planen nichts nützt und ich doch nicht alles hinbekomme, was ich schaffen muss. Ich will doch nur alles in Ruhe angehen können und nicht Angst haben müssen, dass ich die Anforderungen nicht erfülle, aber das Leben überfordert mich ständig. Selbst Kleinigkeiten bringen mich in schlimmen Stimmungen zum Weinen, wenn ich Blumen gießen soll oder ähnliches, weil das in Verbindung mit dem anderen einfach zu viel wird.

Ich bekomme die Gegenwart oft nur hintergründig mit, weil ich so in Gedanken versunken bin. Immer wieder komme ich in prekäre Situationen, wenn ich mitten in der Öffentlichkeit oder Schule einfach in Tränen ausbreche, weil mich alles überfordert, und ich doch niemandem sagen kann, was mit mir los ist.
Umso erschreckender ist das, wenn man bedenkt, dass ich immer einen Einserdurchschnitt habe und fast immer Klassenbeste bin. Alle denken, die Schule fiele mir so leicht, aber dass ich nachmittags stundenlang weine und nur noch abbrechen will, weiß niemand. Ich bin intelligent vom Gehirn her, aber ich ertrage das alles einfach nicht. Es schmerzt innerlich so und ich kann mir das nicht erklären.

Und oft mache ich mir wochenlang wegen etwas, was in der Zukunft sein wird, Sorgen und habe wochenlang kaum noch schöne Augenblicke, weil ich im Voraus schon so darunter leide. Beispielsweise bin ich im August schon wie gelähmt vor Angst, weil ich im Oktober einen Termin habe und schon jetzt Angst habe, das zeitlich nicht zu schaffen oder keine Energie mehr für den Termin zu haben. Denn das mit der Energie ist auch so eine Sache, ständig fürchte ich eben, von dem was ich aushalten kann nicht stark genug zu sein, Situationen auszuhalten. Dabei kosten mich die Zwangsgedanken eigentlich am meisten Kraft.

Vor allem ist es auch eine übergroße Schwierigkeit für mich zum Psychologen zu gehen, weil mich diese Termine auch so belasten, denn ich muss da wochentags hin, also nach Schule oder Arbeit und habe Angst, wenn ich durch den Termin so viel Zeit und Energie verliere, dass ich den Rest des Tages nicht mehr schaffe, keine Hausaufgaben fertig bekomme oder einfach nur dass es schmerzt, weil es zu viel ist. Ich kann mir das nicht zumuten, die Angst und das Leid sind zu groß, ich kann nicht alles auf einmal.

Ich kann mich auch auf eigentlich schöne Dinge kaum freuen, weil ich immer die große Angst habe, keine Zeit dafür zu haben. Ich habe solche Angst davor, jemandem ein Treffen absagen zu müssen, dass ich mich kaum traue, eins zu vereinbaren. Ich will glücklich sein und auch schöne Erlebnisse haben, aber ich muss immer wieder erleben, dass meine Zeit es nicht zulässt oder aber dass es meine Erträglichkeit nicht zulässt. Eigentlich schöne Dinge verursachen bei mir im Vorhinein manchmal nur noch Schmerz, keine Vorfreude mehr, wie es eigentlich sein sollte.

Ich brauche allein schon so viel Zeit am Tag für meine Zwangsgedanken, das ist furchtbar, und auch das Paradoxeste überhaupt, aber ich kann es nicht ändern. Außerdem bin ich sehr verträumt und brauche mehr Zeit um etwas zu durchdenken als andere, ich bräuchte also auch viel Ruhezeiten am Tag, um das Erlebte zu verarbeiten, und komme nicht damit klar, wenn ich die nicht habe.

Es ist grausam, sich innerlich selbst zu zerstören. Und dazu noch so wenig Verständnis von dem Umfeld zu erfahren. Alle sagen immer, dass ich diese Gedanken und Ängste einfach abstellen soll, aber ich kann das nicht. Ich kämpfe immer so sehr dagegen an, bis mein Kopf zu zerspringen scheint und es innerlich nur noch schmerzt, aber am Ende muss ich mich doch geschlagen geben und fühle mich nur noch entsetzlicher, weil es mir wieder nicht gelungen ist, die Gedanken zu überwinden. Dabei habe ich mir schon so gute Bekämpfungsstrategien überlegt, aber es klappt dennoch nicht.
Jetzt fange ich bald eine neue Arbeit und Schule an und bin einmal gespannt, wie es damit laufen wird. Ich habe einfach Angst davor, damit überfordert zu sein und dass die Zwangsgedanken wieder so stark werden. Aber mir bleibt ja doch keine andere Wahl, als es auszuprobieren.

