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Donnerstag, 7. August 2008, 23:22

Der harte und steinige Weg aus den Zwängen

Erfahrungsbericht über meine Zwangsstörung

Hallo liebe Betroffenen und Angehörigen ich heise Daniel bin 24 und leide unter Zwängen und Ängsten.
Die Angst fing eigentlich in der Pubertät bei mir an. So brach irgendwann, mit 14-15 Jahren, die Angst vor öffentlichen Orten bei mir aus, würde es mittlerweile als Soziale Phobie bezeichnen, aber das wusste ich ja damals nicht. Aber das war erst der Anfang von vielen leidvollen Jahren, auf die ich nun in diesem Bericht eingehen werde.

Später kamen noch Zwänge dazu. Meine Zwänge fixierten sich hauptsächlich auf den Inhalt Menschliche Skellete die in Form von Zwangsideen bzw. Vorstellungen aufgetreten sind. Anfangs war das ganze noch sehr schwach ausgeprägt. Angefangen hat das ganze am 26.10.2004. Ich saß am Fernseher und dann machte es "Klick" und mein Leben hat sich von einem Moment auf den anderen Verändert. Geschockt von der Situation suchte ich Hilfe bei einem Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, welcher mir aber leider nicht helfen konnte und mir lediglich Tabletten verschrieben hat. Wo ich bzw. mein ganzes Wesen sich verändert hat und ich sehr schlimme Zustände hatte. Von da an schwor ich mir nie mehr zu einem Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu gehen. Und so kämpfte ich für mich selbst Monat für Monat, aber was ich machte war falsch ich verdrang es gab Monate die Besser waren, dann Monate die miserabel waren. Aber das ganze hatte auch einen Sozialen Hintergrund.

Es durfte niemand wissen, dass ich psychisch krank bin. Hauptsache ich funktionierte von 07.00 Uhr bis 15.00 Uhr machte zu der Zeit eine Umschulung. Da ich immer bemüht war, meine Arbeitsfähigkeit zu erhalten wurde die Suche nach Sicherheit für mich zum Problem. Meine Ängste wurden schlimmer. Alleinsein für mich unmöglich. Die Zwänge wurden stärker. In Kaufhäuser und unter Menschen ging ich wie ein gehetztes Tier, immer in der Angst, nur noch Skellete zu sehen. In manche Geschäfte bin ich überhaupt nicht mehr gegangen und wechselte sogar die Straßenseite wenn ich Bilder von Totenköpfen im Schaufenster gesehen habe.

Ich war durch meine Ängste nur auf meinen Wohnort beschränkt. Selbst in die nähere Umgebung konnte ich nur mit Begleitung. Alleine Busfahren, eine unmögliche Vorstellung, meine Zwänge waren mein ständiger Begleiter und ich habe immer dagegen angekämpft.

So lebte ich mein Leben weiter mehr schlecht als recht, und versuchte mich zu engagieren und Arbeite in meinem Traumberuf als Web/Grafikdesigner für eine Design-Agentur, im Juli / August 2007 da dachte ich nun musst du dich selbst verwirklichen und hab es sehr übertrieben was Arbeit anging. Das war dann zuviel des Guten und bereits im September 07 kam in meinen Augen die schlimmste Phase in meinem Leben, der totale zusammenbruch meiner Person und Existenz, ich hatte Ängste und Zwänge wie noch nie zuvor. 100 Fach verstärkt peinigten mich die Bilder in meiner Gedankenwelt. Und so hab ich versucht zu Kämpfen und es wurde immer schlimmer und schlimmer bis ich der Sache auf den Grund gehen wollte. Und somit beschäftigte ich mich exzessiv mit der Materie und habe soviel darüber gelesen das sich die Symptome auf mich übertrugen, da ich psychisch ja schon sehr schwer angeschlagen war. Das ganze spitzte sich soweit zu das ich nur noch von Psychischen Krankheiten reden konnte und in meiner eigenen "Verschobenen" Gedankenwelt gelebt habe. Darauf wurde ich natürlich schwerst depressiv, und dachte ernsthaft des öfteren mit dem Leben einfach Schluss zu machen.

