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Sonntag, 24. Juni 2007, 15:53

Kontrollzwang Situationen/Personen

Hallo,

mein Weg hierher ist mir nicht sehr leicht gefallen, aber ich habe einige Fragen, die ich hoffe hier beantwortet zu bekommen.

Ich habe folgendes Problem:

Ich fühle mich unwohl in Situationen über die ich keine Kontrolle habe, so dass ich versuchen MUSS diese zu erlangen. Es ist eigentlich relativ egal um welche Art von Situation es sich handelt, da es immer und immer wieder vorkommt. Meistens sind Personen ebenfalls Bestandteil dieser Situationen, was zur Folge hat, dass ich auch diese Versuche in bestimmte Richtungen zu lenken, dass ich eine Situation oder deren Ausgang vorhersehen kann.
Das ganze fängt damit an, dass ich alles und jeden analysieren muss. Sei es ein Vorgang oder eine Person. Darüber hinaus kommt dann das ewige grübeln, wie ich eine Situation kontrollieren kann.

Mein Problem ist, dass ich das selbst nie will, dass es mir selbst "auf die Nerven" geht ständig alles zu analysieren und zu kontrollieren. Spätestens mit dem Versuch die Kontrolle zu erlangen, fühle ich mich unwohler als zu dem Zeitpunkt wo ich noch gar keine hatte. Aber ich MUSS weiter machen, ob ich nun will oder nicht.

Mit dieser Vorgehensweise habe ich Menschen verletzt die mir wichtiger sind als alles andere. Darüber hinaus sind es nie Situationen, die ich versuche zu meinem eigenen Vorteil zu wenden, sondern solche, die mich dazu veranlassen anderen zu helfen. Aber die Art und Weise, die ich eben dazu nutze (Manipulation von Menschen) führt zum Selbsthass meiner eigenen Person.

Ich hatte nie Schlechtes im Sinn, ich wurde so erzogen immer zu erst an die anderen, dann an mich zu denken.
Durch die "wunderbare" Erfindung und Ausweitung des Internets under der daraus entstehenden Anonymität, konnte ich diese verwenden um Informationen über die besagten Personen zu sammeln. Und das über mehr als ein Jahr. Ich fühlte mich nie wohl dabei und ich hatte auch keine Lust es zu machen, dennoch tat ich es ... und das immer und immer wieder und weiter.

Jetzt stellt sich für mich die Fragen:
Ist das eine Zwangs- bzw Kontrollzwangshandlung ?
Kann ich etwas dagegen tun und wenn ja was ?
Ist eine Kontrollzwangshandlung eine Art Grund für das was ich getan habe, so dass ich es nicht hätte verhindern können ?

Ich bitte um baldige Antwort. Mir liegt das ganze sehr am Herzen, weil ich der Meinung bin, dass es immer akuter wird. Ich danke euch im Voraus

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Rufus« (24. Juni 2007, 17:04)


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Sonntag, 24. Juni 2007, 17:11

