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Dienstag, 1. Oktober 2013, 16:11

Ist "meine Welt" nur eine Illusion?

Hallo liebe Community,

ihr wisst gar nicht wie froh ich bin,
dieses Forum gefunden zu haben. Hier habe ich jetzt schon ein paar
Beiträge gelesen, welche meinem Problem ansatzweise ähneln. Am
besten fang ich ganz vorne an. Es könnte ein wenig lang werden mit
der Beschreibung des Problems werden, aber ich wäre euch wirklich
dankbar wenn ihr euch die Zeit nehmen würdet. Es belastet mich
nämlich sehr und ich sehe dieses Forum als große Hilfe an. Dann
will ich mal anfangen: Seit Anfang des Jahres schwirrt mir die ganze
Zeit das Thema AIDS bzw. HIV durch den Kopf. Erstmal zu meiner
Person, ich bin männlich und 16 Jahre alt. Irgendwie hab ich mich zu
sehr mit dem Thema beschäftigt und es hat mich nicht mehr
losgelassen. Bei jeder Kleinigkeit, bei jedem Körperkontakt habe ich
Angst bekommen, mich mit HIV infiziert zu haben. Und das mindestens
jeden zweiten Tag. Das mit dem HIV ist zwar nicht mein jetziges
(großes) Problem, es ist aber glaube ich wichtig zu nennen. Springen
wir mal zum 8. Juli dieses Jahres. Ich war im Urlaub und hab mich
irgendwie beim Abschließen meines Fahrrads am Schloss geschnitten.
Daraufhin bin ich auf die Toilette eines Restaurants gegangen und
habe die (wirklich) kleine Blutung gestoppt. Als ich das Papier
weggeworfen habe kamen wieder diese (Zwangs-)Gedanken. War an dem
Papier vielleicht frisches Blut von wem anders? Da ja das ganze
Papier voll mit meinem Blut war, konnte ich das nicht überprüfen.
Ich muss dazu sagen, dass ich seitdem ich in die Schule gehe, alles
x-mal überprüfe: Ich checke ob die Tür zu ist, der Wasserhahn aus
ist, das Licht aus ist, eigentlich alles. Und das nimmt oft viel Zeit
in Anspruch, weil ich das mehrmals kontrolliere. Auch vor dem
Schlafen muss alles an seiner Stelle liegen. Jetzt aber zurück zum
Thema. Als ich dann abends im Bett lag hat mich das Erlebnis mal
wieder so fertig gemacht, dass ich gleich mal wieder in einem
AIDS-Forum um Hilfe gebeten hab. Als ich am nächsten morgen die
Antworten gecheckt hab, war eine E-Mail vom Admin in meinem Postfach.
Es hieß, ich solle mal einen Arzt besuchen, weil meine beschriebene
Situation kein Risiko darstellt. Kurz nachdem ich diese Mail gelesen
habe, bin ich mit meiner Familie in den nächstgelegenen Ort
gefahren. Und jetzt das Erlebnis, welches mir seit 3 Monaten keine
Ruhe lässt. Wir sind ein wenig spazieren gegangen und ich habe mich
ohne Bedenken auf das Geländer der Seebrücke in Heiligendamm
gesetzt. Das war's. Als ich jedoch später wieder zurückgefahren
bin, habe ich mir irgendwie eingebildet, dass ich vom Geländer
gefallen bin. Das ganze dramatisierte sich schnell. Mir kamen schnell
die Gedanken das alles nur ein Traum sei und ich Tod bin oder im Koma
liege. Diese Gedanken habe ich heute noch – täglich. Ich zweifel
meine eigene Existenz an, nur wegen diesem Erlebnis. Meine
Erinnerungen an dieses Erlebnis sind so verschwommen. Mir kommt es so
vor als ob irgendwer meine Erinnerungen manipuliert. Das doofe ist
nämlich, das wenn ich dachte mich mit HIV infiziert zu haben, ich
einen Test machen konnte. Oder wenn ich dachte die Tür nicht
abgeschlossen zu haben, konnte ich einfach zurücklaufen und das
prüfen. Doch hier ist das anders. Wer sagt, dass das Leben nach dem
Tod nicht einfach so weitergeht. Oder meine Phantasie so weitreichend
ist und ich mir mein Leben nur „erträume“. Mit der Zeit denke
ich, dass ich einfach verrückt bin. Ich bin normalerweise ein kluger
und rationaler Mensch und bin gut in der Schule, doch diese Gedanken
behindern mich enorm. Beim Lernen, beim Aufpassen in der Schule –
einfach immer. Aber durch die Tatsache, dass ich schon immer etwas
anders war als die anderen ist es noch nicht sooooo schlimm das ich
in irgendeine Klinik muss – denke ich.