Bis mitte November meine Mutter für mich einen Termin bei einer ambulanten Therapeutin gemacht hat, nach diesem Erstgespräch ist mir klargeworden, dass mein Leben so nicht mehr weitergehen kann und ich aller schnellstens etwas ändern muss. Da die Therapieplätze sehr begrenzt sind, hatte ich Glück das eine Kollegin der Therapeutin neu angefangen hat und ich somit schon am 7.1.2008 die ambulante Therapie anfangen konnte. Ich hatte also ein sehr sehr großes Glück, das sich das ergeben hat. Somit war in mir der winzige kleine Lebensfunke wieder zurückgekehrt und die Hoffnung das die Therapie mir helfen wird hat mich die letzten Wochen bis zum Therapiestart am Leben gehalten. Ich wusste die Therapie würde nicht leicht werden. Aber hatte ich wirklich eine andere Wahl? Ich hatte mich entschlossen alles zu tun, damit es mir besser geht.

In der Ambulanten-Kognitiven Verhaltenstherapie habe ich mich meinen Problemen gestellt. Nach mehren Wochen mit meiner behandelnden Therapeutin, habe ich gelernt die Angst auszuhalten. Habe mich den Gedanken gestellt und jeden Tag 5 Minuten eine Skellet Abbildung angesehen und versucht die Angst auszuhalten ohne, wegzulaufen oder die Konfrontation zu unterbrechen, dabei habe ich gemerkt, dass ich trotz aller Panik nicht sterben werde und die Angst, nachdem sie die höchste Stufe erreicht hat, langsam zurückgeht. Mein Körper, den ich bis dahin wegen der Angst immer verflucht habe, hilft mir in diesen Situationen, weil er nicht die Kraft hat große Angst über einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten und die Angst somit nicht mehr die höchste Stufe erreichen kann. Diese Erfahrungen haben dazu beigetragen, mir die Bedrohlichkeit der Angst zu nehmen. Ich habe keine Angst mehr vor der Angst. Wenn sie dann kommt, habe ich halt Pech gehabt, und weis das sich alles wieder Normalisiert.

Zusammen mit meiner Therapeutin habe ich verschiedene Strategien entworfen mit den Zwangsvorstellungen fertig zu werden. Dabei stand die Konfrontation in verschiedenen Arten zu Verfügung. Diese Übung war sehr anstrengend. Langsam Stück für Stück wurde ich an die Normalität das ein Skellet notwendig ist und an meine Zwänge herangeführt. Zu meinen schwierigsten Aufgaben gehörte es, eine Animierte Filmsequenz eines Bewegenden Skelletes anzusehen ohne dabei den Vorgang zu unterbrechen.

Da nur die Übung den Meister macht, wurde die Konfrontation immer länger und intensiver. Jetzt sehe ich im Skellet nicht mehr die Gefahr wie früher. Ich kann mein Leben relativ normal Gestalten ohne zu denken es wäre schlimm ein Skellet zu sein. Um die Gefahr auszuschließen, dass ich in das alte Schema zurückfalle und dem Thema Skellete aus dem Weg gehe, versuche ich mich bewusst jeden Tag damit auseinander zusetzen. Dies zu tun, empfinde ich nicht als störend sondern als positiv, da jegliches Material was mit Totenköpfen bzw. Skelleten zu tun hat mich daran erinnert, dass ich den Kampf gegen meine Zwänge aufgenommen habe und bei diesem Kampf nur gewinnen kann.

