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Dienstag, 1. April 2008, 21:24

Bin auch neu hier

Hallo,
bin Mutter einer zwangserkrankten Tochter und zum ersten Mal hier im Forum. Im Moment bin ich doch sehr am verzweifeln. Die Diagnose ist schon seit 5,5 Jahren bekannt. Damals hatte sie auch eine stationäre und im Anschluss 2 amburlante Therapien. Jetzt wird aber alles zunehmend schlimmer. Wiederholungszwänge gibt es nur wenig, aber ich denke, es sind die Zwangsgedanken , die sie quälen. Sie kann nichts mehr anfassen, was die ganze Familie anfässt, wie Türklinken und -griffe, benutzt zum Duschen mind. 1/2 Flasche Shampoo pro Tag, unser Klopapierverbrauch liegt bei 2-3 Rollen am Tag. Sie ist sehr verschlossen, mag über alles nicht reden, bleibt nur auf ihrem Zimmer und kann sich auch dort nicht frei bewegen. Hat Probleme sich überhaupt hinzusetzen, kann sich nicht konzentrieren und somit auch Probleme in der Schule. Sie fühlt sich oft in ihren alltäglichen Handlungen aus irgendeinem Grund unterbrochen und ist dann ganz verzweiftelt, schimpft oder wird wütend. Gleiches gilt inzwischen auch , wenn jemand aus der Familie durch das Spielen im Kinderzimmer sehr laut ist, oder wir Eltern mit einem der Kinder reden und das nicht in "ihr" Schema passt.
Es ist so schwierig!!!! Ich weiß durch die Klinik, das man den Zwang nicht unterstützen darf. Aber wie verhält man sich richtig, wenn man zum zum einen, der Tochter signalisieren möchte, dass man sie trotz Zwang liebt und zum anderen aber durch das nicht mit in die Krankheit einbeziehen lassen von ihr zu hören kriegt, dass sie uns hasst.
Wir wollen natürlich das beste für sie, aber was ist das? Sie hat in 2 Wochen einen erneuten Termin beim Psychiater. Ich hoffe, sie geht dort hin. Denn sie versucht vor allen Leuten, ihr Problem zu vertuschen. Das heißt, dass sie auch uns gegenüber so tut, als wäre alles ok. Sie möchte nicht über sich und die Zwänge nachdenken. Und bei der letzten Therapie , wurde sie entweder als therapieresistent oder geheilt entlassen. Die Therapeutin konnte nichts machen, wenn unsere Tochter nicht zugibt, das es da das ein oder andere Problem in ihrem Leben gibt.
Wie verhaltet ihr euch denn? Wie macht man es richtig? Inzwischen sind die Geschwister schon mächtig eingeschüchtern von dem "Tun, Handeln und Ausrufen" ihrer Schwester.

Sica

Pit-2001

unregistriert

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Dienstag, 1. April 2008, 23:03

RE: Bin auch neu hier

Hallo Sica, das "andere Problem in ihrem Leben", von dem du schreibst, dass kriegt keiner raus, der nicht ihr volles Vertrauen erlangt hat.

Ihr Lebensinhalt sind die Zwänge und ihre Eltern unterstützen sie nicht dabei, weil irgendein Scheißtheoretiker schreibt, man draf sie dabei nicht unterstützen.

Es gibt immer zwei Folgen eines solchen Verhaltens. Eimal der zwangstheoretisch technische. Da mag es richtig sein, die Zwänge auszuhungern, die nicht zu unterstützen, weil das letztlich auch nicht heilt.

Aber ist ein Aspekt alles auf der Welt?????????

Würdest du nicht so krass mit ihr umgehen, würde sie eher Vertrauen fassen können, und mit diesem Vetrauen kann man Berge versetzen.

Warum sehen das die verdammten Theoretiker nicht!

Entschuldige meine Erregung.

Ich bin selbst zwangskrank und weiß von was ich spreche.


Schau mal her, weil manche mit mir auch so handeln, wie man dir geraten hat, die Zwänge nicht zu unterstützen, kriege ich momentan schon Angst, neue Beziehungen aufzunehmen, alte Bekannte mal wieder zu besuche usw. es könnte ja sein, dass ich dort Angst bekomme und die mich dann auch hängen lassen.
Welch ein toller Erfolg dieser beknackten Theorie, die in sich stimmen mag, aber in größerem Zusammenhang einfach nur xxx ist. Dabei ist das Aufnehmen von Beziehungen und das Leben von Beziehungen die größte Heilungschance, viel größer als das Einhalten von Theorien, auch wenn sie prinzpiell stimmen.

Verstehst du ein wenig, was ich sagen will?

Dann hör ich erst mal auf zu schimpfen :-)

Alles liebe euch.

Pit

Hope

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3

Dienstag, 1. April 2008, 23:29

RE: Bin auch neu hier

Hallo Sica,

ja es ist schwierig zu entscheiden ob man den Zwang unterstützen sollte oder nicht ich denke man sollte da einen Mittelweg finden.

Wie alt ist Deine Tochter?

Wenn sie in der Pubertät ist ist es normal das sie darüber nicht sprechen will weis ich aus eigener Erfahrung aber trotzdem solltest Du sehen ob eine Therapie oder sogar eine geeignete Klinik gut ist, mir hat damals schon eine normale Kur geholfen gut es fing dann langsam wieder an aber aus dem gewohnten Umfeld mal raus zu kommen hatte mir gut getan.

Verständnis ist auch immer wichtig weil sich Zwängler meistens nicht verstanden fühlen was für aussenstehende ja auch sehr schwer ist.

