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Sonstige Zwänge: Multiple Zwänge?

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Samstag, 21. Februar 2009, 23:04

Multiple Zwänge?

Grüße!

Zunächst einmal entschuldige ich mich für die länge des Textes und ich hoffe inständig das sich jemand die Zeit nehmen wird um sich das alles durchzulesen, obwohl ich es verstehen könnte wenn nicht :verlegen: .
Ich weis nicht genau wie ich anfangen soll, aber ich glaube so geht es vielen. Ich werde einfach mal so halb mit der Tür ins Haus fallen.

Es ist im Grunde ein sehr schwerer Schritt für mich hier zu schreiben, da ich mir selbst nicht wirklich eingestehen will tatsächlich unter einer psychischen Erkrankung zu leiden. Im Grunde hasse ich mich fast dafür, da ich mir sicher bin, dass es viele Leute gibt denen es um ein Vielfaches schlechter geht als mir.

Aber um mal zum Punkt zu kommen: Schon seit meinem 11-12 Lebensjahr leide ich immer wieder unterschiedlich stark und mit kurzen Unterbrechungen (darauf gehe ich später nocheinmal ein) unter diversen Zwängen.
Begonnen hat es wohl damals mit einem Waschzwang. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich oft Schimpfe von meinen Eltern bekam, weil ich mir so oft die Hände gewaschen, und extrem viel Wasser beim Duschen verbraucht habe. Bei meinen Eltern schlug es dann aber sehr schnell in Sorge um, denn sie nahmen es schon als Waschzwang war. Die (meiner Meinung nach) schlimmste Phase war die Zeit um die Jugendweihe, also mit ca. 14 Jahren. Ich kann mich gut an meine Jugendweihfahrt mit meinen Eltern, einem Schulfreund und seiner Mutter erinnern, da meine Eltern mir im Nachhinein sagten, dass es auch der Mutter meines Kumpels aufgefallen sei. Hiebei handelte es sich aber weniger um einen Waschzwang, sondern um einen Zwang welchen ich nicht wirklich beschreiben kann. Ich musste in meinem Kopf bestimmte Lautmuster oder Melodien stets wiederholen (ob zu dieser Zeit schon wirkliche Zwangsgedanken dabei waren vermag ich nicht mehr zu erinnern) und dabei durfte ich nur "unbelebte" Objekte anschauen (wie eine verputzte Häuserwand, welche aber frei von Schriftzeichen sein musste). Dieser "Algorythmus" musste dann stets mit einem heftigen Augenaufschlag oder ähnlichem abgeschlossen, und wie man sich sicher denken kann auch oft wiederholt werden, wenn er nicht genau dem "Muster", welches ich in der Situation für richtig erachtete, entsprach.
Ich muss zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit rumgelaufen sein wie der allseits bekannte "Hans Guck-in-die-Luft", da meine Augen sooft auf scheinbar willkürliche Dinge fixiert zu sein schienen.

Nun zu den "Unterbrechungen". Ich bin mir nicht sicher ob ich das so nennen kann, denn ich denke eher, dass es Zeiten sind, zu welchen mir meine Zwänge weniger stark "auffallen". Ich kann keine genaue chronologische Abfolge zeichnen, darum werde ich im weiteren einfach schildern an was ich mich so erinnere und wie meine jetzige Situation aussieht. An dieser Stelle möchte ich mich nocheinmal dafür entschuldigen, dass ich soviel Text hinterlasse. :verlegen:

Wenn ich dies hier so schreibe erinnere ich mich an eine weiter sehr schlimme Phase in denen ich von extremen Zwangsgedanken geplagt war. Wie diese genau aussahen möchte ich hier nicht schildern, denn nochimmer plagt mich eine, für mich selbst erschreckende, fast ehrfürchtige Angst vor ihnen. Jedenfalls (es wird so mit 14-15Jahren gewesen sein) endete mein Tag damit (Achtung jetzt wird es leicht verstörend), dass ich vor dem schlafen gehen fast von fast allem was ich an diesem Tag zu mir nahm (seien es Schulbrote oder Cola) noch einen Schluck oder einen Bissen nahm, meinen PC und Fernseher anschaltete (wenn ich sie an diesem Tag verwendet hatte) und eine Art "Entschuldigungsroutine" (für meine Zwangsgedanken) in Gedanken durchging. Dies geschah ab und an auch wärend des Tages in abgekürtzter Form, so das es möglichst nicht auffiel. Dies endete dann aber mit einer Art "abschließenden Entschuldigungsroutine" an einem Silvesterabend. Oh Mann - das klingt so megaschräg, aber es war tatsächlich so.

