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Waschzwang: bevorstehender Urlaub

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Montag, 14. Juli 2008, 16:45

bevorstehender Urlaub

Hallo zusammen, bin ganz neu hier. Hab heute spontan überlegt, ob es helfen könnte, mich mit Betroffenen auszutauschen. ...

Im September fahre ich mit meinem Freund in Urlaub (wir sind knapp ein Jahr zusammen), zusammen mit seinen Eltern. Die sind super drauf, wissen aber bisher nichts von meinem Waschzwang. Mein Freund weiß davon. Wir waren sie am Wochenende besuchen (wohnen in einer anderen Stadt) und ich hab schon versucht, mich zu beeilen, aber egal wie ich's auch anstelle, im Schnitt brauche ich ca. 1 Stunde, bis ich fertig bin (duschen, anziehen, etc. pp.). DAS ist schon ziemlich schnell, im Vergleich zu früher (habe bereits einige Monate Therapie hinter mir - vor ein paar Jahren). Jetzt ging's aber "natürlich" wieder los mit: "wir haben dich schon vermißt", "wir dachten schon, du kommst gar nicht mehr aus dem Bad" und ich hab auch einmal mitbekommen, daß genervt darauf reagiert wurde, weil ich das Bad so lange blockiere. Jetzt hab ich etwas Angst davor, gemeinsam in Urlaub zu fahren, weil dann über kurz oder lang ja Unstimmigkeiten entstehen könnten. Und ich auch weiß, daß ich dann im Dauerstreß sein werde, wenn's darum geht, mich fertig zu machen. Hab ja auch Rituale, die in ungewohnter Umgebung eh schwer sind, gleich "normal" umzusetzen. Toller Urlaub, wenn Schweißausbrüche und Unwohlsein, sich schuldig fühlen, etc. pp. vorprogrammiert sind. ... Was soll ich tun? ... Mich da öffnen will ich nicht unbedingt, aus Angst, daß seine Eltern die Krise kriegen, so nach dem Motto, warum er sich nicht ne gescheite Frau nimmt. Sie mögen mich und es ist auch immer total lustig und so lange wir dort nicht übernachten, kriegen sie ja auch nichts mit, wie gesagt, im Vergleich zu früher bin ich eigentlich recht fit - andererseits, andere Frauen brauchen doch auch länger im Bad.... Frage mich halt immer, warum bei mir immer gleich so ein Fim gedreht wird, wenn ich länger im Bad brauche... Reagiere natürlich auch extrem empfindlich auf dieses Thema und letztenendes hab ich ja auch "nur" Angst vor Ablehnung. Mein Freund akzeptiert meinen Zwang ja, trotzdem hab ich manchmal Angst, daß ihn das auf Dauer zu sehr nerven könnte.

Der ein oder andere erkennt sich doch sicher wieder, oder? Würde mich total freuen, wenn ich mich mit jemandem hier austauschen zu können.

Liebe Grüße,
Josi

Destiny

unregistriert

2

Montag, 14. Juli 2008, 17:10

Hallo Josi!

