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Maultier

unregistriert

21

Freitag, 20. Februar 2009, 16:56

@blacksun

damit sind wohl konfrontationsübungen gemeint und das ist durchaus sinnvoll, aber versuch vorher unbedingt zu verstehen, was eigentlich bei dir schief gelaufen ist und warum deine seele krank ist (auch viel allgemein über die krankheit lesen, "wege aus dem zwang" ist sehr gut!). versuch auch so viel wie möglich in deinem leben zu verändern/verbessern, damit es dir wieder etwas besser geht und du in einer stärkeren situation an die bekämpfung des zwangs gehen kannst. in meinem fall ging das erst nach einiger zeit, aber möglicherweise ist das bei dir und anderen anders und es könnte wirklich sinnvoll sein mit diesen übungen sofort gegen den zwang anzugehen. allerdings finde ich auf jeden fall auch, dass ein verstehen der zahlreichen mechanismen des zwangs notwendig ist (wenn du magst, kann ich dir mal meine notizen senden, ich hab akribisch analysiert und aufgeschrieben wie der zwang funktioniert und das hat mir später sehr geholfen, ihm zu widerstehen!) und eines tiefen, inneren eingeständnisses bedarf, dass es unsinnig ist was man macht und dass man es jetzt nicht mehr braucht (anfänglich hat der zwang ja durchaus eine funktion gehabt...).

Black_Sun

unregistriert

22

Freitag, 20. Februar 2009, 21:45

@Maultier:

Danke für deine Antwort!

". versuch auch so viel wie möglich in deinem leben zu verändern/verbessern, damit es dir wieder etwas besser geht und du in einer stärkeren situation an die bekämpfung des zwangs gehen kannst."


Da weiß ich leider garnicht so recht wie. Klar habe ich einiges gelesen aber wirklich verändert hat es meine Situation leider noch nicht.
Ich würde mich wirklich sehr über deine Notizen freuen. Vielleicht wird mir dann einiges klarer.
Das ist wirklich super nett von dir!




Liebe Grüße

Pit-2001

unregistriert

23

Freitag, 20. Februar 2009, 23:59

Nur ne Anmerkung. Vielleicht will Maultier nicht alle Notizen auf einmal an black sun schicken, sondern erst mal eine , zwei oder drei und wir können alle hier drüber diskutieren?

Maultier, das ist kein versteckter Befehl, bitte nicht falsch verstehen, selbstverständlich machst du, was du möchtest und darüber gibt es gar keine Diskussion. Ist nur Interesse, über das eine oder andere sich auch hier im Forum lernen oder austauschen zu können. In einem Extra-Thread vielleicht??

Wie auch immer alles Gute.

Pit

Maultier

unregistriert

24

Samstag, 21. Februar 2009, 01:26

ok pit, hier ein auszug meiner sehr umfassenden notizen (alles nur stichworte), in dem fall zum thema mechanismen (hab ganz viele bereiche wie z.b. "ursachen" oder "lösungsmöglichkeiten" über monate ausgearbeitet, die ich immer wieder durch lektüre, reden/austausch und nachdenken aufgefüllt hab):

Hintergründe / Mechanismen des Zwangs:

- Wegen meiner (unbewussten) Angst vor fehlender Kontrolle in meinem Leben, wegen all des Drucks und Stresses und wegen negativer bzw. schlimmer Erfahrungen / Erlebnisse hat sich die Krankheit etabliert (suggeriert mir Kontrolle + Beruhigung + gibt mir - scheinbare - positive Emotionsregulierung und -kontrolle). Ich tue mir damit aber keinen Gefallen und erreiche letztlich nur das Gegenteil: Nämlich noch mehr negative Gefühle und Situationen und leider auch noch weniger Kontrolle!

