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Charlie

unregistriert

1

Mittwoch, 14. März 2007, 17:30

Betroffenen Liebe geben

In verschiedenen Beiträgen ist wiederholt zu lesen, daß Betroffene mehr Liebe brauchen.
Wir glauben, daß es selbstverständlich ist, daß Eltern ihren Kindern gegenüber Liebe geben. Und das bei mehr als einem Kind auch möglichst gleich verteilt und gleich dosiert. Wir haben zwei Kinder, wobei unser Sohn (16) mit seinen Zwängen die gesamte Familie tyrannisiert und die Tochter (12) stark darunter leidet.
Aber welches Ausmaß soll und darf "Liebe geben" annehmen? Unser Sohn wäre das geborene Einzelkind. Alle Aufmerksamkeit und Liebe darf nur ihm gelten...
Würden wir das tun, dann steht unsere Tochter im Regen - das werden wir nicht.
Wir haben sehr oft und lange darüber nachgedacht was falsch gelaufen sein könnte bei ihm bzw. was wir selbst falsch gemacht haben. Wahrscheinlich liegt sehr viel an seiner Persönlichkeitsstruktur. Eventuell ist auch von Einfluß, daß wir als Eltern sehr unterschiedlich sind (meine Frau sehr kontaktscheu und zurückhaltend, ich sehr spontan).
Es ist und war aber auch nie ein richtiges rankommen an den Jungen. Inzwischen ist er sozial völlig isoliert, hat keine Freunde und keine Freude.
Wir machen uns große Sorgen um seine Zukunft.
Charlie

Pit-2001

unregistriert

2

Mittwoch, 14. März 2007, 18:41

RE: Betroffenen Liebe geben

Hi, Liebe heißt nicht Weichheit. Wird schnell mal übersehen.

In dem Wort steckt viel mehr.

Ich grüße euch und bin mir schwer bewusst, wie kompliziert das bei euch scheint.

Pit

3

Mittwoch, 14. März 2007, 19:19

RE: Betroffenen Liebe geben

Das mit der Liebe ist eher generell gemeint, vielleicht wie aufmerksam sein, das Gefühl geben, für jemanden da zu sein. Das klingt selbstverständlich, ist aber aber nicht immer.

Grundsätzlich reden wir aber durchaus AUCH von kindlichen Mißverständnissen!
Z.B. wenn Du Zwillinge hast, kannst Du beiden nur die gleichen Kleidungsstücke kaufen, weil sie Dir einfach nicht glauben, daß Du sie gleich lieb hast, wenn Du unterschiedliche Sachen kaufst. Jedes der Kinder fühlt sich sonst zurückgewiesen -> ich bin nicht o.k.
Also auch, wenn man liebevoll oder einfach normal ist, dann kann das schief gehen. Eltern haben es manchmal ganz schön schwer.

Sieh dieses "schief gehen" nicht als "etwas falsch machen" an! Eltern machen etwas und das kann eben zu etwas führen, was man nicht möchte. Das ist weniger 1/0 als 'fuzzy logic' wenn Dir das als Ingenieur was sagt.

Davon abgesehen gibt es natürlich auch Eltern mit mißbräuchlichem Verhalten etc., aber das ist klar.

Die Frage ist also weniger, was 'falsch' gelaufen ist, das kann ein simples kindliches Mißverständnis sein, sondern was Ihr jetzt machen könnt.

Google mal nach Begriffen wie "aktives zuhören" auch in Zusammenhang mit Carl Rogers, Friedemann Schulz von Thun.

Pit-2001

unregistriert

4

Mittwoch, 14. März 2007, 22:05

RE: Betroffenen Liebe geben

sehr gut ausgedrückt

Gruß Pit

Charlie

unregistriert

5

Donnerstag, 15. März 2007, 10:37

Da ich im Beruf sehr viel mit Menschen zu tun habe und aktiv auf sie zugehen muß, ist mir aktives Zuhören kein Fremdwort. In früheren Zeiten wurde ich gern als ein Mensch betrachtet, bei dem man sich Ausweinen kann und der einem zuhört und vorurteilsfrei Ratschläge gibt.
Vielleicht liegt es daran, daß er anders sein will als er ist (eher introvertiert) aber eben nicht raus kann.
Was soll man als Angehöriger dann machen?
Beispiel:
Wir hatten vor Ausbruch seiner Krankheit (obwohl wir inzwischen sagen können, daß es damals im Nachhinein erste Anzeichen gab) eine "Männerfahradtour" geplant. Sprich; in der Natur, etwas länger, Wegzehrung dabei, auf der Rücktour auch mal in ein Gartenlokal zu einer Maß Bier / Cola. Er hatte sich von seinem Geld ein Fahrrad gekauft, weil ihm das Freude bereitete. Solche Touren haben wir 1-2mal im Jahr gemacht.
Zum Thema - wir wollten losfahren, er schiebt sein Fahrrad aus dem Schuppen, stellt es auf den Ständer und es fällt um. Dadurch wurde die Gangschaltung leicht verstellt. Ich habe die dann schnell soweit repariert, daß sie wieder ging - aber in einem Gang hakte.
Dieser Umstand des nicht völlig fehlerfreien Gangs der Gangschaltung hat dazu geführt, daß ich die geplante Tour allein gemacht habe, da er mit dem Fahrrad nicht fahren konnte/wollte.
Ich bin dann die Tour eben allein gefahren, das war vor 2 Jahren. Seit dem gab es keine "Männertour" mehr.

