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Charlie

unregistriert

1

Mittwoch, 14. März 2007, 10:59

hilfreiche Informationen

hallo miteinander,
vorweg-wir sind keine betroffenen sondern angehörige und versuchen über diesen weg mit betroffenen ins gespräch zu kommen.
wir haben uns gestern kurz unter "selbstdarstellung" vorgestellt und von biene maya einen ersten kommentar bekommen.
vielen dank an biene maya.
wo anfangen?
es ist für uns erfreulich zu hören, daß wir uns gut und wahrscheinlich auch richtig um unseren sohn kümmern.
er sieht es allerdings genau anders herum - daß wir uns eben nicht genug um ihn kümmern - das tut verdammt weh.
die erste medikamente (fluoxetin) haben über einen zeitraum von ca. 3 monaten gar nicht angeschlagen, deshalb nun seit ca. ende februar das clomipramin (in langsam steigender dosis bis 75mg). es gibt so viele fragen
wann kann man mit einer spürbaren wirkung rechnen?
wann schlägt eurer meinung nach die therapie (tiefenpsychologie) an?
seit ende september hatten wir alle 2-3 wochen gemeinsame sitzungen, seit mitte januar endlich eine therapie beim selben psychologen (unser sohn wöchentlich, alle 3-4 wochen gemeinsam)
nun haben wir uns vor ca. 2 wochen darauf geeinigt, daß der kontrollzwang zurückgefahren wird. das hat dazu geführt, daß der waschzwang wächst. das wußten wir, aber was können wir dagagen tun, daß der damit verbundene wasserverbrauch (unser sohn allein ca. 700 ltr/tag) nicht immer weiter anwächst. momentan befinden wir uns auf steigflug ohne aussicht auf ein ende.
wie können wir unseren sohn dazu bringen sich mit betroffenen (z.b. in diesem forum) auszutauschen.
entschuldigt, war auf einmal etwas viel und wahrscheinlich auch etwas konfus. aber langsam wissen wir nicht weiter, da die familie extrem darunter leidet
viele grüße
Charlie

Biene Maya

unregistriert

2

Mittwoch, 14. März 2007, 20:46

RE: hilfreiche Informationen

Hallo!
Ist Euer Sohn noch Schüler? Wenn er die Schule vielleicht jetzt gerade beendet, würde ich den Zeitpunkt fast als ideal für eine (Teil-)Stationäre Therapie sehen. Natürlich auch, sollte die Schule noch nicht beendet sein, denn es hört sich schon so an,als sei Euer Sohn insgesamt sehr durch diese Krankheit vereinnahmt.
Auf jeden Fall sind solche (teil-)stationären Therapien sehr viel intensiver.
Ich habe auch mit einer ambulanten Therapie begonnen, neben der Tatsache, dass der Therapeut mir nicht so geeignet erschien, waren mir diese 1x pro Woche Sitzungen aber auch zu wenig.
Ich habe im letzten Jahr dann eine teilstationäre Therapie gemacht. Ich bin zwar leider noch immer zwangskrank, habe aber gelernt,mit der Situation besser umgehen zu können,mich nicht mehr ganz so hilflos zu fühlen. Insgesamt habe ich daraus einige Kraft gezogen. Das hilft mir schon sehr. Jetzt mache ich wieder eine ambulante Therapie.
Das Problem bei meiner teilstaionären Therapie war sicherlich, dass es dort keine Spezialstation für Zwangskranke gab und keiner dort unter Zwängen litt. Trotzdem, wie häufig bei Zwangspatienten, habe auch ich Depressionen und alleine die Tatsache, dass darunter dort alle anderen ebenfalls gelitten haben, hat mir schon deutlich gemacht, dass ich nicht so eine Ausnahme bin mit einer Psychoerkrankung in dieseer Gesellschaft. Und der Austausch mit den anderen Patienten hat mir sehr geholfen. Insgesamt würde ich also zu einer Spezialstation raten. Da würde Euer Sohn sich bestimmt nicht mehr verschließen wollen und können und würde selber merken, dass ein Austausch über diese Erkrankung gut tut und weiterhilft.
Teilsationär bedeutet, dass man sozusagen vollzeit in der Einrichtung ist, abends aber wieder bei der Familie.
Vollstationär ist wie ein üblicher Krankenhausaufenthalt.
Insgesamt gibt es bei beiden Therapieformen einen "Unterrichtsplan" für den ganzen Tag. Mit Gruppengesprächen,Einzeltherapie,gezielter Entspannung, gemeinsamen Mahlzeiten, Rollenspielen, .... Das Wichtigste fand ich dabei, dass sozusagen rund um die Uhr ein kompetenter Ansprechpartner da war, wenn Akutsituationen auftraten und eben auch sonst der regelmäßige Austausch mit anderen Patienten da war.
Vielleicht besprecht Ihr das mal mit Eurer Therapeutin. Wichtig ist, dass sich Euer Sohn dabei aber nicht abgeschoben fühlt.
Alles Gute.