Bisher war ich bei einer Kinder-und-Jugend-Psychologin, die mir jedoch nicht helfen konnte. Es ging immer nur darum, dass ich von meinen Schwierigkeiten erzähle, aber sie konnte mir keine Therapiemöglichkeiten aufzeigen. Sie hörte bloß zu, schlug vor, wie ich die Gedanken bekämpfen könnte, hörte sich dann von mir an, dass ich das sowieso schon versuche, es aber nicht wirkt, und danach war sie auch ratlos. Es war zumindest hilfreich für mich, überhaupt über meine Probleme sprechen zu können, zu erfahren, dass sie wohl auch ernst genommen werden, aber die Psychologin konnte mir eben nicht helfen, Fortschritte zu machen oder die Krankheit zu bekämpfen. Das habe ich immer auf eigene Faust versucht, bin aber auch immer gescheitert. Und jetzt kann ich sowieso nicht mehr weiter zu ihr gehen, da ich zu alt werde. Ich würde gerne einen Therapeuten finden, der wirklich weiß, was man tun kann, aber wegen meiner neuen Beschäftigung fühle ich mich nicht dazu imstande, mich darum zu kümmern.
Medikamente hatte ich auch schon, aber ich glaube, keine gegen Zwangsgedanken, ich weiß aber auch gar nicht mehr, was man mir schon alles gegeben hat.
Vor einigen Jahren war ich auch einmal in einer Klinik, aber dort diagnostizierte man mein Problem falsch, weswegen mir der Aufenthalt nichts brachte und ich jetzt einen richtigen Horror vor solchen Kliniken habe, weil ich dort ständig überfordert wurde und mich der ganzen Therapie nicht gewachsen gefühlt habe. Ich stand zu sehr unter Druck.

Gibt es denn irgendjemanden, der ähnliche Zwangsgedanken hat oder bin ich damit wirklich allein?
Fällt irgendjemandem ein, was ich dagegen machen kann? Die gängigen Methoden wie die Auseinandersetzung mit der Angst bringen bei mir ja überhaupt nichts, weil ich immer dazu gezwungen war, mich der Angst zu stellen, denn ich durfte nie von der Schule einfach wegbleiben, nur weil ich Angst hatte. An manchen Tagen war meine Angst zwar unbegründet, an ganz vielen Tagen aber auch nicht und es war schlimmer, als ich es mir gedacht hatte, und die Angst wurde nie weniger, egal wie oft ich mich ihr gestellt habe.
Ich bin wirklich ratlos, wie ich diese Zwangsgedanken besiegen kann und wünsche mir so sehr, endlich ohne sie leben zu können.
Es kann sich natürlich jeder auch einfach dazu äußern.

Viele Grüße,
giftmischer

2

Sonntag, 9. August 2009, 23:05

RE: Angst vor alltäglichen Anforderungen

Hi
Leider kann ich Dir nicht ganz bei Deinen Zwängen folgen.
Ängste vor abstrakten Vorstellungen...?
Beschreibe mal, wenn möglich, wie so ein Zwangsgedanke genau aussieht.
Viele Grüsse
Ralf

Brummbär

unregistriert

3

Montag, 10. August 2009, 00:16

Ich kann dafür umso besser folgen.
Das sind zum Teil Zwangsgrübeleien, die ein fürchterliche Angst auslösen können, wenn was aus dem Takt gerät, wenn der Zeitplan gestört wird.
Änderungen müssen mind. 2 Tage vorher bekannt werden, damit man sich drauf vorbereiten kann. Bloß nie irgentwo zuspät kommen.
Das Schlimme ist dann, dass ich die selbe Überpünktlichkeit auch von anderen erwarte, damit eben der Zeitplan wieder stimmt. Wenn der andere zu einem Termin auch nur wenige Minuten zu spät kommt, gerate ich in Panik. Mein Therapeut bestellt mich deshalb nicht mehr morgens als erste zu ihm, damit er auch wirklich pünktlich da ist. Ich klingle immer minutiös genau bei ihm, er steht schon an der Tür am Drücker für den Summer. Dafür hat er aber auch keine Probleme mich nach 50 Min rauszuschmeißen, ich gehe schon von allein.
Das lässt sich wirklich schlecht beschreiben, wie soll man Zeit ausdrücken?
Auch die anderen beschriebenen Probleme kenne ich, hurra, ich bin nicht alleine.
Kommt Dir das bekannt vor, giftmischer?

