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sunflower

unregistriert

1

Donnerstag, 17. Januar 2008, 11:05

Junge Mensche, "kranke" Nerven

Hallo Ihr Lieben,

ich habe heute morgen mit meinen Kollegen so beisammen gesessen und einer meiner Kollegen trommelte so vor sich hin mit den Fingern auf dem Tisch rum.

Ich meinte dann so, er solle aufhören, meine Nerven (in nem netten Ton!).

Meine Kollegin meinte dann sinngemäß: In Ihrem Alter (ich bin 35 J.), da hat man doch nix mit den Nerven. Wenn meine Mutter das sagen würde (die ist wohl über 80 J.).

Na super, nur weil ich "jung" bin, darf ich nicht krank sein?

Außerdem raubt sie selber mir manchmal den letzten Nerv. :D

Das sind dann so Momente, wo mir immer auf der Zunge liegt, doch preiszugeben, dass ich sehr wohl mit den Nerven zu tun habe und krank bin. Aber ich verkneife es mir dann doch immer.

Da haben wir mal wieder das super Verständnis für psych. Krankheiten (ist ja nicht direkt psych., hat aber ja damit zu tun). Man sieht es nicht, also darf man auch nix haben und ist vollkommen gesund.
Aber warum hab ich dann Ende Februar einen Termin beim Neurologen, um mir die Füße pflegen zu lassen?

Ich musste das mal los werden. Was sagt ihr dazu?

Es grüßt Euch
sunflower

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »sunflower« (17. Januar 2008, 11:56)


Jessy78

unregistriert

2

Donnerstag, 17. Januar 2008, 15:38

RE: Junge Mensche, "kranke" Nerven

Hallo sunflower,

das, was bei dir heute morgen passiert ist, ist natürlich genau das Beispiel, was kein psychisch kranker gerne hören möchte. Und genau das zeigt uns wieder mal, wie wenig die Menschen über solche Probleme bescheid wissen. Das ist sehr traurig.
Als ich im letzten Jahr noch in meiner Schule war, erging es mir ähnlich. Des öfteren wurden blöde Sprüche über psychisch kranke gemacht oder unsinnige Kommentare abgegeben. Alle fanden das wohl sehr witzig. Nur mir war nicht zum lachen. Ich war auch meißt kurz davor, es raus zu lassen, ihnen einfach von meinem Problem zu erzählen, sie einfach damit zu schockieren.

Aber ich habe mich doch letztendlich echt zusammen gerissen und es für mich behalten. Als ich dann nicht mehr zur Schule kam und sich alle wunderten, was ich wohl hätte, weil ich so lang krank geschrieben bin, habe ich es einfach kurz und knapp gesagt. Ich habe mit der Psyche zu tun und werde deshalb auch nicht mehr zurück kommne. Sie konnten es überhaupt nicht glauben, aber für mich war es ok so, da ich wußte, das ich sie eh nicht wieder sehen werde.

Also sunflower, es ist immer ärgerlich, wenn man solch blöde Kommentare hört, aber das liegt einfach daran, das unsere Gesellschaft nicht genug darüber informiert ist. Ich denke jedoch, er hätte diesen Spruch nicht gesagt, wenn er wüßte, wie schrecklich diese psychischen Probleme für jeden einzelnen sind und das das Alter damit überhaupt nichts zu tun hat.

Bleib stark und laß den Kopf nicht hängen.

Ein dicken :lieb: für dich

Gruss Jessy

sunflower

unregistriert

3

Donnerstag, 17. Januar 2008, 15:43

Danke Dir, liebe Jessy *kiss*

nun ja, manchmal stelle ich mir vor, ich bin der Gesunde, der "davon" keine Ahnung hat, dann würde ich die anderen wahrscheinlich auch manchmal nur schwer verstehen.

Es ist auch oft so, dass ich den "Gesunden" verstehen kann, wenn er mich nicht versteht, wahrscheinlich würde es mir umgekehrt nicht anders gehen, denn man setzt sich ja erst mit der Krankheit auseinander, wenn man damit konfrontiert wird.

Wenn der Gesunde es aber nicht verstehen kann oder will, dann wäre zumindest Akzeptanz das, was sich der Kranke wünschen und m. E. fordern darf.

Und auf der Arbeit ist halt das Problem, dass sie gar nicht wissen, dass ich krank bin, also auch nicht wissen können, dass ein "scheinbar" so "harmloser" Satz einen treffen kann.
Daher bin ich ja oft kurz davor, was zu sagen, aber -- das hatte ich ja hier mal gefragt -- das ist ja wohl auch nicht die Lösung.

Liebe Grüße
sunflower

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »sunflower« (17. Januar 2008, 15:44)


chris24

unregistriert

4

Donnerstag, 17. Januar 2008, 15:49

hallo ihr beiden,
das was ihr beschreibt, kenne ich auch nur zu gut. habe selber die erfahrungen gemacht, das viele leute über psy. kranke ein total schlechts bild haben, oder besser gesagt wir werden als bescheuert hingestellt.
meiner meinung nach liegt es daran, das schon kleinen kindern beigebracht wird, das sie keine schwäche zeigen dürfen, also perfekt sein müssen.
und bei den erwachsenden ist das so, das sie mal irgendwas über uns gehört haben, seis im fernsehen oder sonst wo,... und zag sie haben vorurteile.
woran das liegt???...ganz einfach, weil in den medien immer nur schlechte sachen von uns erzählt werden und immer nur extreme gezeigt werden.
für mich ist schlimm das die leute darüber lachen,...lachen sie denn über ein kind das z.b. krebs hat???

lg chris

sunflower

unregistriert

5

Donnerstag, 17. Januar 2008, 15:59

Hallo Chris, *kiss*

danke für Deinen Beitrag.

