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harmonie2010

unregistriert

1

Sonntag, 22. August 2010, 20:13

Zwangsgedanken und Träume- schon oft strapaziert!

Hallo ihr Lieben!

Hab hier schon mal Beiträge zum Schlafen und Träumen geschrieben... Habe seit der Geburt meines Kindes die Diagnose Wochenbettdepression mit massiven Zwangsgedanken...
Es wird zum Glück stetig wesentlich besser bei mir und ich komme mittlerweile wieder einigermassen gut ohne Medikamente klar, nehme nur noch Johanniskraut...
Tagsüber habe ich sogar momentan fast gar keine Einschränkungen mehr, aber der Schlaf und die Träume nehmen mich teilweise so sehr mit, dass ich es auch tagsüber schwer schaffe, mich irgendwie davon "freizumachen"...
Ich träume derartig wirre Dinge, in denen immer meine Ängste und Zwänge enthalten sind... besonders schlimm, wenn ich, und das kommt noch gelegentlich vor, tagsüber von schlimmen Zwangsgedanken geplagt wurde...
Meine ZG drehen sich vorwiegend darum, dass meinem Kind irgendwas passieren könnte, oder von Verunreinigung und Keimen... Ich habe z.b. einen wahnsinnigen Ekel vor öffentlichen Sanitäranlagen oder aber auch immer Befürchtungen, dass mein Kind über irgendwelche Dinge, die es sich in den Mund steckt, irgendeinen Schaden nehmen könnte, weil z.b. Keime daran haften könnten, etc...
Davon träume ich dann manchmal auch nachts... Das schlimme ist aber, dass diese Ängste dann erneut auch von den Träumen ausgelöst werden und mich dann Wochen- oder monatelang nicht loslassen...
aber auch diese Angst, dass es sich bei den Träumen um irgendwelche Dinge handeln könnte, die dann wirklich passieren...Ich habe hier auch schon öfter gelesen, dass das bei Menschen mit Zwangsstörungen wohl öfter vorkommt, dass sie denken, dass das Schicksal oder Gott irgendwelche "Zeichen" schickt, etc...

als Beispiel: ich hatte vor einigen Wochen erstmals so etwas wie Zwangsgedanken, gepaart mit einer Art von Zwangshandlungen und dann die wohl typische "Neutralisierung"...
Bei mir stellte sich das so da, dass ich meinen typischen Zwangsgedanken "mein Kind wird sterben" gedacht habe und in diesem Moment einen starken Windstoss gespürt habe, den ich für ein "Zeichen dass sowas passiert" gehalten habe... Dann habe ich mir zwangshaft immerwieder denken müssen "mein Kind wird nicht sterben" und habe auf Windstösse gewartet...
Das ging 3!!! Tage so und ich war nicht fähig, irgendwas anderes zu tun, habe eben nebenher mein Kind versorgt und den Haushalt gemacht aber währenddessen immer und immer wieder dieses lästige Spiel gespielt...
"wird sterben"- windstoss- "wird nicht sterben" immer und immer wieder...
in der Nacht darauf hatte ich dann einen Traum von einem Trauerzug und es war im Traum die Beerdigung meines Kindes und war sie aber doch nicht, sprich, ich wusste, dass das Kind bei mir ist und es daher nicht seine Beerdigung ist... dann war ich erleichtert... dann kam aber meine längst verstorbene Oma in diesem Traum vor und hat ganz entsetzt zu mir gesagt "aber was ist, wenn das Kind dir doch noch weggenommen wird?"
im Grunde spiegelt dieser Traum ja haargenau diese Gedanken wider, die ich die Tage davor hatte... und das Gute ist, dass diese ZG nach dem Traum weg waren, aber nur, weil ich seitdem ständig die Befürchtung habe, dass dieser Traum mir sagen wollte, dass echt was schlimmes passiert...
Diese Angst hab ich jetzt seit Wochen!!!

sorry, das war jetzt lange, aber im Grunde will ich nur mal nach einer Einschätzung fragen, ob das denn noch nach einer "normalen" Zwangsstörung klingt, sprich, ob jemand diese Art von Gedanken und Träumen kennt... Oder hab ich noch kombiniert eine massive Angststörung und dreh mich in einer Zwang- Angst- Spirale...?!?

Und hat hier jemandem irgendwas, evtl. ein Medikament geholfen, wenigstens nachts frei von Zwängen zu sein?

Wär froh um ein paar Tips!

Glg

Florentina

unregistriert

2

Sonntag, 22. August 2010, 22:41

RE: Zwangsgedanken und Träume- schon oft strapaziert!