Charlie

unregistriert

3

Donnerstag, 15. März 2007, 10:19

Danke Biene Maya für die schnelle Antwort.
Er ist momentan in der 10-ten Klasse und vor den Abschlußprüfungen. Das nimmt er zum Glück sehr ernst, hat gute Leistungen und will danach zur FOS das Abi machen. Wir sind gemeinsam (er, Therapeuth, Hausarzt und wir) vor wenigen Wochen zum Schluß gekommen, daß der Abschluß der 10.ten Klasse momentan Vorrang hat vor einem Klinikaufenthalt.
Nach den Prüfungen besteht die Möglichkeit (haben wir auch schon in's Auge gefasst) eines wie auch immer gearteten Klinikaufenthalt. Er wird es aber als "Abschieben" sehen.
In den letzten 15 Monaten (seit erkennbarem Ausbruch der Krankheit) ist sehr viel Porzellan zerschlagen worden - verbal - auf beiden Seiten. Nicht jeder hat eine Psychologische Ausbildung um immer und richtig situationsgerecht zu reagieren- eben ganz normale Menschen.
Das kann man nicht mehr rückgängig machen!
Sein Kontrollzwang uns gegenüber hat ebenfalls dazu geführt, daß er nach eigenen Aussagen kein Vertrauen zu uns hat. Der Hintergrund liegt seiner Aussage danach darin, daß wir uns nicht nach den Regeln verhalten. Soll heißen, daß wir nicht 100% perfekt sind und eben nun mal in der Hitze des Alltags vergessen die Hände zu waschen (Beispiel: Telefon klingelt unten, wir sind oben und wollen das Gespräch noch vor dem Auflegen der Gegenstelle erreichen und vergessen dabei das Händewaschen oder berühren vor dem Händewaschen versehentlich mit dem Pullover den Türrahmen im Bad.)

Ach so - ist schwer für Aussenstehende zu verstehen- wie es begann.

Er hatte als Kind schwere Allergien, deshalb haben wir uns gegen ein Haustier entschieden. Die Allergien konnten 2001 durch Kinesologie (Leserakkupunktur) -wie auch immer zu begründen- rückstandsfrei geheilt werden.
Seine Schwester (12) wünscht sich schon sehr lange ein Haustier, was wegen der Allergie damals nicht möglich war. 2004 haben wir ein Zwergkaninchen geholt. Der Waschzwang tauchte dann 14 Monate (nicht Tage oder Wochen) später auf, der Kontrollzwang uns gegenüber kam ca. 4-6 Monate danach dazu.
Er ist schon seit Kleinkindesbeinen an sehr eifersüchtig auf seine Schwester und allem gegenüber mißtrauisch.
Das gesamte Haus ist sozusagen "verseucht" und er tut alles um sein Zimmer zu schützen.
Der Hase ist nur in des Schwesters Zimmer. Wir alle waschen uns die Hände sobald wir das Zimmer der Schwester verlassen. Und das wird kontrolliert von ihm. Eine 100%-ige Perfektion gibt es aber nun mal nicht, trotz aller Anstrengungen.
Seit ca. 3 Monaten versuchen wir Strategien zu entwickeln um die Lage erträglicher zu gestalten.
Der Kontrollzwang wird momentan von ihm unterdrückt, der Waschzwang ist dadurch enorm gestiegen.
Wie weit kann das führen....?????? Nebenbei gesagt ist das ja auch eine finanzielle Frage, wenn täglich mehrere Badewannen warmes Wasser benötigt werden .
Der unterdrückte Kontrollzwang führt nun dazu, daß seine Fragen von ihm aufgeschrieben werden und sozusagen wie eine Bugwelle vor ihm hergeschoben werden - wahrscheinlich bis der Zusammenbruch kommt. Dadurch bekommt er nur noch ca. 3 Stunden Schlaf in der Nacht...