giftmischer

unregistriert

4

Montag, 10. August 2009, 21:47

@ Ralf:

Tut mir leid, wenn ich mich für dich nicht klar genug ausgedrückt habe, aber ich habe echt Schwierigkeiten damit, das, was ich fühle und denke, zu beschreiben.

Eine Beschreibung von einem Zwangsgedanken? Gut, ich versuche es einmal.
Beispielsweise kommt mir mitten im Tagesgeschehen der Gedanke, dass mich ein Bekannter, den ich sehr vermisse, morgen anrufen oder mich gar treffen wollen könnte. Eigentlich ein erfreulicher Gedanke, doch gleich darauf beginnt meine Angst, indem ich mich frage, ob ich es überhaupt zeitlich hinbekäme, mit ihm zu telefonieren oder ihn zu treffen. Gerade weil ich unbedingt mit ihm Kontakt will, habe ich umso größere Angst, es nicht zu können. Im ersten Schritt beginne ich mir dann zu sagen, was ich morgen von wann bis wann sicher vorhabe, z.B. Schule. Ich überlege, was ich in der Schule mache, was für einzelne Fächer ich habe und was wir in diesen konkret durchnehmen und morgen tun könnten. Ich versuche mir die Stunden richtig vorzustellen, sehe vor meinem inneren Auge die Gesichter aller Mitschüler und Lehrer, höre Zitate oder noch nie gesagte, aber doch mögliche Sätze von den Betroffenen. Ich versuche mir weiterhin vorzustellen, was für Hausaufgaben es in den einzelnen Stunden geben könnte. Dazu habe ich spezielle Ideen, die ich mir genau überlege. Z.B. wäre es eine von vielen Möglichkeiten, in Deutsch eine Interpretation aufzubekommen, somit überlege ich mir genau, was ich darin schreiben kann, plane und strukturiere schon im Vorhinein den Aufsatz. In Mathematik überlege ich mir schon mögliche, konkrete Aufgaben mit Zahlenbeispielen. Und das für jedes Fach am Tag. Ich denke mir aus, wie, mit welcher Einstellung und welchen Gefühlen ich die Aufgaben machen werde, was für Gefühle ich in den Stunden haben werde und natürlich, wie viel Zeit ich für die Aufgaben unter bestimmten Voraussetzungen haben werde. Ich rechne aus, wie lange ich höchstens jemals für jedes Fach gebraucht habe, wie lange durchschnittlich, wie die Chancen stehen, dass es wenig aufgibt, überlege, wie ich effizienter arbeiten könnte und bekomme langsam Panik, weil mir durch das genaue Aufzählen von allem erst klar wird, wie viel das alles ist und das fördert natürlich das Gefühl, überfordert zu sein. Ich überlege dann, wann ich wie viel Zeit für die Aufgaben habe, rechne jede Minute ein, die kleine Pause, sogar die Zeit im Bus. Dann kommen mir Gedanken, warum ich diese wichtigen Zeiten, die kleine Pause z.B. doch nicht haben werde, wenn mich vielleicht ein Mitschüler anspricht oder ich den Klassensaal wechseln muss und somit nicht zum arbeiten komme. Je mehr Zeit wegfällt, desto mehr fühle ich mich unter Druck. Ich mache mir Angstvorstellungen, warum mir wichtige Zeiten wegfallen könnten und entwickle Strategien, um genau das zu verhindern. So viel Aufwand für ein paar Minuten, aber in dem Moment kommt mir jede Minute kostbar vor und ich habe Angst, dass mich eine Minute alles kosten könnte. An dieser Stelle versuche ich mir klarzumachen, dass ich mir nur selbst Angst mache, indem ich mir das Schlimmste vorstelle. Also beginne ich von vorne, dieses Mal will ich den Tag in Gedanken noch früher erfassen und strukturieren. Ich beginne in Gedanken beim Aufstehen, überlege mir in jedem Detail plus Zeitangabe alles was ich tue, bis ich überhaupt erst einmal in der Schule bin. Obwohl das, was