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bo

Schüler

  • »bo« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 11. Januar 2009, 18:36

Zwangshandlungen

Zwangshandlungen sind meist Folgen von Zwangsgedanken. Eine Zwangshandlung ist oft auch ein Waschzwang. Eine Zwangshandlung wird meist zur Abwehr der Angst ausgeführt. Diese Handlungen sollen Zwänge "neutralisieren". Wenn man z.B. an Waschzwängen leidet und man berührt einen vermeintlich "infizierten" Gegenstand, so muß sich der Zwangskranke als Folge des Berührens die Hände (oder mit was er den Gegenstand eben berührt hat) waschen, somit ist die Gefahr der Infektion oder der Verschmutzung gebannt. Diese "Hilfen" helfen meist nur für kurze Zeit oder eben so lange bis man wieder einen bestimmten Gegenstand berührt hat. Handlungen können auch z.B. das Umstellen von Gegenständen sein. Wenn ein Zwangskranker das Gefühl hat, daß wenn er etwas bestimmtes tut dann jemandem ein Unglück zustoßen könnte, so muß er zur Abwendung des Unglücks z.B. einen Gegenstand verrücken. Diese "Ideen" des Rettens kommen von dem Kranken selbst. Die "Ideen" des Zustoßens auch. Zwangshandlungen sind Abwehrmechanismen der Angst. Sie wenden Unglücke ab oder Viren/Bakterien. Meist haben diese Handlungen mit dem ursprünglichen Gedanken nichts mehr zu tun. Solche Handlungen können bis zu Stunden dauern, da ein einfaches Händewaschen meist nicht reicht oder das einfache Verschieben eines Gegenstandes. Es wird peinlich genau die Ausführung beobachtet und kontrolliert. Der geringste Fehler führt dazu, daß man das gleiche wieder ausführen muß. Ein Zwangsneurotiker ist ein Perfektionist. Der falsche Gedanke beim Ausführen oder das unperfekte Ritual lassen es den Zwangsneurotiker immer wieder wiederholen. Diese Handlungen werden meist nach bestimmten Schemata ausgeführt, die sich der Erkrankte ausgedacht hat. Hier ein Beispiel:

Ich habe spontan Lust, den Fernseher anzumachen. Spontan kommt mir die "Idee", daß ein guter Freund von mir sterben könnte, wenn ich nun den Fernseher anmache. Gut, ich könnte jetzt 1. den Fernseher trotzdem anmachen oder 2. ihn nicht anmachen. Mache ich das Erste, so habe ich sofort ein schlechtes Gewissen und denke: "Ist mir das Fernsehen wichtiger als das Leben eines Freundes?". Habe ich schon länger Therapie gemacht, so denke ich: "Meinem Freund kann nichts passieren, da bin ich mir ganz sicher, oder?". Mache ich den Fernseher nicht an, so erliege ich meinem Zwang, weil die Vorstellung, mein Freund könnte sterben mich so in Panik verfallen läßt, daß ich lieber kein Fernseh gucke.


Man könnte jetzt denken: "Richtig so, 1x nicht fern zu sehen ist ja auch nicht so schlimm und wenn ich so was denken würde, würde ich den Fernseher auch nicht anmachen". Falsch! Es ist nicht nur der Fernseher, es ist fast immer alles was Spaß macht und das macht die Zwänge so grausam. Man kann sich nicht alles verbieten. Man darf sich gar nichts verbieten aufgrund irgendwelcher Hirngespinste die man sich selbst ausdenkt.


Man könnte auch denken:"Wie kann man so grössenwahnsinnig sein und denken, daß man wegen eines Fernsehers seinen Freund töten kann!" Richtig, das ist die gute Frage. Aber ich kann nicht sagen wie man auf so etwas kommt. Es muß schon was Großes sein, um einem die Freude an allem zu nehmen. Das Leben eines Freundes ist nun mal etwas Großes. Wäre es etwas anderes, würde man den Fernseher wahrscheinlich trotzdem anmachen und dann hätte der Zwang sein Vorhaben nicht erreicht: KEINE FREUDE AM LEBEN!


Ich hoffe, ich habe mit Hilfe dieses Beispiels das Problem der Zwangshandlungen ein wenig verdeutlichen können. So oder ähnlich läuft eine Zwangshandlung immer ab, ob man nun den Fernseher anmachen will oder sonst etwas. Wenn man dem Zwang nachgibt, kommen fast immer sofort neue Zwangsideen.


Ein Zwangskranker hängt fast den ganzen Tag in diesen Denkstrukturen fest und Sätze wie: "Hör doch auf damit." können einen nicht davon abhalten. Die Behandlung der Zwänge beschreibe ich später.

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