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sabrina

Fortgeschrittener

  • »sabrina« ist weiblich
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Beiträge: 221

Zwangssymptome: Wasch-, Gedankenzwang

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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1

Dienstag, 6. April 2010, 22:54

Was hilft euch oder an was scheitert ihr?

Hallo,

es würde mich mal interessieren was euch persönlich hilft oder an was eure Gesundung scheitert?

Ich selbst habe zwar momentan eine ambulante Therapie aber ich kann (oder will ich nur nicht?) keine Expositionen machen weil ich mich ja eigentlich vom Noch-Lebensgefährten trennen will, eine andere Wohnung suche etc.. Ich meine ich muß erstmal heraus aus dem Sumpf, denn zusätzich zieht mich der Psycho-Terror meines Noch-Lebensgefährten immer mehr runter.

Ich hatte ja aber schon öfters Verhaltens-Therapie und so manche Expositionen. Mit einer Therapeutin konnte ich schon mal einige Sachen erreichen, hat zwar manchmal ewig gedauert bis ich mich zu etwas duchringen konnte aber es ging. Aber.........kaum bin ich alleine, geht es nicht mehr. Warum? Ich weiß es nicht!

Einmal hatte ich eine Expo mit der Therapeutin und sie fragte mich immer "was ist ihr nächster Schritt" oder "was machen sie jetzt" oder "was würden andere machen", ich sagte ihr diverse Antworten, die zwar mehr als Frage rauskamen, aber ich tat dann die Expos, und eigentlich ja nach meinem "gut denken".

Ich habe vor so vielen Sachen Angst, Ekel etc. Ich müßte mal von mir aus anfangen dagegen anzugehen, denn ich kann nicht immer einen Therapeuten neben mir haben, oder gibt es einen kostenlosen 24-Std.-Dienst? Es sind auch peinliche Sachen dabei die mit Toilette und Stuhlgang zu tun haben, man kann zwar darüber reden, was auch schon peinlich genug ist, aber ich kann da niemanden mal mitnehmen.

Wie kann man es schaffen, die Hürde zu kriegen und zu sagen:

"So jetzt will und werde ich das mal ertragen"

Vor allem wenn man mit niemanden darüber reden kann in den Momenten wo die Angst hoch kommt.

Gibt es hier vielleicht einige die mal beschreiben könnten, woher sie den Mut genommen haben und wie es ihnen in den schlimmen Momenten des "Aushaltens" gegangen ist und was sie da unternommen haben nicht rückfällig zu werden und trotzdem zu waschen, putzen, duschen etc.

Und die anderen, habt ihr einfach aufgegeben? Habt ihr keine Kraft mehr zum kämpfen?
Vielleicht können wir uns mit unseren eigenen Erfahrungen gegenseitig helfen. Manchmal kann man sich ja was heraus picken, wo man meint das könnte einem auch helfen.
Bin momentan zwar auch etwas down, aber laßt uns nicht aufgeben, bitte!!!!!!!!!!!!!!

LG sabrina
sabrina

Brummbär

unregistriert

2

Mittwoch, 7. April 2010, 00:19

Ich habe meine Ängste nur überwunden, wenn ich unter wirklich großem Druck von außen stand. Das war also unangenehm auf der ganzen Line. z.B. hatte ich immer Angst vorm Autofahren, habe mehrmals Anläufe gemacht um den Führerschein zu machen, ich habe da richtig viel Geld in den Sand gesetzt. Erst, als ich in einer Situation war, wie Du jetzt, habe ich mich überwunden und auch bestanden. Längere Fahrten alleine sind aber trotzdem noch nicht möglich aber immerhin reichts für den Stadtverkehr. Ich fühle mich unsicher ohne Begleitung obwohl ich gut fahren kann.