Wir stecken echt in einer Sackgasse und hoffen auf "Fremdbefruchtung" von Beteiligten/Angehörigen, gern auch von Therapeuten...

Viele Grüße
Charlie

Hope

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4

Donnerstag, 15. März 2007, 10:57

Hallo Charlie,

ich denke Ihr solltet Euch nicht die Hände waschen das verstärkt den Zwang, ich weis es ist schwierig aber bei mir wurde es besser weil mein Freund sich in den Punkt nicht einbinden lies, sprich er setzte sich trotzdem auf den Boden den ich für dreckig halte und setzte sich danach auf meinen Autositz und so weiter und irgendwann habe ich dann das Desinfizieren nachgelassen in den Bereich zumindest.


Darum habe ich für mich gelernt das es gut ist wenn nicht alles unterstützt wird, man sollte vielleicht ein Mittelmaß finden.

Gruß

Hope
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Charlie

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5

Donnerstag, 15. März 2007, 11:18

Danke Hope,
daran haben wir auch schon gedacht - fürchten uns aber vor den gegenwärtigen Konsequenzen.
Damit ist die 10-te Klasse dann passé.
Das gesamte Haus ist dann "verseucht" und er geht nicht mehr aus seinem Zimmer. Auch nicht zur Schule.
Das Thema hatten wir vor 2 Wochen.

Ich glaube, da haben wir ihn zu lange unterstützt.
Wir haben uns diesen Schritt vorgenommen sobald die Abschlußprüfungen vorbei sind. Hoffentlich haben wir dann die Kraft dazu!
Das wäre dann doch eine "Schocktherapie"? Mit welchen Folgen......andere Zwänge?

Viele Grüße
Charlie

Hope

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6

Donnerstag, 15. März 2007, 11:43

Hallo Charlie,

ja das müsst Ihr langsam angehen mit Druck geht das auch nicht wenn man einen Zwangskranken irgendwo zu Zwingt wird es schlimmer aber so kleine Übungen denke ich sind da ganz gut.

Ja die Prüfung abwarten ist dann wohl besser, sonnst ist das eh zu viel Stress für Ihn.

Gruß

Hope
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Natascha

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7

Freitag, 16. März 2007, 09:16

Hallo Charlie,

ich bin kein Therapeut, aber wenn Ihr die Zwänge eures Sohnes mitmacht, dann kann er ja nicht kapieren, dass sie Schwachsinn sind und absoluter Blödsinn. So hart das klingt - so schwer das ist - die Zwänge sind Quatsch und wenn sie mitgemacht werden, dann kann man als Zwangskranker nicht merken wie abgehoben und fern der Realität sie sind.

Das mit der Prüfung verstehe ich, aber euer Sohn benutzt das ja auf irgendeine Art auch als Druckmittel gegen euch, oder?

Selbstverständlich kann ich verstehen, dass er und ihr das wohl noch bis zum Ende der Prüfung durchhalten müsst und alle zusammen dieses "Spiel" spielen solltet - aber das waren halt so meine Gedanken, als ich euren Beitrag gelesen habe.....

Verständlich? Zu hart? --> Hoffe, Ihr wartet trotzdem bis nach der Prüfung :dafuer:
Liebe Grüße
Natascha