so früh passiert noch gar keine Auswirkungen auf ein Treffen am Abend haben kann und auch nicht auf die Hausaufgaben. Aber genau das denke ich, dass meine Stimmung zu Beginn des Tages ausschlaggebend dafür ist, wie schnell ich arbeiten kann. Somit muss diese mitanalysiert werden. Aber ich verliere dadurch jeden Bezug zum eigentlichen Problem und verstricke mich völlug in den Gedanken. Nachdem ich das gedacht habe, denke ich von vorne an alle Stunden und die Hausaufgaben, gehe dann weiter, stelle mir genau vor, wie ich heimfahre und zuhause endlich mit den Aufgaben beginnen kann. Ich stelle mir alles genau vor, wie ich mein Heft aufschlage, Farbe von Heft, Stift, Tisch, stelle mir auch die schon geschriebenen Einträge im Heft vor, versuche sie zu zitieren, stelle mir dann vor, was ich schreibe, formuliere es schon vor, stelle mir mein Schriftbild vor, auch meine Gefühle und Gesichtsausdrücke werden schon im Vorhinein ermittelt, aber ich scheitere an dieser genauen Vorstellung, woraufhin ich damit wieder von vorne anfange, wieder mit Heftaufschlagen, diesesmal stelle ich mir drum herum aber noch das Zimmer vor, das Wetter draußen, überlege ganz genau, wie dunkel der Himmel sein könnte, ob der Wind vielleicht weht oder nicht, bis ich halb zwischen Vorstellen-können und Scheitern der Vorstellung hängen bleibe und zur Vorstellung der nächsten Hausaufgabe übergehe. Dann überlege ich, was mich stören könnte, welch unvorhergesehenen Ereignisse mir Zeit stehlen könnten, ob ich zu müde sein könnte und dadurch langsamer als gedacht. Als ich gerade beruhigt bin, weil ich ausgerechnet habe, dass ich selbst im schlimmsten Fall bis 20 Uhr fertig bin mit den Hausaufgaben, wird mir wieder schlecht vor Angst, weil mir einfällt, dass ich etwas in meinen Überlegungen übersehen habe, für was ich auch noch Zeit einplanen muss. Daraufhin dreht sich mir alles im Kopf, ich kriege die zusätzlichen Termine nicht noch unter in mein Konzept. Heißt, ich muss wieder von vorne anfangen. Diesesmal noch viel weiter vorher. Ich beginne damit mir den heutigen Abend vorzustellen, weil meine Gefühle und Situation von heute wichtig für die Effizienz beim Arbeiten morgen sein könnte. Ich gehe den heutigen Abend detailgenau durch und dann kaue ich den ganzen morgigen Tag wie oben bereits beschrieben erneut durch, bis ich erneut beim Abend angekommen bin und höchstwahrscheinlich irgendwo wieder scheitere, mir das vorzustellen. Dann gehe ich dazu über, den heutigen Tag genau zu formulieren, als Vorlage für den morgigen. Irgendwann später komme ich wieder zum eigentlichen Problem zurück, überlege, wann der Bekannte anrufen könnte. Ich gehe alle Uhrzeiten durch und bei jeder fällt mir ein, warum es gerade dann ungünstig ist. Und dann gerate ich in Panik, weil ich nicht weiß, wann ich mich noch fertig machen sollte, wenn er mich treffen will. Letztendlich bete ich, dass er sich morgen gar nicht meldet, damit ich keine Probleme habe, obwohl ich mich doch eigentlich so nach ihm sehne. Also suche ich doch noch nach Möglichkeiten, meine Zeit besser einzuplanen. Dann will ich mit all den unsinnigen Gedanken aufhören, doch zu spät, die Angst sitzt schon zu tief und es folgt ein längerer gedanklicher Kampf darum, ob ich es schaffe, von den Gedanken loszukommen oder nicht, dabei halte ich mich auch an Rituale und vorgefertigte Sätze, die mich beruhigen sollen, aber das angstvolle Gefühl bleibt trotzdem.