3

Mittwoch, 7. April 2010, 04:57

Hi

ich denke, solange du in so einer problematischen und unterdrückend-demütigenden Wohnsituation bist, kannst du auch nicht nachhaltig an den Zwängen arbeiten. Von außen mag das vll leicht erscheinen, aber jeder, der/die einen Zwang hat weiß, wie schwer das ist, wie sehr man immer wieder darum kämpfen muss, einen einmal erreichten Besserungsstatus auch zu behalten, eben weil das Leben einen immer wieder mit Dingen konfrontiert, die schwierig für einen sind. Bei mir war es so, dass Druck und Streß alles nur verschlimmert hat, eben weil der Zwang eine Streßabbau und Schutzfunktion hat. Je sicherer und wohler ich mich in der Situation, Umgebung und im Leben fühle, desto weniger brauche ich den Zwang; dann fallen zB auch solche Gedanken weg, wie du sie geschildert hast 'bin ich nun da und da rangekommen' - 'war das auf der Straße der und der Dreck, bin ich da reingetreten ohne es zu merken, etc' - 'muss ich mir 10x die Hände waschen oder reicht 5x ...'

Viele Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

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sabrina

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4

Mittwoch, 7. April 2010, 22:20

Hallo,

@ Brummbär:
prima dass du jetzt Auto fährst.

Ich bin über 20 Jahre nicht gefahren, erst hatte ich kein Geld für ein Auto (den Führerschein hatte ich) dann bin ich in die Großstadt gezogen wo ich auch kein Auto brauchte. Nachdem ich aber wieder zurück in meine Heimat bin, war ich auf ein Auto angewiesen. All die Jahre hatte ich gehofft und geträumt mal Auto zu fahren. Dann habe ich es langsam wieder gelernt. Jetzt bin ich so happy damit, man fühlt sich einfach frei und unabhängig.

@ Hermit:

meinst du wenn ich wieder Ruhe in mein Leben bekomme dann lassen die Zwänge nach?

Ich habe nämlich Angst dass es sogar schlimmer werden könnte. Sogar die Therapeutin meinte schon, dass dann niemand mehr da ist, der was sagen könnte und man könnte seinen Zwängen frönen.
sabrina

5

Donnerstag, 8. April 2010, 19:57

Hi Sabrina,

aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen, dass bei mir die Zwänge ohne Streß und Druck weniger geworden sind, bei Problemen jedoch wieder aufflammen. Ich finde es nicht angenehm, einen Zwang zu haben oder in vielen Dingen so eingeschränkt zu sein - noch immer - durch den Zwang bzw nun eher durch die Angst&Panikattacken. Im Vergleich zu früher sind jedoch auch etliche Dinge besser geworden, nur dass ich das selbst teils nicht mitbekomme; meine Mutter meinte neulich zu mir, dass mir gar nicht bewusst ist, wieviel ich erreicht habe und wie weit ich gekommen bin, dafür wie krank ich gewesen bin. Man sollte aufhören, sich mit den gesunden zu vergleichen und da den Maßstab zu setzen, sondern eher versuchen zu sehen, was man trotz des Zwanges noch oder wieder kann.

Das Schwerste ist, nicht den Mut zu verlieren und einfach aufzugeben noch zu versuchen, etwas zu ändern. Immer wieder. Leider kann man sich nicht hinsetzen und einfach abwarten, dass es von alleine besser wird; mit der Zeit und durch üben kann man jedoch lernen, auf Probleme und Konflikte anders zu reagieren als nur durch den Zwang.

Vielleicht sind die Zwänge temporär schlimmer, aber wenn du in einer Situation bist, wo nicht andauernd von außen Streß und Bedrohung existiert, dann sind auch die Zwänge nicht mehr so notwendig; für mich haben die Zwänge, auch wenn ich darunter leide, trotz allem eine Schutzfunktion; wenn weniger Bedrohung vorhanden ist, verlieren auch die Zwänge ihre Notwendigkeit. Leider gehen sie nicht einfach weg dann und man muss aufpassen, dass man nicht aus Gewohnheit in ihnen verharrt, aber weniger können sie sicher werden. Letztlich liegt es auch an der eigenen Entscheidung dann, ob man sich dem Zwang ergibt, oder nicht und was und wie man noch leben möchte.

Wie soll jemand gesunden, wenn derjenige in der krankheitsauslösenden Situation bleibt? Das wäre ja so, als hätte jemand eine Allergie auf eine bestimmte Sache und würde sich der dann trotzdem weiterhin aussetzen; da könnte sich auch nichts bessern. Ich denke mit einem Zwang verhält es sich ähnlich.

Grüße, Hermit.
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