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sabrina

Fortgeschrittener

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Zwangssymptome: Wasch-, Gedankenzwang

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

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1

Donnerstag, 22. Januar 2015, 22:47

Wer hatte schon ein 100%-Flooding?

Hallo,
meine Frage steht ja eigentlich schon oben.
Bisher habe ich in Expos immer nur Kleinigkeiten gemacht die zwar letztendlich mit dem Thema zu tun hatten, aber ich kam bisher nie groß weiter.
Nach einiger Zeit stand ich immer wieder auf dem gleichen Anfangs-Level und kam nie an das große Level heran.
Nun geht mir immer öfters der Gedanke durch den Kopf es gleich mit schlimmsten zu versuchen, dann würden sich ja die kleinen Sachen erübrigen.
Oder sehe ich das verkehrt.
Nun würde mich interessieren wer das schon mal getan hat, wie es Euch damit hinterher ging und ob es eine Verbesserung gab?

Ich kann mich zwar bei den kleinen Sachen schon nicht überwinden es zu tun, wie soll ich es dann bei der "Totalen" schaffen?
Aber langsam habe ich das Gefühl dass es evtl. nur so funktioniert

Durch die kleinen Expos habe ich das Gefühl, als ob man bei einem Auto mit Roststellen da immer nur Farbe drauf gibt aber nie vorher den Rost weg macht und der immer wieder durch kommt.
Da meine Zwänge durch ein Trauma entstanden sind, habe ich auch das Gefühl es müßte anders angegangen werden.
Desweiteren habe ich das Gefühl dass der Zwang der momentan sehr schlimm ist, nur eine Verschiebung von etwas ist, ich spüre dass der vermeintliche Schmutz für etwas anderes steht. Ich habe ja keine Angst vor Bakterien oder Viren. Es ist ein Ekel. Ich weiß auch dass ich davon nicht umkommen würde.
Aber ?..........?

Ich habe das alles der Therapeutin mitgeteilt, aber so richtig sind wir noch nicht weitergekommen.
Ich habe ihr heute auch noch das mit dem 100%-Flooding gesagt aber dann war die Stunde aus....
Bin mal sehr gespannt auf Eure Antworten!
LG sabrina
sabrina

Tranquillity

Anfänger

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2

Freitag, 23. Januar 2015, 10:32

Hallo Sabrina,

ich kann Dir nicht von eigenen Flooding-Erfahrungen berichten, allerdings habe ich vor einigen Jahren in England mal eine Dokumentation gesehen über einen wohl sehr guten Arzt in London, der sehr erfolgreich ambulant Zwangserkrankungen bekämpft und zwar mit Flooding.

In der Dokumentation wurde z.B. gezeigt, wie er mit einer Patientin in die Toilette geht und in die Schüssel fasst. Die Patientin hat das dann auch gemacht. Ziel war zu realisieren, dass nichts passiert.
Allerdings hatte die Patientin Angst, sich mit einer Krankheit anzustecken und nicht "nur" Ekel vor der Toilette. Andere Übungen waren sich auf dem Boden rumwälzen und barfuss im Krankenhaus rumlaufen.

Mein Verhaltenstherapeut sagte mir allerdings, dass er selber mit Flooding keine guten Erfahrungen gemacht hat und wir wollen es auch in meiner VT nicht probieren. Da ich mich auch nur Ekel habe vor Dreck und keine Angst habt, mich anzustecken meinte er, dass solche Übungen mir nicht soviel bringen würden. Dass nichts passiert, ist mir ja auch klar. Ich habe nur Angst, den Ekel nicht aushalten zu können.