Ich kann Deine Problematik verstehen!
Leide auch unter Waschzwang.
Seit Ihr denn in einem Ferienhaus alle zusammen oder in einem Hotel untergebracht in zwei verschiedenen Zimmern?
Brauchst Du eine Stunde, um Dich komplett fertig zu machen oder nur zum duschen?
Also, mein Waschzwang bezieht sich nur auf die Hände und wenn ich mich fertig mache, wenn wir irgendwo hinwollen, braucht ich mit duschen, haarewaschen, schminken und anziehen auch eine bis eineinhalb Stunden, ist bei uns Frauen nunmal so :D! Naja, bei vielen zumindest.
Die Frage ist, ob Du den Eltern von Deinem Freund vertraust?
Und ob Du meinst, daß es Dir besser gehen würde im Urlaub und es leichter für Dich wäre, wenn sie es wüßten?
Das Du Dich bei den Bemerkungen angegriffen fühlst, kann ich verstehen.
Aber da steht keine böse Absicht dahinter, das ist nur so dahin gesagt und wenn sie wüßten was mit Dir los ist, würden sie mit sicherheit sowas nicht mehr sagen.
Frag doch mal Deinen Freund, was er meint, ob du es ihnen erzählen sollst oder nicht.
Besser gesagt, ob sie es verstehen würden oder nicht. Damit meine ich, ob sie schonmal etwas davon gehört haben, weil es für jemanden, der davon noch nichts weiß, halt schwerer ist es zu verstehen. Aber Ablehnen werden Sie Dich deswegen mit Sicherheit nicht(Deine Angst vor Ablehnung). Ich denke, daß es Dir im Urlaub den Druck nehmen würde.
Ich würde das machen, was Du denkst, was für Dich am besten ist.
Setzt Dich im Urlaub bloß nicht zu sehr unter Druck, das verschlimmert die Zwänge bloß, laß Dich davon nicht zurück werfen!
Du bist in einer Therapie und hast schon einiges erreicht, da kannst Du stolz drauf sein! :))
Und Du brauchst Dich deswegen auch nicht schuldig oder schlecht zu fühlen, es ist eine Krankheit, die Du gerade erfolgreich bekämpfst und das braucht nunmal seine Zeit und es verlangt einem sehr viel ab!
Wie genau sieht denn Dein Waschzwang aus?

LG Destiny

3

Dienstag, 15. Juli 2008, 16:56

Danke Destiny,

für Deine Antwort! :-) Ich antworte noch, aber heute schaffe ich es leider nicht mehr.

Lieben Gruß,
Josi

4

Mittwoch, 16. Juli 2008, 11:28

Hallo Destiny,

wie alt bist Du und wie lange hast Du schon Deinen Waschzwang?
Weißt Du, warum Du ihn hast?

