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Philipp

unregistriert

1

Dienstag, 27. Februar 2007, 21:44

frage: hattet ihr....

...als kind irgendwelche traumatischen erlebnisse? ich bin nämlich als säugling einer schweren operation am kopf unterzogen worden. würde mich nur mal interessieren
(kleine unsystematische, willkürliche ursachenforschung.)

2

Dienstag, 27. Februar 2007, 22:59

RE: frage: hattet ihr....

Hi Philiph,

warum wurdest du denn als Säugling am Kopf operriert, wenn ich fragen darf?

Also ich denke, das es schon für Zwangserkrankungen, als Ursachen, traumatische Erlebnisse gegeben haben könnte, die man dann duch den Zwang oder Zwangsgedanken versucht zu verdrängen. Also einfach an den Zwang zu denken um das was vielleicht passiert ist zu vergessen.

Aber ich glaube, das das mit den traumatischen Ereignisse in der Kindheit nicht nur die Ursachen sein können, bei Manchen ist es vielleicht auch nur Stress oder Überforderung.
Das ist meine Meinung dazu.

Glaubst du deine Kopfoperation, hat was mit deinen Zwängen zu tun?

lg Bella :)

3

Mittwoch, 28. Februar 2007, 19:20

RE: frage: hattet ihr....

bei mir gabs keine kindheitstraumata und die zwänge kammen in einer relativ stressfreien zeit..... obwohl ich natürlich im allgemeinen viel stress hatte, aber bei wem in der heutigen welt ist es nicht so.

4

Donnerstag, 1. März 2007, 00:06

RE: frage: hattet ihr....

Hi pppi,

aber irgendein Grund hat ein Zwang doch immer, der kommt nicht einfach nur so.

Vielleicht will dein Unterbewusstsein Etwas verträngen, was du selber noch nicht weißt, oder noch nicht als belastend als solches erkennst. Kann ja ne Möglichkeit sein.

lg Bella :))

5

Donnerstag, 1. März 2007, 17:27

RE: frage: hattet ihr....

Hi Bella,
ich versteh dich nicht... natürlich kann es sein, dass zwänge durch ein schlimmes ereignis, eine belastung usw ausgelöst werden. aber das muss nicht so sein. und ich wollte eben das sagen, dass es bei mir persönlich nicht so war.
ob mein bewusstsein etwas verdrängn will, was ich noch selber nicht weiss, kann ich natürlich nicht beurteilen, da ich es eben nicht weiss :)

ich muss aber fairerweise sagen, dass ich schon immer perfektionistisch veranlagt war. das hat dann die zwänge natürlich noch begünstigt, weil ich immer 100% sicher gehen wollte. meine ärztin hat auch gesagt, dass perfektionismus und zwänge wie ein paar schuhe sind und dass insofern "alles ins Bild passt". ich glaub auch, dass ich lange zeit viel zu viel stress hatte und dass das die zwänge auch begünstigt hat. aber wie soll man sich vor stress schützen wenn das leben so ist? z.b. uni an sich ist schon stress pur, v.a. für einen perfektionisten. wenn dazu noch beziehungs-, geld-,und weitere probleme dazukommen wird es schlimm.

Philipp

unregistriert

6

Donnerstag, 1. März 2007, 18:03

RE: frage: hattet ihr....

