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darkwave

Schüler

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Beiträge: 58

Zwangssymptome: Zwangsgedanken, Waschzwang

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1

Samstag, 25. April 2009, 21:20

Meine Rezession zu "Frei werden von Zwangsgedanken"

wie versprochen, meine Rezession zu dem Buch:

Frei werden von Zwangsgedanken
von Hansruedi Ambühl (Autor)

amazon-Link:

http://www.amazon.de/Frei-werden-Zwangsg…40682025&sr=8-1


das ist mein erstes Buch zum Thema Zwangsstörungen, das ich mir zugelegt habe.
Ich habe mich bewusst für "Frei werden von Zwangsgedanken" entschieden, auch wenn es vom selben Autor noch das Werk "Wege aus dem Zwang. Wie Sie Zwangsrituale verstehen und überwinden" gibt, wie noch viele weitere Bücher, die in diese Richtung gehen. Denn ich leide hauptsächlich an ZwangsGEDANKEN, kenne in Grundzügen auch die anderen Formen von Zwangsstörungen, aber dieses Wissen reicht mir auch.

Wer schon Bücher von Hansruedi Ambühl gelesen hat, wir mir recht geben: ein absolut positiver Aspekt ist seine Schreibweise!
Er schreibt so, dass wirklich JEDER damit was anfangen kann. Kein Kauderwelsch, kein Geschwafel, keine hochgestochenen Fachausdrücke in jedem Satz. Die paar wenigen (für mich) Fremdwörter, die er benutzt, kann man wortwörtlich an einer Hand abzählen.

Selbst die ein-einhalb Seiten über die biochemischen Prozesse im Gehirn sind so verständlich und bildhaft beschrieben, dass kein Diagramm notwendig ist, kein medizinisches Fachchinesisch und keine seitenlange Ausführung über die Vorgänge im Gehirn. Was Ambühl in wenigen Absätzen schreibt, reicht vollauf um es zu verstehen und sich vorstellen zu können.

Positiv des weiteren: die vielen Fallbeispiele verschiedenster Patienten. Vielleicht erscheint einem das zuerst etwas viel an einigen Stellen, aber früher oder später findet man sich in dem einen und/oder anderen Fall wieder, mit jedem neuen Fallbeispiel wurde es für mich interessanter zu lesen, mit welchem Problem diese Person sich rumzuschlagen hat.
Und diese sind keineswegs ausgedacht, sondern Probleme von realen Personen, so wie sie Herr Ambühl in seiner Praxis von seinen Patienten geschildert bekommen hat.


Gefallen hat mir auch, dass der Autor ab und zu Beispiele und Sätze aus Werken von anderen Autoren verwendet hat, die sich ebenfalls mit diesem Thema auseinandersetzen.

Für Angehörige von Zwangskranken halte ich dieses Buch absolut geeignet, um ihnen das Verständnis zu vermitteln, was im Kopf von Menschen mit dieser Krankheit vorgeht.

Für Leute wie mich, die seit vielen Jahren an Zwangsstörungen leiden, ist das Buch sicher auch eine Bereicherung. Allerdings darf niemand erwarten, dass es ihm nach dem Lesen des Buches aufgrund der Tipps, der erörterten neuen Sichtweisen über den Umgang mit Zwängen und den empfohlenen Bewältigungsstrategien schlagartig besser geht!

Die dort beschriebenen Sichtweisen sind soweit alle logisch und nachvollziehbar, aber man muss auch die Kraft und den Willen dazu aufbringen, das Ganze anzuwenden und durchzuhalten. Einiges davon ist kein Zuckerschlecken, aber es nicht unmöglich!


Da ich schon lange an dieser Krankheit leide, ist für mich viel in dem Buch nicht neu, es ist interessant darüber zu lesen, und man erkennt sich in dem einen oder anderen Fall mit Sicherheit wieder. Die Erklärung, wie der Zwang einen in Schach hält, wie er sich bei den Menschen äußert, welche Arten von Zwängen und sogenannten "Beruhigungsritualen" es gibt, nimmt etwas über die Hälfte des Buches ein... Man sollte daher nicht an die Sache herangehen und denken "ja, weiß ich alles... erzähl mir mal was Neues!". Das Neue daran sind dann eher die verschiedenen Sichtweisen und Bewältigungsstrategien, nicht das, was der Zwang mit einem anstellt... das weiß jeder Zwängler selbst am besten.

