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peter76

unregistriert

1

Sonntag, 21. Januar 2007, 00:19

Zwang und Zukunft

Hallo,

was meine ich mit dem Titel "Zwang und Zukunft": Trotz sehr langer Erkrankung an Zwängen und zahlreicher Therapien bin ich in einer Phase,
in der alles nur noch chaotisch ist.
Ich weiss nicht wo der Zwang aufhört und sehe keine klare Zukunft, zumal sich der Zwang auch um die Zukunft dreht. Das überfordert mich.


Derzeit grüble ich über ein gemeines Verhalten meines Onkels nach: Mein Vater hat ihm eine wichtige familienhistorische Urkunde zum kopieren ausgeliehen. Zuvor hatte mein Vater sie mir geschenkt und sie dann ohne Rücksprache verliehen. Nachdem mein Vater seinem Bruder
3 Jahre lang hinterhergelaufen ist um die Urkunde zurückzubekommen, behauptet die liebe Verwandschaft, dass die Urkunde vor kurzem per Post an mich gesendet worden ist. "Eine Quittung gibt es leider nicht mehr".

Ich grüble dauernd darüber nach: "Das kann Verwandtschaft doch nciht machen". Mehrmals täglich bin ich deshalb extrem wütend. Teilweise steigen die Emotionen so stark an, dass ich die Gesellschaft - in der so ein Betrug ungestraft möglich ist - sinnlos empfinde.

Hinzu kommt meine Wut darüber, dass ich seit langem eine Aufräumblokade habe und Dinge die ich gerne erledigen möchte nicht kann, mir also die Kraft fehlt. Im Beruf habe ich auch viele Phasen in denen ich völlige Blokaden habe. Das zieht runter, obwohl ich die Arbeit dann doch im Ergebnis gut erledige (weil ich unter Zeitdruch gut arbeite).
Mir kommt der Alltag sinnlos vor, alles ist zu schwer.

Daher grüble ich viel über die Zukunft: Oft dreht es sich darum, dass ich keine Kraft habe, an der Beseitigung meiner Beziehungslosigkeit zu arbeiten. Hätte ich einen normalen Alltag, könnte ich mich mehr Verabreden und diese Verabredungen auch genießen, wass derzeit nicht der Fall ist. selbst Verabredungen sind für meich eien Qual.
Ich bin seit 18 Jahren angespannt und kenne auch trotz Autogenem Trainings keine Gelassenheit.

Meine Frage nach dem langen Monolog:

Was ist daran alles Zwang? wer kennt Ähnlichen, also dass man sich über
Ereignisse ärgert darüber grübelt UND dann auch noch alles deswegen für sinnlos hält?
Sicherlich ist das Grübeln über den Betrug durch Verwandschaft ein Zwang.
Wie kann ich die Struktur des allgemeinen Zukunftsgrübelns durchbrechen? Wie kann ich Hoffnung bekommen, später eine glückliche, konservative und spießige Beziehung aufbauen zu können, wenn mir Heute der Alltag nach 18 Jahren Zwang alles Schwer vorkommt und ich mich nur als verschlossenen Menschen kenne der denkt bzw. grübelt?

Viele Grüße

Peter

:dafuer:

tierchen29

unregistriert

2

Sonntag, 21. Januar 2007, 00:44

RE: Zwang und Zukunft

Zitat

Original von peter76

Meine Frage nach dem langen Monolog:

Was ist daran alles Zwang? wer kennt Ähnlichen, also dass man sich über
Ereignisse ärgert darüber grübelt UND dann auch noch alles deswegen für sinnlos hält?
Sicherlich ist das Grübeln über den Betrug durch Verwandschaft ein Zwang.
Wie kann ich die Struktur des allgemeinen Zukunftsgrübelns durchbrechen? Wie kann ich Hoffnung bekommen, später eine glückliche, konservative und spießige Beziehung aufbauen zu können, wenn mir Heute der Alltag nach 18 Jahren Zwang alles Schwer vorkommt und ich mich nur als verschlossenen Menschen kenne der denkt bzw. grübelt?