6

Samstag, 17. März 2007, 01:07

Zitat

Original von CharlieEs ist und war aber auch nie ein richtiges rankommen an den Jungen. Inzwischen ist er sozial völlig isoliert, hat keine Freunde und keine Freude.
Wir machen uns große Sorgen um seine Zukunft.
Charlie


Schau, wir reden von mehreren Problemen.

1. Problem: Du kommst nicht ran an den Jungen, d.h. Du kannst keine befriedigende Kommunikation mit ihm etablieren.

2. Metaproblem: Du verstehst nicht warum das so ist.

3. Problem: "große Sorgen" (ziemlich diffuse graue Wolke, kann man nicht klären)

4. Problem: Wie sollen sich Familienangehörige verhalten? (recht konkrete Tipps dazu hier in mehreren Beiträgen)

Stand: Du beginnst eine Modell aufzubauen, Ursachen, "Schuld", Lösungsansätze. Es klappte bisher nicht - weitere Suche z.B. hier.


Wenn man z.B. beruflich viel und auch gerne mit Menschen zu tun hat, dann kennt man sich schon gut aus. Verkäufer wissen z.B. das Nein eines Kunden noch mal aus anderer Sicht anzugehen und entwickeln u.U. einen Spaß in vielfältiger Kommunikation. Interessant sind aber die Fälle, wo man es nicht packt. Das können ganz wenige Fälle sein. Wenn es wichtige Begebenheiten sind (Sohn), dann lohnt es sich da weiter zu forschen.

Es geht also nicht um ein besseres Zuhören oder aufmerksamer sein. Es geht darum zu verstehen, warum in einem wichtigen Fall keine befriedigende Kommunikation etabliert werden kann. Eine weitere Frage ist dann, ob Du es überhaupt schaffen kannst bzw. wie groß der (zeitliche) Aufwand ist. Es könnte ausreichen zu verstehen, daß es aus Grund X schwer geht und, daß ein Therapeut als Außenstehender das einfacher könnte.

Die Welt eines anderen zu verstehen ist praktisch unmöglich, schon allein weil man de facto nicht dieselbe Position einnehmen kann. Irgendwo hinkt es immer und manchmal eben an der entscheidenden Stelle.
Dem anderen zu verstehen zu geben, daß man ihn verstehen möchte, kann jedoch die entscheidende Stelle überbrücken.

