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1

Mittwoch, 7. März 2007, 12:04

Mein Freund ist zwangskrank

Hallo

Ich brauche eure Hilfe, denn ich weiss nicht mehr weiter. Mein Freund ist seit gut 15 Jahren zwangskrank. Wir sind jetzt seit einem knappen Jahr zusammen und er hat mir so einiges von seinen Zwängen erzählt.
Bis jetzt ist es immer so gewesen, dass wenn wir zusammen waren, dass es ihm gut gegangen ist und er fast keine Zwänge hatte. Jetzt aufeinmal ist er ganz ruhig geworden und ist in sich gekehrt. Ich habe zuerst gedacht, dass es vielleicht mit mir zu tun - ich hatte in letzter Zeit ziemlichen Stress, den er natürlich mitbekommen hat und habe ihn darauf angesprochen. Er hat mir gesagt, dass es nichts mit mir zu tun hat, sondern damit dass ihn seine Zwänge in letzter Zeit nicht mehr los lassen. Wir haben auch schon darüber geredet, dass er einen Therapeuten aufsucht, er war schon einmal bei einem, der ihm gut hat helfen können, aber auf einmal hat "die Chemie" zwischen ihnen nicht mehr gestimmt und er hat die Therapie aufgehört. Er möchte jetzt zu einem andereren Therapeuten gehen, aber schafft es nicht, ihn anzurufen. Wie kann ich ihm denn da helfen. Auch seine Mutter hat schon mit ihm geredet und auch ihr hat versprochen fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, das ist jetzt schon Wochen her. Auch unser letztes Gespräch ist schon zwei Wochen her. Ich möchte ihn nicht drängen, nur würde es mir einfach besser gehen, wenn er wenigstens einmal diesen Therapeuten aufsucht. Könnt ihr mir bitte einen Tipp geben, wäre echt super. Ich habe Angst um ihn.

Danke und Gruss N

Biene Maya

unregistriert

2

Mittwoch, 7. März 2007, 12:55

RE: Mein Freund ist zwangskrank

Hallo!
Tja, dass mit den Therapeuten ist echt eine große Vertrauensfrage und daran mangelt es eben oft, bei uns Zwangskranken. Zusätzlich ist es schwierig, auch wirklich einen guten -und das möglichst zeitnah-zu finden. Vielleicht kannst Du ihn helfen, indem Du ihn fragst, ob DU mal nach entsprechenden Therapeuten oder gar einer Klinik oder Tagesklinik gucken sollst. Du kannst auch versuchen, mit ihm in eine Psychotherapeutische 1.Hilfe eines örtlichen Krankenhauses zu gehen, da können sie Euch dann ggf. gezielte Therapieformen und Ärzte oder Einrichtungen empfehlen. Sollte es so akut sein, wäre wirklich eine (teil-)stationäre Therapie ratsam. Das ist nichts, wo man sich abgewertet fühlen sollte, im Gegenteil, man wirkt merken, das man rundherum betreut und angehört wird.
Dass bei Dein Freund jetzt "plötzlich" die ganze Situation verstärkt auftritt, ist nicht ungewöhnlich. Wir Zwangskranken versuchen immer, damit nicht zu sehr aufzufallen und vieles zu überspielen. Das kostet aber enorm Kraft. Und irgendwann ist dann eben der Zeitpunkt, wo man nicht mehr kann. Wichtig ist, dass man das wie Du dann auch als Hilfesignal versteht. Versuche, ihn möglichst behutsam und verständnisvoll zu unterstützen und ihm auch klar zu machen, dass er durch diese Zwangerkrnakung für nicht nicht weniger wertvoll als gesunde Menschen ist. Wieviel Du ihm bedeutest, hat er Dir durch seine Offenheit und jetzt auch durch den "Zusammenbruch" vor Dir bewiesen. Denn sich so zu offenbaren ist nicht einfach und setzt viel Vertrauen voraus.
So sehe ich das alles,als Betroffene.
Ich hoffe, Dir damit ein bißchen weitergeholfen zu haben.
Wichtig ist, dass Du weißt, das die ganze Zwangserkrankung Deines Mannes ihn SOWIE auch Dich viel Kraft kosten wird. Deswegen wünsche ich Euch davon ganz viel und viel Erfolg.
Liebe Grüße

Biene Maya

unregistriert

3

Mittwoch, 7. März 2007, 12:58

RE: Mein Freund ist zwangskrank

Ich nochmal. Wo wohnt Ihr denn? Vielleicht kann jemand aus dem Forum sogar einen guten Arzt oder eine gute Einrichtung bei Euch in der Nähe empfehlen.
Alles Gute.