Ich bin 35 und habe seit meiner Kindheit einen Waschzwang, der allerdings im Laufe der Jahre immer schlimmer wurde. 2001 war es dann so schlimm, daß mein damaliger Freund mich in die Klinik gebracht hat. Ich konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, hatte keine Zeit mehr für kaum noch was (mußte ja auch noch arbeiten), der Zwang hat meine Zeit gefressen und die Panikattacken waren kaum noch auszuhalten. Ich wollte das natürlich alles erstmal nicht wahrhaben, aber im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens, mich in Therapie zu begeben. Stationär habe ich abgelehnt, also war ich für ca. 4 Monate in einer Tagesklinik. Fühlte mich dort zum ersten Mal in meinem Leben wirklich verstanden. Die Lebensqualität kam zurück. Heute kämpfe ich nach wie vor mal mehr, mal weniger mit meinem Zwang, aber so schlimm, wie es damals war, ist es nie wieder geworden und ich habe mir selber versprochen, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, daß ich wieder Therapie machen sollte, aber ich rede mich immer raus mit: geht schon, habe keine Zeit dafür, etc. pp. - und ich will es auch nicht wirklich wahrhaben. Habe hier im Forum ein wenig gelesen und kennst Du/kennt Ihr auch das Gefühl, wenn man bei anderen was liest und denkt: wie absurd und dann fällt einem ein: DAS KENNE ICH, bzw. ICH BIN GENAUSO!!! Bei anderen erscheint einem etwas absurd, was man selber nicht abstellen kann!!! Z. B. hatte ich hier was mit Wäsche waschen gelesen. Daß mehrmals gewaschen werden muß. Absurd - und genau das hat mich auch mal lange gequält. 3 Mal die gleiche Wäsche gewaschen und nach jeder Wäsche fühlte ich mich schlechter, als zuvor. Das mit der Wäsche habe ich bis heute nicht im Griff. Ich wasche zwar nur noch einmal, aber allein das Wäsche anstellen ist für mich total anstrengend: erstmal die Wäsche in die Maschine packen. Dann Hände und Arme gründlich waschen (3 x). Dann Waschmittel abfüllen, konzentriert mehrmals gucken, daß es wirklich 85 ml sind, immer wieder. Dann konzentriert ins 2. Fach schütten - auf keinen Fall darf etwas in ein anderes Fach daneben laufen, dann wird die Wäsche ja nicht richtig sauber, so, wie's sein soll. Dann konzentriert kontrollieren, daß ich das richtige Fach getroffen habe (traue mir dann oft selber nicht, daß ich das richtige Fach getroffen habe). Die Schublade zumachen. Dann gegendrücken und dabei zählen, damit die Schublade auch wirklich zu ist. Dann die Maschine anstellen. Mehrmals auf 60 Grad drehen (ich wasche ALLES auf 60 Grad, habe seit 3 Monaten 4 Teile rumliegen, die ich beim besten Willen nicht bei 60 Grad waschen kann, dann sind sie hin und ich krieg's einfach nicht gebacken) und zurück, damit ich nicht ausversehen die falsche Gradzahl eingestellt habe. Dann anstellen und nachkontrollieren, ob der Zeiger wirklich auf 60 Grad steht. Von mehreren Seiten kontrollieren, ob er GENAU auf 60 Grad seht. Dann den Waschmitteldosierer auswaschen nach einem bestimmten Ritual und dann 3 Mal Hände und Arme waschen, die Armaturen abspühlen und wieder 3 Mal Hände und Arme waschen (natürlich gründlich und lange). Wäsche rausnehmen geht, da mache ich die Maschine auf und wasche mir 3 Mal Hände und Arme und passe dann auf, daß ich nirgends mit der Wäsche gegen komme. Ich habe auch keinen Wäschekorb, sondern trage die Teile einzeln aus dem Bad ins Schlafzimmer zum Aufhängen. Wenn was runterfällt kommt es natürlich wieder in die Wäsche, für's nächste Mal. Ich beneide meinen Freund: er packt seine dreckige Wäsche in den Wäschekorb, trägt sie runter in den Keller, rein in die Maschine, hinterher rausholen, in den gleichen Korb packen, hochtragen, in den Wäschetrockner und wenn was runterfällt: EGAL, wird entweder noch in den Trockner nachgeworfen oder so aufgehängt. Er macht auch zwischendurch Wäsche, während wir frühstücken, faßt alles an, ohne vorher Hände zu waschen (wir wohnen noch nicht zusammen, von daher macht jeder seinen Kram allein). Mein Freund hat ein wenig Kontrollzwänge, aber im ganz kleinen, das nervt ihn schon. Wenn wir aus dem Haus gehen, dann hat er halt sein Kontrollritual, je nach dem, wie lange wir weg bleiben, desto länger dauert es. Aber das hab ich ja auch, wenn ich wegfahre über ein WE oder ganz schlimm Urlaub, dann muß ich Dauerkontrollieren, nicht, daß das Licht den ganzen Urlaub über brennt oder womöglich der Wasserhahn durchtropft. Meine Rechnung ist ja so schon hoch genug!!! Auf jeden Fall ist es natürlich gut für mich, daß er selber ein wenig nachvollziehen kann, wie das mit Zwängen ist und vor mir hatte er schon eine "gestörte" Freundin (nicht zwanghaft, aber auch psychisch), er kennt das also. ;-) Eigentlich mache ich mir selber immer den Druck, wenn ich z. B. lange dusche, fühle mich dann schuldig, obwohl er gar nichts sagt!!! Er hat sogar mal gesagt, ich brauche halt länger, so ist das eben und fertig! Er ist sowieso der tollste Mann auf Erden. Vielleicht gerade weil ich ihn so unendlich liebe habe ich das Gefühl, ich muß mehr gegen den Zwang tun, damit er es auf Dauer mit mir aushält!

Puh, tut irgendwie gut, mal drüber zu schreiben hier bei Euch.