RE: Kontrollzwang Situationen/Personen

Hallo Rufus,

ich leide auch seit meiner Kindheit an Zwängen und da liegt auch der Schlüssel. Du schreibst, dass du so erzogen wurdest, dass du immer anderen helfen oder für die anderen da sein musstest und erst dann dürftest du dich (vielleicht) deinen eigenen Bedürfnissen widmen. Du hast gelernt, andere schnell zu erkennen und demnach zu analysieren, weil du das auch „musstest“, da du so erzogen wurdest. Niemand hat danach gefragt, ob du das auch wolltest. Man hat von dir erwartet, dass du eben für die anderen da zu sein hast. Du hast bestimmt sehr genau gespürt, dass du das gar nicht bist, was du bisher gelebt hast, deswegen erlebst du dich jetzt auch so zwiespältig, da du etwas machst, eben analysieren und kontrollieren, was du eigentlich nicht willst, weil es nicht dein eigentliches Gefühl, dein eigenes Bedürfnis ist. Man hat dir das Gefühl für dich selbst und deine Bedürfnisse in der Kindheit genommen, nicht gefragt, was du willst. Vielleicht hat man das ja, würdest du vielleicht sagen, aber da du ja so erzogen wurdest, wäre dir bestimmt niemals in den Sinn gekommen, zuerst an dich zu denken, oder überhaupt eine andere Meinung zu haben, da es für dich „normal“ war, erst an die anderen zu denken. Du hast dich wahrscheinlich immer sehr stark damit dür die anderen verantwortlich gefühlt und somit auch schuldig, wenn du nicht für sie da warst oder wenn du doch aml zuerst and idch gedacht hast, weil du damit die anderen verletzen könntest bzw. was könnten sie dann von dir denken. Du selbst und dein Gefühl für dich wurden dir in der Kindheit geraubt und jetzt funktionierst du, aber eben wie fremdgesteuert, da du etwas machst, was du nicht willst, aber du kommst nicht los. Dein Körper vermittelt dir aber, dass etwas nicht stimmt, durch deine Zwänge, durch dein Verhalten. Die Zwänge haben dir einmal das Gefühl von Sicherheit gegeben, als niemand für dich da war, als du es gespürt hast, als du es gebraucht hast, weil du es vielleicht auch als egoistisch angesehen hast, ein Bedürfnis anzumelden. Niemand hat gefragt, was du willst, wie es dir dabei geht, immer für die anderen da zu sein, was du eigentlich willst und was du vor allem fühlst. Du spürst sehr genau, dass die Zwänge nicht der Weg, geschweige du selbst. Der zwang alles und jeden zu analysieren bzw. demnach auch zu kontrollieren, um den Ausgang der Situation zu beeinflussen, hat die vermittelt, dass du nur so dein Leben aushalten konntest. Der Zwang ist übertrieben gesagt, eine Form, um zu überleben, weil eigentlich nicht du in der Kindheit für die anderen da zu sein hast, sondern deine Eltern für dich. Sie haben zu fragen, wie es dir geht, dich in den Arm zu nehmen, nach deinen Bedürfnissen sich zu erkundigen, in den Lebenssituationen an deiner Seite zu sein, die für dich wichtig waren, nicht für sie. Das Gefühl für deine eigenen Bedürfnisse wurde aber durch deine beschriebene Erziehungsmethode erstickt, weil du nicht die Chance hattest, du selbst sein zu können und damit herauszufinden, wer du eigentlich bist und was du willst und zu unterscheiden, für wen du da sein willst und dann auch Freude hast, dem anderen zu helfen, weil dieses Bedürfnis aus dir selbst heraus kommt, und nicht aus einem Zwang heraus. Ich hoffe, dass du mir ein wenig folgen kannst und verstehst, was ich meine.

Falls du weitere Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben.

Ich kann dich sehr gut verstehen und nachfühlen, aber ich bin gegen das Einnehmen von Medikamenten und viele dieser Therapien, weil sie immer nur den Zwang, als das Symptom behandeln wollen, aber niemals dahinter geschaut wird, woher kommt der Zwang, wann hat er angefangen etc. Ich halte nichts von der Therapie, die sich damit beschäftigt, dass man sich der Angst stellen soll, die den Zwang auslöst, denn Ängste und Zwänge stehen fast immer oder eigentlich immer in Verbindung, um die Angst dann besser auszuhalten und dann zu merken, dass die angst verschwindet. Es kann aber nie funktionieren, wenn man nicht begreift und fühlt, woher diese Angst stammt. Sie ist ja nicht einfach so da. Für mich stellt sich das in diesen Therapien so dar, dass ich mich immer wieder einer angstauslösenden Situation stellen soll, mich also immer wieder selbst peinigen soll, das dann aushalten soll, damit der Zwang dann weggehen könnte, bzw. der Gedanke und dann möglicherweise die Handlung. Das ist paradox und halte ich für unmenschlich. Ich selbst habe noch keine dieser Therapien gemacht, weil mein Gefühl mir sagt, dass da nicht der Weg ist. Ich habe auch schon so viel über Behandlungsweisen, Medikamente etc. gelesen, aber diese Wege sind in meinen Augen nicht die Wege, die den Zwang bzw. die Angst hinterfragen und dahinterschauen, um zu verstehen, warum wir Zwänge ausführen ( immer und immer wieder etwas kontrollieren) um damit auf den Weg zu kommen über das Verstehen und Begreifen, also dem Hintergrund, der oft sehr verwurzelt ist, die Zwänge aufzugeben, weil wir verstehen, dass wir sie nicht brauchen, sie sind ein Symptom unserer Seele, unseres Körpers.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen, einen kleinen Einblick, geben, denn ich könnte noch viel mehr schreiben.

