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Montag, 26. November 2012, 19:19

Finanzielle Unterstützung für Erkrankte

Liebe Betroffene,

ich, Mutter einer Tochter (21) mit Zwangsstörungen, würde gerne von euch wissen:

Wie oder besser wovon lebt ihr?

Momentan sehe ich es als nicht gegeben, dass meine Tochter eine Ausbildung beginnen wird.

Die häusliche Athmosphäre ist durch ihre Erkrankung sehr angespannt. Über kurz oder lang ist ihr Auszug angedacht.

Doch wovon soll sie ihren Lebensunterhalt und die Miete bestreiten, wenn sie nicht in der Lage ist, regelmäßig arbeiten zu gehen?

Leider verdiene ich auch nicht genügend, um das zu zahlen.

Könnt ihr mir einen Tipp geben, an wen man sich wenden kann?

Sollte sie einen Schwerbehindertenausweis oder Ähnliches beantragen?

1000 Dank!

Franka

PS Und noch etwas beschäftigt mich: Ich schwanke ständig: mal dränge ich meine Tochter sehr, tätig zu werden, mal lasse ich sie komplett in Ruhe. Ich weiß einfach nicht, was die richtige Strategie ist. Was meint ihr dazu?

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Dienstag, 27. November 2012, 11:48

Liebe Betroffene,

ich, Mutter einer Tochter (21) mit Zwangsstörungen, würde gerne von euch wissen:

Doch wovon soll sie ihren Lebensunterhalt und die Miete bestreiten, wenn sie nicht in der Lage ist, regelmäßig arbeiten zu gehen?


Ab 25 kann sie Hartz 4 beantragen, obwohl ich auch schon von manchen gehört hab, die nicht ausziehen durften, um dann eine eigene Wohnung zu bekommen.

Zitat

Könnt ihr mir einen Tipp geben, an wen man sich wenden kann?


Du könntest versuchen, dich beim sozialpsychiatrischen Dienst beraten zu lassen.

Zitat

Sollte sie einen Schwerbehindertenausweis oder Ähnliches beantragen?


Kann von Vorteil sein.

Zitat

Und noch etwas beschäftigt mich: Ich schwanke ständig: mal dränge ich meine Tochter sehr, tätig zu werden, mal lasse ich sie komplett in Ruhe. Ich weiß einfach nicht, was die richtige Strategie ist. Was meint ihr dazu?


Tätig inwiefern? Ausbildung? Therapie?

Die Frage ist, worin besteht die Zielsetzung jetzt, darin, daß sie dann alleine leben kann? Oder darin, sie doch noch irgendwie ins normale System zurückzubringen?

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

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xCab

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Status: Betroffene/r

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3

Dienstag, 27. November 2012, 16:06

Ebenso betroffen!

Hallo,
deine Geschichte über deine Tochter hat mich sehr verwundert weil sie meiner sehr ähnelt.
Auch ich bin wie deine Tochter 21 und leide unter Zwangsstörungen, in der letzten Klinik war auch von Auszug die rede, was ich derzeit aber nicht machen würde. Allerdings habe ich durch meine gesamte Krankheitsgeschichte schon 3 Schuljahre verloren, möchte aber keine Ausbildung sondern mein Abi immernoch machen, wechsele daher auch mal wieder die Schule. Trotz dass ich Zuhause wohne hatte ich neulich versucht Unterstützung zum Lebensunterhalt zu bekommen, was sich als schwierig erweist, nun werde ich wahrscheinlich an das Sozialamt weitergeleitet (war vorher beim Jobcenter) weil ich keine 3-Stunden-arbeitsfähig bin, was eigentlich auch noch von einem Amtsarzt überprüft werden sollte. Ich verstehe nur nicht inwiefern man mit einer Zwangsstörung einen Schwerbehindertenausweis beantragen kann? Ist deine Tochter denn derzeit in Therapie oder hatte schon einen Klinikaufenthalt?

Liebe Grüße!!!

girasol1991

unregistriert

4

Dienstag, 27. November 2012, 18:17

Hey,

also Schwerbehindertenausweis kann man auch als psychisch Kranker bekommen! Meist machen psychische Erkrankungen einen hohen Prozentanteil aus.
Beispiel: Die Mutter meines Ex-Freundes ist seit Jahren chronisch depressiv und arbeitsunfähig, sie bekommt Arbeitsunfähigkeitsrente und hat zudem noch einen Schwerbehindertenausweis von 70% oder ähnlich, eben aufgrund ihrer Depressionen.
Schwerbehindertenausweis bedeutet nicht gleich, dass man geistig oder körperlich behindert sein muss. ;-)

Für alle weiteren Fragen rund um Geld etc., dann wirklich beim sozialpsychiatrischen Dienst nachfragen oder, wenn deine Tochter in der Klinik ist oder in Therapie ist, dann dort nachfragen, die sind da immer sehr informiert.

Was ich allgemein raten kann ist, wenn der oder die Betroffene arbeitsunfähig ist im Prinzip, dann auf dem bzw. über den "2. Arbeitsmarkt" informieren, es gibt Reha-Zentren und Berufstrainings und so. Auch da kann man bei dem sozialpsychiatrischen Dienst oder in der Klinik etc. nachfragen!

Auszug ist bei mir - als ebenfalls 21-jährige Betroffene - Thema, aber bei mir funktioniert das aktuell noch nicht so, obwohl ich sonst sehr fit bin (studiere jetzt im 4. Semester).
Da bestehen aber eventuell auch Möglichkeiten, Wohnheime oder Wohngruppen etc., hab da jetzt so spontan nicht so die Ahnung von, weiß aber das es sowas gibt!

Ähnlich wie Hermit denke ich auch, dass vllt geklärt werden sollte, was für Ziele deine Tochter hat und was sie will!
Mir war klar, und das haben meine Psychologen so auch von Anfang an deutlich gesagt, dass ich wieder im normalen System leben will, etc.
Ich hab halt den Kompromiss geschlossen Studium (da es relativ frei ist und man dort ggf. auch Unterstützung erhält), dafür aber zunächst zu Hause wohnen zu bleiben. Alleine zu Wohnen (selbst wenn die Finanzierung drin wäre) schaffe ich so erstmal nicht, ohne das Studium oder die Krankheit leiden würden...
also Prioritäten setzen und danach dann schauen!

Ich glaube es gibt keine richtige Strategie... :(

Liebe Grüße!

Jake_Sully

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5

Dienstag, 27. November 2012, 18:20

Zuerst muss man ernsthafte Therapie-Versuche nachweisen, am besten mit Klinikaufenthalt oder Reha. Wer arbeitsfähig ist bzw. war, bekommt dann vom Arbeitsamt einen Fallmanager und spezielle Förderung. Danach kann man Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen, evtl. als Teilrente zur Ergänzung einer Halbtagstätigkeit.

6

Dienstag, 27. November 2012, 19:02

Herzlichen Dank für die Antworten!

Ihr habt recht: Meine Tochter muss sich darüber im Klaren werden, welche Ziele sie in welcher Reihenfolge anstrebt. Und ich sollte sie dabei unterstützen.

An dieser Stelle muss ich mal all den Betroffenen meine Hochachtung aussprechen, die trotz ihrer Erkrankung die Schule oder Uni besuchen etc. Ich glaube, dass das ein ganz großer Kraftakt ist.

Viele Grüße

Franka