- FOLGENDE AUSFÜHRUNGEN WICHTIG: Zwang hat sich (auch) verselbständigt! > 3 maßgebliche Mechanismen: 1. Problematische Bewertungen (Massive Gefahrenwitterung mit Panik obwohl Folgen einer Konfrontation eigentlich gering sind! > Sensibilisierung der Aufmerksamkeit auf Gefahren führt zu verzerrten Informationen und hält die Angst am Leben! Dabei wird die Wahrscheinlichkeit als auch die Konsequenz einer vermeintlich unangenehmen Konfrontation überschätzt! Zugleich Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten auf eine evtl. „Risiken und Schäden“ verursachende Situation angemessen reagieren und diese aushalten zu können! Mangelndes Vertrauen und Unterstellung der eigenen Überforderung bei „unangenehmen Situationen“ führt auch zu Vermeidungsverhalten. Zweifel und Ungewissheit können immer weiter bestehen, weil es sowieso nicht möglich ist etwas 100%-ig richtig zu machen. Deshalb auch auf die Zukunft gerichtetes Handeln nach der Maxime „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ bzw. Ausführen der Zwangsrituale! Folgende Grundannahmen verursachen, stabilisieren und rechtfertigen Zwänge: „Wenn man besonders aufmerksam ist, kann man Unheil und Unglück verhindern + es ist von zentraler Wichtigkeit, Gewissheit darüber zu haben, dass keinerlei Schaden entstanden ist oder entstehen kann + nicht perfekt zu sein, ist dasselbe wie zu versagen“…wegen dieser Sachen findet auch eine hochproblematische Verschmelzung von Gefühlen und Handlungen statt und nicht zuletzt deswegen übt man auch das übertriebene und sogar unsinnige Verhalten aus!), 2. Zwangsrituale (kurzfristige Beruhigung…begründet Teufelskreislauf! Die vielfältigen negativen Gefühle und Erwartungen durch die Angst vor Verschmutzung werden als ein Signal dafür interpretiert, dass es für die Befürchtungen einen realen Grund gibt und sind so der Antrieb für die Ausführung von Zwangsritualen jeglicher Art. Aufgrund der emotionalen Beweisführung bzw. des „Gefühlsdenkens“ findet also ein gedanklicher Fehlschluss statt: „Wenn ich so beunruhigt bin, muss es auch einen Grund dafür geben“! Je höher die ängstliche Erregung, desto wichtiger ist für Zwangserkrankte eine Strategie zur Bannung der „Gefahr“: präventive Vermeidung, nachträgliche Zwangsrituale um „Schaden“ zu vermeiden und auch zur „Gefühlsregulierung“ sowie Unterdrückung von Zwangsgedanken! Die Vermeidungsstrategie wiederum führt zu einer weiteren Festigung und Verstärkung des Problems und zur „Aufmerksamkeitsfalle“, denn ständig muss darauf geachtet werden, was „gefährlich“ ist und die „gefährlichen Bereiche“ werden zudem immer mehr ausgeweitet! Die Rituale führen ebenfalls zu einer irrigen, problematischen Annahme: Weil „nichts passiert“ ist, denkt man, dies sei den Ritualen zu verdanken, anstatt zu realisieren, dass gar keine Gefahr bestand! Weil man die Rituale immer wieder macht, fehlt zudem die konkrete Erfahrung, dass auch ohne diese negative Konsequenzen ausbleiben!! Genau das Gegenteil tritt ein: „Nur Rituale können die Katastrophe verhindern“! ABER NUR DURCH ANDERE ERFAHRUNGEN UND EIN „MICH-EINLASSEN“ KANN ICH DIESEN KREISLAUF DURCHBRECHEN UND NEUE VERHALTENSWEISEN ETABLIEREN!!! Sonst bleibt leider alles beim Alten! Wichtig dabei zu wissen: „Alles was man lernt, kann man auch wieder verändern“!!!, 3. Form der Problemlösung (Funktionalisierung um Gefühle zu verdrängen oder scheinbar zu kontrollieren, in späterem Stadium auch oft Erzwingung der persönlichen Integrität!)

- Zwangsgedanken und (so empfundene) -situationen „putschen auf“, zwanghafte Denk- und Verhaltensrituale „neutralisieren“ und „beruhigen“!! > Dies führt u.a. zu massiven Vermeidungsritualen!! Ich versuche sogar Situationen, Personen und Orte zu meiden, in / bei denen Zwangsgedanken entstehen können!!! Ist bei allen Menschen so, aber bei Zwangserkrankten wie mir sind Zwangsrituale (Wasch- UND die dahinter liegenden Denkrituale!) ein „perfides Mittel“ um meine unangenehmen Gefühle zu kontrollieren.

- Waschzwang hat mir scheinbare Sicherheit und Kontrolle gegeben…auch über all die negativen Erlebnisse und Ereignisse meines Lebens und er hat für mich alles wieder scheinbar (!!) überschaubarer gemacht!! > Angst ist für mich und andere Menschen unbewusst leider „tolerierbarer“ als andere Emotionen wie Verunsicherung, Wut, Trauer, Schmerz, Leere, Alleingelassenheit und Hilflosigkeit…deshalb hat sie sich so ausgebreitet (Zwang als Emotionsregulierung)!! > Möglicherweise hatte ich auch leichte bis mittelschwere Depressionen vor meiner Erkrankung, denen muss ich natürlich auch begegnen, aber ich denke, dass ich das nun auch bewältigen werde, denn die Lösungen dafür sind relativ ähnlich wie bei der Bekämpfung der Zwangserkrankung!