Liebe Grüße

Anna

3

Sonntag, 24. Juni 2007, 17:25

Genau das ist es:

Ich fühle mich für andere Menschen verantwortlich. Ich will nicht, dass sie in irgendeiner Weise leiden. Sei es körperlich oder emotional.

Ich bin der Meinung, dass wenn ich die Situation kontrolliere, ich auch den Ausgang bestimmen kann. Und wenn ich eine Situation nicht beherrschen kann, geht das über bis zu körperlichen Leiden (Übelkeit, Angstzustände, Blutdruckverlust ...).

Ich bin ein großer Idealist und halte viel von Loyalität, Respekt und Vertrauen. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass ich für meine Überzeugungen sterben würde. Klingt übertrieben, ich weiß, aber ich habe Prinzipien und Ideale, die mich in jeder Hinsicht leiten.

Der Angst anderen Menschen aber durch meinen Zwang/Zwänge wehzutun, führt mich zu der Angst neue Kontakte zu knüpfen.

Ich habe seit meiner frühsten Kindheit immer wieder damit leben müssen, sehr gute Freunde zu verlieren (Tod, Umzug, Streit etc.). Das waren alles Situationen, die ich nicht beeinflussen konnte, die mich aber schwer getroffen und verletzt hatten und unter denen ich heute noch leide.

Ich habe einfach Angst, das der Zwang genau das auslöst, was ich versuche zu verhindern: den Verlust von menschen, die mir am Herzen liegen. Desweiteren führte mich das alles dazu, dass ich mich mehr und mehr zurückziehe und ich lieber Unmengen an Daten in mich aufnehme (Bücher, Zeitungen etc.), weil ich der Überzeugung bin, dass sachliche Daten mir keinen Schaden zu fügen können. Mehr und mehr habe ich das Gefühl meine gesamte Emotinionswelt zu verlieren. Noch ist es nicht soweit, aber ich wurde oft als gefühlskalt und emotionslos beschrieben. Ich kann mich auch kaum einen Menschen mehr öffnen.

Ich bin mir nicht sicher wie ich vorgehen soll, weil ich momentan dabei bin, die letzten mir wichtigen Menschen (außerhalb der Familie) zu verlieren.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Rufus« (24. Juni 2007, 18:02)


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Sonntag, 24. Juni 2007, 22:16

ich kann dich gut verstehen. Diese entscheidenen Ereignisse in deinem Leben, in denen du verlassen wurdest, haben dich geprägt, vor allem, weil du allein warst und das Gefühl hattest, dass du vielleicht nicht alles mögliche getan hast, um es zu verhindern und damit hast du dich immer verantwortlich und auch schuldig gefühlt und glaubst heute um so mehr, dass du die Situatioen retten kannst, indem du sie analysierst und kontrollierst, um sie noch zu beeinflussen und den Ausgang positiv enden zu lassen, damit du dich wohl und sicher fühlst und in deinen Gedanken alles mögliche getan hast, um etwas oder jemanden zu retten. Aber genau davor fürchtest du dich, denn genau das entfremdet die Leute von dir und somit fühlst du dich um so mehr schuldig. Die Menschen können nicht einschätzen, was in dir vorgeht, warum du das tust, dich diesem Zwang widmest, der aus einer Angst heraus entstanden ist, aus gn mrstehen, was dich zwanghaft macht. Man kann es auch nicht erwarten. Die meisten Menschen befremdet natürlich etwas, was sie nicht einschätzen können, geschweige kennen. Zumal der Zwangskranke ja selbst davor Angst hat. Der Punkt ist aber in bezug auf dich, dass du bereits in frühen Jahren solche dramatischen Ereignisse aushalten musstest wie Tod, Umzug, Streit..etc.), du deine Wut darüber nicht äußern dürftest, weil du vielleicht mehr für andere da sein musstest oder niemand, wirklich niemand für dich da war, dich beschützt oder in den Arm genommen hat. Du musstest weiter funktionen, dürfest deine Trauer nicht spüren, sie jemanden mitteilen, sonden von dir wurde erwartet, dass du zuerst für die anderen da bist und damit deine Gefühle verdrängen musstest, damit die Situationen überhaupt aushalten konntest. Emotionskalt bist du aber nicht, auch wenn das andere äußern, weil sie nicht einschätzden können, was mit dir ist, aber nicht weil sie dumm sind, sondern weil sie selbst davor Angst haben. Dein Körper gibt dir eindeutige Signale, die du aber so verstehst, wenn du nicht etwas völlig beherrschen oder kontrollieren kannst, reagiert er so wie von dir beschrieben, weil du dich ja gedanklich und vor allem emotional so mit dieser Verantwortung, dem dazugehörigen Schuldgefühl identifizierst, dem Schuldgefühl nichts zu tun und gleichzeitig dem Schuldgefühl, schuld zu sein, wenn die Situation anders verläuft oder du doch verlassen wirst.