Ein praktischer Tipp dazu war eben Carl Rogers und Friedemann Schulz von Thun, den Du vielleicht sogar schon kennst:
http://www.schulz-von-thun.de/mod-komquad.html Carl Roger hat übrigens niemals Ratschläge gegeben :))

~~~
Das o.g. schrieb ich vor 24 h, dann fiel hier der Server aus. Glücklicherweise hatte ich den Text im Zwischenspeicher.

Nach all den anderen Postings bzgl. Eifersucht <-> Krieg in der Familie etc. denke ich, daß die o.g. Etablierung einer befriedigenden Kommunikation ein Riesenschritt sein wird.

Charlie

unregistriert

7

Samstag, 17. März 2007, 12:49

Hi Markus,
danke für die Antwort.
Ich glaube langsam immer mehr daran (in unserem speziellen Fall aber vielleicht auch Allgemein), daß sehr Vieles mit der Persönlichkeiststruktur aller Beteiligten zusammenhängt und genetische Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Im näheren Familienumfeld gibt es Anzeichen von leichten Zwangsstörungen (das wissen wir nun), die aber nicht auffallen bzw. mit denen man als Betroffener und als Angehöriger Leben kann.
Ein eher zu Verschlossenheit neigender Mensch läuft meiner Ansicht nach eher Gefahr in eine psychisch angespannte Situation zu gelangen aus der er nur schwer oder nur mit therapeutischer Hilfe wieder herauskommt als ein Mensch, der dem Leben aufgeschlossen gegenüber steht und auch über sich und seine Fehler lächeln kann.
Hat vielleicht was mit "Hineinfressen" zu tun.
Mein Großvater sagte bereits vor ca. 40 Jahren, daß aus einem verzagten Arsch nie ein fröhlicher Furz kommen kann...
(Entschuldigung für die Ausdrücke) - aber damit hat er absolut ins Schwarze getroffen.
Mir ist klar, daß nicht alle Menschen gleich gut drauf sein können - aber wenn man um die Sache weiß (oder es ahnt) - warum soll man sich nicht selbst zu Verhaltensänderung zwingen.
Es gibt nun mal im deutsche Sprachgebrauch den alten Ausdruck - sich selbst zu etwas Zwingen müssen.
Ist das so falsch?
Nun erschlagt mich nicht gleich. Ist zwar provokativ, aber ehrlich gemeint.

Viele Grüße
Charlie

Pit-2001

unregistriert

8

Samstag, 17. März 2007, 13:37

Zitat

Original von Charlie
Hi Markus,
danke für die Antwort.
Ich glaube langsam immer mehr daran (in unserem speziellen Fall aber vielleicht auch Allgemein), daß sehr Vieles mit der Persönlichkeiststruktur aller Beteiligten zusammenhängt und genetische Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Im näheren Familienumfeld gibt es Anzeichen von leichten Zwangsstörungen (das wissen wir nun), die aber nicht auffallen bzw. mit denen man als Betroffener und als Angehöriger Leben kann.
Ein eher zu Verschlossenheit neigender Mensch läuft meiner Ansicht nach eher Gefahr in eine psychisch angespannte Situation zu gelangen aus der er nur schwer oder nur mit therapeutischer Hilfe wieder herauskommt als ein Mensch, der dem Leben aufgeschlossen gegenüber steht und auch über sich und seine Fehler lächeln kann.
Hat vielleicht was mit "Hineinfressen" zu tun.
Mein Großvater sagte bereits vor ca. 40 Jahren, daß aus einem verzagten Arsch nie ein fröhlicher Furz kommen kann...
(Entschuldigung für die Ausdrücke) - aber damit hat er absolut ins Schwarze getroffen.
Mir ist klar, daß nicht alle Menschen gleich gut drauf sein können - aber wenn man um die Sache weiß (oder es ahnt) - warum soll man sich nicht selbst zu Verhaltensänderung zwingen.
Es gibt nun mal im deutsche Sprachgebrauch den alten Ausdruck - sich selbst zu etwas Zwingen müssen.
Ist das so falsch?
Nun erschlagt mich nicht gleich. Ist zwar provokativ, aber ehrlich gemeint.

Viele Grüße
Charlie




Hi, alles schön und gut, aber Verschlossenheit sehe ich nicht als Auslöser für Zwänge an. Das ist zu einfach. Nebenbeigesagt, bin ich ganz und gar nicht verschlossen usw. und habe schlimme Ängste und Zwänge.

Gruß Pit

Charlie

unregistriert

9

Samstag, 17. März 2007, 13:51

Moin, moin Pit,
war vielleicht etwas zu kurz gesprungen...
Verschlossenheit ist nur ein evtl. Faktor.
Ich meine eher, ob man dem Leben offen und aufgeschlossen gegenüber steht oder es als Last empfindet.

Wir wissen, daß wir tiefer gehen müssen um an die wirklichen Auslöser heranzukommen. Deshalb die tiefenpsychologische Therapie und alle paar Wochen gemeinsame Therapiestunden.
Keiner ist Vollkommen, auch wir wollen dazulernen.

Es gibt im gegenseitigen Miteinander den Ausspruch "let's agree the different".
Jeden seine Insel sozusagen.
Nur was ist, wenn der Zwängler seine Insel beansprucht (sie auch bewohnt) und meine, die meiner Frau und die meiner Tochter okkupiert?

Viele Grüße
Charlie

Pit-2001

unregistriert

10

Samstag, 17. März 2007, 17:06

Hi

ein Stück weit Okkupation betreibt ja auch jeder körperlich Erkrankte, nur da ist das allgemein anerkannt und gilt nicht als schlechter charakterzug usw.

Wäre ich ihr, dann würde ich viele, viele Gespräche mit dem Zwängler führen, ihm auch verhaltenstherapeutische Werkzeuge erklären usw.
um ihm dann damit zu konfrontieren, wo die Grenzen seiner Okkupation sein können, das heißt, wie weit ich ihm entgegenkommen kann und wie weit nicht mehr.

Hat man diese Grenze erreicht, hat man aber nicht "schulfrei", gerade dann wenn er leidet, würde ich für denjenigen da sein müssen.

Monty hat dazu (siehe Sucheknopf) schöne Erfahrungen geschrieben.

PS: dass ich schrieb, was ich nicht gut fand, war keine Anklage oder so,
nur der Versuch, mit zu diskutieren, was über Mail manchmal krass rüberkommen mag.

Gruß

Pit

Charlie

unregistriert

11

Samstag, 17. März 2007, 18:08

Hallo Pit,
schon verstanden...

Viele Grüße
Charlie