LG

Richard

unregistriert

3

Freitag, 23. Januar 2015, 10:41

Hallo sabrina,

nur mit 100% (Einsatz) gibt es eine Aussicht auf Erfolg! Alles andere ist/wäre Teil einer Vermeidungs, -Sicherheitshaltung, die zwar das eigene "ich" mittels bestimmter Strategien beruhigen könnte/ würde, damit aber nichts zum Heilungsprozess beitragen würde und solchen sogar großteils unterbinden würde. Entweder/ Oder! Eine andere Alternative bietet sich Zwangserkrankten nicht! Hu, hier werde ich bestimmt gleich wieder einer "Belehrung" bezichtigt. Warum eigentlich? Wenn jemand mal die Wahrheit sagt, ist er der Bösewicht?

(Als Gedankenspiel: Eine Turnhalle, 100 Zwangserkrankte für 14 Tage darin, unter meiner "Obhut", die ich mir selber vielleicht nicht antun würde. Danach wären 50 Zwangserkrankte kuriert, die Anderen entflohen oder psychotisch.)

Niemand will so was Radikales. Dabei: Es könnte/ würde ggf.helfen, das eigene Leben weiterhin selbstbestimmt leben zu können und nicht in einer aussichtslosen Sackgasse zu enden!

Nur das absolute Extrem der eigenen Erkrankung und das Aushalten, Aushalten, Aushalten kann helfen, diese zu besiegen.

motte

Schüler

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4

Samstag, 24. Januar 2015, 11:53

Hallo Sabrina!

Alle, die ich kenne und die diese Methode gewählt hatten, hatten damit Erfolg.
Für mich selbst wäre es jedoch nichts gewesen, ich bin aber auch ein kleiner Schisser.
Ich habe mich immer bei der Hierarchie (50 % - 100 %) für eine 70 % Übung zum Start entschieden.
Alles darunter alleine geübt, alles darüber mit Begleitung.

Schau doch mal in der Klinik in Münster. Das ist zwar eine Privatklinik, aber in Ausnahmefällen
werden dort auch Kassenpatienten behandelt. Das hängt von der Krankenkasse ab.
Da haben alle Patienten die Flooding - Therapie... Aber ich finde, man muss der "Typ" dafür sein.

Sicherlich wäre es aber vielleicht mal eine Möglichkeit für Dich.
Das Probleme sehe ich bei Dir aber eher darin, dass Du auch nach den Übungen immer immer immer am Ball bleiben musst.

Viele Grüße!

PS Ich schreibe Dir die Tage mal in Ruhe. Töchterchen hatte den 1. Geburtstag und nun sind die Kinder auch noch krank...

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Zwangssymptome: Waschzwang/Vermeidungsverhalten, Kontrollzwang, aggressive Zwangsgedanken

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5

Samstag, 14. März 2015, 12:52

Meinen jetzigen Psychiater hatte ich früher schon mal aufgesucht.
Damals hatte er mir solch "massierte" Expo's, wie er sie nennt, vorgeschlagen.
Was heisst eigentlich Flooding genau auf Deutsch übersetzt?
Er erzählte mir von einem Patienten, mit dem er die Übung durchführte, mit der Hand und dem Arm soweit wie möglich in das Klo reinzufassen :wacko: 8| ;( .
Ich war über diesen Vorschlag so entsetzt, dass ich sofort die Behandlung mit Ihm abgebrochen habe :whistling:

sabrina

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Zwangssymptome: Wasch-, Gedankenzwang

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6

Samstag, 14. März 2015, 13:13

Hallo,
es ist quasi eine "Überflutung" mit den angstauslösenden Problemen und Gefühlen.
Sonst fängt man in der Verhaltenstherapie mit den einfachsten Sachen an und steigert sich mit der Zeit (dafür erstellt man eine Hierarchie).

z.B. bei mir (Angst vor Fußboden zuhause), würde man evtl. erst mal mit den Schuhen in Wohnung gehen, oder den Schuh oben anfassen dann immer weiter unten dann die Sohle, dann Sachen die runterfallen aufheben ohne Hände waschen etc., aber über Wochen verteilt die einzelnen Schritte.
beim Flooding würde man wohl mit den Schuhen in die Wohnung, das Bettzeug auf den Boden werfen und dann wieder ins Bett, auf den Boden setzen , Kleidung aus Schrank holen und auf Boden legen und wieder in den Schrank geben usw. und das alles innerhalb einer Stunde oder so und hinterher damit leben und nichts waschen....
aber dann hätte man so ziemlich alles kontaminiert, kann nicht mehr zurück und dann ??????????
LG sabrina
sabrina