Zurück nochmal zum Urlaub: wir sind alle zusammen in einem kleinen Ferienhaus untergebracht. In zwei verschiedenen Zimmern wär es ja kein Problem. Ich stehe ja ggfs. auch eher auf, um solche Situationen zu kaschieren. Aber wenn nur ein Bad für alle vorhanden ist, dann geht das ja nicht. Meist ist es ja auch so, daß immer gerade alle dann ins Bad müssen, wenn ich drin bin. So kommt es mir zumindest immer vor! Gehe ich als erste, ist es nicht gut, gehe ich als letzte auch nicht, irgendwie paßt es nie!

Bei meinem Freund oder anderen strenge ich mich ja mehr an und bin in einer Stunde mit duschen und allem fertig. Schminken ist da natürlich nicht mit drin. Schminken tu ich mich eh superselten, das würde dann ja noch mehr Zeit fressen!!! Zu Hause brauche ich für alles länger. Für Duschen mit Haare waschen und rasieren plane ich 2 - 2,5 Stunden ein (mit Vorbereitung und anziehen hinterher). Finde ich schon ziemlich viel. ... Im Urlaub könnte ich das in einer Stunde schaffen, wenn ich das rasieren z. B. auf mehrere Tage aufteile (sprich Beine, Intimbereich und Achseln), aber das finden andere dann ja immer noch zu lang. Seine Mutter ist in 15 Minuten fertig!!! Allerdings ohne schminken, dafür braucht sie dann ewig lang, macht sie aber nicht im Bad.

Was heißt, Dein Waschzwang bezieht sich nur auf die Hände? Erzähl doch mal bitte ein wenig mehr davon. :-)

Ich finde die Eltern von meinem Freund ganz toll. Sie sind unkompliziert und ich mag sie. Ich fühle mich nur bei dem Gedanken daran, daß sie von meinem Waschzwang wissen, nicht wohl... Hab aber auch überlegt, daß ich es dann vielleicht doch mal ansprechen sollte. Oder eben einfach drüber weggehe. Ich brauche nunmal länger und basta. Ich hinterfrage doch bei anderen auch nicht ständig, warum sie etwas so oder so machen. Oder warum sie wofür wie lange brauchen. Aber bei mir mag es auch daran liegen, daß ich das ja selber kenne. Mein Freund z. B. sagte, als wir frisch zusammen waren, daß er das noch nie erlebt hat, daß jemand ihn nicht drängelt wenn er Endkontrolle macht und nicht sabbelt, etc. pp. Da ist mir halt bewußt geworden, daß ich ja selber weiß, wie das nervt, wenn man kontrollieren muß und jemand dazwischen sabbelt, man sich nicht konzentrieren kann, von vorne anfangen muß und daß hetzen eh alles nur schlimmer macht. Und ich von daher automatisch für ihn richtig reagiert habe. Ich sage also auch nichts, wenn wir schon unter Zeitdruck sind und ne Bahn erwischen müssen. Dann sprinten wir halt hin, macht doch nichts. Ebenso hat er Verständnis für mich und hetzt mich nie. Das find ich echt klasse und nimmt natürlich viel Druck. Aber wie gesagt, ein schlechtes Gewissen hab ich trotzdem manchmal. Weil, wie jeder andere Zwängler ja auch, eigentlich will ich es so gar nicht haben! ...

So, jetzt muß ich erstmal wieder was anderes machen.

Liebe Grüße,
Josi

Destiny

unregistriert

5

Mittwoch, 16. Juli 2008, 15:36

Hi Josi!