Es ist schwierig zu verstehen, ich weiß, du wurdest in vielen Situationen als Kind allein gelassen oder man hat dir das gefühl gegeben, dass du Schuld bist und deswegen fühlst dich auch heute noch schuldig und glaubst mit deinem Zwang, etwas zu verhindern, was nicht wirklich beeinflussbar ist. Dieses Gefühl vom Schuldigsein und der hohen Verantwortung, die du mit dir rumschleppst, hat sich in deiner Kindheit manifestiert, weil sie da geschürt wurde, weil du allein gelassen wurdest, niemand dir erklärt hat, dass du nicht schuldig bist, dass du deine eigenen Gefühle wahrnehmen darfst und nicht verdrängen und dass du wahrscheinlich oft verlassen bzw. allein gelassen wurdest und dieses gefühl ist vorherrschend. Dein Zwang ist wie eine Überlebensstrategie gewiesen, die natürlich nicht funktionieren kann, nicht mehr heute, darum fühlst du dich auch zwiegespalten, so zerrüttet, hast körperliche Symptome, wenn du dich dem Zwang hingibst, weil dein Körper dir damit sagt, dass es natürlich kontraproduktiv ist. Die Angst, die hinter dem Zwang steht, ist entscheidend.

Ich kann das hier in diesem Rahmen nicht alles so erläutern, weil das den Rahmen sprengen würde und weil es viel Zeit braucht. Ich kann dir nur diese kleinen Anmerkungen vorerst geben.

Ich muss auch an dieser Stelle meine Ausführungen beenden und wünsche dir eine ruhige Nacht,

Anna

5

Sonntag, 24. Juni 2007, 22:29

ich kann dich gut verstehen. Diese entscheidenen Ereignisse in deinem Leben, in denen du verlassen wurdest, haben dich geprägt, vor allem, weil du allein warst und das Gefühl hattest, dass du vielleicht nicht alles mögliche getan hast, um es zu verhindern und damit hast du dich immer verantwortlich und auch schuldig gefühlt und glaubst heute um so mehr, dass du die Situatioen retten kannst, indem du sie analysierst und kontrollierst, um sie noch zu beeinflussen und den Ausgang positiv enden zu lassen, damit du dich wohl und sicher fühlst und in deinen Gedanken alles mögliche getan hast, um etwas oder jemanden zu retten. Aber genau davor fürchtest du dich, denn genau das entfremdet die Leute von dir und somit fühlst du dich um so mehr schuldig. Die Menschen können nicht einschätzen, was in dir vorgeht, warum du das tust, dich diesem Zwang widmest, der aus einer Angst heraus entstanden ist, aus gn mrstehen, was dich zwanghaft macht. Man kann es auch nicht erwarten. Die meisten Menschen befremdet natürlich etwas, was sie nicht einschätzen können, geschweige kennen. Zumal der Zwangskranke ja selbst davor Angst hat. Der Punkt ist aber in bezug auf dich, dass du bereits in frühen Jahren solche dramatischen Ereignisse aushalten musstest wie Tod, Umzug, Streit..etc.), du deine Wut darüber nicht äußern dürftest, weil du vielleicht mehr für andere da sein musstest oder niemand, wirklich niemand für dich da war, dich beschützt oder in den Arm genommen hat. Du musstest weiter funktionen, dürfest deine Trauer nicht spüren, sie jemanden mitteilen, sonden von dir wurde erwartet, dass du zuerst für die anderen da bist und damit deine Gefühle verdrängen musstest, damit die Situationen überhaupt aushalten konntest. Emotionskalt bist du aber nicht, auch wenn das andere äußern, weil sie nicht einschätzden können, was mit dir ist, aber nicht weil sie dumm sind, sondern weil sie selbst davor Angst haben. Dein Körper gibt dir eindeutige Signale, die du aber so verstehst, wenn du nicht etwas völlig beherrschen oder kontrollieren kannst, reagiert er so wie von dir beschrieben, weil du dich ja gedanklich und vor allem emotional so mit dieser Verantwortung, dem dazugehörigen Schuldgefühl identifizierst, dem Schuldgefühl nichts zu tun und gleichzeitig dem Schuldgefühl, schuld zu sein, wenn die Situation anders verläuft oder du doch verlassen wirst.