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7

Samstag, 14. März 2015, 22:44

Liebe Sabrina,

Verstehe Dich in dem Punkt sehr gut, wo Du schreibst;
Wenn so gut wie alles kontaminiert ist und man dann nicht mehr zurück kann :alarm: .

Ich erlebe das derzeit mit einer neuen Lebenssituation;
Seit Mitte Februar 15 habe ich eine neue Mitbewohnerin in einer betreuten WG.
D.h. Vorher lebte ich lange alleine in der Wohnung, und nun teile ich das Zuhause mit einer Frau, die ich zuvor nicht kannte. Auch Sie hat Ihre Psychischen Probleme/Erkrankung, jedoch keine Zwangserkrankung.

Mein ganzes Ordnungssystem, meine Sauberkeitszonen in der Wohnung werden über den Haufen geworfen seit die Mitbewohnerin da ist ;( :( .
Es fühlt sich schrecklich an.
Es ändert sich auch einiges im gewohnten Ablauf;
Als ich noch alleine in der Wohnung wohnte, habe ich die letzten Monate nur noch auf den Sofa im Wohnzimmer geschlafen.
Weil mein Bett meine "heilige/cleane Zone ist und ich nur frisch geduscht drin schlafen darf.
Leider macht mir seit geraumer Zeit auch meine Verdauung in Form von Reizdarm zu schaffen. :pinch:
Das hat zur Folge, dass ich auf der Toilette eine Ewigkeit mit Putzen verbringe, und Unmengen Klopapier brauche :huh:.
Wirklich sauber fühle ich mich nach der Darmentleerung nur, wenn ich mich danach gleich Dusche. Aber 1. Kann man ja nicht jedes Mal Duschen, wenn man sein Geschäft erledigt hat und 2. Ist bei mir das Duschen immer eine Prozetur für sich, da es nach einem bestimmten Zwangritual abläuft und ca. 1/2 Stunde dauert.
Das ist mir mittlerweile zu anstrengend, dass ich nicht mehr täglich Duschen mag.
Was bedeutet, dass dann nicht in meinem Bett schlafen kann/darf.
Da ich durch den Reizdarm bedingt seit geraumer Zeit leider meistens nach dem Duschen am Abend gleich wieder aufs Klo muss, weil sich der Darm meldet :( , war /ist das Bett für mich tabu.

So. Nun kann ich aber nicht mehr gut auf dem Sofa im Wohnzimmer übernachten, wenn ich eine Mitbewohnerin habe...
Dilemma; Ich müsste jetzt eigentlich zwangsläufig in meinem Bett schlafen. Und weil ich nicht täglich Duschen mag, müsste ich also schmutzig ins Bett :( :alarm: .
Mein Psychiater findet das natürlich gut.
Doch für mich ist es furchtbar, weil ich dann meine "heilige", reinste Zone kontaminiere/verschmutze ;( .
Da stellt sich mir dann die gleiche Frage wie Dir?
Was dann????
Was, wenn ich keine reine Zone, keinen sauberen Bereich mehr habe? 8o .
Unvorstellbar.

Es gibt doch auch gesunde Menschen, die nicht gern ungeduscht in's Bett gehen, weil Sie sich dabei nicht wohlfühlen.
Das ist doch eine individuelle Ermessenssache.
Wenn man "schnell " Duschen kann, ist das ja auch weniger ein Problem....

Als ich meinem Psychiater sagte, dass ich das ganz furchtbar finde, diese Bettkontaminations-Expo, meinte er;
Ja, das ist furchtbar. Das gehört zur Therapie. Man geht durch die Hölle :huh: :S .
Das könne er mir leider nicht ersparen.