Ich bin 31 Jahre und habe die Zwänge seit ca. 6 Jahren!
Erstmal muß ich sagen, daß es mich freut, daß Du ein so lieben verständnißvollen Freund hast!
Ich habe auch das Glück, einen super lieben verständnißvollen Mann, den ich über alles liebe an meiner Seite zu haben! :))
Das hilft schon sehr viel!
Ich finde es erschreckend, daß Du die Zwänge seit Deiner Kindheit hast!
Ebenfalls finde ich es erschreckend, daß Du trotz so langer Therapie, doch noch so massive Probleme hast!
Ich mein, bei mir gabs auch mal eine Zeit, wo ich dachte ich pack das alles nicht mehr, mit ständigem Nachfragen bei meinem Mann, ob dies was macht oder das, ob hier alles OK ist oder da, die typischen fragen halt um Sicherheit zu haben ( habe meinem Mann zu der Zeit sehr viel abverlangt)!
Heulkrämpfe bei unerwarteten Situationen die mich überfordert hatten, kleine Nervenzusammenbrüche, das alles liegt weitestgehend hinter mir!
Das mit dem Kontrollzwang kenne ich auch, hab auch immer geschaut vorm ins Bett gehen oder wenn ich das Haus verlassen habe, ob alles aus ist, bin etliche male früher, wieder aus dem Bett aufgestanden und hab nochmal geschaut, wenn ich aus dem Haus war und nicht so einfach wieder zurück konnte um nochmal nach zu sehen, gingen mir die schlimmsten Vorstellungen durch den Kopf!
Seit dem, mache ich einen Kontrollgang, wo ich ganz in Ruhe und konzentriert, mir ganz bewußt sage es ist aus und dann bin ich mir auch sicher!
Mein Waschzwang bezieht sich nur auf die Hände, heißt das ich mir ca. 40mal am Tag, die Hände wasche, mal mehr mal weniger( aber eher mehr) aber auch nur kurz!
Ich habe zum Glück frühzeitig darauf geachtet und gegen an gekämpft, daß der Zwang nicht Überhand nimmt und sich auch noch aufs duschen ausbreitet!
Das was Du mit der Waschmaschine geschrieben hast, finde ich echt heftig!!!
Hast Du noch mehr so Rituale, in deinem Haushalt?
Ich mein, ich habe mir auch so meine Brücken gebaut, um nicht desöfteren durch zu drehen!
Wenn ich die Wäsche rausnehmen will, wasche ich mir die Hände, nimm 2 Blätter Zewa falte die, mach das Papier naß und wische damit den Wäschekorb aus. Dann wasche ich mir nochmal die Hände und nehme jedes Teil einzeln aus der Maschine und lege es in den Korb, muß natürlich aufpassen, daß es nirgends gegen kommt!
Da ich immer den selben Ablauf habe, hilft es mir, daß ich sicher sein kann das auch alles in Ordnung ist.
Muß mich natürlich dabei konzentrieren, aber nicht mehr so stark und mit so einer Anspannung wie früher!
Das was Du sagtest" 3x die gleiche Wäsche gewaschen und nach jedem mal hast Du Dich schlechter gefühlt" ist ganz klar!
Wenn Du nachgibst und verunsichert bist, schlägt der Zwang wieder voll zu, indem Du danach auch andere Sachen tausendmal nachkontrollierst, weil die Sicherheit und das Vertrauen in Dich selbst wieder völlig auf 0 steht und Du Deinen Augen nicht mehr traust und alles weitere in Frage stellst!
Wenn ich mir mal unsicher bin, gehe ich die Situation im Kopf nochmal durch und wäge ab, ob wenn es so gewesen sein sollte, ob ich damit leben kann oder nicht, weil ich weiß, wenn ich jetzt nachgebe, kommt die Unsicherheit wieder und da hab ich dann wieder den restlichen Tag was davon!
Auch wenn Du schon viel geschafft hast, wo Du stolz drauf sein kannst, mußt Du trotzdem weiter kämpfen!
Ich weiß es ist ein ewiger harter Kampf!
Was Euer Urlaub betrifft, denke ich das es Dir besser gehen würde, wenn sie es wüßten, es würde Dir erheblich den Druck nehmen, weil durch Angst, Streß und psychischen Druck, werden die Zwänge noch schlimmer!
Ich denke, Deine Angst vor Ablehnung, kommt davon, das sich die meisten Zwängler oft schuldig fühlen, ein mangelndes Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl haben!
Und das Du Angst hast, daß sie es nicht verstehen und denken, Du wärst nicht ganz richtig im Kopf.
Aber es ist nunmal eine Krankheit und da kannst Du nichts für!
Wissen seine Eltern eigentlich, daß dein Freund auch einen kleinen Kontrollzwang hat?
Letztendlich kannst nur Du entscheiden, was das Beste für Dich ist!