Was ist das was ich habe? Welche Tipps
könnt ihr mir geben? Wie komme ich wieder raus? Geht das überhaupt?
Ich will endlich wieder „normal“ weiterleben und Emotionen
empfinden können. Hat jemand schonmal ähnliches durchgemacht? Was
hat euch geholfen? Ich bitte um Hilfe und wäre euch sehr sehr
dankbar wenn ihr mir helfen würdet. Scheut euch nicht zu antworten,
mir ist jede Hilfe recht!





Viele Grüße,

liebe_zum_drama

Schussel

Anfänger

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2

Dienstag, 1. Oktober 2013, 20:47

Hallo liebe_zum_drama,

Der bereich sich mit HIV infiziert zu haben ist sehr klassisch für eine Zwangsneurose.

Der Gedanke, dass du dir alles nur erträumst ist meiner Meinung nach auch nur ein Zwangsgedanke. Es zeigt wie groß der Zweifel geworden ist.
Falls du noch nicht in einer Therapie bist, solltest du dieses mal in Erwägung ziehen.

Schussel

Schussel

Anfänger

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3

Dienstag, 1. Oktober 2013, 20:53

Ach so, noch was!

Wenn dein Gehirn in der Lage wäre eine derart komplexe Struktur um dich zu erträumen, dass du dies für die reale Welt hälst -

dann sollte es für dieses Superhirn doch wohl eine Kleinigkeit sein sich an den Sturz, den Aufprall und das Eintauchen ins Wasser zu erinnern,
oder?

Schussel

4

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 11:36

Hallo Schussel,

Danke erstmal für deine Antwort. Ich habe es auch schon mehrmals versucht mit LOGIK zu lösen, aber der Gedanke bleibt. Zum Beispiel habe ich am besagten Tag mit jemanden SMS geschrieben. Wir haben morgens angefangen, dann bin ich weggefahren (zur Brücke) und dann haben wir abends weitergeschrieben. Ich will das alles irgendwie selbst lösen, doch ich weiß nicht wie ich vorgehen soll. Der Gedanke ist so belastend. Ich habe zum Beispiel ab heute Ferien, kann mich aber irgendwie nicht darüber freuen, weil ich denke ich liege irgendwo im Koma!

Viele Grüße!

Schussel

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5

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 18:32

Hallo,

ich vermute also, dass du dir keine therapeutische Hilfe holen willst?

6

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 20:54

Sagen wir mal so. Ich würde es am liebsten selbst auf die Reihe kriegen. Ich hatte schon Momente wo ich geglaubt habe ich habe es geschafft, doch im nächsten Moment waren die Gedanken wieder voll da. Was meist du? Kann ich das schaffen oder brauche ich therapeutische Hilfe?

Jake_Sully

Fortgeschrittener

  • »Jake_Sully« ist männlich

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7

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 23:44

Als ich jedoch später wieder zurückgefahren
bin, habe ich mir irgendwie eingebildet, dass ich vom Geländer
gefallen bin. Das ganze dramatisierte sich schnell. Mir kamen schnell
die Gedanken das alles nur ein Traum sei und ich Tod bin oder im Koma
liege. Diese Gedanken habe ich heute noch – täglich. Ich zweifel
meine eigene Existenz an, nur wegen diesem Erlebnis.

Du hast eine ganz-normale Zwangsstörung bezüglich Aids. Dein Realitätszweifel gehört nicht-wirklich dazu. Als junger Mann war ich frei von Zwängen, aber ich hatte mal eine Superbremsung vor einem quer-stehenden Tanklaster in einer vereisten Autobahnkurve. Das war irgendwie ein Wunder, dass mein Auto mit 80km/h ca. 40cm vor dem Ding doch noch zum stehen kam, ohne ABS. Dabei hatte ich mich so erschrocken und dachte einige Monate, das ich eigentlich tot sein müsste. 1992 war das, aber erst seit 2008 bin ich zwangskrank.

8

Samstag, 5. Oktober 2013, 10:27

Danke erstmal für deine Antwort. Was sind das dann für Gedanken? Sie kehren doch wie Zwangsgedanken immer und immer wieder...

Jake_Sully

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9

Samstag, 5. Oktober 2013, 19:30

Was sind das dann für Gedanken? Sie kehren doch wie Zwangsgedanken immer und immer wieder...

Schau Dir mal ohne Stress den Film Vanilla Sky an, evtl. sind die anderen Zwangsgedanken unangenehmer als der Realitätszweifel. Vielleicht will Dein Unterbewusstsein, dass Du über den Bezug zur Realität nachdenkst.

10

Sonntag, 6. Oktober 2013, 20:27

Ich hab mir wegen diesen Gedanken schon "Matrix" angeguckt. Der hat mich umso mehr verwirrt :/

Schussel

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11

Montag, 7. Oktober 2013, 07:05

Hi,

ich denke, dass es dir helfen könnte therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich finde es gibt auch viel hilfreiche Literatur und dieses Forum ist auch ein riesen Fundud an Erfahrungen.
Was ich an einer Therapie schätze ist, dass man dort auf Dinge hingewiesen wird, die einem selbst nicht wirklich bewusst sind. Verhalten oder denkweisen, die einem nicht weiter erwähnenswert erscheinen, die aber doch wichtig sein können.