Es ist schwierig zu verstehen, ich weiß, du wurdest in vielen Situationen als Kind allein gelassen oder man hat dir das gefühl gegeben, dass du Schuld bist und deswegen fühlst dich auch heute noch schuldig und glaubst mit deinem Zwang, etwas zu verhindern, was nicht wirklich beeinflussbar ist. Dieses Gefühl vom Schuldigsein und der hohen Verantwortung, die du mit dir rumschleppst, hat sich in deiner Kindheit manifestiert, weil sie da geschürt wurde, weil du allein gelassen wurdest, niemand dir erklärt hat, dass du nicht schuldig bist, dass du deine eigenen Gefühle wahrnehmen darfst und nicht verdrängen und dass du wahrscheinlich oft verlassen bzw. allein gelassen wurdest und dieses gefühl ist vorherrschend. Dein Zwang ist wie eine Überlebensstrategie gewiesen, die natürlich nicht funktionieren kann, nicht mehr heute, darum fühlst du dich auch zwiegespalten, so zerrüttet, hast körperliche Symptome, wenn du dich dem Zwang hingibst, weil dein Körper dir damit sagt, dass es natürlich kontraproduktiv ist. Die Angst, die hinter dem Zwang steht, ist entscheidend.

Ich kann das hier in diesem Rahmen nicht alles so erläutern, weil das den Rahmen sprengen würde und weil es viel Zeit braucht. Ich kann dir nur diese kleinen Anmerkungen vorerst geben.

Ich muss auch an dieser Stelle meine Ausführungen beenden und wünsche dir eine ruhige Nacht,

du kannst mir natürlich gerne weiter schreiben, nur muss ich für heute aufhören...

Anna

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Sonntag, 24. Juni 2007, 22:29

Ja, nun ja mein problem ist, dass ich mich nicht den Menschen anvertraut habe, die mir nahe stehen (Familie, Freunde ...)

Dieser Zwang hat mich jetzt zwei Menschen "gekostet", die mir näher standen als jeder anderen. Ich bin auch erst durch diese Situation darauf aufmerksam geworden, dass ich dieses Problem habe. Ich habe nur Angst, dass dieser Zwang mein zukünftigts Leben so sehr beeinflusst, dass ich keiene Kontrolle mehr über gar nix habe.

Ich bin nicht depressiv noch versuche ich mir das Leben zu nehmen, aber ich versuche ein normales Leben zu führen, was schwierig ist, da ich einige körperliche Leiden (Allergien und andere Probleme) habe, die es fast unmöglich machen, dies zu tun.

Ich stehe oft als "Schwächling" af Grund meine Krankheiten dar, aber im Endeffekt ist mir da egal, weil das Wohl von viel wichtiger ist als das Wohl von wenigen oder eienbs einzelnen.


Ich muss dazu sagen,d ass beide Elternteile im Sozialismus großgeworden sind und dass das eine Auswirkung auf mich hatte.

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Montag, 25. Juni 2007, 21:14

