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Therapieformen: Tagesklinik hilfreich?

zwängler

Anfänger

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Zwangssymptome: Gedanken-, Kontrollzwang

Medikament / Dosis: keines

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

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1

Montag, 23. Februar 2015, 22:02

Tagesklinik hilfreich?

Hallo Zusammen,

ich wollte euch einfach mal fragen, ob, bzw. welche Erfahrungen ihr mit einer Tagesklinik (also teilstationärer Behandlung) gemacht habt.

Ich selbst leide unter Gedanken- und Kontrollzwängen, welche mit starken Ängsten verbunden sind, und vor allem nachts auftreten. Daher bekomme ich immer sehr wenig Schlaf. Ich leide seit etwa 30 Jahren daran und habe in dieser Zeit drei erfolglose Verhaltenstherapien hinter mir.

Ich bin um jede Antwort von euch dankbar :hm: Also gute, schlechte Erfahrungen, Infos zum Tagesablauf in der Klinik. Alles ist willkommen.

girasol1991

unregistriert

2

Mittwoch, 25. Februar 2015, 09:50

Hallo!

Also ich war selber Ende 2010 für 3 Monate in einer TK aufgrund eines Nervenzusammenbruchs in Kombi mit Zwängen und Depressionen.
Versuche mal strukturiert einige Infos zu geben:

Tagesablauf (grob/ Zeiten können variieren):
8.00Uhr: Beginn mit Frühstück, (bei Bedarf wird durch eine Krankenschwester abgenommen, Blutdruck gemessen, Tabletten gegeben etc.)
9.00Uhr: 1. Einheit (Mo: Visite*/ Di + Do : Gesprächsgruppentherapie <-> Nordic Walking&Kreativ**/ Mi + Fr: Sport)
12.00Uhr: Mittagessen + Mittagspause
14.00Uhr: Nachmittagsprogramm (Mo, Di + Do: Gruppenaktivität*** Mi: eher Gestaltungslastig (Basteln/ Garten, etc.) <-> Gesprächsgruppentherapie/ Mi: Psychodedukation/ Fr: Wochenanbschluss
16.00Uhr: Schluss

* Visite ist nichts Großartiges. Dauert für gewöhnlich 5 - 10 Minuten. Die restliche Zeit wartest du bzw. beschäftigst dich mit den anderen Patienten. Ist ein Gespräch mit deinem Therapeuten, ein bis zwei Ärzten und meist auch weiteren Therapeuten, mit denen du viel zu tun hast in anderen Angeboten der TK. Es wird besprochen wie es dir geht, Sachen bzgl. Medikation, Änderung des Schwerpunktes, generelle körperliche Beschwerden, irgendwann dann auch Ende des Aufenthaltes.
** Bei uns in der TK gab es zwei Ausrichtungen für die Gruppenangebote: a.) Gesprächstherapie oder b.) Beschäftigung-/Bewegungstherapie - Die Ausrichtung deines Aufenthaltes wird durch das Team festgelegt (für gewöhnlich stecken die alle erstmal in die zweite Ausrichtung, da man anfänglich in der Gruppe eher zurückhaltend ist und Sport wie auch Beschäftigung einen besser ankommen lässt.
*** Das richtete sich nach dem jeweiligen Schwerpunkt. Die Bewegungs/Beschäftigungsorientierung hatten an einem oder zwei Nachmittag(en) dann auch Gruppengespräch, im Gegenzug hatten die von der Gesprächsorientierung an einem Nachmittag Basteln und einen anderen Nachmittag Garten (wobei das alles sein konnte). Bei der Gesprächsorientierung (hatte nur die, deshalb weiß ich über die andere nicht so viel) hatten wir dann noch Rollenspiel am dritten Nachmittag.

Weiteres Interessantes:

- Die Einzeltherapiesitzung war bei uns individuell festgelegt mit dem jeweiligen Therapeuten.

- Es gab diverse Zusatzangebote, die in der Visite besprochen werden oder für jeden irgendwann mal angeboten werden, als Art 'Pflicht':
> PMR (Entspannungsmethode)
> Entspannungsbad
> Massage(n)
> Kunsttherapie
> ...

- Es gab bei uns verschiedene Dienste, die wöchentlich 'festgelegt' wurden (man meldet sich freiwillig dazu): Frühstücksdienst, Fensterschließdienst, Laubfege/Schneedienst, etc.
> In diesem Zusammenhang kann es für dich (wenn es das in deiner TK gibt) spannend/ hilfreich sein Dienste davon zu übernehmen, wenn dein Kontrollzwang hierauf 'anspringt'.Bei mir gab eine Mitpatientin mit Kontrollzwängen, die es total getriggert hat, wenn sie die Kaffeemaschine ausmachen musste oder die Fenster schließen musste am Ende des Tages. Das war ihre eigene Exposition sozusagen.

