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Zwangsgedanken: Haken im Gehirn entfernen

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chullain

unregistriert

1

Montag, 5. Januar 2009, 20:29

Haken im Gehirn entfernen

Hallo Alle zusammen,

ich habe einen komischen Zwangsgedanken, der mich einfach nicht loslässt und mir immer mehr Sorgern bereitet. Mittlerweile fange ich an diesen an bestimmte Orte zu binden. Wenn ich zum Beispiel auf dem Weg zu Arbeit bin, und sehe ein Gebäude, denke ich daran, es ist ein selbstzerstöririscher Gedanke und macht mich einfach kauputt. Irgedwann habe ich beschlossen, anderen Weg zu fahren, damit war das Problem behoben, aber dann hat sich der Gedanken an dem nächsten Punkt ausgemacht. Ich weiss einfach nicht, wie ich diesen Gedanken loslassen soll.Bzw. diesen Haken, wie ich das nenne, entfernen kann, dass ich nicht ständig daran denken muss, wenn ich an diesen Orten bin. Es macht total fertig, und kann einfach so nicht.

Hat jemand Tips für mich, wie man mit sowas umgehen sollte?

Gruss

lämmli

unregistriert

2

Montag, 5. Januar 2009, 21:54

RE: Haken im Gehirn entfernen

Hallo chullain,

Herzlich willkommen erst mal hier im Forum! Ich hoffe Du fühlst Dich wohl und findest auch Unterstützung.

Zu Deinem Problem, verstehe ich es richtig, dass Du auf dem Weg zur Arbeit an einem bestimmten Platz o. Gebäude vorbeikommst, was Dir Angst macht, dass Du Dich selber zerstören könntest und Du deshalb einen anderen Weg gewählt hast, das gleiche aber jetzt auch dort passiert?

Meine Frage lautet im Prinzip, hast Du Angst dass Du Dich selber zerstören könntest? Ich hatte selber mal Angst, dass ich mir etwas antuen könnte, von daher kann ich das also etwas nachvollziehen... oder ist es eine andere Angst?

Würde mich freuen über eine Antwort, wenn Du nicht so offen reden/schreiben magst gerne auch per PN oder so...

Liebe Grüße
Lämmli

3

Dienstag, 6. Januar 2009, 20:40

hi
ich weiß dass du das bestimmt nicht gerne hörst, aber vermeide die wege, vor denen du angst hast nicht! das macht alles nur noch shlimmer, du gibst der angst damit immer mehr macht über dich. das wird dir auch jeder angsttherapeut sagen. ich kenne das auch, diese zwangsgedanken, die an orte gebunden sind. vielleicht könntest du mal jemanden, dem du vertraust, bitten, mit dir den weg abzugehen. und zwar nicht, wenn du zur arbeit musst, dondern in deienr freizeit, damit du nicht so unter druck stehst.
viel glück, kaddü

chullain

unregistriert

4

Dienstag, 6. Januar 2009, 23:37

Hallo,

vielen Dank für Euere Antworten. Das hilft mir, mit anderen Menschen drüber zu sprechen. Ich habe keine Angst davor, sondern ich vermeide diese Wege, einfach aus dem Grund, weil es in mir einen Gedanken auslöst, der einfach mir wehtut. Ich will diesen Gedanken hier nicht ansprechen, aber dieser Gedanke rafft mich einfach dahin. Ich weiss einfach mir nicht zu helfen, Wenn ich diesen Gedanken versuche zu unterdrücken, dann hilft das nicht, im Gegenteil der Gedanke kommt umso stärker, und diese "Kopfarbeit", den gedanken zu vermeiden, verspannt mich nur umso mehr. Man sagt, man soll den Gedanken einfach vorbeiziehen lassen, aber wie soll ich den Gedanken vorbeiziehen lassen, der einfach mich kränkt, wenn er auftritt. Wie soll ich das genau machen?Ich habe mittlerweile einen Abstand zu dem Gedanken gefunden, dass er nicht mehr so drastisch mit Gefühl verbunden ist, aber ich habe keine Ahnung, wie ich ihn loslassen soll, oder das ich nicht mehr drandenke...vorallem habe ich keine Idee, wie es in Zukunft mit mir aussehen wird, es macht mir einfach Angst, das mich dieser Gedanke mein ganzes Leben lang begleitet, und das wäre einfach erschreckend. Und dieser Gedanke tritt nicht gelegentlich auf, nein, er umgibt mich STÄNDIG. Das ist das verrückte, ich kann nicht mehr klar denken, lache nur noch sehr wenig. Naja, ihr habt mich in einer Depressiv-Phase jetzt erlebt...