Mir hat es auch geholfen Expositionsübungen durchzuführen und diese zu strukturieren. Es wäre auch wichtig herauszufinden, ob es für dich überhaupt richtig wäre, Expos zu machen oder lieber einen psychoanalytischen Ansatz zu wählen.

Es gibt sicherlich noch viele gute Gründe, zu einem Psychotherapeuten zu gehen, ich hab mit Sicherheit einiges vergessen.

bis dahin

Schussel

12

Dienstag, 8. Oktober 2013, 12:00

Hallo Community,

habe ENDLICH den ersten Schritt gemacht und bin zu meinem Hausarzt gegangen. Habe mit dem offen über mein(e) Problem(e) geredet und habe jetzt eine Überweisung zum Psychiater bekommen. Nachher werde ich mir dort einen Termin machen und dann sehen wir weiter. Danke noch mal an euch! Ohne euren Rat währe ich wahrscheinlich nicht zum Arzt gegangen. Man fühlt sich schon viel besser, wenn man über seine Sorgen mit einer Fachkraft gesprochen hat :-)

Viele Grüße!

girasol1991

unregistriert

13

Dienstag, 8. Oktober 2013, 13:58

Hey super, dass du den Schritt gewagt hast!

Wichtig ist aber, dass du nicht nur zu einem Psychiater gehst sondern auch zu einem Therapeuten. Psychiater sind Nervenärzte und verschreiben meist 'nur' die Medis. Eine richtige Therapie bei nem Psychologen oder Therapeuten ist ebenso wichtig!
Falls du einfach - wie viele andere auch - Psychiater geschrieben hast aber Psychologe meintest, dann ist mein Einwand bzw. mein Hinweis nicht von Bedeutung für Dich.

Alles Gute für Dich! Und immer schön den Kopf hoch halten! :)

14

Dienstag, 8. Oktober 2013, 16:27

Hallo girasol1991,

Ich wurde zur Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis geschickt. Wie ich eben feststellen musste hat diese zwar gerade Urlaub und macht erst wieder am 21.10. auf :-/ Naja, was solls. Ich bin ab Freitag sowieso eine Woche im Urlaub, weshalb es reichen sollte wenn ich in zwei Wochen einen Termin mache. Ich gehe mal davon aus das der Psychiater mich zusätzlich zu einem Psychologen oder einem Therapeuten schickt oder wie verhält sich das?

Viele Grüße!

girasol1991

unregistriert

15

Mittwoch, 9. Oktober 2013, 15:50

Hey,

also ob die dich schicken oder nicht, ich weiß es nicht. Mein Neurologe/Psychiater legt darauf Wert und fragt immer wie meine Therapie läuft, weil er selber weiß, dass Medis nur helfen können. Denke mal schon, dass die meisten guten Psychiater dich darauf aufmerksam machen werden, dass du eine Therapie machen solltest. Wenn die das nicht machen, dann würde ich mir ggf. jemand neues suchen, denn jemand der einem nur mit Medis vollpumpen will ist nicht vertrauenswürdig oder akzeptabel (würde ich sagen).

So oder so kannst du dir ja einen Therapieplatz suchen, das muss man glaube ich eh meist alleine. Zudem brauch man inzwischen ja auch keine Überweisung mehr. Such einfach mal im Internet oder so nach Therapeuten (für NRW gibt es zum Beispiel die Psychotherapeutenkammer und da kann man ganz bequem im Internet schauen wer alles Therapeut mit welchen Schwerpunkten etc. in der eigenen Stadt ist) und kontaktier die, dann wirst du vllt auf ne Warteliste kommen oder Glück haben und direkt wen finden, der einen Platz hat oder vielleicht ein Erstgespräch bekommen.

Generell ist es so, dass unabhängig von deinem Hausarzt und deinem Psychiater, der Therapeut nach fünf Probesitzungen einen Antrag bei der Krankenkasse stellt und diese muss dann die Therapie bewilligen. Die fünf Probesitzungen dienen dem Kennenlernen, danach kannst du immer noch sagen, dass du wen anderes haben möchtest und dir jemand neues suchen. Die sind auch erstmal nicht zu bewilligen und somit kannst du auch mehrere kontaktieren und ausprobieren und schauen wo es von der Chemie her passt, dass ist meines Erachtens nach nämlich sehr wichtig, damit eine Therapie erfolgreich sein kann.

Sei nicht frustiert, wenn du länger nach dem geeigneten Therapeuten suchen musst oder zunächst immer nur 'Warteliste' hörst, dass ist leider 'normal' (ich habe ca. ein Jahr nach meiner Therapeutin gesucht, dafür hat es sich aber wirklich gelohnt).

Alles Gute! :)