- Mit der Aufnahme wird man einmal komplett körperlich durchgecheckt, damit jede körperliche Ursache ausgeschlossen werden kann.


Ansonsten meine persönliche Erfahrung/ Einschätzung (damals hatte ich neben den Depressionen vor allem einen ausgeprägten Waschzwang):
Mir hat die Zeit sehr geholfen, ich konnte mich stabilisieren und neu orientieren. Den Waschzwang habe ich konfrontieren können, sodass zumindest innerhalb der Räumlichkeiten der TK der Zwang irgendwann fast verschwunden war, trat allerdings mit dem Wechsel des Systems TK in meinSystem Privat wieder auf. Das ist aber auch klar, innerhalb so kurzer Zeit geht das nun mal nicht. Für einen Neuanfang jedoch war die TK super und ich wurde nicht aus meinem stabilisierenden sowie normalisierenden sozialen Umfeld (Familie) herausgerissen.



Ich hoffe ich konnte einige deiner Fragen beantworten. Schreib mir sonst gerne einfach, ich versuche zeitnah zu antworten :)

Alles Gute!

zwängler

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3

Mittwoch, 25. Februar 2015, 17:54

Hallo girasol 1991,

danke für deinen sehr ausfühlichen Bericht :)

Ich war heute zum Erstgespräch in der TK und dort hat mir die Ärztin den Ablauf so ähnlich beschrieben, wie du es auch erlebt hast.

Soweit ich dich verstanden habe, warst du in einer Klinik, in der Patienten mit verschienden psychosomatischen in deiner Gruppe waren? Bei der Klinik, die ich heute besucht habe, ist dies so. Morgen sehe ich mir noch eine andere TK an, in der es eine spezielle "Zwang-Gruppe" gibt, also diese Gruppe besteht dann nur aus Leuten mit Zwangssymptomatik.

Beides hat wohl Vor-und Nachteile.

Es freut mich zu hören, dass es dir in der TK gefallen hat und du dich stabilisieren konntest.

Vielen Dank und alles Gute

girasol1991

unregistriert

4

Mittwoch, 25. Februar 2015, 19:37

Hey,

ja, genau es war eine allgemeine TK (wobei die wenigsten psychosomatische Beschwerden hatten, der Großteil waren Depressionen und Ängste ganz verschiedener Art).

zwängler

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5

Mittwoch, 25. Februar 2015, 22:09

Hi,

hattest du da immer das Gefühl optimal, d.h. auf deine Symptome bezogen, betreut zu werden?

Ich habe Bedenken, dass man vielleicht etwas "untergeht" als Zwängler. Wenn z. B. viele Leute mit Depression in der Gruppe sind, wird dann nicht mehr auf deren Bedürfnisse eingegangen?

girasol1991

unregistriert

6

Samstag, 28. Februar 2015, 13:46

Hey!

Mmh schwierige Frage und noch schwieriger diese zu beantworten. Das Gefühl unterzugehen hatte ich eher weniger bezogen auf das Personal, bin eher untergegangen, weil viele der Mitpatienten so eine Zwangserkrankung nicht nachvollziehen konnten. Eine meinte mal zu mir: Du wurdest doch nicht missbraucht und geschlagen, ich schon. Du kannst aufhören zu waschen, einfach so. Ich werde immer geschlagen/ missbraucht worden sein, das kann man nicht ändern.

Andererseits: Bei einer reinen Zwänglerumgebung wäre mir wahrscheinlich einfach zu viel Zwang gewesen, gegenseitig hochpushen, da vergleichbare Symptomatik etc. Hoffe du weißt wie ich das meine?

Keine Klinik wird optimal für einen sein können, ich persönlich fand die Pausen zwischen den 'Sachen' zum Beispiel viel zu lang, mir war dann langweilig etc. Die älteren Patienten brauchten das jedoch, zum ausruhen etc. Vergleichbares wird man denke immer finden.

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7

Montag, 2. März 2015, 22:06

Hi,

ich habe nun auch eine Entscheidung getroffen. Ich werde in die allgemeine TK gehen, also in der Patienten mit verschiedenen Symptomen behandelt werden. :dafuer: Auch mir ist doch eine reine "Zwangsklinik" etwas too much.

Ich bedanke mich für deine sehr informativen Beiträge, die auch zu meiner Entscheidungsfindung mit beigetragen haben.

Alles Gute

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