Gruß

Hope
Gruß

Hope


Frei nach Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“
http://www.youtube.com/watch?v=j8uefBUOfgA

Carina1982

unregistriert

4

Mittwoch, 2. April 2008, 00:54

RE: Bin auch neu hier

Endlich mal einer, der das genauso sieht wie ich!!! Wie schön!!!
Meine Mutter hat meine Zwänge auch immer unterbrochen, ich bin ausgerastet, alles wurde nur noch viel schlimmer, wir verstehen uns bis heute nicht.

Mein Freund weiss von meinen Zwängen und ist immer für ich da. Er versucht mit meinen Zwängen zu leben. Teilweise muss er dies und das tun oder mir beantworten. Da ich sein vollstes Vertrauen habe, hält sich dies aber im Rahmen. Würde er bei meine Zwängen nicht mitmachen, wäre es sofort aus, da würde ich nicht lange fackeln. NIEMALS. Und das ist mein bitterer Ernst!

Habe zwar noch wenige Zwänge, aber diese sind hochwichtig für mich. Da geht gar nichts. Die die gegen meine Zwänge arbeiten, wird der Kontakt sofort abgebrochen. Sollen sie denken, was sie wollen.

LG Carina

Pit-2001

unregistriert

5

Mittwoch, 2. April 2008, 01:28

RE: Bin auch neu hier

Hallo Carina, ich glaube immer mehr, dass diese Theorie eigentlich auf Phobien zutrifft. Zwischen Phobien und Zwängen sind aber Unterschiede.

Klar ist es ein Ziel, es mit der Theorie zu versuchen, aber doch bitte in gemeinsamer Absprache und freiwillig. Man kann sich auch freiwillig zu verdonnern. Alles o.k. und nützlich. Aber die zwangsweise Verdonnerung zum Zwangsstopp, ist doch selbst ein Zwang und wie du so schön schreibst, kann es dadurch dazu kommen, dass niemand mehr Zugang zu dem Erkrankten bekommt, wo doch das das Wichtigste ist.

Natürlich gibt es Ausnahmen, jemand, der verstockt keinerlei Hilfe ausprobiert, der sich in seinen Zwängen sielt, dem könnte es zum Wachwerden vielleicht doch gut tun, wenn man ihn mal hängen lässt.

Auch liebe Grüße von Pit

6

Mittwoch, 2. April 2008, 08:36

RE: Bin auch neu hier

ERstmal Euch allen vielen Dank!

Es ist schon interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Meinungen sind. Also falls das so geklungen haben sollten, das ich meine Tochter ständig am Händewaschen, Handlungen ausführen oder sonstwas hindere, dann habe ich mich falsch ausgedrückt.
Aber ich muss auch sagen, das ich mich nicht zum kompletten Spielball machen lasse.
Sie möchte nicht, das ich bei bestimmten Dingen zusehe, was ich auch durchaus verstehen kann. Aber ich bin nicht bereit, flür sie dann den Raum oder die Etage zu wechseln, wo ich gerade beim Abwaschen bin. Ich gebe ihr dann mein Versprechen, das ich sie nicht ansehen werde und halte mich auch daran, aber wie gesagt, ich verlasse nicht den Raum. Ausserdem verlange ich einfach Dinge, die jede Mutter von ihrem Kind erwarten würde. Z.B. dass sie sich, bevor sie in die Wohnung kommen, die matschigen Schuhe ausziehen. Wir haben blöderweise hellen Teppichboden . Ich bin auch bereit meiner Tochter andere Schuhe zu bringen, wenn sie barfuß nicht laufen kann. Das habe ich ihr auch gesagt, aber das will sie auch nicht. Sie will mit genau diesen dreckigen Schuhen (evtl. mit feuchten Lappen saubergemacht) in die Wohnung. Ich kann doch nicht allen hinterherräumen und -putzen. Vielleicht ist das ja falsch, aber ich habe noch zwei Kinder und wenn ich mich immer nur nach einem richte, wo bleiben dann die anderen. Es ist schon für die anderen beiden schwierig genung, das alles zu verstehen. Der Älteren habe ich das alles gut erklären können und sie weiß, das sie ihrer Schwester nicht zu nahe kommen darf und hält sich auch daran. Sie fasst ihre Sachen nicht an, geht nicht in ihr Zimmer und hält in einem Raum den nötigen Abstand. Sie würde , glaube ich, gerne viel mehr mit der großen Schwester machen, aber ich kann auch meine große verstehen, das Freunde einfach wichtiger sind als Familie. Die Kleine ist immer nur verwundert über die Große, die sich manchmal so "komisch" verhält. Traut sich aber auch nicht in ihre Nähe, geht nicht an ihre Sachen und erst recht nicht in ihr Zimmer.
Wir haben in den letzten Jahren gelernt damit zu leben. Aber irgendwann wird es verdammt schwierig. Ich sehe meine große (sie ist 16) gefangen in ihrer Welt, sehe wie sie leidet und würde ihr das alles so gerne abnehmen. Aber was soll ich machen. Uns wurde eine Klinik angeraten,die wohl sehr gut mit Jugendlichen arbeitet und nicht nur konseuqent ihr Verhaltenstherapie durchzieht, sondern eher auf die Kinder eingeht und schaut, was wollen sie, wie weit sind sie bereit zu gehen , was lassen sie zu. Aber es gibt irre lange Wartezeiten und die Jugendlichen müssen freiwillig kommen. Leider ist unsere Tochter, so meint sie jedenfalls, völlig o.k. und braucht weder Therapie und erst recht keine Klinik. Da sie auch mit Freunden darüber überhaupt nicht spricht, ist das schon ganz schön schwierig.
Liebe Grüße Sica

ferdy01

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Mittwoch, 2. April 2008, 14:04