Ich muss vielleicht noch ein bisschen "klarstellen":

Klar, irgendwie hat mich das heute morgen getroffen, aber wie gesagt, die Kollegen wissen nichts von meiner Krankheit.

So, wie ich sie und auch meinen Chef einschätze, würden sie mich aber nicht abwertend oder sonstwie negativ behandeln, wenn sie es wüssten. Mag sein, dass sie es nicht begreifen/verstehen würden, aber mir gegenüber würde ich sie als fair einschätzen.

Nur, heute morgen war das natürlich blöd, wenn die was sagen, was letztlich mich betrifft und ich kann es nicht erklären. Das war schonmal der Fall. Da ging es auch um eine psychisch Kranke und ich hätte gerne was dazu gesagt, muss dann aber wieder aufpassen.

So frage ich mich manchmal, wie wäre es, wenn ich gesund wäre und höre bei jemand anderem von psych. Krankheiten, könnte ich ihn verstehen?

Wie ist das bei Euch, wenn ihr Euch in die Rolle des Gesunden hinein versetzt, der plötzlich mit der psych. Krankheit eines anderen konfrontiert wird?
sunflower

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »sunflower« (17. Januar 2008, 16:00)


chris24

unregistriert

6

Donnerstag, 17. Januar 2008, 16:18

@ sunflower *kiss*
verstehe deine situation, natürlich. also ich habe bisher auch auf arbeit nie meine krankheit preisgegeben und werde das auch nicht tun. ich bín der meinung das das niemanden was angeht. die erzählen mir ja auch nicht, das sie z.b. irgendwas haben.

aber um auf deine frage zu antworten....das ist nicht so ganz leicht, also vor ein paar jahren, hätte ich das wahrscheinlich auch nicht verstanden, liegt aber einfach daran, das ich mir nie sorgen über psy. erkrankungen gemacht habe, .... aber eins weiss ich, ich wäre auf jeden fall für die person dagewesen und bin es auch jetzt.
ich hätte alles für einen menschen getan, wenn er solche probleme gehabt hätte, vorrausgesetzt, er wäre mir nahe gestanden, also z.b. ein freund.
weil entweder man hängt an einem menschen oder eben nicht, egal ob krank oder nicht.
bei arbeitskollegen würde ich mich zwar auch ein bissl zurückhalten, aber ich würde auch da alles dafür tun, das es ihm oder ihr nicht noch weitere probleme beschafft.

lg chris :lieb:

7

Dienstag, 22. Januar 2008, 20:29

Sunflower, wir hatten ja mal über dieses Thema geredet.

Will nur hinzufügen, dass nicht psychisch kranke, selbst wenn sie Verständnis zeigen, nicht wissen, wie Sie sich verhalten sollen. Die Meisten werden sich wohl rücksichtsvoll gegenüber dir verhalten. Das würde ich nicht wollen. Kommt sonst so wie Mitleid rüber.

Jessy, hättest du die Schule nicht verlassen, denke ich wäre das nicht so gut gewesen,
dass du es gesagt hast.

Was wäre wohl passiert. Der Klassenlehrer hätte die Klasse informiert und um Rücksicht gebeten. Hätte vielleicht noch im Internet nachgeschaut, was genau diese Krankheit ist und hätte es den Schülern erklärt. Selbst die Doofesten in der Klasse hätten sich auf einmal verständnisvoll und hilfsbereit verhalten, nicht weil Sie dich mochten, sondern aus Mitleid.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Anonym« (22. Januar 2008, 20:30)


sunflower

unregistriert

8

Dienstag, 22. Januar 2008, 20:46

Hallo Anonym,

wollte nur noch kurz was zu Deinem Beitrag bezüglich Jessy "Outing" in der Schule sagen:

Zitat:"Selbst die Doofesten in der Klasse hätten sich auf einmal verständnisvoll und hilfsbereit verhalten, nicht weil Sie dich mochten, sondern aus Mitleid."

Nach meinen Mobbing-Erfahrungen damals in der Klasse könnte ich mir vorstellen, dass die "Doofesten" nichtmal dann Rücksicht genommen, geschweige denn sich rücksichtsvoll verhalten hätten. Die Doofesten hätten die "Lage" möglicherweise sogar ausgenutzt und sich einen Spaß draus gemacht, den "Kranken" zu hänseln, mit den "Macken" aufzuziehen etc.

Alles Gute
sunflower

Jessy78

unregistriert

9

Mittwoch, 23. Januar 2008, 06:46

Hallo Anonym,

ich denke zwar, ich hätte es auch nicht erzählt, wenn ich noch dort geblieben wäre. Aber selbst wenn, denke ich, das sie trotzdem Verständnis dafür gehabt hätten und nicht aus Mitleid weiterhin mit mir gesprochen hätten. Wir haben uns nämlich so oder so sehr gut verstanden und auch privat einiges miteinander unternommen.

Ich denke, das ich bei dieser Klasse eigentlich großes Glück gehabt habe, dennoch wollte ich einfach nicht, das sie wußten, das ich diese Krankheit habe. Ich meine, sie haben einige kleine Macken von mir eh schon mit bekommen und haben mich trotzdem ganz normal behandelt und zumindest mir gegenüber keine blöden Sprüche abgelassen.

Jessy