Lg V&M

sabrina

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8

Sonntag, 15. März 2015, 00:02

Es ist zwar schon spät aber ich muß das noch los werden:





In letzter Zeit stelle ich mir öfters die Frage „was dann“?


Also angenommen, man würde nicht gegen seinen persönlichen
Zwang ankämpfen, sondern


die Situation so lassen, wie es tausend andere Menschen auch
tun.





Geht es Euch auch so, ich bekomme nämlich den Gedanken gar
nicht so richtig zu Ende ?!





Also ich stelle mir vor was passiert wenn ich mit Schuhen
ins Zimmer gehe, mich auf den Boden setzte, hinterher auf den Stuhl, dann noch
auf das Bett. Später gehe ich mit Schlafanzug ins Bett, was passiert dann
eigentlich außer dass ich mich ekele, weinen werde, total verzweifelt sein
werde, nichts mehr gern habe kann da nun alles „verseucht“ ist.


Weltuntergangsstimmung, das Gefühl mich nie mehr wohl fühlen
zu können.


Ja aber was passiert?


Ich passe so höllisch auf, dass nichts runterfällt, dass es
keine Kontaminierungen gibt etc., was wäre aber wenn der Supergau passieren
würde?


Manchmal denke ich dass es die Angst vor der Angst ist die
uns so „leblos“ macht.





In der Therapie hab ich ja auch schon erlebt, die Gefühle
kommen und gehen und im Prinzip geht es echt nur um Gefühle.


Kann man sich sein Leben von Gefühlen kaputt machen lassen?
Doch eher nicht!!!
sabrina

Richard

unregistriert

9

Sonntag, 15. März 2015, 07:09

Hallo sabrina,

Du hast Fragen gestellt, worauf Du selber doch die Antwort(en) weißt und hier schon geschildert hast. Ich beurteile Deine psychische Verfassung/ Stärke so, dass Du handeln solltest!
Du kannst nur gewinnen!

"Also ich stelle mir vor was passiert wenn ich mit Schuhen ins Zimmer gehe, mich auf den Boden setzte, hinterher auf den Stuhl, dann noch auf das Bett. Später gehe ich mit Schlafanzug ins Bett, was passiert dann eigentlich außer dass ich mich ekele, weinen werde, total verzweifelt sein werde, nichts mehr gern habe kann da nun alles „verseucht“ ist. Weltuntergangsstimmung, das Gefühl mich nie mehr wohl fühlen zu können."

Nichts wird passieren, was Dir Dein Leben zunichte machen wird! Wenn Du die geschilderten Gefühle zuläßt und auslebst, eben durch Weinen, durch Trauer, durch Aggression (z.B. auf das Kopfkissen einprügeln und dabei die ganze Wut und Trauer herausschreien), dann würdest Du die grauenhafte Situation überstehen! (was dabei die Nachbarn im Haus denken würden, ist scheiß egal!)

In der einen und einzigen stationären Therapie, die ich vor 15 Jahren gemacht habe, war die Kardinalfrage der Therapeutin: "Was befürchten sie ?!?" Diese Frage stelle ich mir auch heute noch vor vielen ungelösten Situationen. Zu 95% bewahrheiten sich dabei diese "Befürchtungen" nicht! Eine Situation aushalten und die eigenen Befürchtungsabartigkeiten widerlegt zu sehen, das ist das Ziel gegen jede zwangserkrankte Widerwärtigkeit, -jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde. Eine generelle Unbeschwertheit des Lebens wird es für langjährig Zwangserkrankte lebenslang nicht (mehr) geben, aber doch immer noch Möglichkeiten der Verbesserung und Aushaltbarkeit der Lebenssituation, die zu einem gewissen Frieden trotz der immerwährenden Erschwernisse führen können. Jede andere Annahme wäre fatal.

Richard

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