RE: Bin auch neu hier

hallo sica

willkommen im forum

schwierige situation die du da beschreibst.ich denke das wichtigste ist,das deine tochter sich selber eingesteht,das sie ein problem hat.ich denke das es eine wichtige vorraussetzung ist,dieses selbst zu erkennen.um sich dann auch helfen zu lassen.der vergleich mit einem alkoholabhängigen hinkt vielleicht,aber es ist im grund genommen das gleiche.wenn der alkoholkranke nicht einsieht das er alkoholabhängig ist,kann man ihm leider auch nicht helfen.vielleicht kannst du mal mit deiner tochter ganz in ruhe reden.und ihr deutlich machen das es nicht schlimm ist,das sie die krankheit hat.und ihr verdeutlichen das die ganze familie hinter ihr steht.ich dachte auch eine zeitlang ,das ich der einzige mensch bin auf der welt ,der an zwängen leidet.dem ist aber nicht so.als ich das begriff verschwand auch sehr schnell meine scham.und heut kann ich sehr offen damit umgehen.ich habe mir die krankheit ja nicht ausgesucht.ich hoffe für euch,das ihr rasch eine lösung findet.
lg ferdy
Es gibt 1000 Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.
Arthur Schopenhauer, 22.02.1788 - 21.09.1860
dt. Philosoph

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Mittwoch, 2. April 2008, 15:09

RE: Bin auch neu hier/ Waschzwang Tochter

Hallo Sica,

deine Zeilen haben mir Mut gemacht, mich hier auch anzumelden.
Auch ich habe eine Tochter (13 1/2 Jahre), die seit letztem Sommer einen Waschzwang entwickelt, der sich immer weiter steigert. Erst war es dauerndes Händewaschen, inzwischen gibt es zudem nur noch Gedanken, "wann kann ich wieder duschen" etc. Ich bekomme Unmengen von angeblich schmutziger Wäsche von ihr hingeworfen (die nie angezogen wurde), fällt irgendetwas kurz auf den Boden, wird es sofort in die schmutzige Wäsche geworfen. Kommt sie von der Schule, wird sich sofort umgezogen, da die Schule ja so "schmutzig" ist etc. etc., das sind mehrere Garnituren am Tag, könnte noch massig schreiben dazu....
Ich bin auch am Verzweifeln, da ich echt nicht mehr weiß, was ich machen soll, ich kann ihr nicht helfen, da sie niemanden an sich ran lässt :-(
Gruß Annerl

9

Mittwoch, 2. April 2008, 16:27

RE: Bin auch neu hier/ Waschzwang Tochter

Hallo Sica, hallo Annerl,

ich kann eure Bedenken und auch eigenen Gedanken verstehen, die Ohnmacht, dass ihr nicht eingreifen könnt, nicht helfen könnt, dass ihr zusehen müsst, weil eure Töchter euch den Zugang zu ihrem eigenen Erleben verwehren, ja eben so tun, als wenn nichts wäre.

Ich greife dabei einen Gedanken von Carina1982 auf " Da ich sein vollstes Vertrauen habe, hält sich dies aber im Rahmen."

Es ist nicht nur so, dass sie sein Vertrauen hat, sondern nach ihrem Empfinden, dass sie ihm vertraut. Dieses Vertrauen untereinander gibt ihr das Gefühl, dass sie um den Wert des Vertrauens weiß und deshalb auch nicht die Zwänge zu sehr auf seine Kosten ausleben würde. Sie fühlt sich nicht gefangen, sondern wahrscheinlich viel mehr aufgefangen, aber eben nicht so, dass er die Verantwortung für ihr Leben übernimmt und übernehmen muss, sondern sie es selbst kann und darf, soweit wie sie es auch schafft.

Man müsste viel mehr Einblick in eure Familienverhältnisse bekommen, denn die Kommunikation und damit meine ich nicht nur Reden an sich, fand schon viel früher nicht mehr statt. Eure Töchter nehmen etwas ganz anders wahr, als ihr, sie spüren ihr eigenes Unbehagen, sie spüren euer Unbehagen und sie spüren auch den Druck, der auf ihnen liegt. Der Druck durch die Zwänge, aber auch der Druck durch das gestörte Familienleben und Erleben. Ein Zwang entsteht nicht einfach so, er fängt oft viel viel früher an, oft nicht für die Betroffenen als solchen erkennbar, sondern als "normal" empfunden, weil mit seiner Hilfe eine Druckentlastung entstanden ist. Er wurde integriert in das Leben, weil es dadurch leichter erschien, mit dem Druck, der Überforderung und den Erwartungen umzugehen, besonders durch die Eltern, aber auch Umwelt, Schule etc. Letztendlich liegt aber die Grundbasis bei den Eltern, wenn da schon etwas fehlte, zerstört wurde, und man sich als Kind schon allein fühlte, und das gefühl kann schnell entstehen und wird natürlich nicht besser, wenn die eltern nicht nachfühlen können, was das Kind meint, dann zieht sich das auch in anderen Lebensbereichen durch. Also es ist dann schwer, die Stärke aufzubauen, die man dann in einer bestimmten Lebenssituation benötigt.