Hallo Peter,

von dem was Du hier bislang so berichtet hast, kann ich eigentlich nichts so direkt als Zwang einordnen. Nicht jedes -auch wenn vielleicht übertrieben/übermäßig- Grübeln oder Nachdenken ist unbedingt zwanghaft. Ein Zwang ist es eigentlich nur dann, wenn es bezugslos ist, es also keinen direkten Auslöser gibt oder wenn es um Impulse geht, die einem charakterfremd erscheinen (z.B. Angst davor, jdn. umbringen zu können).

Das Beispiel mit den Verwandten und die damit verbundene Sicht, dass die ganze Gesellschaft sinnlos oder schlecht ist, klingt mir eher nach Depression. Gerade in der Kombination mit Zukunftsängsten bzw. keinen Sinn in der Zukunft sehen, nicht wissen, was man in der Zukunft eigentlich möchte bzw. das was man weiß nicht umsetzten zu wissen.

Vielleicht gibt es aber bei Dir noch andere Probleme, die Du nur noch nicht erwähnt hast, die eher zu einem Zwang passen. Gibt es Handlungen, die Du ausführen musst, weil Du sonst starke innere Unruhe fühlst oder kennst Du solche Impulse, wie oben beschrieben?

Ich will Dir um Himmels willen nichts einreden, ich dachte nur, es hat vielleicht doch einen Grund, warum Du Dich hier richtig eingruppiert fühlst.

Warst Du schon mal bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater? Der kann Dir genau sagen, was mit Dir los ist und Dir auch helfen, denn das hörst sich ja schon alles sehr traurig an bei Dir!

Liebe Grüße und alles Gute

tierchen29

peter76

unregistriert

3

Sonntag, 21. Januar 2007, 00:52

Hallo tierchen29,

ja, Kontrollzwänge habe ich auch seit 18 Jahren, aber die sind zurückgegangen.
Genauso sind die Ängste, andere verletzt zu haben, weg. Nur das dauernde Grübeln über Ungerechtigkeiten, sonstige unangenehme Situationen und über die Zukunft sind seit dem gebleiben. Daher stufe ich dies als Grübelzwang ein. Heute war ich im Kino: Ich habe während des ganzen Filmes gegrübelt.

Viele Grüße

Peter

4

Sonntag, 21. Januar 2007, 00:52

Hallo...

in einigen Sachen, die du geschrieben hast, erkenne ich mich selbst auch wieder.

Wenn ich zum Beispiel Auseinandersetzungen mit meinem Exfreund hatte, in denen er mich ungerecht behandelt hat, hab ich auch sofort den Sinn im Leben nicht mehr gesehen. Diese Sinnlosigkeit ist dann einfach so über mich hereingebrochen und hat sich auf meine ganze Existenz bezogen. Die ist dann allerdings nach einigen Stunden wieder verschwunden.

Was deine Verwandschaft da gemacht hat, ist natürlich unfair. Hast du denen mal deine Meinung dazu gesagt? Ich wünsche dir, dass du diese Urkunde doch noch wiederbekommst.

Die letzte Frage die du in deinem Posting gestellt hast, also "Wie kann ich Hoffnung bekommen, später eine glückliche, konservative und spießige Beziehung aufbauen zu können, wenn mir Heute der Alltag nach 18 Jahren Zwang alles Schwer vorkommt und ich mich nur als verschlossenen Menschen kenne der denkt bzw. grübelt?" stelle ich mir auch oft. Ich bin sehr introvertiert und komme nur mühsam aus mir heraus. Ich hab es im letzten Jahr aber schon geschafft, mich ein Stück weit zu verändern, zu öffnen und das versuche ich auch weiter. Es geht nicht von jetzt auf gleich, aber langsam aber sicher =) Ich möchte mehr, als den ganzen Müll, den ich jetzt vor mir liegen habe. Und ich hab beschlossen, meinen Dickschädel dafür zu nutzen, mal schauen, ob mir das gelingt.

