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Baghira

unregistriert

1

Dienstag, 5. Oktober 2004, 16:47

Tollwutphobie

Guten Tag werte User,

ich leide seit geraumer Zeit (ca. 1 Jahr) an Lyssophobie, unterliege also der Angst, mich mit Tollwut zu infizieren. Davor plagte mich hauptsächlich die Angst vor HIV... aber das habe ich überwunden und darum soll es hier auch gar nicht gehen, sondern um meine Tollwutpsychose...

Das ganze fing an, mit der Tatsache eines Bisses eines Hundes in meinen Schuh, dies war sozusagen der Auslöser für die Gedankenspirale...

...in welche immer mehr Eventualitäten miteingeflossen sind:

Zuerst ging die Angst in Richtung Überträger der Tollwut bei Haus- und Wildtieren (Hunde, Katzen, Füchse etc.).

Da ich ein sehr rationalisierender Mensch bin, konnte ich durch Gespräche mit Experten (Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere u.Ä.), Ärzten, Biologen etc. diese Angst der Übertragung soweit ausschalten... auch die nach und nach auftretenden Eventualitäten (passive Übertragung des Tollwutvirus durch Insekten )...

Ein Angstauslöser blieb, trotz aller Versuche meinerseits, allerdings: Die Infektion durch die Fledermaus.

Gut, wenn man sich jetzt rational mit der Thematik befasst, so könnte man postulieren, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko nur für Forscher und für die Personen, die verletzt gefundene Fledermäuse in die Hand nehmen, besteht...

Aber wenn das bei mir so einfach wäre, wäre ich wohl nicht hier...

Der Auslöser Fledermaus zieht nun bei mir sämtliche Eventualitäten mit in die Gedankenspirale hinein

Die Hauptangst besteht hierbei in folgendem Gedankenschema, welches ich so berichten werde, wie es vorliegt, auch wenn es vielleicht dem manchen unverständlich erscheinen wird...

Fledermäuse sind nicht sonderlich groß (Kleinste vorkommende Gattung in NRW Länge 4cm/ größte Gattung hat eine Länge von 8cm).

Von daher sind sie leicht zu übersehen am Boden, wo sich tollwütige Fledermäuse nun mal befinden...

Meine Angst besteht nun darin, dass ich eine am Boden liegende Fledermaus übersehe (denn man guckt ja nicht wirklich ständig auf den Boden, wenn man umherwandelt (zur Schule gehen oder was weiß ich), diese im wahrsten Sinne des Wortes tot“latsche“.

Wenn man sich mit der Thematik Tollwut befasst erfährt man, dass das Virus nur für „kurze Zeit“ außerhalb eines Wirtes überlebensfähig ist. Eine Definition von dieser Periode erfolgt selten und ist abweichend voneinander: Manche sprechen dem Virus eine Überlebensdauer an Gras z.B. von 24 Stunden zu, andere sagen, dass das Virus bei 35°C „nur“ 5 Tage überleben würde...

Die weitere Angst besteht nun darin, dass durch die Tötung der Fledermaus diese im Angstzustand (der einzige Zustand in dem Fledermäuse, auch tollwütige Fledermäuse sich durch Biss (Speichelabgabe) wehren, von daher sagen viele die Infektionsgefahr bestehe nur bei denen, die Fledermäuse in die Hand nehmen und gebissen würden.

Nun, meine Gedankenspirale setzt hier eine Analogie an:
Hand = Schuh und Biss = Speichelabgabe

Demzufolge, so der Kopf, befindet sich nun Speichel an/unter meinem Schuh. Setzen wir nun einmal eine außerkörperliche Zeit von gut 24 Stunden voraus, so wäre es möglich, wenn mir zum Beispiel etwas auf den Boden fällt (Schulheft o.ä.), den ich vorher mit den Schuhen trivialerweise betreten habe und ich diese Sache dann aufhebe, dass der angetrocknete Virus sich an meiner Hand befindet.
Ein Gelangen von dort an z.B. Schleimhäute wie Augenschleimhäute etc. kann durchaus und schneller als man denkt passieren.