Zum Erleben eurer Töchter... Kinder sind sehr sensibel, sehr empfänglich für Veränderungen. Sie spüren es auch besonders, wenn Eltern überfordert sind. Sie erleben sich selbst schon als Last, darum ziehen sie sich auch mehr und mehr zurück, zum einen, weil sie eure Überforderung spüren, zum anderen, weil die Signale, die eure Kinder ausgesendet haben, dass etwas nicht stimmt, dass sie sich nicht wohlfühlen, schon viel früher abgegeben wurden, aber als solche von euch nicht gesehen bzw. empfangen, und dieser Rückzug natürlich auch dann schlussfolgernd sein kann. Eines ist ganz gewiss, dass, wenn sie im Bad sind, sich stundenlang säubern oder alles als dreckig empfinden, sie sich selbst am emisten damit stressen und diesen Stress nun auch zusätzlich auszuhalten, neben dem Gefühlserleben, ist sehr schwierig. Mit dem Zwang wird kompensiert, besser auszuhalten, auch zu verdrängen, weil es sonst viel viel schlimmer empfunden wird, dem eigentlichen Problem ins gesicht zu sehen, weil ihr nämlich auch hinsehen müsstet ohne zu verurteilen, ohne das bei euren Kindern ein Gefühl von Schuldigkeit entsteht. Es ist schwierig, für alle Beteiligten.

Ihr wollt erreichen, dass eure Kinder sich öffnen, euch Zugang zu eurem Seelenleben geben, eure Fragen beantworten können, euch helfen sollen, damit ihr ihnen helfen könnt, aber das wird nicht klappen. Zumal die Chance dazu schon viel früher vertan wurde, als eure Kinder offen waren und Signale gesendet haben und jetzt werden sie auch um so mehr Angst haben, vor euch, zu sagen, dass etwas nicht stimmt, die Angst davor, dass ihr nicht verstehen könnt, was in ihnen passiert. Natürlich brauchen sie selbst diese Einsicht, in der Regel spüren aber die meisten, dass etwas komisch ist, aber deswgeen erleben sie es noch nicht als krankhaft, sie benötigen eigentlich die Anteilnahme und Zuwendung durch euch, die ihr aber euch erst erkämpfen müsst, ein stück weit, damit eure Kinder wieder auf euch zugehen, und nicht umgekehrt. Ich meine aber nicht damit, die Kinder zu etwas zu bewegen, was sie nicht wollen und auch jetzt nicht leisten könne, denn sie haben genügend Druck auszuhalten. Es sind die kleinigkeiten und ganz wichtig ist eben, wie eure Kinder etwas erleben und nicht wie ihr es meint.

So, ganz liebe Grüße

Anna

Carina1982

unregistriert

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Mittwoch, 2. April 2008, 23:50

RE: Bin auch neu hier

Mmh, so wie Du das schreibst, muss ich überlegen, ob ich eher Zwänge habe oder Panik vor duschen hatte und Phobie vor meinem Dreck habe. Eigentlich eine gute Frage. Ich hatte zuletzt übermäßig viele Rituale. Dass ich zwanghaft alles mehrmals machte eigentlich eher weniger. Muss mal nachdenken drüber.

Von meinem Freund verlange ich nicht viel. Kleinigkeiten und ich bin ja mittlerweile zu 80 % zwangsfrei. Aber die 20 % müssen halt noch sein. :-) Bei anderen Leuten traue ich mich allerdings gar nicht.

Carina1982

unregistriert

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Donnerstag, 3. April 2008, 00:00

Ich habe nicht alle Beiträge bis ins Detail gelesen.

Ich möchte den Müttern/ Familien nur Mut machen nicht aufzugeben.

Vielleicht kurz zu mir als Betroffene. Ich entwickelte mit 12 extrem starke Waschzwänge. Meine Mutter hat dies immer ignoriert, ebenso wie sonstige Verwandte. Mein Vater (geschieden) hat sich dem Problem angenommen, leider verstarb er zwischenzeitlich. So lebte ich ca. 8 Jahre mit meinen Zwängen ohne dass ich überhaupt wusste, dass es Zwänge sind und was mit mir los ist. Ich hielt mich für verrückt. 2 Jahre hatte ich recht gut Ruhe, dann hat der Zwang mich komplett umgehauen, bis ich heute fast wieder zwangsfrei bin. Doch 10 Jahre meines Lebens wurden teils durch den Zwang ruiniert.

Heute verfluche ich meine Mutter, dass sie mir damals nie geholfen hat, genauso wie andere Leute. Ich denke, das reine Erkennen der Situation und das Verstehen der Kinder kann einem Kind schon so viel geben. Sie wissen, dass jemand da ist und ich glaube das allein bringt schon sehr viel. Irgendwann werden sie sich einer Therapie öffnen. Und Zwänge sind am Anfang besser zu behandeln, als nach 12 Jahren. Ich wäre froh um jede Hilfe gewesen.

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Donnerstag, 3. April 2008, 08:04

Hallo Carina,

Danke, du machst mir etwas Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben.
Bei meiner Tochter besteht dieser Zwang erst seit letztem Sommer (vielleicht kenne ich sogar den Auslöser), aber es wird halt leider immer schlimmer, sodass ich nicht zusehen kann, wie sie sich und ihre Haut zerstört. Sie ist selber nicht glücklich darüber, kann aber nicht anders, soweit habe ich es verstanden.
Wir haben vor ein paar Wochen eine Therapie bei einer Kinder- und Jugendtherapeutin am Ort angefangen, in die ich große Hoffnungen setze, denn inzwischen wird sie auch schon wegen ihrer Zwänge in der Schule gemobbt und von Lehrern vor der Klasse angesprochen, "dass sie doch mal wegen ihrer Hände zum Arzt gehen soll" :tocktock:, klar, dass wir das schon vor langer Zeit waren (und toll, dass sie es nach einem halben Jahr auch schon bemerken, dass etwas nicht stimmt).
Ich bin der Meinung, dass ich relativ schnell reagiert und etwas unternommen habe, auch wenn mich meine Tochter dafür verurteilt, da mich lt. ihrer Aussage ihre Hände nix angehen... Da sie sie aber oft schrubbt, bis sie bluten, kann ich nicht anders, ich kann da einfach nicht tatenlos zusehen, ich hoffe, sie versteht dies irgendwann.
Darf ich fragen, was bei dir der Auslöser war?