Meine Frage ist, wie gewinne ich Abstand zu einem Gedanken und vorallem wie entferne ich diesen verda...ten Haken in meinem Hirn, die mich ständig daran erinnern lassen.

Grss,
chullain

tiger27

unregistriert

5

Mittwoch, 7. Januar 2009, 19:02

Hallo,

dass ist ein einfacher Effekt des Gehirns. Wir Menschen neigen dazu automatisch einer Gefahr einen Ausweg zu suchen und uns es einfacher zu machen. Das hat nicht direkt was mit dem Zwang zu tun, sondern ist eine direkte gesunde Reaktion.

In Bezug auf die Zwangserkrankung ist es aber gerade falsch, weil es dazu führt dich einzugrenzen, du meidest irgendwann immer mehr Orte und irgendwann kannst du von drei vier Wegen von Punkt X nach Y nur noch einen fahren, weil alle anderen Plätze/Wege "verboten" sind, bzw. Angst auslösen.

Wie schon weiter oben erwöhnt, Du darfst diese Orte nicht meiden. Ich denke jeder hier weiss sowas lässt sich sehr leicht schreiben, aber die Ausführung ist enorm schwer, teilweise unmöglich wenn man selber drin steckt. Man nennt sowas auch eine Reiztherapie, heisst man setzt bewusst einen Reiz um diesen auszuhalten und somit eine Sache/Ort neutraler werden zu lassen. Das eigentliche Problem ist das sich sehr schnell Zwangsgedanken entwickeln die doch wieder mit dem Ort zu tun haben und man am Ende in einem Kreis an immer wieder kommenden Plätzen die vermieden werden müssen kommt. Ich verzichte bewusst auf ein Beispiel, weil sowas sehr schnell aufgenommen und eingegliedert wird.

tiger27

chullain

unregistriert

6

Mittwoch, 7. Januar 2009, 20:43

Ja, aber wie komme ich davon weg?Ich fahre ja schon jeden Tag dran vorbei, aber es wird nicht mehr besser...

..kann es auch sein, dass man einfach viel zu tief den Gedanken schon in sich trägt, dass man ihn nicht mehr so einfach los wird?

Gruss,
chullain

7

Mittwoch, 7. Januar 2009, 21:19

hallo nochmal =)
klar wird man gedanklen und verhaltensmuster, die sich schon "eingefahren" haben, schwerer wieder los, weil das gehrin diese abläufe einfach schon so gut gespecihert hat. aber genau wie man durch Konditonierung "lernt", einen ort als bedrohlich zu empfinden, kann diese Konditionierung auch wieder umgedreht werden, nur leicht ist es eben leider nicht-.- Ich wünsch dir ganz viel kraft und fühle mit dir. bei mir ist es seit heute (erster schultag-.-) auch wieder ziemlich schlimm.

tiger27

unregistriert

8

Freitag, 9. Januar 2009, 03:09

Zitat

Original von chullain
Ja, aber wie komme ich davon weg?Ich fahre ja schon jeden Tag dran vorbei, aber es wird nicht mehr besser...

..kann es auch sein, dass man einfach viel zu tief den Gedanken schon in sich trägt, dass man ihn nicht mehr so einfach los wird?