Ich weiß nicht, inwieweit das umsetzbar ist, aber ich hab mir zum Beispiel für Montag vorgenommen, mich in der Uni nach Sportangeboten zu erkundigen und dann wieder mit Kampfsport anzufangen. Wird ne riesen Überwindung für mich, aber: ich will mehr, also versuche ich es. ;)

Hoffentlich steigt man durch das da oben noch durch und ich hoffe, ich hab das Thema nicht verfehlt^^

Liebe Grüße,
nemo

peter76

unregistriert

5

Sonntag, 21. Januar 2007, 01:03

Hallo Nemo,

ja, Deine Anwort hat das Thema getroffen.

Bei mir ist es so, dass ich schon einiges unternehme (seit einigen Jahren
mache ich regelmäßig VHS-Kurse rund um das Thema Selbstwert, Rhetorik
und natürlich Beziehung). Ich fühle mich dann aber meistens vor Ort weiterhin
oft isoliert, teilweise wie ein Betrachter eines Filmes).

An einer SHG gegen Zwänge nehme ich auch regelmäßig teil. Komischer Weise bin ich während
der Treffen ein ganz anderer Mensch. Ich kann entspannt sein und fühle mich nicht isoliert.

Viele Grüße

Peter

Pit-2001

unregistriert

6

Sonntag, 21. Januar 2007, 01:11

Hi, nur kurz, es sieht wirklich so aus, als ob hinter deinen Problemen Persönlichkeitsprobleme stecken. Diese kannst du nicht einfach wegradieren. Du bräuchtest einen guten Therapeuten, um sie auszugraben und abzuarbeiten. Dafür sehe ich in deinem Fall Erfolgsaussichten.

Aber was solls, ist nur so ein Gefühl. Ich ärgere mich immer, wenn man mir einen Therapeuten aufhalsen will, jetzt tu ichs bei dir. Sorry.

Pit

tierchen29

unregistriert

7

Sonntag, 21. Januar 2007, 01:12

Hallo Peter,

na dann kennst Du Dich ja (leider) auch sehr gut mit Zwängen aus. Was sind das für Dinge, über die Du im Kino gerübelt hast? Also ich meine jetzt keine Details, sondern von der Art her: Wirkich aktuelle Probleme oder "suchst" Du Dir mehr oder weniger immer etwas, mit dem Du Dich dann geistig beschäftigen musst?

Was ich meine ist: z.B. die schlechte Gesellschaft ist durchaus etwas über das man nachdenken kann/sollte, aber es ist ja kein aktuelles Problem, was Du lösen mußt oder kannst.

Beschäftigst Du Dich also eher durchweg mit traurigen allgemeinen Dingen oder sind es wirklich Dinge, die Du lösen mußt.

Gelingt es Dir gar nicht, diese Gedanken beiseite zu schieben?

Da Zwänge ja häufig aus Depressionen entstehen und umgekehrt, wäre zumindest ein solcher Anteil bei Dir möglich. Aber wie gesagt, ich will Dir nichts einreden!!!

Hast Du Freunde, mit denen Du etwas unternehmen kannst und die Dich vielleicht manchmal eine bißchen aus den Grübeleien oder der traurigen Stimmung holen können, auch damit Du eine Frau kennen
lernen kannst? Kannst Du mit Leuten Kontakt herstellen oder zumindest diesen erwidern? Was macht es Deiner Meinung nach so schwer "eine spießige Beziehung einzugehen bzw. zu bekommen"?

Liebe Grüße

tierchen29

8

Sonntag, 21. Januar 2007, 11:56

Hallo Pit
Also ich sehe kein Verbrechen darin jemanden einen Therapeuten zu empfehlen. Und in dem Fall sehe ich es auch angebracht. Vielleicht ist das Wort Therapeut erschreckend. Nennen wir ihn neudeutsch doch einfach "Coach".
Im Prinzip ist er ja nichts anderes als ein LEhrer der deine Situation neutraler und dewegen auch besser beurteilen kann. Er kann dir WEge aufzeigen und andere Verhaltensweise antrainieren. Und genau das sehe ich hier auch angebracht.
Also es war schon in Ordnung.

peter76

unregistriert

9

Sonntag, 21. Januar 2007, 13:05

Hallo Pit,

es liegen bei allen Zwangserkrankten Persönlichkeitsproblem vor,
sonst gäbe es die Zwangserkrankung nicht.