Oftmals wiederholt Ambühl eindringliche Sätze und Inhalte, wie dass der Zwang Anspannung, Ekel, Angst usw. auslösen kann. Das Beruhigungsrituale nur kurzzeitig zur Beruhigung beitragen usw. Selbst wenn man mitten ins Buch hineinlesen würde, würde man irgendwann wieder auf einen ähnlichen Satz mit gleichen Inhalt treffen. Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass sich der Autor oft wiederholt, aber es gibt schon so einige Passagen, wo das der Fall ist. Aber vielleicht ist das auch gewollt, denn es sind ausschließlich Inhalte, die kurz und prägnant die Sache auf den Punkt bringen...


Ambühl zeigt im zweiten Teil seines Buches 3 mögliche Vorgehensweisen auf, dem Zwang Paroli zu bieten. Sowohl die Vorteile jeder einzelnen Methode, wie auch die Grenzen. Ebenso was eine Kombination dieser Methoden bewirken kann.
Dies hat auch mir geholfen, neue Sichtweisen zu entdecken. Würde man jetzt noch den Mut und die Einsicht dazu aufbringen, darauf so gut wie es einem möglich ist einzugehen, hätte man mit Sicherheit ein paar Probleme weniger.



Fazit:
Durch die angenehme und verständliche Schreibweise des Autors macht es Spass das Buch zu lesen. Ich war in 3 Tagen durch und nur die Müdigkeit konnte mich vom weiterlesen abhalten.
Für Angehörige halte ich das Buch besonders gut geeignet. Zwänglern, die hauptsächlich an ZwangsGEDANKEN leiden, sind damit ebenso gut beraten.
Wenn man sich wirklich mit der Sache befasst und den Willen dazu hat, Ratschläge anzunehmen und den Mut die Sichtweise zu ändern, der ist mit diesem Werk gut beraten!

persönlicher Tipp von mir (und auch von Maultier + Pit-2001): schreibt euch Dinge auf, die euch als besonders wichtig erscheinen. Sätze, die euch helfen eure Sichtweise bezüglich des Zwangs zu ändern oder diesen als ZWANGSgedanken zu identifizieren. Tragt diese Notizen bei euch, wenn es euch hilft.
Auch wenn das Buch super verständlich geschrieben ist, so empfehle ich, es mind. 2x zu lesen. Vielleicht das Erste mal einfach nur lesen, und das Zweite mal, um sich Notizen zu machen.


ich hoffe, ihr konntet mit meiner Rezession etwas anfangen, und vielleicht bringt es ja den einen oder anderen auch dazu, sich mit etwas Lektüre (sei es dieses oder ein anderes Buch über Zwangsstörungen) einzudecken.

Liebe Grüße
darkwave

Maultier

unregistriert

2

Samstag, 25. April 2009, 23:38

das buch hab ich nicht gelesen, aber halt "wege aus dem zwang". es hat mich über meine krankheit und mein leben aufgeklärt, mich motiviert an mir zu arbeiten (was ich auch erfolgreich getan habe) und mir konkrete tipps gegeben. das buch hatte einen großen anteil an meiner gesundung, weil es mir informationen, sicherheit und perspektiven gegeben hat. ich würde sagen, dass "wege aus dem zwang" mehr zu meinem positiven weg beigetragen hat (auch weil es so viele denkanstöße gegeben hat) als meine therapie, die aber auch nützlich war...

bewertung des autors hans-ruedi ambühl: "besonders wertvoll"! ;)

am besten gefällt mir, dass er die dinge klar beschreibt (auch wenn sie z.t. komplex sind) und dass man immer das gefühl hat, dass er einen ernst nimmt und auf "augenhöhe" ist und nicht über einem!

Brummbär

unregistriert

3

Montag, 27. April 2009, 00:07

Geht es in dem Buch nur um Zwangsgedanken oder auch um Zwangsgrübelei und Wörter die im Kopf Karussell fahren?

lämmli

unregistriert

4

Montag, 27. April 2009, 00:57

Hi, ich kenne das Buch nicht... Ich befürchte allerdings, dass Zwangsgrübeleien bisher kaum in irgendwelchen Büchern erwähnt sind. Meines Erachtens ist dieses ein Thema was im Grunde fast neu erfunden werden müsste...