LG Destiny

Head&Heart

unregistriert

6

Mittwoch, 16. Juli 2008, 16:19

Zitat

Original von Destiny

Ich habe auch das Glück, einen super lieben verständnißvollen Mann, den ich über alles liebe an meiner Seite zu haben! :))


Schleimer :bla: :D

Destiny

unregistriert

7

Mittwoch, 16. Juli 2008, 16:28

Das ist er übrigens, mein Mann! :D *kiss*

Sandrina

unregistriert

8

Mittwoch, 16. Juli 2008, 20:22

Hihi das find ich ja mal cool, dass ihr beide hier :) :) :)

9

Donnerstag, 17. Juli 2008, 16:19

*hihi

Hey Head&Heart, ist doch nice, daß Deine Frau so für Dich empfindet! :banger: :))

@ Destiny: Warst Du schon mit Deinem Mann zusammen, als die Zwänge kamen? Und hast Du ne Idee, was der Auslöser dafür war?

Ja, ich freue mich auch sehr, daß ich so einen lieben Freund habe. Er ist seit langem der erste Mann, bei dem ich mich überhaupt so öffnen kann (wir sind Anfang September dieses Jahr ein Jahr zusammen, hatten uns letztes Jahr 4 Monate vorher kennengelernt). Bei ihm ist es für mich fast selbstverständlich, daß ich offen bin, überhaupt, daß ich ich bin und das Gefühl habe, es sein zu dürfen. Für mich seit langem wieder eine "neue" Erfahrung. Er nimmt mich wie ich bin und findet mich gut, genauso, wie ich bin. Das konnte ich anfangs oft gar nicht glauben, ich find mich mittlerweile schon ganz ok - aber so brillant nun auch wieder nicht, weißt Du, wie ich meine? Aber auch über meine Ängste bezüglich unserer Beziehung konnte ich immer mit ihm reden und mittlerweile fasse ich immer mehr Vertrauen und genieße das große Glück, das ich mit ihm habe, in vollen Zügen. Anfangs hat mich die Angst, ihn wieder verlieren zu können, weil ich nicht gut genug sein könnte auf Dauer, echt gequält. Aber wie gesagt, er ist sooo lieb, hatte Verständnis, war nicht genervt und hat mir somit immer mehr meine Ängste genommen.

Naja, als ich damals die Therapie angetreten habe, haben sie mir schon gesagt, daß ich nach 4 Monaten nicht geheilt entlassen werden kann. Was sich bei mir über so viele Jahre aufgebaut hat, kann man nicht in 4 Monaten abstellen. Es geht ja um erlernen und verlernen. Und das verlernen wird schwierig sein. Aber Destiny, im Vergleich zu damals bin ich MEILENSCHRITTE vorangekommen!!! Meine beste Freundin, die ich damals in der Therapiegruppe kennengelernt habe, sagt auch immer wieder, daß es kein Vergleich mehr zu früher ist. Ich war am Ende damals. War an einem Punkt angelangt, wo mir alles egal war, irgendwer sollte mir helfen, weil so konnte ich nicht mehr weiterleben! Es ging ja gar nichts mehr und das Leben war einfach nur noch ne Qual. Und das bin ich gar nicht! Ich bin ein Mensch, der Spaß am Leben hat! In den 4 Monaten bin ich wieder ich geworden. Zu mir gehört aber auch der Waschzwang. Momentan rutsche ich wieder ab, ich merke es selber, aber trotzdem geht's noch irgendwie. Habe mir jetzt das Buch von Susanne Fricke (Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe.) gekauft. Im Grunde genommen weiß ich ja, was ich tun MÜSSTE, um dem Zwang wieder die Zähne zu zeigen. Aber momentan siegt einfach oft die Bequemlichkeit. Weil's halt noch geht. Der Leidensdruck nicht groß genug ist. Tja. Teufelskreis halt. ... Wie auch immer, hoffe drauf, daß ich durch das Buch nochmal nen Anstoß kriege.