Viele Grüße

Peter

peter76

unregistriert

10

Sonntag, 21. Januar 2007, 13:22

RE: Zwang und Zukunft

Hallo,

beim Grübeln im Kino habe ich immer wieder den Ablauf der Geschichtem it der Urkunde durchdacht, weniger nach Lösungen gesucht, sondern zwanghaft das Geschen in Gedanken wiederholt.

Übrigens der Ausdruck "spießige Beziehung" ist in diesem Fall positiv gemeint.
Da ich sehr verschlossen bin, brauche ich lange Zeit um einen Freundeskreis aufzubauen. Die Nähe zu Frauen war immer nur freundschaftlich. Gefühle, die weiter gehen, habe ich ncie gezeigt, auch wenn sie innerlich sehr präsent waren. Der Alltag ist zur Überlastung geworden ist (auch weil ich neben zwei aufeinanderfolgenden Studiengängen noch viel Vereinsarbeit in Jugendverbaenden geleistet habe um unter Menschen zu sein). Frauen spreche ich so gut wie nie an (starke Blockade). Bei Blind Dates geht es mir dann auch nicht gut, Nähe baue ich dann auch nicht auf. Resultat ist bisher
eine Dauerbeziehungslosigkeit. Dei 18 Jahre Zwänge haben mir immer mehr Hoffnung genommen. Bisher habe ich diese noch nicht wiedergefunden, um die derzeitige Perspektivlosigkeit in Gelassenheit und Kraft umzuwandeln.

Viele Grüße

Peter

tierchen29

unregistriert

11

Sonntag, 21. Januar 2007, 22:46

RE: Zwang und Zukunft

hallo peter,

ich habe schon verstanden, dass der ausdruck "spießig" positiv gemeint war. du möchtest eben ganz einfach eine ganz normale beziehung, mit verlässlichkeit usw. wie eben viele von uns! :)

dieses ständige durchkauen von gedanken ist sicherlich zwanghaft und sehr belastend. hast du bislang wirklich nur eine shg in anspruch genommen? dann würde ich dir genau wie pit einen therapeuten sehr empfehlen. ich bin der meinung, dass man dies schon für sich probieren sollte. inwieweit dies auch hilft, ist natürlich sehr individuell, aber einen versuch ist es wert. gerade das problem mit der gewissen kontaktscheue, ist sicherlich etwas, wobei einen ein thra sehr gut unterstützen kann. wenn du dieses problem etwas verringern könntest, wären diese grübeleien vielleicht auch schon nicht mehr so extrem.

ich würde es auf jeden fall probieren! wenn du mal -wenn auch mit hilfe- positive erfahrungen machst bei der kontaktaufnehme, wird dir das auch sicherheit für neue versuche geben und so traust du dich nach und nach mehr. dies ist ja das prinzip jeder verhaltenstherapie.

ich wünsche dir viel glück.

tierchen29

peter76

unregistriert

12

Montag, 22. Januar 2007, 18:22

RE: Zwang und Zukunft

Hallo,

ich hatte in den 18 Jahren bereits 7 Jahre Therapien und bin derzeit auch in Therapie. 4 Jahre waren analytische Therapien
und der Rest inkl. der derzeitigen Therapie ist Verhaltenstherapie.

Euer Vorschlag ist quasi bereits umgesetzt. Leider bisher nicht erfolgreich ?(

Viele Grüße

Peter

Pit-2001

unregistriert

13

Dienstag, 23. Januar 2007, 00:41

Hallo Peter, ich möchte mich entschuldigen, dass ich nicht gelesen habe, dass du schon Jahrelang in Therapie warst bzw. bist.
Nicht gerade klug von mir.

Andererseits fragst du Dinge, die man nur durch lange lange Gespräche herausbekommen kann, beispielsweise in der Therapie.

Aber o.k. es könnte ja jemand da sein, der darauf Stegreifantworten kennt und das Recht danach zu fragen, sollten wir alle haben.

Ich will mich bessern.

Pit

Pit-2001

unregistriert

14

Dienstag, 23. Januar 2007, 00:43

hast auch wieder recht.

lb. Gruß

Pit

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