Selbst Indormationen über "reine Zwangsgedanken" sind rar. Dass es überhaupt darüber Bücher gibt ist für mich schon ein Wunder... Jedemfalls wer sich damit beschfäftigt ist goldwert, diese Gedankenkomplexe sind für die meisten ja noch unverständlicher als die irgendwelcher anderer Zwängler...

Naja, ich bin da vielleicht etwas negativ eingestellt... aber ich glaube es ist eben echt so..

Aber egal... für reine Grübelzwänge gibt es auch Lösungen, die nach meiner Erfahrung auch anders aussehen als die Lösungen anderer Zwänge...

:verlegen:

Ehrlich gesagt habe ich aber auch nie ein Buch über Zwänge gelesen, außer das von Iver Hand und weiß ich nicht mehr... wie das heißt weiß ich auch nicht mehr... das enzige was ich noch weiß ist der zottelige Zwang.. und das Buch fand ich nicht schlecht... (Obwohl ich es auch nicht ganz gelesen habe)

Naja, also eigentlich kann ich gar nix zu irgendwelchen Büchern sagen....
:verlegen: und trotz allem kann ich meine Klappe wieder nicht halten..

Sorry

Maultier

unregistriert

5

Montag, 27. April 2009, 10:12

in "wege aus dem zwang" geht es auch um "zwangsgrübelei" usw. woher sie kommt, wie sie aussieht und ein paar tipps stehen auch dabei. h.r. ambühl hat so ziemlich jede zwangsform angesprochen, erwartet aber nicht, dass er in diesem buch jeder form 30 seiten widmet. meistens sind es ein paar seiten...selbst mir unbekannte zwänge wie "zwanghafte langsamkeit" (leben in quasi-zeitlupe, gibts wirklich) kommen in dem buch zur sprache. in meinen augen auf jeden fall besser als eine "klopf-therapie" diese bücher :breit:

lämmli

unregistriert

6

Montag, 27. April 2009, 10:53

Naja, da ich ja eh durch bin mit den Zwängen brauche ich auch keine Bücher und keine Klopftherapien.

Ich glaube aber, dass jeder Mensch anders tickt und einem helfen Bücher und dem anderen eben nicht. Einem hilft Klopftherapie und dem anderen eben nicht.

Sind also deshalb Bücher verkehrt weil sie vielleicht nicht jedem helfen? Bestimmt nicht, also ist demnach auch an der Klopftherapie nichts zu verachten.

Maultier

unregistriert

7

Montag, 27. April 2009, 11:00

für mich stehen "bücher" synonym zu "sich wissen aneignen", während diese vorrangig in boulevard-medien angepriesene "klopf-therapie" wie brummbär schon sagte einen meiner meinung nach "placebo-mäßigen" effekt auslösen dürfte (was ja auch ok ist, nur frag ich mich, ob man langfristig so sein/e problem/e löst). wenn es das so gepriesene allheilmittel wäre, dann müssten ja alle psychisch kranken kurz vor der recht leichten gesundung stehen...frag mich nur, wo dabei ursachen analysiert und bekämpft oder verhalten verändert wird (die normalen wege der besserung/gesundung halt).

die klopftherapie macht auf mich einen albernen eindruck, aber ich bin andererseits ein freund von akkupunktur, yoga und dergleichen. diese dinge sorgen wissenschaftlich bewiesen dauerhaft und nachhaltig für positive veränderungen. wie eben auch "sich wissen aneignen durch bücher und nachdenken" und sein verhalten ändern... :P

lämmli

unregistriert

8

Montag, 27. April 2009, 14:01

RE: Meine Rezession zu "Frei werden von Zwangsgedanken"

Hallo Maultier, mir hat mein Wissen über Zwänge nicht viel geholfen.

Was nützt es zu wissen wie ein Zwang tickt, wenn ich ihn nicht verhindern kann oder nicht weiß wie ich ihn quasi bewältigen kann. Das Wissen über Zwänge hat mir persönlich nur geholfen, weil das Dingen endlich einen Namen hatte..

Sicherlich findet man in Büchern hilfreiche Hinweise und Tipps zur Bewältigung der Zwänge, aber nicht jeder kann diese Tipps für sich umsetzen. Ich bin einfach kein Typ dafür Anleitungen aus Büchern umzusetzen... Dafür war die Verhaltenstherapie für mich hilfreich, was ja auch nicht bei jedem anspricht.