Und so viele Gedanken, obwohl ich nicht einmal sicher weiß, ob er überhaupt anrufen wird oder ein Treffen wollen wird und die konkreten Aufgaben auch noch nicht kenne. Alles so umsonst, aber die Angst treibt mich einfach in die Gedanken hinein, anstatt dass ich einfach ruhig abwarten würde.
Ich kann das nicht ertragen, wenn ich vorher nichts sicheres weiß und nicht weiß, ob das alles überhaupt zu schaffen ist und ob ich die Kraft dazu habe.
Abstrakt ist eben die ganze Vorstellung, weil nichts davon klar ist und ich mir alle möglichen Abläufe nur zusammenreime. Ich will das, was morgen oder irgendwann sein wird, schon in der Vorstellung genau erleben, um sicher sein zu können, davor keine Angst haben zu müssen, denn so lange es unklar ist und ich es nicht kenne, macht es mir Angst. Aber ich kann mir das Zukünftige eben nicht vorstellen, wie es sein wird, weshalb ich auch nie Erleichterung mit den Gedanken finde. Ich habe nur Angst, es nicht zu schaffen, aber nichts kann mir diese nehmen und deshalb muss ich immer weiter denken und immer wieder dieselben Gedankengänge wiederholen in der Hoffnung, dass sich ein beruhigendes Gefühl einstellt. Aber in Wahrheit steigert das Denken die Angst nur, aber wenn ich nicht denke, werde ich auch wahnsinnig. Es kommt so oft vor, dass ich mir in Gedanken eine Tätigkeit länger vorgestellt habe als letztendlich die wirkliche Ausführung gedauert hat. Wenn ich die Ausführung überhaupt bewusst mitbekomme, da ich meistens in Gedanken dann schon wieder bei der Vorstellung der nächsten Tätigkeit bin.

Sorry, ein langes, wahrscheinlich nerviges Beispiel, aber so funktioniert das eben. Außerdem verdeutlicht es ein konkretes Beispiel hoffentlich am ehesten.


@ Brummbär:
Dass ich mich nicht schnell auf Änderungen einstellen kann, stimmt schon. Sobald ich von einer Abweichung des gewohnten oder gedachten Zeitplanes erfahre, beginnen die Gedanken sofort zu rasen und alles muss neu geplant werden, ich kann es nicht einfach hinnehmen wie ich es bei anderen sehe, die auf solche Änderungen nur mit einem Schulterzucken reagieren.
Andererseits habe ich weniger Zeit mir Gedanken zu machen je später ich von einer problematischen Änderung erfahre. Ich hasse es, schon Wochen vorher davon zu erfahren, weil ich dann wochenlang nicht von den Gedanken daran loskomme. Am besten schockt man mich mit Änderungen so kurzfristig, dass ich gar keine Gelegenheit bekomme, zu denken.
Bei den gewohnten Abfolgen habe ich eben mehr Sicherheit, dem gewachsen zu sein als bei Ungewohntem.
Und ich hasse es, wenn andere erst etwas ankündigen und es danach doch nicht so umsetzen, wie sie angekündigt hatten. Es hätte mir schon so oft so viel Angst erspart, wenn die Leute vorher nicht horrormäßige Ankündigungen gemacht hätten.

Danke für deine Antwort und schön, dass du meine Zwänge ein bisschen verstehst.
Wie nett, dass dein Therapeut sich da ganz auf dich einstellt, denn gerade in Arztpraxen und bei Therapeuten ist Unpünktlichkeit bei den Ärzten doch etwas kaum wegzudenkendes, weil so oft Patienten ihre Zeit überziehen. Also, Pünktlichkeit in dieser Hinsicht habe ich noch nie erlebt.
Wie gehst du denn mit diesen Zwangsgedanken im Alltag um?

5

Montag, 10. August 2009, 22:01

RE: Angst vor alltäglichen Anforderungen

Hallo,

ich bekomm auch oft Panik, wenn ich unvorbereitet mit neuen Sachverhalten
konfrontiert werde. "Multitasking" überfordert mich.
Hab irgendwie das Gefühl, den Überblick und die Orientierung zu verlieren, wenn
mein Leben mal nicht nach Schema F verläuft.

Tipp: Versuch mal, deine Gedanken zuzulassen und sie zu ignorieren, anstatt
sie ständig zu bekämpfen.

Gruß Kater