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Miss.Anthropie

unregistriert

1

Mittwoch, 13. Februar 2008, 20:07

Zwänge in der Öffentlichkeit

Hallo,

lange Zeit hatte ich meine Zwänge zumindest in der Öffentlichkeit und im Beisein anderer Menschen gut unter Kontrolle.

Aber das klappt im Moment nur noch sehr schlecht.
Vor einiger Zeit ist der neue Zwang aufgetaucht, meine Schritte zu zählen, und auf Spalten, Gullis etc. treten zu müssen, also mit den Füßen berühren zu müssen, immer in einer geraden Anzahl, 2, 4, 6, 8 etc., während ich gehe.
Vom Bürgersteig auf die Strasse kann ich auch nur wechseln, wenn ich eine gerade Anzahl von Schritten auf dem Bürgersteig gemacht habe.

Und das fällt mir sehr, sehr schwer, zu unterdrücken.
Wenn niemand außer mir auf der Strasse ist, geht es kaum, es zu unterdrücken.
Aber selbst wenn andere Passanten auf der Strasse sind, oder ich zusammen mit jemanden gehe, kann ichs inzwischen kaum mehr verstecken.

Ich schäme mich so, und hoffe ständig nur, dass es niemand mitbekommt.


Wie geht ihr mit euren Zwängen in der Öffentlichkeit um?
Schafft ihr es, sie zu unterdrücken?

Pit-2001

unregistriert

2

Mittwoch, 13. Februar 2008, 20:13

RE: Zwänge in der Öffentlichkeit

Hallo, nicht immer ist die Angst unterdrückbar und führt zum zwanghaften Verhalten und das hat dann meist katastrophale Folgen (Scham usw.), weil man weiß, dass man verachtet wird. Habe Fragezwänge und muss manchmal Leute groteske Dinge (aus deren Sicht) fragen, die meinen dann, ich sei ein Verbrecher oder so oder ein Irrer, statt nur eine arme Wurst :banger:, die Angst hat.

Pit

8o

;)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pit-2001« (14. Februar 2008, 00:32)


Retikulum

unregistriert

3

Mittwoch, 13. Februar 2008, 22:36

RE: Zwänge in der Öffentlichkeit

Hallo...

Ich habe dieses Problem gehabt mit dem Berühren von irgendwelchen Untergründen auf der Straße, Gulli, Bordstein etc....
Ich habe das irgendwie ablegen können, aber wie weiß ich nicht- ist schon länger her!
Was ich allerdings noch habe ist es tz zählen und dabei dürfen nur gerade Zahlen raus kommen-eigentlich wie bei Dir!
Ich habe das in der Öffentlichkeit immer versteckt und unterdrückt, aber das ist genau falsch! Das ist auf dauer zu anstrengend, weil Du Dich nur kontrollierst! Ich habe gelernt offen mit meinen Zwängen umzu gehen/ die Zwänge gehören im Moment zu mir dazu!!!
Viel Glück dabei...

LG

DarkAngel666

unregistriert

4

Freitag, 28. März 2008, 15:22

Ich habe das selbe Problem auch. Allerdings nur bei bestimmten Pflastersteinen oder bestimmten Orten, also (noch) nicht immer und überall.
Zum Beispiel lag meine Oma viele Wochen im Krankenhaus (jetzt pflege ich sie zu Hause) und auf dem Weg zum Krankenhaus musste ich von Wegbeginn bis zur Tür immer bestimmte Pflastersteine übergehen (also nicht drauf treten), dabei musste aber der rechte Fuß vor dem Pflaster stehen und mit dem linken bin ich dann drüber gegangen. Für Außenstehende muss das manchmal ganz komisch ausgesehen haben, wenn ich da so drüber gewackelt bin und manchmal stehen geblieben bin, um den Fuß zu wechseln. Ich habe das immer mit dem Gedanken in verbindung gebracht "Wenn du das nicht so machst, dann bist du Schuld, wenn jetzt irgndetwas schlimmes wieder passiert ist".

5

Freitag, 28. März 2008, 16:06

Damals, als meine Zwänge sich so richtig gezeigt hatten durch Ordnungszwänge, da wars mir echt unangenehm, dass alles penibel genau vor mir liegen musste.Die Stifte in einer Richtung, die Bücher geordnet, das Größte nach unten, das Hausaufgabenheft oben, die Federtasche darauf. Wenn Freunde Stifte rausgenommen haben, hab ich sie versucht heimlich wieder "richtig rum" reinzulegen oder einen Vorwand gesucht, wie auch diesen Stift zu benutzen oder so! Ich hab eine Bekannte, die bei mir übernachtet hat, verboten meine Sachen anzufassen. Sie wollte in meinem Zimmer Ordnung schaffen, sich revancieren, dass sie bei mir schlafen konnte. Aber nachher sah es wieder genauso aus, weil ich alles wieder so hinräumen musste. Unmögliches Chaos, aber für mich die Sicherheit, dass nichts passiert.
Blöd geguckt haben alle, aber erklären konnte sich das keiner und großartig Sorgen gemacht hat sich wahrscheinlich auch keiner. Also keiner hätte geahnt, dass es eine Krankheit ist.

Ich war mal in der Stadt unterwegs und mein Mann zählte Ritzen und führte irgendwelche Rituale aus. Meine Freundin guckt nur blöd und war erschrocken, als ich sagte, dass ich weiß, was er da macht. Ich denke heute noch oft an den Mann, weil ich denke, ich hätte ihm meine Hilfe anbieten sollen. Ich hab zu lange meine Krankheit versteckt und somit niemanden zum Reden gehabt. Selbst wenn, wer hätte mich denn verstanden? Wahrscheinlich ging es dem Mann auch so, deshalb denk ich noch dran. Das daran denken hat nichts mit Zwangshandlungen zu tun, sondern vielmehr mit dem Mensch, der in mir steckt, der helfen will. Irgendwie sind wir doch alle eine Familie oder?? :lieb:

Hey, darüber könnte man einen Thread aufmachen! ;)

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