Hallo Rufus,

es ist nicht entscheidend, ob du es jemanden erzählt hat, wie es in dir drinnen aussieht. Entscheidend ist es dann, wenn du es für dich tust, nicht um dich zu rechtfertigen, sondern um dich dir selbst zu stellen. Ich vermute, dass du sowieso Angst davor hast, wenn du jemanden von deinen Ängsten und Zwängen erzählen würdest, dass es keiner verstehen kann, sie vielleicht den Kontakt abbrechen könnten, was du ja zu vermeiden versuchst. Sie würden dir vielleicht Fragen stellen, auf die du selbst keine Antwort hast. Es ist auch nach wie vor für jemanden, der keinen Zwang hat, nicht nachzuvollziehen, wie es in einem aussieht, der unter Zwängen leidet. Das muss man auch akzeptieren. Nur wenige Menschen machen sich die Mühe, wirklich dahinter zu schauen, zusammen mit dem „Zwangs“kranken. Es kann aber auch sein, dass du dich deine Nichtmitteilnahme bzw. den Menschen zu sagen, die dir lieb sind, dass du unter Zwängen leidest, sie niemals die Chance haben werden, sich damit auseinander zusetzen, weil sie um dir näher zu kommen, das Wissen benötigen, warum du so stark analysierst und kontrollierst. Sie können dann selbst die Chance wahrnehmen, sich über Zwänge zu informieren, obwohl das manchmal sehr schwierig. Momentan nehmen sie ein Verhalten wahr, dass sie nicht einordnen können, sie können dich nicht einschätzen, haben womöglich Angst und nehmen deswegen Abstand, was du ja eben nicht willst und versuchst durch noch mehr Analyse und Kontrolle der Menschen und Situationen dem entgegenzuwirken. Schon fühlst du dich damit allein, weil du eine große Verantwortung mit dir trägst, egal wie du handelst, es zieht etwas nach sich.

Das Gefühl vor dem Verlassenwerden, vor dem Alleinsein, das Gefühl, dass niemand für dich da war, als du es gebraucht hast wurde dir ja schon in deinen Kindheitstagen geschürt. Die Angst, dass du schuld sein könntest, wenn es anderen schlecht geht, wenn du nicht machst, was sie brauchen wurde dort gelegt und hat dein leben durchzogen. Die Angst, die du als Kind schon spüren musstest, und aushalten, weil dich niemand begleitet hat, niemand deine Hand genommen und niemand gefragt hat, was du willst und was du fühlst, diese Angst prägt deine heutigen Verhaltensweisen und Situationen, die du heute erlebst. Es ist oft, auch wenn man Mutter und Vater, oder nur Mutter oder Vater unter einem Dach gelebt hat, heißt das nicht, dass sie einen auch danach gefragt haben, was man will, wovor man Angst hat. Sie waren nicht da, wenn man Sorgen hatte, wenn man etwas erlebt hatte, was wichtig für die eigene Entwicklung war. Ich meine damit wirklich da, emotional da waren, ganz bei dir. Du hast sehr früh lernen müssen, ihre Bedürfnisse wahr zu nehmen, schnell zu analysieren, was sie wollten, um dann für sie da zu sein. Sie haben dich für ihre Bedürfnisse gebraucht, aber sie haben nicht dich, geschweige deine Bedürfnisse gesehen. Sie gaben dir keine Sicherheit, die du als Kind gebraucht hast. Du hast wahrscheinlich schon früh ihre Sorgen tragen müssen und schnell lernen nüssen, immer für sie Verständnis zu haben. Somit konntest du nicht herausfinden, was du willst, hast es vielleicht geahnt, aber musstest deine Bedürfnisse unterdrücken, da sich wahrscheinlich eh niemand dafür interessiert hätte und weil du das schon früh gespürt hast und du sehr schnelle begriffen hast, dass es anscheinend eine Tugend ist, für andere da zu sein, konntest du niemals du selbst sein. Die Angst, die du damals erleben musstest, das Alleinsein, Angst zu haben, etwas falsch zu machen, Erwartungen nicht zu erfüllen, Situationen schnell zu erkennen und so zu handeln, dass du es anderen recht machen konntest, bestimmt deine heutiges Leben und dein Verhalten. Der Ursprung liegt also in der Kindheit, aber die Angst, die du damals aushalten musstest, weil sich eh niemand dafür interessiert hätte, geschweige verstanden, der kannst du dich langsam stellen, aber nicht wie es oft in Therapien beschrieben wird, in dem du sie aushalten sollst, um zu merken, dass dann der Zwang sich verringert, oder die Situation nicht eintrifft, vor der man eine solche Angst hat, sondern in dem du sie ergründest, aber das braucht ganz viel Zeit und auch Mut. Momentan merkst du nur, dass du nicht du selbst bist, noch nicht einmal weißt wer du bist, weil alles durch den Zwang beeinflusst wird. Der Charakter des Zwanges, egal ob Zwangsgedanken oder Zwangshandlung geht ja oft mit der Angst einher, die den Zwang nährt. Das Wesen liegt aber am stärksten in der hohen Verantwortung und der damit verbundenen Schuld. Man fühlt sich verantwortlich und damit schuldig, wenn man nicht zwei, drei, oder viermal den Herd, die Kaffeemaschine, den Wasserhahn oder sonstiges gezählt hat, weil ja sonst durch das Nichtzählen oder Nichtkontrollieren eine verheerende Situation eintreffen könnte, für die man ja dann verantwortlich wäre, weil man gezählt bzw. kontrolliert hat. Das Gleiche gilt auch für den Waschzwang, die Angst vor Bakterien, die damit verbundene Verantwortlichkeit sich selbst und damit andere oder auch nur andere zu infizieren, mit irgendwelchen Keimen und schon wieder wäre man schuld für eine mögliche Katastrophe, die man durch den zwang versucht abzuwehren. Ich meine damit, man kann es auf fast alle Zwänge anwenden. Du fühlst dich verantwortlich, Personen und Situationen zu kontrollieren, um einen möglichen positiven Ausgang zu erhalten, um dir selbst einzureden, dass du alles getan hast und damit nicht schuldig bist. Du glaubst eben durch das ewige Analysieren und Kontrollieren, dass du nur so etwas retten kannst und fühlst dich damit immer und ewig für alles verantwortlich, aber ganz genauso weißt du aber, dass du das gar nicht willst, weil das dein leben einschränkt, weil du selbst das nicht bist und dein Körper reagiert auch schon mit Symptomen wie Allergie und sonstiges, weil alles in dir sagt, dass der Zwang nicht der richtige Weg ist, aber die hohe Verantwortung und die damit verbundene Schuld sind so stark, dass du dem nicht ausweichen kannst und somit gibst du dem Zwang nach. Du fühlst dich dafür verantwortlich und hoffst eben dadurch, etwas retten zu können, indem du zuerst an andere denkst bzw. alles kontrollierst. Diese Verantwortung und die damit verbundene Schuld wurden dir nur schon in der Kindheit aufgebürdet und dort konntest du dem nicht ausweichen, du musstest sie aushalten und hattest keine Chance, du selbst sein zu können oder das jemand deine Bedürfnisse erkannt geschweige sich mit ihnen beschäftigt hätte. Wie oft kennt man Sätze: Mein lieber Sohn oder liebe Tochter, wenn du dich so und verhältst, dann sind wir stolz auf dich, dann erst lieben wir dich oder lieben dich besonders.“ Warum wird man auch nicht so geliebt und verstanden? Warum erst, wenn man etwas tut, was scheinbar die Bedürfnisse der Eltern befriedigt? Man lernt als Kind ganz schnell zu machen, was die Eltern erwarten, was dann auch noch als tugendhaft bezeichnet wird und stolz rumerzählt wird...