Gruß Annerl

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Donnerstag, 3. April 2008, 11:14

Hallo Carina, hallo Annerl, hallo alle anderen,

danke für eure Zeilen. Ich muss mir jetzt einfach mal alles von der Seele schreiben. Weil ich im Moment nichtweiß, wie ich mich überhaupt richtig verhalten soll. Es fing damals mit häufigen Händewaschen an. Kurze Zeit später konnte meine Tochter nichts mehr anfassen, was wir auch berührten (Türklinken, Brauseflaschen, Tischflächen). Wieder kurze Zeit später (und damit sind immer nur ein paar Tage gemeint) konnte sie sich nirgends mehr hinsetzen. Hinzu kamen massive Konzentrationsstörungen, keine sozialen Kontakte mehr pflegen, weinen. Immer wenn sie etwas berührte bekam sie Schreiattacken und musste sich die Hände waschen. Zum Schluss konnte sie den Fußboden nicht mehr berühren (hat dafür Tücher ausgelegt), konnte nicht mehr schlafen, weil die Haare evtl. nicht auf dem Kopfkissen sonder auf dem Laken lagen und hatte Probleme überhaupt in die Schule zu kommen. Das alles was ich hier aufgelistet habe, passierte innerhalb von 6 Wochen. Wir wussten ja gar nicht , was mit unserer Tochter los war und bemühten uns sofort um einen Psychiatertermin - Wartezeit 6 Monate!!! Eine Ärztin hatte dann zurückgerufen, weil ein Termin frei geworden war und somit waren wir wirklich innerhalb von kürzester Zeit bei ihr in Behandlung. Schon beim Termin dort, sagte mir die Ärztin, das sie sofort in eine Klinik müsste. 2 Stunden später waren wir dort. Ich war wirklich so naiv zu glauben, dass wir in ein ganz normales Kinderkrankenhaus geschickt werden. Nun, ich muss sagen , so sc hwer die Zeit für uns alle war, wurde unsere Tochter wirklich geholfen. Es war so schön, sie nach 3 Monaten wieder in den Arm nehmen zu können. Sie konnte mit uns zusammen im Wohnzimmer sitzen sie konnte sich wieder mit ihren kleineren Geschwistern in einem Raum aufhalten und spielen. Ich bin dieser Klinik wirklich dankbar für das was sie getan hat. Nur danach begann wieder ein Spießrutenlauf. Wir hatten das große Glück sofort einen Therapieplatz zu bekommen, aber die KK willigte nicht ein. Sie wollte das unsere Tochter in die Klinik geht. Obwohl sie da gerade her kam. Die Therapeutin und wir haben Widersprüche eingelegt, mit den Gutachtern gesprochen. Nichts!!!
Gerade mal 25 Stunden hat man unserer Tochter zugestanden. Dieser ganze Verwaltungsaufwand hat leider 4,5 Monate gedauert. 4,5 Monate ohne Behandlung bei einem Patienten der gerade aus der Klinik kam. D.h. die ersten Zwänge kamen wieder. Aber meine Tochter machte nicht dicht. Wärend der kurzen Therapie veränderte sie sich ungemein und wurde wieder ein fröhliches lebensfrohes Mädchen. Das ganze hielt ungefähr 1 Jahr an. Dann ging alles wieder von vorne los. Nur war sie jetzt älter, versuchte mit viel Aufwand ihre Zwänge zu verheimlichen. Hinzu kam die Pubertät. Vor 2 Jahren habe ich dann erfahren, das genau in unserem Wohnblock eine neue VT ihre Praxis eröffnet hat. Dort habe ich viele Vorgespräche geführt, da meine Tochter nicht mehr in Therapie wollte. Wir haben aber schon eine ganz langsame Verschlimmerung festgestellt. Aber was macht man, wenn man sieht, das das KInd Hilfe braucht, man einen Therapieplatz hat, das Kind aber nicht will? Ich habe immer versucht sie damit hineinzubeziehen. Aber sie wollte nicht über sich reden oder was sie wollte. Daraufhin haben die Psychiaterin und die Therapeutin mit uns Eltern und Jana ein Gespräch gefüht, das sie es ja einfach mal versuchen könnte. Nach wechseln der KK ist auch eine Genehmigung für die Langzeittherapie da gewesen, aber sie sollte nicht dazu "verdonnert" werden - es aber wenigstens für ca 20 Stunden versuchen. Sie ist da auch treu und brav hingegangen. Sie hat dort lt. Aussage der Therapeutin einen "NOtfallkoffer" für der Ernstfall bekommen. Konnte auch ihre Tabletten absetzen. Das war alles im letzten Sommer. ---- Und jetzt kam und kommt es knüppeldick. Ich sehe sie nur leiden. Sie verhält sich jetzt anders als als 10jährige. Sie kreischt nicht mehr rum, wenn sie was falsches anfasst, sondern muss statt dessen die Tat noch einmal von vorn beginnen. Sie wäscht auch nicht dauernd die Hände , aber dafür verbrauchen wir irre viel Seife und Shampoo. Sie kann sich nicht mit Handtüchern abtrocknen, kann nur in der Küche auf ihrem Platz sitzen, keine darf in ihr Zimmer, geschweige denn was darin anfassen. Sie gibt mir keine Wäsche mehr zum waschen, wenn überhaupt, wäscht sie selber. Das aber nur ganz selten. Oft höre ich sie weinen, wenn ich dann mal zu ihr gehe und frage, ob ich ihr irgendwie helfen kann, sie trösten kann oder sonst irgendwas, soll ich sofort wieder das Zimmer verlassen. Sie möchte nicht über ihr Problem sprechen. Denn wenn sie nicht darüber spricht geht es ihr auch angeblich gut.- Ich bin völlig verzweifelt. Wie Kräftezehrend müssen diese Handlungen, Gedanken oder Wiederholungen sein! Aber wie verhalte ich mich denn nun richtig? Da sie im Moment keine Medikamente nimmt, haben wir schnellstmöglichst einen Termin beim Kinderpsychiater gemacht. Da es jetzt jeden Tag schlimmer wird, wurde dieser Termin sogar extra vorverlegt. Morgen gehen wir dorthin! Aber wie soll man sich denn verhalten. Die Geschwister können abends nicht einschlafen, weil nebenan im Zimmer geschimpft, geweint, geschrien oder sonstwas gemacht wird. Ich kann nachts nicht schlafen, weil ich jedes Mal wach werde, wenn sie zum Händewaschen geht. Da sie aber nichts mit den Händen anfasst, sondern alles mit den Füßen, wenn wir nicht hingucken, ist das dementsprechend laut. Soll man weggucken, sie drauf ansprechen- ich weiß es einfach nicht. Ich habe das Gefühl, alles was wir hier machen ist falsch(dieses Gefühl hat sie übrigens auch, hat sie irgendwann mal geäußert). Das ganze Leben in unserer Wohnung dreht sich nur um diesen einen Menschen. Spielen Freunde hier, müssen sie leiser sein, weil sie genervt ist. Essen wir, geht das eben gerade nicht, weil sie jetzt noch keinen Hunger hat oder nicht mit uns Essen kann. Wird sauber gemacht, ist sie genervt vom Staubsauger der im anderen Zimmer summt. Kommt ihr einer im Flur entgegen, ist das auch falsch, weil wir nicht jeder auf unserem Zimmer sind und jetzt gerade ihren Weg kreuzen. Wir sind 5 Leute mit einem Bad. Sie braucht schon ihre Zeit dort drin. Aber wir müssen schon zügig sein, damit sie sich für die Schule fertig machen kann. Die Liste könnte endlos weitergehen.
Wir haben ihr immer wieder gesagt, das wir sie liebhaben und das wir uns auch Sorgen um sie machen. Aber irgendwie ist immer alles falsch.