Endlich nach so vielen schweren Jahren, fange ich an freier zu werden. In Ruhe durch Geschäfte zu bummeln und keine Angst mehr vor Totenkopf T-Shirts zu haben, ist für mich eine neue und sehr schöne Erfahrung. Mittlerweile kann ich mir sogar Dokus ansehen über das Thema Knochen & Skellete ohne dabei Panik zu kriegen. Noch vor wenigen Wochen hätte ich so etwas für unmöglich gehalten. Jetzt liegt es an mir, das Beste daraus zu machen. Ich würde mich freuen, wenn ich durch meine Geschichte anderen Betroffenen Mut gemacht habe, sich auf diese Art der Therapie einzulassen, um für sich ebenfalls eine neue bessere Welt zu entdecken und das Leben wieder lebenswert zu machen, den nur wer selbst an sich glaubt und kämpft kann sich und sein Leben verändern.

Hope

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Beiträge: 1 247

Aktueller Therapie-Status: War erfolgreich in Therapie

Status: Betroffene/r

Hobbys: Meine Tiere,Reiten,Kutschefahren ,Fotografie

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2

Donnerstag, 7. August 2008, 23:38

RE: Der harte und steinige Weg aus den Zwängen

Hallo Daniel,

Gratulation zu solchen tollen fortschritten, toll das Du es hier schreibst das ist ein toller Beitrag den Du geschrieben hast.

Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und finde es echt super das Du anderen Mut machst, weiter so.

Gruß

Hope
Gruß

Hope


Frei nach Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“
http://www.youtube.com/watch?v=j8uefBUOfgA

3

Freitag, 8. August 2008, 00:05

Hallo Hope,

Danke für Deine Antwort. :)

Ja mache ich gerne, man muss fest an sich glauben und sehr starken willen haben und vorallem durchhalte vermögen!! das ist das wichtigste . Das ganze ist ein sehr sehr langer Prozess, aber jeder kann das schaffen!

Vielleicht nicht bei der ersten Therapie aber bei der 2ten oder 3ten!

Irgendwann findet man die geeignete Therapieform und man kann ein relativ normales geregeltes Leben führen.

Wünsche allen viel Kraft und vorallem Mut!!

Glaubt an euch!!

lg

Daniel

4

Montag, 25. August 2008, 08:46

Hallo


Da schrieb ich noch einen Erfahrungsbericht wie besser es mir geht und wie stark ich doch gewesen sei weil ich dich Zwänge unter "Kontrolle" hatte.

Da passiert in meinem Leben das schlimmste was passiern konnte...

Meine (ex) Freundin ging mir Fremd.. und trennte sich von mir nach 2 Jahren Beziehung bin ich alleine.. und der Zwang blüht auf :(( er blüht und quält mich innerlich so sehr!!

Oh mann... :( was soll ich nur machen?!

Wie geht es weiter?!


8 Monate lang gekämpft nun frage ich nur für was :(

hoffe auf antworten von euch stecke ich mal wieder in einer Zwangsphase/krise?

lg

Daniel

Pit-2001

unregistriert

5

Montag, 25. August 2008, 16:15

Hi, Kämpfer,

du weißt nicht für was du gekämpft hast?

Für dich natürlich, damit du in jeder Lebenssituation handeln kannst, auch jetzt.

Du kannst für dich sorgen, dir gutes tun, die Trennung verarbeiten und früher oder später neue interessante Menschen kennenlernen.

Wie empfindest du, wenn dir jemand das sagt?

Schönen Gruß

Pit

6

Montag, 25. August 2008, 16:24

Hallo,


Klar ist es aufbauend, für mich wenn Menschen für mich da sind das zeigt mir das ich doch gebraucht werde.

Bevor ich .. wieder in meiner Gedankenwelt versinke, versuche aber zu kämpfen und schön meinen Tagesablauf einzuhalten das ist das A und O ! sonst geht das garnch bei mir hab ich gemerkt.


schon doof :( wie das leben sich so entwickelt.

War schon soweit das ich nur noch alle 14 Tage zur meiner Therapeutin gegangen bin, weil ich es nicht mehr nötig hatte aber momentan oh man so grausam das alles


hoffe auf antworten

lg

Daniel