@ bella: bei mir hat sich die fontanelle zu schnell geschlossen, sodass ein normales schädelwachstum im nachhein nicht mehr möglich gewesen wäre. deshalb wurde die schädelplatte operativ "zerlegt". sehr seltene geschichte. hab glück gehabt. in den achzigern war grade ein neues operationsverfahren entwickelt worden, die leute sind aus aller welt angekommen, um ihre kinder bei diesem arzt operieren zu lassen. damit war es nach einer operation erledigt. früher musste die operation in dreijahresabständen wiederholt werden, bis das schädelwachstum abgeschlossen war. ziemlich seltene geschichte das ganze.
ich persönlich halt nicht viel von den unterbewusstseins- und verdrängens-thesen. das ist typisch popularpsychologisch alles auf das "unterbewusste" zu schieben, was immer das sein mag. immerhin ist dieses modell jetzt auch schon an die 100 jahre alt. jedenfalls weiß ich sicher, dass mir das wissen über die angenommene tatsache, dass meine zwangsstörung von dieser operation herrührten, nicht in der problemlösung weiterhelfen würde. es böte sich höchstens als selbstrechtfertigung an, wenn man mal wieder nicht weiter kommt. ich glaube, dass der zwang ein grundlegendes vertrauensproblem ist. wir haben es nicht geschafft die fähigkeit zu entwickeln über unseren willen in vertrauen zu reflektieren, wir verwenden die andere reflektionsweise, die weit ungesünder ist: die kontrolle. wir müssen unser vertrauen zurückgewinnen um die negativen gedankenimpulse ins vertrauen abzuleiten und dadurch zu neutralisieren. leiten wir sie in die kontrolle ab, hinterfragen wir dadurch unsere moral, sodass diese wiederum darauf angewiesen ist, den reiz zur erneuten reflexion bereitzustellen. da das vertrauen zu schwach ist leitet der reiz wieder in die kontrolle, ein kreislauf entsteht, der sich normativ festigt, er ist aber zu brechen. es ist kein teufelskreis. dieser kreislauf ist das, was wir als ritual bei zwangsgedanken bezeichnen. viele meinen der zwangskranke mit zwangsgedanken hat kein ritual - das stimmt nicht - das wiederholte denken des gedankens ist sein eigenes ritual.
das ritual bei zwangshandlungen ist der "ausgelagerte" kreislauf, der in eine konkrete handlung aufgelöst wird. der reiz wird dabei in ein quasi-vertrauen abgeleitet - die angst sinkt, tatsächlich ist dieses vertrauen aber nur eine ausgelagerte kontrolle.

man kann zweifach ansetzten:

1. an der normativen struktur: durch nichtbeschäftigung mit dem zwang, jeder art von ablenkung, steigt die wahrscheinlichkeit den reiz ins vertrauen ableiten zu können, da sich der eingefahrene kreislauf lösen kann.

2. direkte vertrauensstärkung: wer weniger im kopf mehr im körper ist kann sein vertrauen stärken und erhöht die wahrscheinlichkeit der erfolgreichen reizableitung.

beide ansätze verwirklichen sich gleichzeitig, wenn man zB sport macht. viele von euch kennen das vllt, dass sport ihnen gut tut bezüglich des zwangs. wir müssen aus dem kopf in den körper kommen. kopf ist kontrolle, körper vertrauen - mal ganz stilisiert gesprochen.

der zwang ist ein vertrauensproblem und ein problem mit dem eigenen willen. die reflektion über den eigenen willen ist gestört, man erkennt ihn nicht eindeutig weil die reale erfahrung fehlt (wie bei zwangsgedanken zB real ausgelebte agressionen). man hat nicht den erfahrungsschatz, auf den man in der reflektion zurückgreifen könnte, der einem genau sagte: "nein du machst das nicht, damals bei der schlägerei hast du genau gewusst wann schluss war." (so zum beispiel, alles sehr idealtypisch)
wir müssen erfahrungen machen, leben, nicht denken. kontrolle einstellen und raus da!
deswegen ist das forum nur bedingt hilfreich. es ist die gedankliche auseinandersetzung mit dem zwang - selber ein kontrollmechanismus...
good luck

Pit-2001

unregistriert

7

Donnerstag, 1. März 2007, 18:36

RE: frage: hattet ihr....

Das Kindheitstrauma, sollte es stattgefunden haben, ist ja an sich nur eine Wunde. Ich denke auch, dass es keine Überschrift hat.

Aber durch anschließende weitere Erfahrungen in eine bestimmte Richtung kann es unter eine bestimmte Überschrift kommen, die Zwängler verleiten könnte, in Kontrolle statt Vertrauen zu investieren.

Körperliche Bewegung hilft meines Erachtens nicht gegen den Zwang, ich bekam sogar oft dabei mehr Zwänge. Allerdings hat sie eine gute bewiesene Folge, dass Substanzen in den Körper gelangen, die zumindest danach eine allgemein bessere Stimmung produzieren, ganz unabhängig, ob darauf nun weitere Zwänge kommen oder nicht.

Ein Fußballspiel mit Freunden kann aber durchaus die Weiche ins Vertrauen lenken. Doch hier geht es nicht um den Sport an sich, sondern um das Erleben des Gemeinschaftsgefühls. Das ist wohl das Leben, was du meinst, was heilsam ist. Zu merken, ich bin Teil einer mich aufnehmenden Gemeinschaft, es funktioniert, alles funktioniert.
In diesem positiven Strudel kann wohl auch das Gefühl aufkommen, dass das wohl auch mit den Ängsten funktioniert, einfach so, sie nicht nötig sind. Es ist, als wenn die Maschine mit Öl geschmiert wird.