Kann eine von euch uns einen Rat geben?

Liebe Grüße Sica

14

Donnerstag, 3. April 2008, 11:39

Hallo Sica,

so vieles, was du schreibst, kommt mir soooo bekannt vor...
Meine Tochter setzt sich auch nur irgendwohin, wenn ein frischen Geschirrhandtuch drunter liegt, die Hosenbeine werden dauernd hochgekrempelt, damit die Hose ja nicht auf dem Boden anstößt, Jacken werden in einer bestimmten Weise aufgehängt, dass ja die Innenseite nicht beschmutzt wird etc. etc., es gäbe noch eine lange Liste, es wird immer schlimmer, bin auch total am Verzweifeln. Man darf sie nicht mehr in den Arm nehmen, um sie ggf. zu trösten, da wird man weggestoßen und kommt sich vor, als ob man eine ansteckende Krankheit hätte.
Der Toilettenpapierverbrauch steigt ins Unermessliche, dauernd ist die Toilette verstopft, sie selber kann die Verstopfungen nur beseitigen, wenn sie danach sofort duschen darf..., auch bei uns gibt es dauernd Streit, kein Morgen und Abend ohne, oft versäumt sie den Bus, da sie schnell nach dem Schuheanziehen nochmal Hände waschen muss, der Bus wartet aber nicht....
Vor den Ferien bekam ich einen Anruf der Schulpsychologin (bei der sie 2x wegen der Mobbingprobleme war), dass sich einige Lehrer Sorgen machen würde, da meine Tochter dauernd aufs Klo rennen würde... Habe allerdings Angst, einige der Lehrer einzuweihen, da sie eh kein Selbstwertgefühl hat und einige Lehrer es lieben, sie vor der Klasse bloss zu stellen (sie hat Angst beim Ausfragen, Referaten etc., sich alleine vor die Klasse zu stellen und lässt sich lieber schlechte Noten eintragen, habe ich als Kind allerdings auch gemacht :-(
Unsere Therapeutin bezieht die Eltern sehr mit ein, was ich auch gut finde, da ich auch weiß, dass irgendwo ein Auslöser sein muss... Sie meinte, sie hätte noch keine zwangserkrankte Jugendliche stationär behandeln lassen müssen, aber evtl. wäre es eine Alternative, wenn es immer schlimmer würde, mal sehen, wir sind ja erst am Anfang der Therapie.
Auch bei meiner Tochter wurde mal ein IQ Test gemacht, Ergebnis auch ähnlich, im oberen Bereich, knapp unter der Hochbegabung....
Bei ihr gibt es eine große Diskrepanz zwischen tatsächlichem Alter und Verhalten, auch in der äußerlichen Entwicklung hinkt sie etwas hinter den Altersgenossinnen hinterher, die Schrei- und Tobsuchtsattacken erinnern an das Verhalten einer trotzenden Kleinkindes (diese Phase hatr sie aber nicht ausgelassen , sondern sehr ausgeprägt durchlebt). Ich kann damit nur sehr schwer umgehen, dass sie das Hirn total ausschalten kann (?) und dann ausflippt, schreit und heult wie ein kleines Kind, wenn sie jemand an der Ausführung ihrer Zwänge hindern will bzw. es nur im Ansatz versucht.
Gruß Annerl

Pit-2001

unregistriert

15

Donnerstag, 3. April 2008, 15:56

Hallo ihr zwei, liest sich ja furchtbar, was ihr da so beschreibt.