Meine heutige Situation kann ich mehr oder weniger als eine Art "Hinnehmen" bezeichen, doch ich kann es einfach nichtmehr - mir fehlt langsam die Kraft dazu und die negativen Konsequenzen im Alltag häufen sich. Ich habe wenig Zeit und Kraft für die Uni, für Freunde, für meine Familie und mich selber. Was mir vielleicht am meisten Angst macht ist die Tatsache, dass ich mich manchmal dabei ertappe, dass ich meine Situation als "für mich ganz normal" einstufe - ich lebe damit und habe mich auf eine erschreckend lethargische Weise damit abgefunden. Pro Woche gehen bei mir gut und gerne 4-5, wenn nicht sogar 6 Flaschen Duschbad vor die Hunde, ich dusche und wasche meine Hände sicher mehr als 3x sooft und solange wie meine Mitbewohner (ich habe lange Haare und benutze dies teilweise als Ausrede für mein extrem langes Duschen). Jede Körperregion wird mit einer enormen Menge an Duschbad mehrere Male gewaschen und selbst unter der Dusche wasche ich mir zwischen den einzelnen Körperabschnitten die Hände! Ich habe wieder Zwangsgedanken und bestimmte Gedankenabläufe mit denen ich sie mir temporär "wegdenken" kann, stets in dem Bewußtsein, dass dies im Grunde die Sache nur noch schlimmer macht und sie fast immer irgendwie da sind. Es kommt vor das ich diese "Schutzgedanken" fast den ganzen Tag im Kopf vor mich herbete und sie somit fast presenter sind als die eigentlichen "schlimmen" Gedanken. Und noch immer muss ich bestimmte Sachen anschauen um sie "abzuschließen". Ich muss bestimmte Wörter auf dem Computerbildschirm anschauen oder unbelebte und nicht-spiegelnde Objekte. Ich habe im Alltag, in der Öffentlichkeit, gelernt dies schnell und unauffällig zu machen, was mich erschreckt. Ich muss, wenn ich von meinem Studieort nach Hause fahren will, mir vor dem Verlassen der Wohnung (wenn ich der letzte aus der WG bin der da ist) mindestens eine halbe Stunde Zeit nehmen, um Herd, Zimmer, elektrische Geräte und andere Sachen stets auf neue zu kontrollieren. Ich habe schon einen Fenstergriff kaputt gemacht, weil ich wiederholt zu stark daran gezogen habe um mich zu überzeugen das dieses Fenster auch wirklich verschlossen ist! Ich habe einen total schlechten Schlafrythmus, weil ich mich vor der allabendlichen zu-Bett-geh-Kontrollroutine scheue - ich will sie herauszögern, was aber die Sache nur schlimmer macht. Ich muss dies natürlich alles nach einem bestimmnten Muster kontrollieren und mir einen bestimmten Satz vorsagen, damit ich beruhigt bin. Ich halte das einfach nichtmehr durch!

Gleichzeitig, und aus diesem Grunde bin ich hier, scheue ich mich davor, professionelle Hilfe aufzusuchen, weil ich Angst davor habe, was dort womöglich ans Tageslicht kommt. Auch habe ich Angst meine Gedankengänge und Routinen gänzlich offenzulegen, weil ich Angst davor habe, dass dann irgendwas passieren wird (was natürlich Schwachsinn ist, aber ich habe diese Angst). Nun wollte ich euch fragen, was ihr mir raten würdet.
Gibt es hier Leute die das alleine in den Griff bekommen haben? Und wenn ja, wie? Oder glaubt ihr, dass mir tatsächlich nur noch ein Psychiater helfen kann?

Es war wirklich schon ein großer Schritt das hier zu schreiben, denn selbst damit verbinde ich bestimmte Ängste. Ich danke jedem der sich die Zeit nimmt sich das durchzulesen und mir womöglich mit Rat zur Seite steht.

mit besten Grüßen!