Gruss,
chullain


Hallo,

die Frage ist nicht ob Du daran vorbei fährst, die Frage ist ob du damit etwas verknüpfen tust und ob du aus dem und dem Grund nochmals vorbei fahren musst und wenn ja, wie oft?

Falls sagen wir 8x würde ich versuchen es auf 6x zu begrenzen und dann davon abzusehen wieder hin zu fahren. Ein Psychologe würde dich in diesem Moment fragen ob dieser Ort eine Bedeutung für dich hat, der vielleicht schon Jahre zurück liegen kann. Das wäre jetzt der therapeutische Ansatz.

Dieses ganze Thema ist so komplex, mittlerweile kann ich verstehen warum soviel angehende Psychologen darüber eine Arbeit schreiben wollen, es gibt soviele Querverweise, dass füllt Seiten. ;)

Für mich gibt es drei wichtige Säulen bei der Behandlung von Zwangserkrankungen:

- medikamentöse Unterstützung wenn kein Ansatzpunkt
- Stress minimieren (das geht)
- sich als Person mehr verkaufen
- Reiztherapie mit Aufklärung
- Erfolge nutzen, um Energie freizusetzen
- es gibt kein später
- nie auf einen Tag versteifen
- Entspannung
- keinen Plan ausarbeiten wie man am besten damit zurecht kommt
- den Kopf vergessen lassen

Wenn man nicht wirklich selber einen Ansatzpunkt findet, sollte man medikamentöse Therapie anwenden. Einige Menschen wollen zwar keine medikamentöse Behandlung, weil sie meinen nicht mehr sich selber zu sein, aber ich sag dazu nur woher will jemand der bereits jahrelang Zwangserkrankungen hat sein eigenes ICH noch kennen. Vielleicht kommt das von vor Jahren nur wieder raus. Viele haben das Gefühl forscher zu werden, nur stellt sich die Frage ob ein Mensch der eine Zwangserkrankung hat von Selbstbewusstsein geprägt ist.

Stress minimieren, heisst nicht weniger arbeiten. Wir Zwängler neigen dazu anderen Menschen viel abzunehmen, Arbeit die normal garnicht unser Gebiet ist, wir aber vorher und nachher etwas damit zu tun hatten/haben und es könnte ja was falsch laufen, also mach ich das gleich mit und meine Arbeit. Nicht jede Anfrage vom Chef nach ein wenig Überstunden muss mit Ja beantwortet werden, da Zwängler sowieso meistens diejenigen sind, die die meisten Überstunden machen. Aber wichtig ist wirklich, nicht für andere die Arbeit zu machen. Nicht das es den Stress minimiert, es gibt Luft zum atmen und man muss seiner eigentlichen Arbeit nicht so hinterher hetzen. Dadurch tritt eine Erleichterung ein.

Sich als Person generell mehr und besser verkaufen. Heisst nicht sich in den Vordergrund schieben, aber schon sein innerliches Ich finden, aber das kommt meist alleine.

Reiztherapie mit logischer Schlussfolgerung. Im wesentlichen ist unser Gehirn ja ganz einfach gestrikt ;), es sucht immer automatisch nach dem gerinsten Widerstand. Und anstatt sich manchmal kurz etwas selber beizubringen was den Gang, die Kontrolle oder sonst etwas vermeiden lassen würde, gibt es meist eine Handlung, die Zwangshandlung. Am Anfang wird nur der Reiz im Vordergrund stehen, schwächt sich dieser ab ist es ratsam sich die Erklärung wieder beizubringen warum man die Handlung nicht machen muss. Daraufhin bildet sich ein neuer Gedankengang der irgendwann so fest verwurzelt ist das er dauerhaft vorhanden ist.

Später gibt es nicht, Kontrollen auf später zu schieben, oder andere Zwänge erleichtern temporär, aber bringen später nur noch mehr Druck mit sich. Deswegen gezielt im Moment lösen, pder eben nicht, aber von Punkt X entfernen.