Es gibt nun mal kein Rezept, was man über diese Seiten flattern lassen kann.

Man kann Ursächlichkeiten, wenn überhaupt, nur über intensive Beziehungen mit dem Betroffenen und der Familie herausbekommen. Das könnte ein guter Freund theoretisch genauso wie ein Therapeut, aber nur theoretisch, weil ein wenig Wissen und sehr viel Einfühlung gehören schon dazu. Auch muss ein Draht zu dem Betroffenen entstehen.

Vielleicht ist das Eltern - Kind - Verhältnis hier doch problematischer als man glaubt, ein Therapeut, Freund oder so wäre viell. besser.

Was haben die denn in der Klinik gemacht und gesagt dazu, Sicca, nach der es ihr besser ging?

Das ganze kann ja so viele Wurzel haben, vererbte Charaktermerkmale, vermischt, mit Traumata oder auch Erfahrungen mit dem Umfeld, den Eltern usw.
Gerade letzteres bedarf der Einfühlung, denn wenn jetzt hier einer anfinge, euch irgendwelche Vorwürfe zu machen, ging das wohl voll in die Hose, zumal ihr vielleicht auch besten Gewissens nichts findet. Es sind nicht immer Fehler, die Eltern machen, es können auch Dinge sein, die auf die Situation des Kindes, seine Veranlagung usw. nciht passen, die dann nach entsprechenden Auslösern zu solchem Verhalten führen könnten.

Aber diese Feststellung hilft euch auch nichts, wenn sie nciht von jemand kommt, der sich intensiv mit euch und dem Kind beschäftigt hat, psychlogisch gesehen.

Es muss doch solche Therpeutinnen oder Therapeuten geben, meint man, die da hilfreich sind? Wenn überhaupt, weil ich mir denke, dass Kinder in einem gewissen Alter da noch ganz andere Problematiken Erwachsenen gegenüber einbringen könnten und sperren. Ich wünsche euch jemand, der Zugang findet.

Viele Grüße Pit

16

Donnerstag, 3. April 2008, 16:23

Hallo Pit,

in der Klinik musst sie sich zu Anfang erstmal eingewöhnen. Dann fing alles mit einer Strichliste an. Immer ein Strich fürs Händewaschen und in der jeweiligen Warum-Spalte (also nach dem WC-Gang, aus schlechtem Gefühl heraus....) Dann kam irgendwann hinzu das sie nach dem Händewaschen die Türklinke, die Wand und den Boden berühren sollte. Ihre Klinikfreundin stand ihr dabei zur Seite. Die haben das als eine Art Spiel gemacht. - Also Konfrontation , oder?- So ging das immer weiter. Wenn sie nach Hause kam, gab es Hausaufgaben auf und die hat sie auch alle erfüllt. Es ging von mal zu mal besser. Und das einschneidenste Erlebnis war: Sie solle ohne "Schutz" auf den Kindersitz ins Auto klettern um am Wochenende nach Hause zu kommen. Sie wollte natürlich nicht einsteigen. Bis ich sie im Auto hatte, waren viel Überredungskünste nötig. Im Auto fing sie dann wieder an zu quengeln und das alles eckelig sei usw.
Aber wir waren auf der Autobahn. Ich konnte nicht mal so eben anhalten um ihr Erleichterung zu verschaffen. Ausserdem hatten wir den "Schutz" ja auch in der Klink gelassen. Und nach einer 20 Min. Fahr wurde sie mit einem Mal still und fasste alles an. Und sagte immer nur ganz leise : es geht, Mama es geht, es ist gar nicht mehr ekelig.
Weißt du , wie es dir dann geht? Nach der Abfahrt musste ich , ob ich wollte oder nicht , noch einkaufen. MEin HOrror war es, das sie dann wieder ins Auto musste. Aber es war von dem Zeitpunkt an kein Problem mehr. Wir kame zu Hause an und sie wollte sofort mit Papa noch wo hin fahren, weil es endlich keine Qual mehr für sie war. An diesem Wochenende hat sie uns gefragt, obe das genauso wäre , wenn sie ihre Geschwister anfasst oder in den Arm nimmt. Als ich ihr geantwortet habe, das sie es ja einfach mal ausprobieren könnte , fing sie mit spitzen Fingern an und zum Schluss lagen sie sich in den Armen. Gleichen galt für uns als Eltern. ERst ganz vorsichtig und zum Schluss standen wir da und konnten uns nicht mehr loslassen, weil es so schön war, sie wieder berühren zu können. Das war der emtscheidene Wendepunkt und von dem Tag an ging es steil bergauf. Sie angefangen selber auszubropieren, konnte wieder auf dem Sofa mit uns fernsehen, konnte sich auf dem Fußboden wälzen und sagte immer : es fühlt sie alles so frei und so schön an. Ich habe über das alles damals Tagebuch geschrieben. Ich brauchte es für mich als Ventil, sonst wäre ich in der schlimmsten Zeit an allen selber zu Grunde gegangen.
Daher weiß ich alles noch sehr genau. Zusätzlich wurde in der Klinik viel über Gefühle geredet und in Spieltherapien thematisiert. Das galt dan auch für die ambulante Therapie. Es ging immer um gute Gefühle und wenn man schlechte Gefühle hat, wie man sich dann helfen kann. Aber leider möchte sie im Moment von dem ganzen gar nichts mehr hören und ich bedränge sie auch nicht. - Ja das ist in absoluter Kurzfassung die Geschichte mit dem Klinikaufenthalt. Das ganze ist jetzt aber auch 5 Jahre her.