- Anders formuliert: Schmutz ist zum zentralen Thema geworden, weil ich all die negativen Dinge nicht mehr händeln konnte! > Aber alles nur „Pseudogefahren und -kontrolle“ die außer scheinbarer Sicherheit nichts gebracht hat außer ein zerstörtes Leben!!!

ENDE...

manches ist schon ein bißchen persönlich, aber ich schäme mich nicht dafür und hoffe ich kann euch damit ein bißchen unterstützen...

@ blacksun

weil du nicht weisst, wie du dein leben verbessern sollst: denk darüber in ruhe nach und versuch möglichste viele kleine, mittlere und große positive dinge zu machen/dauerhaft zu etablieren bzw negative abzuschaffen. das geht nicht von heut auf morgen, dafür muss man sich auch erst mal selbst beobachten. ich hab im lauf der monate ca. 3 din-a4 seiten an verbesserungen in meinem leben zusammengetragen (z.t. sehr banale kleine, z.t. sehr einschneidende und eigentlich schon lang notwendige) und daran hab ich mich dann gehalten und es ging mir dann auch wirklich besser und dann war ich auch bereit dem zwang die stirn zu bieten und mit hilfe einiger tricks hat es auch geklappt.

ich hab mir z.b. eine karteikarte gemacht, auf der ich notiert hab, wie ich mich generell im leben verhalten will und eine andere karteikarte, auf der ich mir notiert hab, wie ich ab "tag x" (ich hab so gut wie alle rituale ab einem bestimmten stichtag weggelassen und die negativen gefühle ausgehalten) dem zwang konkret widerstehe. auf dieser karteikarte stehen so sachen wie: zwangsgedanken immer eindeutig identifizieren und dann rational damit umgehen und nicht gefühlsmäßig; von zwangsgedanken (die ja immer den ritualen zugrunde liegen) nicht aufputschen lassen und mich dann nicht durch ein ritual wieder beruhigen...es besteht keine gefahr, auch wenn meine krankheit mir das suggeriert; den zwangsobjekten die aufmerksamkeit entziehen und stattdessen an wichtige und/oder positive dinge denken; nicht denken, dass ich schmutzig bin, wenn ich es objektiv nicht bin (wenn ich zweifele, an früher denken als ich gesund war); kontrolle und sicherheit anders holen und stress und druck anders abbauen als durch meine zwangsrituale so wie in den letzten jahren; ich muss gar nicht komplett sauber sein und wenn man etwas berührt überträgt es sich sowieso nicht 1:1; auf erfolgen und neuen erfahrungen aufbauen und dann immer mehr wagen; erlerntes kann man wieder verlernen und zwar vor allem wenn man es aus überzeugung will und sich gut darauf vorbereitet hat.

in den ersten tagen hab ich mich ständig schmutzig gefühlt, aber ich wusste genau, dass es so kommen würde und im ernstfall (als ich kurz davor war mich zu waschen) hab ich mir dann noch mal meine akribisch ausgearbeiteten vornahmen auf der karteikarte angeschaut und bin standhaft geblieben. schon nach ein paar tagen ging alles dann deutlich besser und automatisierter. jetzt ziehe ich es schon seit 4,5 monaten durch und ich hab noch nicht einen einzigen rückfall erlitten. es gab zwar einige phasen der "stagnation", aber die sind auch wichtig um das neue verhalten zu stabiliseren und dann kommt auch wieder der punkt, an dem man die paar dinge, die man noch nicht sofort umsetzen konnte (bei mir war das v.a. den boden berühren) auch angeht.

sehr wichtig ist es auch, dass man jemanden hat, der einem in der allerersten phase ganz eng beisteht. jemanden der genau weiss, was es bedeutet zwangskrank zu sein und der einen aufbaut, wenn tränen der angst oder erschöpfung fliessen und einem sagt, dass man es schaffen kann und der an einen glaubt...

grüße
matthias

ps: ich hab ja immer gesagt, dass es harte arbeit ist gesund zu werden. nicht jeder inzwischen gesunde ist so vorgegangen wie ich, aber ich bin überzeugt, dass sie auch sehr viel einsatz eingebracht haben und die therapie ist eigentlich nur ein kleiner (aber wichtiger) teil des ganzen...

Pit-2001

unregistriert

25

Samstag, 21. Februar 2009, 13:50

Hi Maultier, mit Interesse habe ich deinen Kommentar zur Bekämpfung der Zwangserkrankung gelesen. Danke!