Und laut allgemeiner Meinung kann die Tollwut auch möglicherweise durch Einreiben des Virus in Schleimhäute (Augenschleimhaut) erfolgen.
Daraus folgert mein Kopf, dass es dann soweit wäre, dass ich mich mit der wohl gefährlichsten Krankheit, die nach Ausbruch nicht heilbar ist, angesteckt hätte...

Was gibt es für präventive Maßnahmen? Richtig. Nicht in Fledermäuse reintreten zum Beispiel.

Nun gut, ich glaube ich brauche niemandem, der weiß nach welchem Schema Phobien vor Infektionskrankheiten ablaufen, dass solche Sachen sehr schwer zu besiegen sind; man möchte nicht daran denken, aber man tut es. Oder aber der Kopf entwickelt die, sagen wir, interessantesten Übertragungswege für Krankheiten...

So wie es auch bei mir der Fall ist.

Was tue ich nun, um mich zu schützen?

Genau, dass, was, wie oben beschrieben, eigentlich kaum jemand permanent macht, wenn er unterwegs ist; ich gucke auf den Boden und wenn ich nicht gucke, habe ich das Gefühl, genau dann in eine am Boden liegende Fledermaus getreten zu sein, was o.g. Spirale (Runterfallen, Aufheben, Schleimhautkontaminierung) in Gang setzt.

Der „normale“ Mensch könnte jetzt sicherlich sagen, dass das meiste von diesen Fledermäusen, die, wenn ich nicht den Boden absuche, imaginär seien und damit mag er auch Recht haben, aber jeder der Phobien vor infektiösen Krankheiten hat/hatte, weiß, dass so etwas gar nich hilft...


Langer Rede, kurzer Sinn:

Ich wollte ein wenig über mich erzählen (ich habe auch in diesem Forum bisher noch niemanden gefunden, der ebenfalls Angst vor Tollwut hat, aber das nur am Rande) und ich hoffe durch diese Diskussion einen Baustein setzen zu können, dass ich wieder ohne permanent nach am Boden liegenden Fledermäusen suchen zu müssen und Angst vor einer Tollwutinfektion haben zu müssen, durch den Alltag gelangen kann.

Ich hoffe auf Antwort...


Baghira

2

Dienstag, 5. Oktober 2004, 17:42

RE: Tollwutphobie

Hallo Baghira!Mein Mann hat jetzt schwere Kontaminationszwänge,Also,er hatte auch mal angst vor Tollwut vor einigen Jahren, da habe ich ihn noch nicht gekannt.Er hat es dadurch wegbekommen ,weil er sich gegen Tollwut hat impfen lassen,danach hatte er keine Angst mehr davor,gegen andere Ängste kann man sich leider nicht impfen lassen.Ich habe noch nie eine lebende Fledermaus gesehen geschweige denn tote wo auf dem Boden rumliegen ,ich find das eher unwarscheinlich.Fledermäuse wohnen in einer Höhle und hängen dort an der Decke.Viele Grüsse sofi

Baghira

unregistriert

3

Dienstag, 5. Oktober 2004, 17:48

@Wolfi: Erst einmal danke für deine Antwort.

Eine Impfung gegen Tollwut hatte ich auch schon einmal in Erwägung gezogen, allerdings soll die sehr teuer sein (Krankenkassen übernehmen keine Präventivimpfungen gegen Tollwut) und die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne, so dass mein Hausarzt mir bisher von der Impfung abriet...

Sicherlich würde auch ich sagen, dass die Angst eigentlich sogar verschwinden würde, zumal die Imfpung (ich glaube mal gelesen zu haben, dass sich die Kosten für die Grundimmunisierung auf ca. 150 - 200€ belaufen) ja 5 Jahre vorhält und dannach eine einmalige Auffrischung für weitere Jahre erfolgen kann...

Die Impfung wäre auch ein Schritt, den ich mit meinem Hausarzt nochmal besprechen wollte, gerade bzgl. der mich nervenden Sache mit den Fledermäusen...
aber irgendwie würde ich ja vor dem problem auch weglaufen...

Sicherlich ist Fledermaustollwut ein seltenes Ereignis, aber das hilft leider nicht wirklich etwas bei mir 8war damals mit der HIv-Sache genauso)


Dennoch danke!