Sica

Pit-2001

unregistriert

17

Donnerstag, 3. April 2008, 20:37

Hallo Sicca, nach dieser bewegenden Geschichte, fällt mir ein Bild ein, was natürlich auch falsch sein kann:

Jemand lebt mit einem schweren Deckel, der auf ihm lastet und alle Bewegungen zur Qual macht (er symbolisiert, die Ursachen). Dann kommt er wohin wo man ihm den Deckel abnimmt, aber nicht wegzaubert und mit ihm einübt, wie man sich frei bewegen kann.

Dann verlässt dieser jeman die Gruppe und kommt samt seinem Deckel daheim an. Noch voll Freude von dem, was er dort erfuhr, bewegt er sich trotz Deckel. Es ist wunderbar, bis der Deckel immer wieder und wieder schwerer wird.

Da seid ihr jetzt.

Es mag alles falsch sein, was ich schreibe. Aber mir bleib ja auch nur, was ich fühle, wenn ich Dinge lese, von denen ich nicht mehr weiß, als das, was ich lese.

Danke für deine Geschichte.

Viele Grüße

Pit

Hasenhund

unregistriert

18

Donnerstag, 3. April 2008, 21:13

Liebe Sica, Annerl, Pit - liebe Carina :lieb:

vielen Dank für eure Beiträge.

Ich fühle mit euch - aus unseren Erfahrungen, unsere Tochter ist nun 21 Jahre alt geworden und seit ihrem 12. Lj. zwangserkrankt.

Was ihr schildert ist genau so wie wir es erlebt haben und erleben -

Carina Danke Dir besonders für's Mutmachen und die Hoffnung die Du uns gibst!

Drück euch alle ganz lieb

Hasenhund

Carina1982

unregistriert

19

Donnerstag, 3. April 2008, 23:07

Hallo zusammen,

ich habe gerade Eure Beiträge gelesen. Für mich irgendwie schrecklich, weil ich all das kenne, die ganze Leidensgeschichte. Ich könnte jetzt alles bis ins Detail wiederholen.

Bei mir gibt es wie bei jedem viele Gründe für die Zwänge. Mitunter spielt die Alkoholsucht meiner Mutter und der frühe Tod meines Vaters eine Rolle, sowie wahrscheinlich Vererbung und ungesunde Lebensweise (Stress).

Ich kann es kaum verstehen, dass ein Kind Hilfe ablehnt. Da weiss ich leider auch keinen Rat. Allerdings wurde die kleine Schwester meiner Freundin mit plötzlich extremst auftauchenden Waschzwängen mit 10 Jahren zum Klinikaufenthalt gezwungen, 3 Monate und sie ist geheilt heute. Ich weiss nicht, ob so etwas in jedem Fall was bringt. Hier war es die richtige Entscheidung.

Als Kind wollte ich auch nie über die Zwänge reden. Es war mir sooo dermassen unangenehm. Erst mit 22 habe ich mich jemandem anvertraut, nach 10 Jahren.

Ich denke, dass Wichitgste ist, dass die Kinder merken, dass sie jederzeit Hilfe bekommen können, wenn sie wollen. Und dass jemand da ist. Wenn sie nicht reden wollen, sollte man sie lassen denke ich mal. Aber die Situation ist wirkich sehr sehr schwer.

LG Carina

P.S. Und niemals aufgeben.

20

Samstag, 5. April 2008, 12:17

Hallo,

ja , für mich ist es auch unverständlich , dass sie die HIlfe ablehnt. Wir waren nun beim Kinderpsychiater und dort hat sie getan, als wäre "fast" alles in Ordnung. Nur konnte man ihre innerliche Anspannung nicht nur spüren, sondern auch ganz deutlich sehen.
Ihr wurden jetzt wieder Medikamente verordnet und wir haben, auch wenn unsere Tochter keine Therapie möchte, bei der Ärztin in 6 Wochen einen Termin mit einer zusätzlichen Therapeutin. Die Ärztin hat halt meiner Tochter versucht zu erklären, dass das Leben halt leichter wird, wenn sie sich auch nur ein bisschen drauf einlassen würde. Gleichzeitig hat sie ihr eine Klinik empfohlen, die wohl nicht nur sehr schön, sondern auch so arbeitet, dass man nicht von allem "überrollt" wird, sondern einfach mitbestimmen dar. Das war auch der Ärztin wichtig. Unsere Tochter soll lernen für sich und die Zwänge Verantwortung zu übernehmen und daher hat sie nie uns als Eltern sondern immer unsere Tochter gefragt, ob sie z.B. mit TAbletten einverstanden wäre. Wie die wirken könnten. Ob sie auch mit dem nächsten Arzttermin einverstanden wäre. usw. usw. Für unsere Tochter war das glaube ich alles STress pur, den sie danach auch zu Hause ausgelebt hat. Aber ich glaube, sie hat sich doch anders, ernstgenommener und vielleicht auch ein bisschen erwachsener gefühlt. Denn es wurde nicht entschieden und das wird jetzt gemacht, sondern sie konnte mitreden. Wir werden sehen,wie es jetzt weitergehen wird.

Aber eine Frage habe ich noch. Wie bekommt man ein bisschen (und ich meine auch nur ein bisschen) Sauberkeit ins ZImmer und das in regelmäßigen Abständen die Wäsche gewaschen wird, ohne das ich zuviel Druck auf meine Tochter ausübe?

Viele Grüße Sica