Das mit dem Nachfragen wegen der Sicherheit, das hab ich ne Zeit auch massiv betrieben. Vor allem meine beste Freundin oft befragt und auch andere Leute, die ein wenig eingeweiht sind. ABER: das mache ich nur noch in absoluten Notfällen, ist ja nicht gut... Und es besteht ja die Gefahr der Co-Abhängigkeit - ist das bei Deinem Mann der Fall, bzw. war es? Mein Ex-Freund, mit dem ich damals zusammen gewohnt habe, der war auf jeden Fall co-abhängig. Wollte mich natürlich erleichtern, aber wenn ich daran zurück denke - GRAUENHAFT, was ich ihm angetan habe damit. Und das werde ich nie wieder tun. Mittlerweile ist es mir eh egal, was andere machen. Glücklicherweise dreht es sich nur noch um mich. Sprich, wenn jemand z. B. was anfaßt (Voraussetzung ist natürlich, ich habe zu diesem Menschen einen Bezug!!! - fremde natürlich ausgeschlossen), was ich nicht anfassen würde, dann juckt mich das nicht, wenn er hinterher Sachen anfaßt, die ich wiederum anfasse, bzw. er mich anfaßt. Menschen die ich mag sind rein. Egal was sie tun. Überhaupt (ist das bei Dir auch so?) kann ich eh Dinge steuern, was mir immer wieder aufzeigt, daß ich die Möglichkeit hätte, den Zwang zu bekämpfen - z. B. Schlüssel - egal wo sie liegen, was damit ist, etc. pp. - die sind immer sauber, da ich sie ja brauche! Da DARF ja gar nichts mit passieren! Wenn mir was runterfällt, wo's nicht hinfallen darf, was ich leicht ersetzen kann, dann schmeiße ich es weg und kaufe es neu. Nicht mehr so schlimm wie früher, kommt aber noch vor. Was für eine Verschwendung!

Was heißt, Du wäschst Deine Hände kurz? Wie sieht das genau aus?

Ich hab ja noch den Splin entwickelt, daß ich die Seife gründlich wieder abwaschen muß. Ich nehme also Seife und muß dann überall gründlichst und lange nachspülen, weil ich die Seife nicht auf der Haut behalten möchte. Von daher geht bei mir kurz gar nicht... Wenn ich bei meinem Freund bin versuche ich immer nur die Hände zu waschen. Schon allein, damit nicht alles vollgeplanscht ist hinterher. Bei mir im Bad steht schon immer ein Aufwischer, da wische ich dann hinterher das Wasser zusammen.

Mit dem duschen habe ich es auch nicht mehr so. Früher gab's auch ne Zeit, wo ich, wenn irgendwas passiert war, duschen mußte. Das habe ich auch in den Griff bekommen. Ich wasche mir sogar nicht mal täglich die Haare, wenn's nicht sein muß (nach'm Sport natürlich immer). Möglichst nur alle 2 Tage, weil meine eh schon so trocken sind, die trocknen bei täglichem Haare waschen brutal aus!