Zum ersten Absatz: gut nachvollziehbar, obwohl ich da noch andere Fakoren reinbringen musste in meiner Geschichte, die auch das Ausführen von Zwängen nicht immer als schädlich für die seelische Lage erkannten. Aber das mag von Fall zu Fall anders sein.

Zweiter Absatz, ja, du hast recht, es geht immer weiter, man wird nie fertig, meint aber das letzte müsste noch.... und das meint man immer, somit ist das Ganze unlosbringbar und doch sinnlos, weil es ja immer wieder kommt, man wird nicht fertig, auch wenn man es sich noch so einbildet, eines Tages fertig zu sein. Dies ist eine gute verhaltenstechnische Motivation, die mir manchmal half. Nur brauch keiner glauben, dass damit alles getan ist, der Zwang hat unheimlich viele Wurzeln, zwei erkannte, lassen ihn noch nicht eingehen, das wissen aber die meisten. - O.k. ich lese mal weiter.

Der dicke Absatz ist wohl perfekt, zumal die Argumente nicht ganz unbekannt sind, dafür aber verhaltenstheoretisch richtig!

Deine letzten Worte sind wohl (aus meiner Sicht) die gehaltvollsten, wenn auch die, die Neulinge nicht so einfach anzupacken vermögen, weil es wohl dauert, bis man die Erfahrung macht, welche Gefühle einen belasten und indirekt über die Zwangsgebiet bearbeitet werden. Und so finde ich auch den ersten Absatz an blacksun wehr wichtig. Leider gehst du danach wieder auf verhaltenstechnische Dinge ein (sind nat. ebenso wichtig).

Jeder kann dieses Skript wohl als Beleg sehen, wie man vorgehen kann, natürlich immer auf seine Verhältnisse abgestimmt und je tiefer und vielfältiger die indiv. Wurzeln sind, je schwieriger wird es und je langwieriger kannn es werden.

Es ist jedenfalls ermutigend, zu sehen, wie es im Falle Maultier funktioniert.

Danke für den Beitrag.

Pit

PS: Hallo Maultier, wenn ich meine Worte lese, klingen die so, als würde ich dich be-urteilen. Das ist aber nicht meine Absicht, vielleicht ist es Unfähigkeit, mich anders auszudrücken. Danke für dein Verständnis. Pit

Maultier

unregistriert

26

Samstag, 21. Februar 2009, 16:05

brauchst dich nicht zu entschuldigen pit, ich kenn dich ja jetzt schon länger hier im forum und weiss, dass du es nie böse, sondern immer konstruktiv meinst. außerdem hab ich es gar nicht negativ aufgefasst. wir tauschen uns ja nur aus und da sollte man immer ehrlich sein...

dass manches nur auf meinen waschzwang und meine geschichte zu beziehen ist, liegt in der natur der sache...aber für andere krankheitsbilder kann man ähnlich vorgehen, d.h. sie auf die jeweils entsprechende weise analysieren find ich.

Black_Sun

unregistriert

27

Sonntag, 22. Februar 2009, 08:12

@Maultier:

Vielen vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Beitrag. Ich muss sagen, dass ich ihn 2 mal lesen musste um ihn, so gut ich eben kann, verstanden habe. Mir ist mein Zwang noch garnicht so klar und deutlich. Und ich finde es wirklich sehr spannend was du schreibst. Oft finde ich mich selber wieder und denke mir "AH!". z.B.:

"Die Vermeidungsstrategie wiederum führt zu einer weiteren Festigung und Verstärkung des Problems und zur „Aufmerksamkeitsfalle“, denn ständig muss darauf geachtet werden, was „gefährlich“ ist und die „gefährlichen Bereiche“ werden zudem immer mehr ausgeweitet!


Das kenn ich wirklich sehr gut.


Auch wenn ich nicht alles ganz verstanden habe, hat mir dein Beitrag wirklich weitergeholfen. Vielen Dank!

Black_Sun

unregistriert

28

Mittwoch, 4. März 2009, 12:38

Termin beim Neurologen

Hallo ihr Lieben,

heute hatte ich meinen Termin beim Neurologen! Er hat mir einige Fragen gestellt und gemeint, dass es sinnvoll wäre die Therapie mit einem Medikament begleitend zu unterstützen.
Er hat mir dann das Medikament "fluvoxamin 100mg" verschrieben. Ich soll damit jetzt beginnen und erstmal 1Woche lang eine halbe Tablette nehmen. und dann Woche für Woche aufstocken auf 2 Tabletten.
Kennt jemand das Medikament und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

Vielen Dank für jede Antwort.

Liebe Grüße