Dass Du nichts von EFT hälst ist ja auch in Ordnung, deshalb kannst Du die Erfolge aber nicht allgemein absprechen.

EFT ist inzwischen eine Methode die vielfach eingesetzt wird und das auch mit Erfolg nicht nur bei Zwängen. Also kann man hier nicht grundsätzlich sagen, dass es nichts bringt. Wenn es jemanden etwas bringt ist es doch klasse.

darkwave

Schüler

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9

Montag, 27. April 2009, 16:28

@Brummbär

wie Maultier schon meint, darf man nicht erwarten, dass jeder Form der Zwangserkrankungen 30 Seiten gewidmet werden. Aber um deine Frage zu beantworten:
ja, Zwangsgrübelein werden ebenfalls angesprochen, sogar mit Fallbeispiel und wie der Autor mit dem Patienten verfahren ist.
Im Grund sind Zwangsgrübeleien eine Unterform der Zwangsgedanken, und es taucht immer mal wieder auf, aber ob es für dich von der Menge der Informationen ausreichend ist, kann ich dir nicht versprechen.


Von diesem Geklopfe halte ich persönlich übrigens auch nicht so viel...
Im Buch wird eine Praxis beschrieben, die man die Praxis der "Achtsamkeit" nennt. Im Gegensatz zu der Klopferei halte ich dies für einen sinnvollen Ansatz. Es ist eine einfache Form der Meditation und stammt aus dem Buddhismus, ist also keineswegs eine neuartige medizinische Verfahrensweise.

Noch zu erwähnen wäre vielleicht, dass der Autor nicht nur sagt, DASS man stark sein und durchhalten muss, sondern auch WIE!
Leitsätze wie "Den Zwang nicht bewerten, nur registrieren und vorbeiziehen lassen" sind sicherlich sehr wichtig für diese Sichtweise. Aber auch WIE man das bewerkstelligen soll, ist demnach gut beschrieben.

Pit-2001

unregistriert

10

Montag, 27. April 2009, 22:05

Das mit dem Klopfen habe ich inniglich einige Wochen erprobt. Fazit: Lächerlich

Dass dazu, aber das ist nur mein Urteil, ein Puzzle von mehreren die nötig sind, um ein endgültiges Urteil zu haben.

Bücher: klar sie häufen Wissen auf. Wissen hilft, wie ein immer größer werdender Werkzeugkasten, mehr tut es nicht. Es kommt dann auf den einzelnen an, diese Werkzeuge an sich zu erproben und auf sich abzustimmen.

Und was ich immer mehr glaube (in meinem Fall), Zwänge kann man nicht mit Schema F (zwanghaft) wegkriegen. Es hat irgendwas mit dem Leben zu tun, mit Dingen die man nicht so einfach in zwei Sätze packen kann.

Schöne Grüße

Ari

lämmli

unregistriert

11

Dienstag, 28. April 2009, 10:14

Ja, Pit genau das meinte ich damit, dass es Schema F nicht gibt. Ich kam nur nicht auf die einfache Erklärung. Typisch Lämmli, die denken immer etwas kompliziererter.

*kiss* :lieb:

Yezrel

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Montag, 18. November 2013, 04:48

Danke für den Buchtipp bezüglich Hansruedi Zwang. Ich finde euer Feedback dazu sehr interessant und habe mir als Handlungszwängler nun "Wege au dem Zwang" von Hansruedi Ambühl bestellt.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Fachbücher zu Zwängen einen schon ein gutes Stück weiterbringe, sogar wenn sich etwas wiederholt, weil allein schon eine andere Formulierung auf einmal zu einem Aha-Effekt führen kann. Deshalb lese ich weiterhin Bücher zu Zwängen, auch wenn ich mir eigentlich den Neukauf verboten habe und nur noch berufliche Bücher kaufen wollte. Aber mich bringen die Zwänge-Bücher spürbar weiter, ich brauche sie. Therapie allein ist für mich zu wenig. Ich brauche die Bücher als Erweiterung zur Therapie. Deshalb nochmal danke für den guten Tipp! Vielleicht hilft es auch noch anderen Zwänglern hier, wäre wünschenswert.
Lieben Gruß
Yezrel