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Kontrollzwang: Wie gehe ich damit um???

BlueEyes

unregistriert

1

Dienstag, 24. Februar 2009, 20:53

Wie gehe ich damit um???

hallo zusammen,

ich habe erst vor kurzem dieses forum entdeckt und ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr wie ich mit meinen kontrollzwängen umgehen soll. ich bin total am boden weil keiner diese krankheit versteht (geschweige denn, es als solche betrachtet oder annimmt). alle denken nur, ich sei verrückt. keiner versteht mich, nicht einmal mein freund kann es nachvollziehen was in mir vorgeht. er meint einfach nur, ich bilde mir das ein und genauso meine eltern. von wegen...sogar autofahren tue ich nicht mehr. bis vor kurzem bin ich es noch und bin ständig strecken zurückgefahren aus angst, dass ich jemanden überfahren hätte...diese gedanken machten mich wahnsinnig. wenn ich am bahnhof stehe, habe ich angst ich könnte jemanden vor den zug stoßen und meine eltern machen sich über solche gedanken nur lustig. ich habe jetzt auch sogenannte antidepressiva verschrieben bekommen aber ich habe solche angst vor den nebenwirkungen und deshalb habe ich sie auch noch nicht genommen. ich weiß einfach nicht mehr weiter. ich war auch schon bei einem therapeuten aber irgendwie habe ich das gefühl, das bringt mich nicht weiter. was bringen mir gespräche? ich weiß ja selbst nicht und kann selbst nicht in mich hineinschauen, was in mir vorgeht, wo der ursprung dieser krankheit ist??????? wenn das alles nur ein ende hätte...was hat das alles für einen sinn, wenn mich sowieso jeder, der von dieser krankheit weiß, mich verrückt hält? ich habe mein bisheriges leben schon so sehr eingeschränkt dass ich im grunde nichts mehr unternehme...ich habe angst, einfach nur noch angst und diese angst vergrößert sich von tag zu tag mehr. in mir geht so viel vor aber ich habe keinen, mit dem ich darüber ernsthaft reden kann weil mich außer irgendwelche therapeuten, keiner für voll nimmt...das ist ja das traurige an dieser sache. ich weiß einfach nicht, wie ich aus diesem schlamassel wieder herauskommen soll und das schlimmste ist, ich werde ständig von irgendwelchen schuldgefühlen heimgesucht....sogar bei kleinigkeiten...wo überhaupt kein anlass dafür besteht...ich überlege mir die ganze zeit nur, was mache ich falsch?????????????? das nächste ist, dass ich nur meinen freund und meine eltern habe denen ich mich anvertrauen kann....alles andere sind nur oberflächliche kontakte, also keine freundschaften, wie ich suche und brauche!!!!!!! kurz gesagt: ich bin verzweifelt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :wand:

ich würde mich über beiträge oder erfahrungsberichte eurerseits sehr freuen.

liebe grüße, blueeyes

Pit-2001

unregistriert

2

Dienstag, 24. Februar 2009, 21:36

RE: Kontrollzwänge-Wie gehe ich damit um???

Liebe Blue Eyes, hallo, klingst ja recht zerstört. Ist auch kein Wunder, wer gilt schon gern als verrückt, wenn er doch ganz normal ist. Aber wir hier drin, gelten alle als verrückt vor den Leuten, die keine Ahnung haben. Viele haben durch den Zwang schon viel verloren und oft auch Beziehungen zerstört.

Also fühl dich nicht so allein.

Wenn du in Therapie gehst, machst du das richtige, um Handwerkszeug an die Hand zu bekommen, mit deinem Leid umzugehen.

Ich persönlich weiß über die Jahre, dass ich zwei Sachen forcieren muss:

Einerseits darf ich nicht vor Situationen ausweichen, in denen neue Angst aufkommen kann und andererseits muss ich zusehen, dass ich immer irgendwas habe, für was ich leben will, um so aufregender dies ist um so besser, denn dann gibt es Kraft, den Situationen nicht auszuweichen, des schönen Lebens willen.

Klar kommt es dadurch vor, dass ich wo steckenbleibe und dem Zwang nachgehe, aber besser als sich daheim einzuschanzen und wegen immer kleinerer Dinge Angst zu bekommen, denn genau das macht der Zwang mit einem, wenn man sich vor den angeblich großen Dingen schützt und vermeidet.

Also sei nicht enttäuscht, wenn du Zwänge hast, nimm sie hin, aber tu ständig was, damit du nicht vor allen möglichen Situationen Angst bekommst, setze dich ihnen aus, auch wenn daraus Zwänge entstehen. Mit der Zeit wirst du, falls dein Leben nicht grad überall negativ verläuft und du keine Kraft mehr findest, immer mehr Siege davontragen und weiter leben.

Ich wünsche dir Geduld mit dir und alles Gute.