So, lieber Rufus,ich werde hier vorerst wieder abbrechen, sonst komme ich aus dem schreiben nicht raus, aber ich gebe dir für heute den Rat, dich und dein Verhalten d.h. den Zwang als menschlich anzusehen, da der Zwang die Konsequenz bzw. die Überlebensstrategie für die Angst ist und somit die Verantwortung und das Schuldgefühl, die in deiner Kindheit und Jugendjahren gelegt und geprägt wurden und dir du aushalten musstest. Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen bzw. dir zeigen... es braucht jedenfalls alles seine Zeit.


Ein Schwächling bist du auch nicht, dein Körper signalisiert dir, dass er das nicht ist, du bist nicht du selbst, du funktionierst momentan nur, weil du das dein Leben lang gemacht hast, dein Körper und deine Seele verlangen nach Aufmerksamkeit von dir, deinen Bedürfnissen. Du glaubst, dass du ein Schwächling bist, weil du so viele körperkliche Symptome hast, die dich neben deine Zwängen noch mehr schwächen, aber sie sind nur der Ausdruck innerer rebellion, dir du auch schon geäußert hast, dass du ja eigentlich nicht machen willst, was dir der Zwang aufdiktiert..... ich schreibe dir gerne an anderer stelle weiter.. für heute wünsche ich dir eine gute Nacht.


Liebe Grüße

Anna

Ich höre dir gerne weiterhin zu und du kannst mir natürlich weiterhin berichten oder Fragen stellen.