Baghira

4

Dienstag, 5. Oktober 2004, 17:59

Hallo Baghira!
Als ich Deinen Post gelesen habe, da war ich doch ein wenig erstaunt, dass Du Angst vor einer Krankheit hast, gegen die es einen Impfstoff gibt. Aber Deine Gründe sind sicherlich nachvollziehbar.
Allerdings wage ich hier mal die Behauptung aufzustellen, dass nach einer Impfung eine andere Krankheit an die Stelle der Tollwut treten wird. Die HIV-Angst hast Du ja lt. Deiner Aussage wegbekommen....dann kam die Tollwut.......wie denkst Du darüber?

Baghira

unregistriert

5

Mittwoch, 6. Oktober 2004, 13:57

@Zodiac: Ebenfalls ein logisch-nachvollziehbarer Gedanke und als Eventualität (meine Güte verwende ich dieses Wort häufig) sicherlich auch nicht wirklich auszuschließen...

Natürlich kann man auch Angst vor Krankheiten, vor denen man sich impfen lassen kann, haben, eben wenn man nicht geimpft ist...

Aber ich denke, oder vielmehr hoffe, dass ich das Kapitel Zwangsgedanken/Zwangshandlungen abschließen kann, nach der Tollwutsache; ob eine neue kommt, kann man so nicht sagen, aber erst mal würde ich die Tollwutphobie gerne loswerden...

... und schlimmer als mit Tollwut kann es eh nicht mehr werden... zumindest aus Sicht der Infektionskrankheiten... *fg*
zumal sich der Sprung HIV Tollwut nicht direkt vollzog, sondern andere Zwangshandlungen ohne infektionskrankheitlich vorhandenen Kontext auftraten; sowohl die HIV- als auch die Tollwutphobie waren durch ein bestimmtes Ereignis in Gang gesetzt worden...

Es grüßt
Baghira

Pit-2001

unregistriert

6

Mittwoch, 6. Oktober 2004, 22:47

Was mir mal ein Therapeut sagte:

mit der Logik meiner Angst, die ich ihm genauso darlegte, wie du uns deine (sehr ähnlich) sei es genauso wie mit diversen Sekten.
Lässt man sich auf sie ein, überzeugen sie einen, mit ihrer Logik, da kommt man nicht mehr raus.

Nur wer da drüber steht, hat eine andere Logik in sich, die gegen diese Überzeugungen immun wäre.


Ich will hier nichts gegen Sekten sagen oder so, ist ja auch nciht das Thema und man kann geteilter Meinung sein darüber,
aber, was er mir damit sagen wollte, hat doch was oder?

Es ist wie ein Strudel, der dich gefangen nimmt, dem du aber nicht ausgewichen bist, weil gewisse innere Zwänge (wo die herkommen, lassen wir jetzt weg) dich so sein lassen. Bist du aber mal drin im Strudel, bringt dich keine Logik mehr raus.

Wenn du noch kein Chronischer Zwängler bist, dauert es vielleicht, bis du wiedermal in einen solchen Strudel kommst, oder Verhaltenstherapie hilft was, aber sonst, musst du dich damit beschäftigen, was in dir steckt, was dich immer wieder solche Strudel aufsuchen lässt. Das ist eine längere Suche.

Gruß Pit

7

Samstag, 9. Oktober 2004, 20:39

@ Baghira
Siehst Du, so gehen die Meinungen (Ängste!!!) auseinander. Tollwut interessiert mich nicht die Bohne. Für mich ist HIV der schlimmste Erreger, den man sich hierzulande einfangen kann. Dementsorechend wird jede Angelegenheit auf HIV geeicht.......

@ Pit
Der Vergleich mit der Sekte ist hervorragend! Ich glaube, man kann noch weiter gehen und Angst und Zwang als Religion einstufen!
Meine große Stütze bei Angst- und Infektionsfragen schrieb mir kürzlich diesen genialen Satz: " "Wirklich" ist bei mir was wirkt und "real" das, was tatsächlich ist - dass die Wirklichkeit manchmal grausamer ist als die Realität, ist ja das Problem der Angst..."

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