Klar, ich habe mehrere Rituale im Haushalt. Z. B. muß ich auch immer saugen, wenn ich Wäsche wäsche. Ich nehme nach dem Wäsche anstellen die trockene Wäsche vom Ständer und dann sauge ich die Wohnung. Aber das ist ok, weil ich so den Boden in Ordnung halte. Mit anderen Haushaltssachen hab ich meine Probleme, weil ich halt immer so lange brauche für alles. Somit verschiebe ich auch gerne vieles. Das ist ja das Paradoxe. Wasche meine Hände ständig, aber dann putze ich mal wochenlang das Waschbecken nicht! Weil's mir zu anstrengend ist. Dieser ganze Aufwand! Achte halt auf nötige Hygiene, z. B. bei der Toilette, aber das Waschbecken schmutzt ja nicht so schnell ein - und dann mache ich es halt nur, wenn's auch so aussieht. Unlogisch, nicht wahr?! Wie ist das bei Dir mit dem Haushalt? Hast Du das alles problemlos im Griff?

Stellst Du Deinen Wäschekorb auf dem Fußboden ab? Hat er Löcher oder ist er geschlossen?

Liebe Grüße,
Josi

Destiny

unregistriert

10

Donnerstag, 17. Juli 2008, 17:33

Huhu!

Das ist schön, daß Du schon soweit gekommen bist!
Ja, kann mir dann durchaus vorstellen, wie es Dir früher ging!
Mir ist im nachhinein auch aufgefallen, das es 4 Monate war, ist natürlich nicht lange, hatte im nachhinein irgendwas mit 7 jahren im Kopf, aber das war dann wohl jemand anderes. :D

Ich denke ich weiß woher meine Zwänge kommen!
Mit meinem 13. Lebensjahr, haben die Depressionen angefangen, ich hatte zum teil Freundinnen, die mir nicht guttaten und was die Arbeitswelt anging, habe ich zwar erfolgreich eine Ausbildung zur Arzthelferin abgeschlossen, aber schon da am Ende der Ausbildung ging das Mobbing los.
Und das zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben!
Ich war von Anfang an ein sehr sensibler Mensch und hatte eigentlich nie ein großes Selbstbewußtsein und das bischen was ich hatte, wurde mir über die Jahre dann auch noch weggenommen!
Und damit stand die Tür für die Zwänge weit offen!
Ich hab das Problem, daß ich denke ich bin an allem Schuld oder durch meine Schuld passiert jemanden etwas!
Deshalb kann ich auch kein Auto mehr fahren, Wegen dem Kontrollzwang, daß ich ständig denke, ich hätte jemanden von der Straße gedrängt oder überfahren.
Der Auslöser für den Waschzwang war, das dadurch, das ich innerhalb von einanhalb Jahren 3mal am Eierstock operiert wurde, wegen Zysten und die mir fasst den rechten Eierstock mit raus genommen haben, danach die Angst aufkam irgendwann keine Kinder mehr bekommen zu können!
Heißt ich hatte dann auch auf einmal Angst durch irgendwas(Schmutz, Bakterien etc.) steril zu werden! Ist sowieso schwierig bei mir Schwanger zu werden, wegen den Hormonen und den Verwachsungen im Unterleib durch die OPs.
Ich hatte auch schon mal was dazu geschrieben unter Angehörige(Wie geht ihr mit Zwänglern um?)
Ich bin eigentlich auch schon sehr weit gekommen, Ein paar Sachen mach ich halt auf eine bestimmte Weise, wie die Wäsche aber ansonsten nix dramatisches mehr, komme mit meinem Haushalt jetzt gut zurecht!
Bis auf das ich mir halt zu oft am Tag die Hände wasche.
Mit kurz mein ich, naja ich seif sie ein, so 5 Sekunden und spühl sie dann wieder ab.
Freu mich aber trotzdem auf meine Therapie!
Habe mir auch ein Buch geholt "Wege aus dem Zwang" von Hansrüdi Ambühl.
Und zu Deiner letzten Frage, ja ich stell den Wäschekorb auf den Fußboden und nein er hat natürlich keine Löcher :D!
Weißt Du woher Deine Zwänge kommen?


LG Destiny