Black_Sun

unregistriert

2

Sonntag, 22. Februar 2009, 09:15

Erstmal ein liebes Hallo :)

Bevor ich dir meine Meinung mitteilen möchte, sollst du wissen, du brauchst dich NIEMALS für deine Texte entschuldigen - Text können garnicht zu lang sein ;)

All das was du schreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich leider unter ähnlichen Zwängen und verstehe dich sehr gut. Ich bin auch Studentin und weiß was es bedeutet und was für eine Kraft es bedarf trotz der Zwänge halbwegs studieren zu können.
Ich weiß, dass das ganze Leben davon bestimmt ist und man sich oft kraftlos, mutlos und verzweifelt fühlt. Ich versuche auch seid 10 Jahren die Erkrankung mehr oder weniger alleine in den Griff zu bekommen - bis anfang diesen Jahres!
Es ging einfach nicht mehr. Es wurde alles schlimmer und ich hab mich nur noch verkrochen. Kontakte zu Freunden abgebrochen, viel geweint und "innerlich" nur noch Geschrien! Bei mir hat es bereits in der Kindheit angefangen und ist im Jugendalter wieder aufgetreten aber in einer ganz anderen Form und in einem anderen Zwang! Die Erkrankung hat sich imner wieder in einer anderen Form gezeigt. Wenn ich was überwunden hatte, trat es in einer anderen Situation in anderer Form wieder auf!
Der auslösende Punkt war mein Freund, der mir einfach klar gemacht hat, dass es so nicht mehr geht. Ich muss sagen, dass ich als ich die Therapie angefangen hab, nicht wusste, dass ich eine Zwangserkrankung habe. Ich bin vorher immer mit dem Gefühl rum gelaufen "Ich bin nicht normal", "Irgenwas stimmt mit mir nicht"! Diese Gedanken haben mir Angst gemacht und ich habe mich sehr einsam gefühlt. Wenn ich in der Uni war, fühlte ich mich als absoluter Versager weil ich so "komisch" bin. Das waren Gedanken die mich immer begleitet haben. Bis jetzt -
Es war eine wahnsinnige Überwindung für mich zu meinem Therapeuten zu gehen. Ich hab mich anfangs schrecklich unwohl gefühlt. Aber der Therapeut hat mir viel Angst genommen und mir gleich gesagt wie die Therapie abläuft und was mich erwartet. Ich hab am Anfang garnicht so viel erzählen müssen, sondern wurde mehr oder weniger aufgeklärt. Das tat mir sehr gut. Es war gut zu wissen, das man nicht alles erzählen MUSS, sondern nur dass was DU WILLST! Du bestimmst selber wie weit du gehen willst und wann du bereit bist den nächsten Schritt zu machen!

Du schreibst, dass du viele Rituale in den normalen Alltag aufgenommen hast du sie:

"dass ich mich manchmal dabei ertappe, dass ich meine Situation als "für mich ganz normal" einstufe - ich lebe damit und habe mich auf eine erschreckend lethargische Weise damit abgefunden."

Das kenne ich auch! Vieles in meinem Leben ist durch Rituale bestimmt, die ich garnicht mehr als Ritual wahrnehme weil ich es schon jahrelang so mache. Was mir ein wenig geholfen hat mir meiner Rituale mal bewusst zu werden, war, dass ich von meinem Therapeuten die Aufgabe bekommen habe, mal eine Woche lang alles aufzuschreiben war ich an Ritualen durchführe. Klar war das am Anfang schwer und mir ist auch vieles garnicht aufgefallen, ABER nach einiger Zeit viel mir immer mehr auf und immer mehr Dinge ein. Ich war so überrascht als ich mir am Ende der Woche mein "Zwangsliste" angesehen habe.


Ich verstehe dich, dass du dich scheust eine Therapie zu beginnen. Das ist ein großer Schritt. Für mich war das der einzige Schritt um meine Krankheit in den Griff zu bekommen, ich habe zuviele Jahre mich gequält und es einfach nur hingenommen. Du brauchst keine Angst haben du bist damit nicht allein.



Ich wünsche dir ganz viel Kraft und wenn du noch Fragen hast, schreib einfach hier rein oder eine Mail!