4

Mittwoch, 7. März 2007, 17:34

RE: Mein Freund ist zwangskrank

Hallo
Danke für Deine Antwort. Einen Therapeuten haben wir schon, den wir von einer Betroffenen empfohlen bekommen haben. Das einzig schwierige ist jetzt nur noch den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und einen Termin auszumachen. Er sagt, er schafft das nicht und ich müsse "ihn in den A...treten". Ich verstehe, dass es nicht leicht ist, sich einem Fremden anzuvertrauen. Ich würde ihm nur so gerne helfen, damit er zu diesem Therapeuten geht. Mein Problem ist, dass ich ihn nicht zwingen möchte, er sollte es freiwillig tun oder soll ich ihn einfach mal auf die Seite nehmen und zu ihm sagen, er soll jetzt anrufen und ich bleibe bei ihm? Meint er das mit in den A...treten? Braucht er hier meine Hilfe, um diesen Schritt zu tun? Lieben Gruss Nicole

Biene Maya

unregistriert

5

Mittwoch, 7. März 2007, 17:50

RE: Mein Freund ist zwangskrank

Hallo!
Ich denke schon, dass er dabei Deine Hifle benötigt, denn damit kannst Du ihm sozusagen auch die Akzeptanz deinerseits beweisen.
Du kannst ihm anbieten,für ihn dort anzurufen. Wenn er das will, würde ich es tun. Du kannst ihm außerdem anbieten,ihn zu dem Arzt zu begleiten (ob im Wartezimmer oder Sprechzimmer, dass kann er entscheiden). Aber wichtig ist, dass Du ihm bei diesem Angebot signalisierst, dass Du ihn nicht kontrollieren möchtest (sonst kann das wieder am Vertrauen kratzen umd Kontrolle ist ein ganz großes Problem bei den meisten Zwangskranken), sondern ihn,wenn er mag, unterstützen möchtest. Das alles zeigt ihm, dass er auf Dich zählen kann und Du Verständnis für seine Situation hast. Wir Zwangskranke schämen uns meist für unsere Sitution und auch für die "Probleme", die wir anderen damit machen. Aber es ist so, die meisten fühlen sich alleine und brauchen Hilfe, obwohl sie sich kaum trauen, es auszusprechen. Ich finde, Du machst es bisher super (Dich um Deinen Mann zu sorgen, ihn ernst zu nehmen und Dich hier um Rat zu melden).
Viel Erfolg und liebe Grüße.

6

Mittwoch, 7. März 2007, 18:05

RE: Mein Freund ist zwangskrank

Hallo
Danke, das hat mir jetzt schon weitergeholfen.
Gruss

Biene Maya

unregistriert

7

Mittwoch, 7. März 2007, 19:19

RE: Mein Freund ist zwangskrank

Hallo!
Hoffentlich hilft es auch Euch Beiden. Erzähle mal, was daraus geworden ist.

8

Mittwoch, 28. März 2007, 10:02

Hallo
Mein Freund hat bei dem Therapeuten angerufen, leider hat er nicht gleich einen Termin bekommen. Er kann erst im Laufe vom Mai mit einem rechnen. Das hat ihn ziemlich deprimiert, denn er wollte sofort "loslegen", weil er der Meinung ist, dass es für unsere Beziehung sehr wichtig ist. Denn in letzter Zeit kommt es bei uns öfters zu kleinen Auseinandersetzungen, weil Dinge passieren, die ich nicht ganz verstehe und ich meine dann, dass es mit seinen Zwängen zu tun hat. Ich stosse ihn mit meinen Vorwürfen immer vor den Kopf.
Einerseits finde ich es total super, dass er mir so vertraut und mir über seine Krankheit erzählt hat, andererseits kann ich damit nicht richtig umgehen, da ich immer gleich meine, sein Verhalten hat mit seinen Zwängen zu tun.
Ich möchte ihn nicht verlieren, ich weiss aber, dass ich ihn durch mein Verhalten verletze und ihm das Gefühl gebe, ihm nicht zu vertrauen bzw. ihn sogar kontrollieren zu wollen (das hat er mir schon gesagt). Kann mir vielleicht jemand einen Tipp geben, damit ich nicht immer gleich an einen Zwang denke?
Lieben Gruss