Gedankliche Auseinandersetzung kann neue Wege zeigen, Durchmesser verändern usw. als baue man an einer Maschine, aber sie liefert nciht das Öl, durch das "es funktioniert".

Alles, was diesem Öl gleicht, wirkt gegen den Kontrollzwang. Und letztlich ist das die Denkaufgabe von Ärzten, Therapeuten und Angehörigen: Was wirkt wie Öl und was wirkt nur wie Herumbasteln an der Maschine (ohne das Abzuwerten, es hat auch seine Platz).

Philipp, ich hoffe, dass ich deinen sehr nach Herumbasteln an der Maschine klingenden Beitrag über das Öl *lach* in meinen Worten widergeben konnte. Kann es sein, dass du auch so was ähnliches meintest?

Pit

Philipp

unregistriert

8

Donnerstag, 1. März 2007, 19:32

RE: frage: hattet ihr....

hey pit, ich meine eigentlich immer genau dass was ich sage. ich gebe dir recht, dass verständnis nötig ist. man muss den zwang verstehen, um ihn nachher wieder zu vergessen. das "öl" deiner metapher hab ich verstanden, denke ich: du meinst damit alle handlungen, die zu einer gesunden auseinandersetzung mit der eigenen verantwortung führen, also dem zwang seinen zweck nehmen. klar optimal wäre es wenn das die alleinige aufgabe der psychologen und ärzte wäre, von derern ergebnissen wir nur profitieren müssten. tatsächlich finde ich aber viele ansätze und therapieformen falsch und unverantwortlich, die zur begegnung des zwangs vorgeschlagen werden. mit der "maschine" meintest du das system, nachdem der zwang funktionniert, oder? wenn du meinst, ich würde an der maschine herumbasteln, meinst du dann, ich beschäftige mich etwas intensiver mit der theorie? das trifft zu, aber letztendlich doch zielgerichtet.
zum sport: wieso hat dir sport nicht geholfen bzw. den zwang verstärkt? ich meinte jedenfalls nicht die wirkung, dass glückshormone ausgeschüttet werden, so weitsichtig bin ich schon noch. natürlich hat das keine wirkung, es wäre behandlung am symptom, nicht am system.
wieseo mir sport hilft: ich habe agressive gedankenzwänge. es kommt bei mir häufig zu einer anstauung von angst, ich bin latent erregt und in alarmbereitschaft. das nennt man wohl neurose. die angst ersetzt in dem moment das vertrauen. sie ist nämlich genauso eine bestätigung intakter moral wie dieses, allerdings eine denkbar ungesunde bestätigung. es ist eine überreizung. deshalb fällt es mir schwer die angst abzubauen, da hierdurch eine irritation entsteht: auch wenn die angst wegfällt, habe ich immer noch kontrollbedürftige gedanken, die nicht durch vertrauen kompensiert werden. ich ritualisiere immer noch meine gedanken, nur die angst fällt weg. somit entsteht in der reflektion der eindruck gewissermaßen unberechenbar zu sein. vorher hatte mir die angst bestätigt, dass keine gefahr besteht. es in dieser unsicherheit auszuhalten ist schier unmöglich, viele fallen wieder in den angstzustand zurück. die angst steigert sich bei mir zu bestimmten tageszeiten, der kontrollmechanismus hat sich dermaßen etabliert, dass ich auf ihm hängen bleibe. meine lösung: sport (zB). hier wird konzentration gefördert (bei joggen funktionniert es bei mir auch nicht, ok, stimmt, ich mache sport der konzentration bedarf: capoeira, breakdance). beim sport werden einfach andere strukturen meines denkens beansprucht. die konzentration ist so hoch, dass ein verfallen in den zwang kaum möglich ist. dadurch kann sich das überstrapazierte ontrollsystem entspannen. ich finde zu mir selbst. beim sport handel ich nach natürlichen gegebenheiten. capoeira ist ein kampf. ich kämpfe aber will mein gegenüber nicht verletzten. es geschieht auch nicht, ich gebe acht. das passiert automatisch. im nachhinein war es eine reale erfahrung, die mein vertrauen in mich stärken konnte. oft geht es mir nach meinem sport besser, aber du hast recht, dass manche sportarten weniger geeignet sind.
viele grüße, philipp