PS: Ich bin auch noch ganz am Anfang, habe vor 5 Wochen erst mit der Therapie begonnen (Verhaltenstherapie)


Liebe Grüße

Black_Sun

3

Sonntag, 22. Februar 2009, 10:05

Hallo !

Es ist ein langer Weg, sich mit der Diagnose "Zwangserkrankung" abzufinden und strategisch geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Aber das Wichtigste ist, daß man selber versteht, was denn eigentlich hinter dieser Erkrankung steckt. Das ist zwar fast eine wissenschaftliche Arbeit, jedoch sehr, sehr hilfreich ! Es hat mich ungemein getröstet, als ich wußte, daß diese Krankheit nicht ein "Verrücktsein" oder "Besessensein" ohne jegliche äußere Hilfe darstellt, mit der man sich abfinden muß, sondern daß es sich um eine Stoffwechselstörung des Glukosehaushaltes im vorderen Stirnbereich handelt.

Hilfreich hierzu ist Literatur, wie du sie unten findest !

Maultier

unregistriert

4

Sonntag, 22. Februar 2009, 14:40

zitat angsthase:

"...sondern daß es sich um eine Stoffwechselstörung des Glukosehaushaltes im vorderen Stirnbereich handelt."

sorry, aber als ich das las musste ich laut lachen, weil es so lustig und niedlich klingt. es stimmt ja sogar, dass das gehirn von zwänglern im lauf der zeit anders arbeitet, aber maßgeblich sind psychische effekte bei dieser erkrankung, die vorgänge im gehirn und körper sind nur symptome.

5

Sonntag, 22. Februar 2009, 15:04

@ Maultier


Kannste etz mal aufhören alles schlecht zu reden??

Du gehst mir solangsam echt auf die Nerven hier im Zwangsforum war es immer toll und friedlich aber seid du da bist.... geh ich nicht mehr gern hier rein, weil du Schlaumeier überall deinen Senf dazugeben musst.

Was Angsthase sagt ist Fachlich Richtig, und das sagt dir auch jeder Arzt der sich mit dem Thema Zwang auskennt. Z.b Steffen wäre jetzt Praktisch!

Solche leute wie dich , sind echt Nervtötend, den du Zermürbst jegliche Hoffnung ... wenn du schon so "Überschlau" bist, und wohl doch Gesund bist, wieso bist du dann nicht Arzt? Und hilst anderen... oder werd Forscher und schau ob du das Krankheitsbild "Zwangsstörung" aufdecken kannst.

Aber hör auf dich über Beiträge anderer Lächerlich zu machen, du stehst mir bis OBEN! X(

Wenn das nicht aufhört, werd ich dich mal bei einem Admin melden , das Nervt nämlich echt tierisch! Wir sind hier alle weil wir Probleme haben... und das einzige was du zu tun hast ist einen auf Schlaumeier machen! Aber das kannste dir behalten und dir sonst wo hinschieben echt.... mr. superschlau!

Tut mir leid leute aber .. sowas regt mich auf!

@ Angsthase

Hast es wirklich Toll formuliert und es war nichts falsch an deinem Beitrag denk dir nix dabei und lass dich ned davon abschrecken


Tut mir leid das ich nun abgeschweift bin vom Thema aber das musste raus.


@ Vega

Such dir unbedingt einen Therapeuten alleine mit den Zwängen fertig werden ist sehr schwer wenn nicht fast unmöglich, ich hoffe du wirst deinen Weg finden und was dagegen tun! Und entschuldigen musste dich für garnix unsere Sachen sind alle etwas "Crazy" aber deswegen muss man sich nicht schämen :)

Wünsch dir viel Kraft

Liebe Grüße

systro

Maultier

unregistriert

6

Sonntag, 22. Februar 2009, 15:22

@ systro

wenn du richtig lesen würdest, dann hättest du auch gelesen, dass ich ihm recht gegeben hab, nur die reihenfolge ist halt anders: erst psychischer effekt/zwangsverhalten, dann körperliche veränderung+das gehirn arbeitet anders. ich hab mich auch nicht über ihn lustig gemacht, sondern über die formulierung und die ist ja wohl zugegebenermaßen nicht grade unamüsant und durchaus verniedlichend ("bei einer zwangserkrankung handelt es sich um eine stoffwechselstörung des glukosehaushaltes im vorderen stirnbereich")

dass du sehr leicht reizbar bist, obwohl du ein recht aggressiver bursche bist (hab schon einige geschichten von dir gehört und mir hast du auch vor ein paar tagen schon indirekt schläge angedroht), ist wahrscheinlich eines deiner hauptprobleme...