Hallo,

ich bin neu hier, habe mich aber früher hier schoneinmal "rumgetrieben" , schließlich bin ich schon seit Jahrzehnten ein echter "Zwangsjunkie".
Dein Beitrag hat mich sehr betroffen gemacht, deshalb dachte ich mich hier wieder anzumelden.
Betroffen deshalb, weil ich selbst unter Wochenbettdepressionen und Zwängen litt.
Meine Angst kreiste fortwährend, wie bei Dir, tagsüber und nachts in Träumen darum, ob meinem Kind etwas zustoßen könnte.
Ich fühlte mich dem völlig ausgeliefert und......ich hatte die Befürchtung vor Angst verrückt zu werden. Ich wußte damals nicht, dass es sich um Zwänge handelte, dass es soetwas wie Wochenbettdepressionen gibt und ich bei Weitem nicht alleine damit bin. Meine Scham war sehr groß mich jemandem anzuvertrauen.
Ich habe es auch erlebt, und auch heute ist es noch so, dass ich Zwangsträume habe, die dann wiederum tagsüber Zwänge auslösen oder verstärken können.
Mir hat Johanniskraut nicht geholfen. Erst die Einnahme von Antidepressiva haben mich wieder ins Gleichgewicht gebracht.Ich hatte nicht mehr diese Dauerschleifen in meinem Kopf, die Gedanken, die sich wie eine Horde Affen auf mich stürzen und an mir klammern.
Das Unvollständigkeitsgefühl nach Handlungen nahm ab, ich konnte besser mit Dingen abschließen.Ich habe Zeiten,in denen ich keine Antidepressiva brauchte. Bei mir sind die Zwänge aber so hartnäckig, ich habe sie ja auch schon eigentlich seit meiner Kindheit, dass ich meistens 6 Monate nach Absetzen der Medikamente wieder zwanghaft und depressiv wurde.

Florentina

unregistriert

3

Sonntag, 22. August 2010, 23:16

uuuuuuuuuups, eigentlich wollte ich weiterberichten, aber schwuppps war die Nachricht weg!!!
In meiner Familie gibt es gehäuft Depressionen.Warscheinlich habe ich zusätzlich zu einem seelischen Schaden aus meiner Kindheit (Zitat meiner Eltern:"Wir haben ihr erfolgreich den Willen gebrochen") auch noch genetisch einen Mangel an dem Neurotransmitter Serotonin, der bei Depressionen und Zwängen erniedrigt ist.

Also diese Ängste, die Du erlebst, gehören ja zu den Zwängen dazu. Aber lass das doch mal professionell abklären, damit Du weißt, was Dich so quält und wie Dir geholfen werden kann.
Es tut mir so leid, dass es Dir so schlecht geht! Du bist nicht alleine damit!

Ich hatte damals sogar die Angst ich könnte selbst meinem Kind etwas antun. Ich habe später eine Frau kennengelernt, der es genauso ging.
Meine Angst war, meine Gedanken wandeln sich in Handlungen um, die ich nicht steuern kann, weil ich ein schlechter Mensch sei mit schlechten Gedanken gegen das eigene Kind. Mein Kind ist jetzt erwachsen und ich habe ihm alles erzählt. Nichts von meinen Befürchtungen ist je eingetreten. Ein Glück!!!!!

Ich habe mich mit meinen Zwängen extrem alleine gefühlt mit massiven Schuldgefühlen meinem Kind gegenüber, da ich oft, so wie Du, so besetzt war von meinen Gedanken und Handlungen, dass ich immer das Gefühl hatte, nicht genug dazusein für mein Kind.
Mein Kind hat aber wohl immer gespürt, das ich es sehr liebe, auch in diesen schwierigen Zeiten.Wir haben eine sehr offene, warmherzige Beziehung und er hat großen Respekt vor dem,was ich durchgemacht habe.
Er hat sogar vor ein paar Monaten meine Psychologiebücher und solche über Zwänge gelesen, um zu verstehen. Das fand ich unglaublich toll von ihm!!

Ich hoffe, ich konnte Dir durch meine Geschichte ein wenig helfen, dass Du Dich verstanden fühlst, weißt, dass Du nicht alleine damit bist und es Medikamente gibt (z.B. Paroxat), die Dir die schlimmen Gedanken nehmen am Tag und in den Träumen.

Ich freue mich auf eine Nachricht von Dir! Einen angenehmen Wochenanfang ohne schlimme Gedanken wünsche ich Dir!!!!

harmonie2010

unregistriert

4

Dienstag, 24. August 2010, 13:30

Liebe Florentina,

danke für deine liebe Antwort...
ich habe Dir gestern nacht noch eine ausführliche Privatnachricht hier geschrieben!

Viele liebe Grüße