Pit

BlueEyes

unregistriert

3

Dienstag, 24. Februar 2009, 23:12

RE: Kontrollzwänge-Wie gehe ich damit um???

vielen dank, für deinen eintrag!!! ja du hast recht, ich klinge sehr verzweifelt aber wie du bereits geschrieben hast, weil viele (um nicht zu sagen, alle) die keine ahnung davon haben oder sich auch einfach nicht dafür interessieren, solche leute wie mich und andere betroffene für verrückt erklären und das finde ich einfach scheiße :(
ein anderer aspekt, den du in deinem beitrag angesprochen hast ist, dass viele betroffene viel in ihrem leben verloren haben unter anderem mit ihrem zwangsverhalten auch beziehungen aufs spiel gesetzt haben...das kenne ich. zwar bin ich mit meinem jetzigen freund schon ein halbes jahr zusammen doch auch wenn er so geduldig ist und eigentlich eher der ruhigere pol von uns beiden ist, treibe ich ihn mit meinen extremen stimmungsschwankungen (weil meine gedanken oft achterbahn fahren und ich mich in gedanken selbst kontrolliere und mich das total überfordert von zeit zu zeit...) oft zur weißglut. das schlimmste ist ja, dass ich mir selbst kein bisschen mehr vertraue ;( ich habe jegliches vertrauen in mich verloren...........das macht mich so wütend, ich stehe mir selbst im weg und kann gegen mich selbst kaum ankämpfen. kein tag vergeht fast, ohne irgendwelche zwangsgedanken und ich frage mich immer wieder, warum ich???? was lief nur falsch in meiner bisherigen entwicklung? eigentlich hatte ich eine schöne kindheit. materiell geht es mir sehr gut, ich bin einzelkind und wie man so oft von einzelkindern erzählt, sind einzelkinder verwöhnt usw. aber darum geht es ja nicht, das sind eh nur vorurteile, worauf ich keinen wert lege auch wenn manches davon vielleicht zutrifft. ich bin eher ein mensch, der macht sich von allem selbst ein bild. die wahrheit ist: in früheren jahren war es mein größter wunsch, wie für jeden normalen teenager, einfach nur dazu zu gehören und mit der menge mitzuhalten. dabei habe ich mich immer als außenseiter gefühlt. ich hatte nicht wirklich viele freunde und ich weiß nicht einmal wieso. als ich dann aufs gymnasium kam in der 11.klasse wurde alles nur noch schlimmer. ich hatte nur eine einzige freundin in der klasse, die hat sich irgendwann von mir abgewandt und ich war wieder alleine und von dort an habe ich mir geschworen: LIEBER DAS GEFÜHL DES ALLEIN SEINS VERDRÄNGEN ALS ES ZU FÜHLEN....denn es fühlte sich schrecklich an. von dort an, als ich meinen führerschein hatte, nutzte ich jedes wochenende die gelegenheit um in discotheken zu fahren. ich versuchte auch oft meinen kummer in alkohol zu verdrängen, einfach abschalten von der scheiß realität dachte ich damals und alles andere rutschte damit immer weiter in den hintergrund wie schule, abitur usw. das war mir scheiß egal. ich wollte bestätigung, in dem ich mich sexy kleidete...ich wollte aussehen wie andere, ich wollte so sein wie die anderen und ich wollte dazugehören...ich wollte begehrenswert sein, vor allem aber für das andere geschlecht...und je mehr ich nach dieser art von bestätigung suchte, desto mehr kassierte ich enttäuschungen..ich habe schon einige beziehungen hinter mir und jedes mal wenn ich denke, das ich was richtiges, treibe ich jeden in den wahnsinn...warum sonst wurde ich von jedem verlassen? meine letzte beziehung ging nach 2 jahren auseinander, weil alles eskalierte, ich brach in mir zusammen, hatte heftige wutanfälle in der zeit wo wir zusammen waren, konnte aber nicht schluss machen aus der angst heraus, alleine zu sein und dieses gefühl verabscheue ich noch heute. ich hasse es, wenn es aufkommt und deshalb auch diese angst, meinen jetzigen freund zu verlieren...wenn er an seine nervlichen grenzen stößt...wer weiß, wie lange er es mit mir aushält. ich habe angst, einfach angst ;(.

liebe grüße,
blueeyes

Maultier

unregistriert

4

Dienstag, 24. Februar 2009, 23:30

besorg dir bitte rasch das buch "wege aus dem zwang" und am besten noch ein weiteres und bemüh dich schon mal um eine therapie. das kann nämlich noch ein paar monate dauern bis du eine findest/anfängst, deshalb bemüh dich so früh wie möglich darum. mit diesen maßnahmen kannst du den ersten schritt auf dem weg zur besserung und gesundung machen...

du musst jetzt über einen langen zeitraum viel verändern und arbeiten, sonst wird es dir nicht besser gehen, eher schlechter. aber wenn du das machst, hast du gute erfolgschancen und kannst deine ängste, krankheit und probleme in den griff bekommen.

vergiß niemals (und das hab ich auch nicht, als es mir so schlecht ging wie dir): bevor die sonne aufgeht, ist die nacht am dunkelsten...