ich versuche nur meine erfahrung weiterzugeben, so wie ich mir auch anfangs von gesundeten zwänglern habe helfen lassen und manche scheinen da froh drüber zu sein (so wie ich es auch war früher und da hab ich mich stark daran orientiert). du brauchst ja meine beiträge nicht mehr zu lesen, wenn sie dich stören. kannst mich auch bei den administratoren melden, oder bei deiner mama oder wolfgang schäuble, wenn du dich dann besser fühlst...aber du wirst immer was finden, um dich künstlich aufzuregen, davon bin ich überzeugt. ich bin dafür gar nicht nötig...

ps: mehr als 1x hab ich leuten auf nachfrage oder von mir aus per PN tips gegeben und das mach ich gern, denn ich möchte, dass die leute die wirklich ausbrechen wollen, es auch schaffen und als gesunder zwängler kann man sicher gut helfen...und genauso hab ich mich damals auch als schwerkranker an gesunde zwängler gewandt. das stell ich mir unter solidarität vor und hat nichts mit überheblichkeit zu tun.

ps2:
zitat systro
"...denn du Zermürbst jegliche Hoffnung..."

das glaubst du doch nicht wirklich, oder? eher hast du dich schon selbst aufgegeben und versuchst es auf mich zu schieben und das meine ich wirklich ohne dich angreifen zu wollen. ich schreib doch erst seit ein paar tagen wieder und das auch nur, weil ich jetzt ein bißchen zeit habe und ab morgen ist es auch schon wieder vorbei, weil ich dann beschäftigt bin. wie soll ich denn mit meinen beiträge in nur einer woche deine hoffnung zermürben? etliche andere haben sich bei mir bedankt für die hilfe und ich mach das wirklich gern und aus überzeugung, auch weil ich selber zwängler war und z.t. auch noch bin...

Brummbär

unregistriert

7

Montag, 23. Februar 2009, 00:14

RE: Multiple Zwänge?

Könnt Ihr 2 mal bitte mit der Streiterei aufhören! Vega hat hier ganz ernst ihr/sein Problem geschildert. Allein das kostet schon viel Überwindung, wenn man sich vorher noch nie jemandem anvertraut hat. Bitte nehmt Rücksicht darauf!

@ Vega
Deine Lautmuster inetessieren mich. Waren das sinnvolle Wörter oder Phantasiewörter oder was hast Du da wiederholt? Hast Du sie auch laut gesagt / gesungen? Waren das immer die selben oder hat das gewechselt?
Ich hatte sowas mit 6 im Kindergarten, ich glaube das war mein erster Zwang, jedenfalls der erste an den ich mich erinnern kann. Ich habe immer ein Phantasiewort laut vor mir her gesungen, auch in Gegenwart anderer Personen. Ich habe mich damit z.B. mental von der Gruppe entfernt. Ich war voll in meinem Wort drin. Meine Kindergärtnerin hats nichts gestört, ich habe ja keine Probleme gemacht. Hat sich also keiner drum gekümmert. Das ging einige Monate so.
Wie lange ging das bei Dir? Gab es Auslöser?
Auslöser sind sowieso immer so eine Sache. Für manche Zwänge kann ich sie konkret benennen, einer hat von jetzt auf gleich angefangen nach einen unangenehmen Ereignis. Er hat auch genauso plötzlich wieder aufgehört nach einem anderen Schock. Dazwischen waren aber 2 Jahre.

Maultier

unregistriert

8

Montag, 23. Februar 2009, 02:19

@ brummbär

ja, sorry, aber ich lass mich nun mal nicht gern angreifen...

