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Steffen

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1

Montag, 10. Dezember 2007, 14:55

Ergebnisse der Vergleichsstudie (Muskelentspannung gegen Parallelentladung)

Liebe Forumsmitglieder,
mittlerweile haben wir die Therapievergleichsstudie beendet und eine erste Auswertung vorgenommen. Von insgesamt 72 Teilnehmern waren leider nur 48 Personen bereit, an der Befragung drei Wochen nach Beginn der Studie teilzunehmen. Die Daten der „Abbrecher“ wurden von der Auswertung ausgeschlossen, die hohe Zahl vermindert leider die Aussagekraft der Ergebnisse.

Im folgenden möchte ich die wichtigsten Ergebnisse darstellen:
23 der 48 Studienteilnehmer probierten im Selbstversuch eine von uns entwickelte Methode aus (Parallelentladung*), 25 eine schon etablierte Methode, die jedoch üblicherweise therapeutengestützt in einer Gruppe durchgeführt wird (Progressive Muskelentspannung = PME**). Während die Parallelentladung erwartungsgemäß keinem Teilnehmer bekannt war, kannten bereits 13 Personen der PME Gruppe diese Maßnahme. Die Frage, ob die angewendete Methode auch in Zukunft durchgeführt wird, wurde insgesamt von 52% bejaht, dabei entfielen mehr ja-Stimmen auf die Parallelentladung (62%) als auf die PME (40%). Dieser Unterschied war statistisch aber nicht bedeutsam. Statistisch bedeutsam war hingegen der Unterschied bezüglich des subjektiven Nutzens: Während 52% der Anwender der Parallelentladung angaben, dass sich die Zwänge aufgrund der Maßnahme mindestens leicht reduziert hätten, waren es bei der PME nur 17%.
Dagegen zeigt sich mit Blick auf einen vorher-nachher Vergleich der Zwangssymptomatik ein nahezu umgekehrtes Bild. Die Schwere der Symptomatik wurde mit einem Fragebogen zur Selbstbeurteilung erhoben (Yale-Brown Obsessive-Compulsive Scale, Y-BOCS). Während sich unter PME sowohl bei jenen Patienten, die sich derzeit in Psychotherapie befanden (insgesamt 38% der Teilnehmer) als auch jenen, die keine Therapie machten, eine leichte aber signifikante Besserung von vor der Maßnahme zu nach 3 Wochen einstellte (15-20% der Ausgangssymptomatik), fand sich bei der Parallelentladung nur bei jenen, die zusätzlich in Therapie waren, eine signifikante (d.h. nicht zufallsbedingte) Reduktion. Patienten mit oder ohne Medikation (60%:40%) unterschieden sich im Verlauf übrigens nicht. Bei diesen Ergebnissen ist zu beachten, dass es sich um Gruppen-Werte handelt, und es im Einzelfall daher zu anderen Ergebnissen gekommen sein kann.

Abschließend muss ich also einräumen, dass die von mir und Kollegen entwickelte Technik, Parallelentladung, nur von geringem Nutzen für die Mehrzahl der Patienten im vorher-nachher Vergleich (Y-BOCS) zu sein scheint und wir diese daher auch nicht zum Download anbieten wollen. Die Studie hat den Nutzen der PME unterstrichen. Der Leitfaden für die Progressive Muskelentspannung kann über folgenden Link kostenlos bezogen werden (Ende der Seite):
http://www.uke.uni-hamburg.de/kliniken/p…index_31780.php

Ich danke noch einmal allen für die Teilnahme an der Studie.

Herzlichen Gruß, Steffen


* Parallelentladung: Dem typischen Ablauf einer Zwangskaskade (Zwangsgedanke - Spannung/Drang zur Ausführung einer Handlung/Ritual– Ausführung der Zwangshandlung) wird ein paralleles aber neutrales Handlungsprogramm entgegengestellt, welches den Drang zur Ausführung der Zwangshandlung durch Interferenz (Störung durch Ähnlichkeit) schwächen soll.

** Progressive Muskelentspannung: Durch systematisches Anspannen und Entspannen verschiedener Muskelgruppen wird eine Entspannung herbeigeführt.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Steffen« (15. Dezember 2007, 00:53)


lämmli

unregistriert

2

Montag, 10. Dezember 2007, 18:40

RE: Ergebnisse der Vergleichsstudie (Muskelentspannung gegen Parallelentladung)

Danke für das Einstellen der Ergebnisse..

Diana17

unregistriert

3

Montag, 10. Dezember 2007, 23:53

danke
doch irrgendwie versteh ich das nciht so ganz ist ein wenig zu hoch für mich :(

Steffen

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4

Dienstag, 11. Dezember 2007, 07:42

sorry

Hallo Diana,
tut mir leid, dass wohl nicht alles verständlich ist (die Ergebnisse sind leider auch nicht so 100% klar). Da diese Studie über das Forum lief, habe ich auch die Pflicht, die Resultate hier verständlich zu vermitteln. Also, wenn Nachfragen bestehen, gerne eine PM oder email an moritz@uke.uni-hamburg.de

Herzlichen Gruß, Steffen