___________________________
Tu Dir nur keinen Zwang an....

Charlie

unregistriert

8

Freitag, 16. März 2007, 11:15

Danke Hope und Natascha für Eure Antworten.
Es ist wirklich so, wie Ihr es sagt, wobei ich persönlich den Standpunkt von Natascha mehr vertrete.
Gestern hat nochmal der Familienrat getagt nachdem es sehr viele Tränen seitens unseres Sohnes gegeben hat. Er fürctet sch sehr davor in der "Zielgeraden" in der Schule abzustürzen und die Mühen der letzten Jahre umsonst zu sehen.
Wir wollen bis nach den Prüfungen durchhalten und dann beginnen. Momentan laufen beim Duschen ca. 450 Ltr.Wasser den Gulli runter (wir haben die Wasseruhr in Reichweite). Dieser Verbrauch kommt beim Duschen innerhalb von ca. 90 min. zustande, wenn man wenig aufdreht. Ziel soll sein den verbrauch dann runterzubekommen indem er von uns nach einer Menge X-Liter ein zeichen bekommt und dann aufhört (evtl. nach vorheriger Absprache mit "Haupthahn zu")
Unser Sohn hat dies sogar selbst ins Spiel gebracht und auch gemeint, daß notfalls die FOS noch ein Jahr warten muß, wenn es absolut nicht geht.
Drückt uns die Daumen.
Momentan müssen wir darauf achten, daß die Ausfragerei nicht wieder zunimmt. Das ruiniert die gesamte Familie psychisch.

Viele Grüße
Charlie

Pit-2001

unregistriert

9

Freitag, 16. März 2007, 18:26

Hallo Natascha, ich verstehe, ja, was du schreibst, aber

wenn man die Unsinnigkeit seiner Zwänge nur versteht, wenn man von anderen darin brutal blockiert wird, dann stimmt doch was nicht.

Ich würde das auch vorschlagen, wenn jemand völlig uneinsichtig ist.

Aber im Normalfall müsste man doch durch Gespräche soweit kommen, dass jemand den Wahnsinn kapiert, dass er mit einem zuammen arbeiten lernen will, um die Zwänge zu reduzieren, auf ein Maß, was tragbar ist und dann in Therapie oder ähnlichem, sich soweit zu trainieren, dass er dies und das von selbst lassen kann, oder eben etragbar gestalten kann. Und wenn er das nicht schafft, kann er ja immer noch in eine Verhaltenstherapie gehen, um dann aus eigenem Willen das Abtrainieren zu üben.

Gruß Pit

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pit-2001« (16. März 2007, 18:27)


10

Samstag, 17. März 2007, 00:56

Zu welchem Zeitpunkt traten die Allergien auf, was passierte zu der Zeit? Allergien sind vom Immunsystem angelernt, deshalb kriegt man sie nur mit ungewöhnlichen Mitteln weg. Ich kenne noch einen Fall wo ein Kleinkind mit Allergie auf die Geburt seines Bruders reagierte.
Versuch es doch noch mal mit Kineosologie bzgl. der Zwänge.

Ist diese besagte Eifersucht gegenüber der Schwester, Mißtrauen usw. Teil der Therapie? Was ist das für eine Therapieform, ist das Verhaltenstherapie gegen den Zwang?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Markus« (17. März 2007, 00:58)


Charlie

unregistriert

11

Samstag, 17. März 2007, 12:31

Zitat

Original von Markus
Zu welchem Zeitpunkt traten die Allergien auf, was passierte zu der Zeit? Allergien sind vom Immunsystem angelernt, deshalb kriegt man sie nur mit ungewöhnlichen Mitteln weg. Ich kenne noch einen Fall wo ein Kleinkind mit Allergie auf die Geburt seines Bruders reagierte.
Versuch es doch noch mal mit Kineosologie bzgl. der Zwänge.

Ist diese besagte Eifersucht gegenüber der Schwester, Mißtrauen usw. Teil der Therapie? Was ist das für eine Therapieform, ist das Verhaltenstherapie gegen den Zwang?


Hallo Markus,
die Allergien kamen nach aller Wahrscheinlichkeit und Ansicht der Ärzte nach einem überstandenen heftigen Keuchhusten (der damailige Kinderarzt hatte uns von der Schutzimpfung abgeraten wegen der möglichen Nebenwirkungen - im Nachhinein müssen wir sagen, daß ein richtiger Keuchhusten sehr viel schlimmer ist als die mesiten Nebenwirkungen).
Wir machen eine tiefenpsychologische Therapie seit 2 Monaten um herauszufinden woran es bezüglich des Ausbruch der Zwänge liegen könnte. Das mit der Eifersucht der Schwester und anderen Lebewesen im Haus (z.B. Kaninchen der Schwester) ist nicht Bestandteil der Therapie.

Viele Grüße
Charlie