@ vega

was du brauchst ist eine ambulante therapie bei einem psychotherapeuten und/oder eine stationäre therapie in einer psychotherapeutischen klinik.

bei der krankheit geht es insgesamt nicht um den "glukosehaushalt im vorderen stirnbereich" (zwinker), sondern hauptsächlich um die themen angst, (negative) gefühle, sicherheit, kontrolle und (schlechtes) verhalten. irgendwann, wahrscheinlich in einer seelischen notlage, hat sich bei dir über einen längeren zeitraum allmählich der zwang eingeschlichen. er hat dir mit seinen ritualen (scheinbare) erleichterung und sicherheit und kontrolle gegeben und sich dadurch immer mehr verfestigt und jetzt ist er chronisch geworden und hat sich verselbständigt. auch ein einzelnes traumatisches erlebnis kann der entscheidende auslöser für eine zwangserkrankung sein.

du hast einen weiten weg vor dir, um gesund zu werden. du musst viel lesen, nachdenken, reden, verändern, selbstkritisch sein und dich allgemein gesehen konzentrieren und hart und diszipliniert arbeiten. als lektüre empfehl ich dir "wege aus dem zwang" von h. ambühl, aber auch andere standard-bücher sind gut und helfen einem weiter...

wünsch dir ganz viel glück in der folgenden zeit, wenn du fragen hast, kannst du leute auch per PN anschreiben (auch mich)

liebe grüße
matthias

ps:
in einem fall wie deinem finde ich es empfehlenswert, die einschlägigen medikamente zu verabreichen...zumindest bis es dir merklich besser geht!

9

Donnerstag, 26. Februar 2009, 16:45

So - erstmal danke an alle die sich die Zeit genommen haben zu lesen, bzw. zu schreiben :) .

@Brummbär

Zitat

Deine Lautmuster inetessieren mich. Waren das sinnvolle Wörter oder Phantasiewörter oder was hast Du da wiederholt? Hast Du sie auch laut gesagt / gesungen? Waren das immer die selben oder hat das gewechselt?

Das kann ich dir leider nichtmehr wirklich beantworten. Das einzige was ich ziemlich sicher weis, ist, dass es sich um Melodien oder Lautabfolgen gehandelt hat, welche ich aber nie laut vor mich hergesagt habe - sie waren immer nur in meinem Kopf. Viel gewechselt haben sie nicht - ich hatte da so eine, wenn man es so ausdrücken will, "selbstkomponierte" kleine Melodie.
Auslöser kann ich explizit keine nennen. Manchmal reichte nur ein Blinzeln (ja Augenblinzeln), welches auf ein falsches Objekt oder Oberfläche fiel und ich musste das ganze Zwangsmuster abspielen. Wenn du aber wissen wolltest, was die Zwänge bei mir allgemein ausgelöst hat, bin ich überfragt. Die Gründe wüsste ich halt auch gern, fürchte mich aber davor sie in einer Therapie ausgraben zu lassen.

Was mir noch auf dem Herzen liegt:
Wie habt ihr eurer Umwelt mitgeteilt was mit euch los ist? Vor allem bin ich besorgt um meine Eltern. Zwar wissen sie, dass ich einen Wasch- Kontrollzwang habe, doch haben sie keine Ahnung von den anderen Zwängen und von den Ausmaßen die es angenommen hat. Die beiden haben im Moment selber einige Probleme zu lösen und irgendwie möchte ich sie damit jetzt nicht auchnoch belasten. Einfach eine Therapie anfangen kann ich aber auch nicht, denn Bescheid wüssten sie dann ohnehin früher oder später.

Achja:
Und sind Medikamente wirklich nötig? Ich scheue mich allgemein vor jeglicher Art von Medizin.

Maultier

unregistriert

10

Donnerstag, 26. Februar 2009, 19:07

hallo vega,

ich bin eigentlich auch strikt gegen medikamente und v.a. psychopharmaka, aber in schweren fällen von zwangserkrankungen ist es wohl eine zeitlang angebracht. es ist deine entscheidung, aber wenn du überhaupt nichts mehr geregelt bekommst und es dir ständig sehr schlecht geht, dann solltest du darüber ernsthaft nachdenken...sie können etwas linderung verschaffen und wenn du sie nimmst und es dir dann merklich besser geht, setzt du sie am besten wieder nach rücksprache mit dem arzt ab!

wegen des "outings": ist es dir wirklich wichtiger alles geheim zu halten, als endlich nach vorne zu schauen und gegen die krankheit zu kämpfen? du musst dazu wissen, dass je länger man die zwänge hat, desto chronischer werden sie und um so schwerer wird es sie zu besiegen...

liebe grüße
"mauli"