Pit-2001

unregistriert

5

Mittwoch, 25. Februar 2009, 14:29

RE: Kontrollzwänge-Wie gehe ich damit um???

Hallo Blue Eyes, ich kann einigermaßen verstehen, was du da beschreibst.

Du suchst nach dem Auslöser der Zwänge in deinem Leben. Leider erleben viele Menschen genau das, was du beschreibst und haben keine Zwänge.

Man kann nicht einfach sagen, wenn man das oder das erlebt hat, ergibt das Zwänge. Leider ist es nicht so einfach. Das sich kennenlernen und alle Zusammenhänge ist ein langer Weg, und wenn man ihn gegangen ist, können Jahre vergehen, dann muss man immer noch sehen, was man nun damit anfängt, wie man das Gelernte in Selbsttherapie umsetzen kann.

Manchmal entdeckt man dabei auch noch sogenannte Persönlichkeitsstörungen.

Wie Maultier schon schreibt, kommst du mit einem Therapeuten da schneller voran.
Da wird dann auch geprüft, ob der Rückgriff in deine Kindheit überhaupt nötig ist oder ob du eher einfach schlimmen Gewohnheiten anheimgefallen bist, die es abzutrainieren gilt.

Ich würd dir gern weiterhelfen, aber dazu ist ein monumentaler Austausch nötig, meist sind da Therapeuten besser geeignet dazu, von den Möglichkeiten her.

Wenn du Fragen hast, meld dich, ansonsten - was hält dich von einer Therapie ab?

Schönen Gruß

Pit

Maultier

unregistriert

6

Mittwoch, 25. Februar 2009, 14:34

nicht immer, aber sehr oft findet man die ursachen von psychischen erkrankungen in der kindheit und in der jugend.

zu deiner enttäuschung, dass menschen dich allein lassen und du dich als verrückt abgestempelt fühlst: jetzt siehst du wenigstens, wer es wirklich ernst mit dir meint und wer nicht. in meinem leben sind nur eine handvoll menschen übergeblieben (ich hab aber auch selber welche "verlassen", weil sie mir nicht gut getan haben, u.a. alte freunde und meine eltern). und man lernt auch neue menschen kennen, ich hab seitdem schon zwei neue freunde gewonnen...

BlueEyes

unregistriert

7

Donnerstag, 26. Februar 2009, 20:42

hallo zusammen,

danke für eure beiträge. das hat mir sehr geholfen. ich habe mir auch schon das buch "wege aus dem zwang" zugelegt :))
ich mache auch eine therapie aber die erste sitzung liegt leider schon 4 wochen zurück und die nächste habe ich anfang märz. ich habe gemerkt, dass auch viel von einem selber abhängt wie gut man sich selber beherrschen kann, um den zwängen nicht immer nachzugehen aber auch, dass es harte arbeit ist. mein neurologe hat mir auch ein medikament aufgeschrieben, das ich nehmen kann, um die therapie positiv zu begleiten aber ich halte nicht so viel von tabletten und ich weiß jetzt nicht ob ich dieses antidepressivum nehmen soll, auch aufgrund seiner nebenwirkungen. hat jemand von euch schon das medikament cipralex genommen oder bereits erfahrungen damit gemacht, positive wie auch negative? wenn ja, dann bitte erzählt mir davon, weil ich immer noch überlege was ich machen soll...ob ich es nehmen sollte oder lieber nicht.

liebe grüße, eure blueeyes

Pit-2001

unregistriert

8

Donnerstag, 26. Februar 2009, 20:45

Hey, schön, von dir zu lesen.

Ich kann dir über Medis nichts sagen, da ich nie welche nahm.

Wenndu glaubst, wenn du ruhiger bist, geht die harte Therapie besser, dann nimm sie doch.

Wenn du glaubst, dass du depressive Neigungen nicht nur unter Angst sondern im gesamten Leben hast, könntest du auch eine Einnahme in Betracht ziehen.

O.k. alles andere überlass ich anderen Kommentaren oder deinem Empfinden.

Schöne Grüße

Pit

9

Dienstag, 3. März 2009, 20:49

Hallöchen,

ich bin auch neu hier (meinen Beitrag siehst Du unter dem Thema Schüttel und Grübelzwang).

Woher kommst Du denn aus BaWü?? Ich wohne Nähe Stuttgart. Vielleicht kann man sich mal treffen und quatschen. Das Problem mit keine Freunde und niemanden zum quatschen hab ich nämlich auch...

LG Jeanny