Oberste Regel, wenn man bereits Erfolge erzielt hat, sich nicht darauf versteifen und sich selber zuviel Druck aufzulasten. In dem Fall gibt der Glückere nach und es darf einmal mehr sein. Wichtig ist nur, dass im Kopf kein geschlossener Kreislauf herrscht. Also kein Freifahrtschein, nur in so einer Therapie ist es nun einmal so das es Tage gibt wo es gut läuft, tage wo es super läuft, aber auch Tage wo es naja läuft.

Entspannung ist ein teil den man erst dann bekommt wenn man schon ein wenig an sich arbeitet, da bei vielen Zwängler eine Mauer im Kopf ist, die selbst Entspannung abschaltet, solange die angebliche Sache nicht geklärt ist. Wenn man an dem Punkt ist wo man die Entspannung positiv nutzen kann gibt es viele Möglichkeiten, von 5-Minuten Break, bis halbe Stunde autogenes Training, Tiefenentspannung, Entspannungsbad etc. pp. .

Niemals einen Plan ausarbeiten (gerade bei Kontrollzwang) wie man den Zwang unterdrücken kann, man kann da schnell in andere Zwänge verfallen die verwandt sind.

Wichtig ist das mit stetigem Erfolg man der Meinung ist das Gehirn lässt einen im Stich, allerdings sollte man beachten das in 90% der Fälle es sich um aktuelle Sachen handelt, Tätigkeiten, Fragen: Hab ich, hab ich nicht. Ich weiss es nicht mehr. Das sind z.B. typische einhergehende Probleme. Bei manchen Zwängen ist es auch so das durch die Therapie so mancher Gedankengang abgelöst, vereinfacht oder neu gebildet wird, oder garnicht mehr genutzt wird. Man also praktisch früher viel zu viel im Kopf hatte. Das Gehirn ist normal darauf ausgelegt nur bestimmte Punkte des Tages als Stichpunkte sich zu merken und nicht jede kleinste Detail, dass Gehirn ist praktisch zum vergessen ausgelegt. :)

Das Thema ist komplexer als man glaubt. Ein noch wichtiger Punkt ist sich früh genug um eienn Therapeuten zu bemühen. Es geht auch teilweise alleine, aber man benötigt zu Anfang äusserst viel Energie.


tiger

doug1000

unregistriert

9

Dienstag, 24. Februar 2009, 14:33

Hallo,

ich leide auch unter starken Zwangsgedanken. Und gleich vorweg: Die Gedanken zu vermeiden, unterdrücken,oder wegzugrübeln klappt leider nicht.

Was bei mir sehr gut geholfen hat ist die so genannte Gedankenmühle.
Die gibt es als Software, oder man macht sie selber. Dabei spricht man seine schlimmsten Gedanken auf Band (PC, Mp3-Player, oder was auch immer) und hört sich diese Gedanken mindestens 30 min täglich an und spricht sie nach.
Sinn des Ganzen ist es dem Gehirn das "Interesse" an diesem Gedanken zu nehmen. Die schlimmen Gedanken werden dem Gehirn langweilig.

Ich hatte zuerst auch meine Zweifel, da man ja sowiso den ganzen Tag dran denkt, dachte ich. Aber mit Hilfe dieser Therapiesoftware meiner Therapeutin hat es echt geklappt, dass diese Gedanken fast gar nicht mehr auftauchen. Jetzt spreche ich mir immer wenn neue Gedanken auftauchen diese auf meinen PC und trainiere sie mir ab.

Habe gerade mal nach dieser Software gesucht. Habe nur leider keinen Download gefunden. Es gibt sie nur zu kaufen. Aber vielleicht gibt es diese ja auch in der Bücherei auszuleihen...

Ich hoffe ich konnte hiermit einen kleinen Tip geben.