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Yezrel

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Zwangssymptome: Zwangh. Persönlichkeit, Zwangh. Langsamkeit, Kontroll-/Zählzwang

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41

Sonntag, 17. November 2013, 04:27


Okay jedenfalls habe ich eines Tages das Buch " JETZT! Die Kraft der Gegenwart" von Eckhart Tolle gelesen, der sich sozusagen "über den Verstand erhoben hat" , und das hat bei mir alles total verändert. Ich empfand es einfach als befreiend zu lesen, dass ich nicht mein Verstand bin, dass nicht ich es bin, der die Gedanken denkt, sondern sie von alleine auftauchen, und dass ich, indem ich die Gedanken beobachte, einfach nur beobachte ohne einzugreifen, ohne sie zu unterdücken oder ihnen nachzugehen, mich nicht mehr mit ihnen indentifiziere und sie somit keine Macht mehr über mich haben. Vor allem dass der Verstand nur solange die Macht über uns hat, wie wir uns mit ihm identifizieren. Nun, ich möchte nicht behaupten, dass alle Zwangsgedanken bei mir verschwunden sind, aber es gibt diesen Denkstress und -Druck nicht mehr, und wann immer ich mich dabei ertappe etwas Unsinniges zu denken, entscheide ich mich einfach dagegen, jedanfalls sind die Zeiten, als ich stundenlang im "Grübeln" war vorbei, wenn es dennoch sehr selten passiert, dann dauert es maximal 2 Minuten.
Jedenfalls finde ich es einzigartig wie Eckhart Tolle unseren Verstand beschreibt, jedenfalls war sein Buch für mich die ultimative Lösung, und wenn ich mit meinen Vermutungen recht habe, dass die Ursache für eure Zwangsgedanken die gleiche wie bei mir ist, dann müsstet ihr euch ebenfalls an dem Buch erfreuen.


Das kenne ich auch von mir, ich kam selbst darauf, mein Therapeut nennt es die "Achtsamkeitstherapie".
Lieben Gruß
Yezrel

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42

Sonntag, 17. November 2013, 04:48


die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine moderne Form der Verhaltenstherapie (VT), die neben der Konfrontationstherapie (klassische VT) auch sog. kognitive Elemente einbezieht: falschen Bewertungen, nicht funktionale Bewältigungsstrategien (z.B. Vermeidung, Gedankenunterdrückung) und Denkverzerrungen (z.B. Perfektionismus). Diese Therapieform wird von den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie ausdrücklich für die Behandlung bei Zwang empfohlen und ist nachgewiesenermaßen (viele Studien an großen Stichproben mit Kontrollgruppe und Nachuntersuchungen) die effektivste Behandlung bei Zwang (noch vor Medikamenten), was nicht ausschließt, dass im Einzelfall auch andere Therapien wirken können. Eine Heilungsrate von 100% zu versprechen ist nicht nur übertrieben sondern völliger Blödsinn. Wenn die Therapie durchgehalten wird, dann kommt es *durchschnittlich* bei 60-80% der Betroffenen zu einer klinisch starken Verbesserung der Symptome, was üblicherweise definiert ist als eine Abnahme von mindestens 35% der Symptome. ABER: wenn eine kognitive Verhaltenstherapie nicht funktioniert, dann heißt das noch lange nicht, dass man ein hoffnungsloser therapieresistenter Fall ist. Eine weitere KVT kann sinnvoll sein. Viele Faktoren spielen beim Therapieerfolg eine Rolle neben der Behandlungsmotivation, v.a. die Patient-Therapeut Beziehung und natürlich auch, ob nicht ein Etikettenschwindel vorliegt, da leider nicht jeder der sich kognitiver Verhaltenstherapeut nennt diese Variante auch praktiziert. Daher: schlau machen und in den Probesitzungen erklären lassen, was der Therapeut denn so vor hat.


Ich mache auch eine kognitive Verhaltenstherapie.
Lieben Gruß
Yezrel

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43

Sonntag, 17. November 2013, 06:57

Zitat von »michaelw«

Ich habe darauf hin extrem viel gelesen, von Leuten denen es ähnlich geht, Anleitungen zur Reduzierung von Zwangsgedanken, von Leuten, die es auch geschafft haben etc. und vor allem davon, das die Zwänge nur eine Vorstellung sind, ohne Beweis eines Bezugs zur Realität.

Ich habe versucht mich wieder auf alles Mögliche zu freuen, auch alle kleinen Dinge, und wenn es nur ein Mittagessen bei Oma war. Aber der Gedanke wie sehr sie mich braucht und sich freut mich zu sehen hat auch schon geholfen. Ich habe mir klar gemacht, wie schwer es andere Menschen im Leben haben, wie gut es mir eigentlich gehen müsste usw. und vor allem auch, dass ich nie in eine Klinik will und niemals Medikamente nehmen will von denen man vielleicht abhängig wird, sondern das ich es selbst schaffen kann. Ich habe daraufhin einfach Zwänge weggelassen und mit der Angst gelebt, es könnte was passieren, was aber nicht eingetreten ist. Außerdem habe ich so eine Art "Gegenzwang" versucht, das heißt, ich habe mir eingeredet, wenn ich einen Zwang habe, passiert etwas sehr Schlimmes, wodurch ich dann den Zwang tatsächlich gelassen habe und dabei ein relativ gutes Gefühl hatte.

Dann war ich im Urlaub und hatte eine Woche total unbeschwerte Zeit, in der ich durch totale Ablenkung vom Alltag alle Zwänge irgendwie einfach sein gelassen habe und sehr viel genossen habe, wie schön das Leben doch sein kann.

Seit dem bin ich praktisch zwangsfrei und mir geht es körperlich wieder sehr gut. Warum die Zwänge nach so langer Zeit und wirklich so extremer Form wirklich fast komplett weg sind, weiß ich nicht zu 100 Prozent, aber wichtig ist, an sich zu glauben, wirklich jeden Tag versuchen in vollen Zügen zu genießen und die Hoffnung nie zu verlieren. Im Moment habe ich vielleicht 1-2 Zwänge pro Tag mit einer Dauer von insgesamt 10 Sekunden, die man einfach aus der Flüchtigkeit heraus macht. Im Vergleich zu den stundenlangen Prozeduren vor 2 Monaten kann ich jetzt wirklich wieder mal eins:


Quelle

Ich habe bei mir den Eindruck, dass meine zwanghafte Persönlichkeit meine gleichzeitig bestehende Zwangsstörung eindämmt, sodass sie weniger schwerwiegend ist, als sie sein könnte, auch eine Art Gegenregulans. Ich nenne meine zwanghafte Persönlichkeit die "Dachorganisation" und meine Zwänge die "Tochtergesellschaften". :prust:
Lieben Gruß
Yezrel

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Sonntag, 17. November 2013, 07:14

Trotzdem hat mir Logik schon manachmal geholfen, manchmal steht man vor lauter Angst auf der Leitung, da hilft Logik und Wissen über etwas.


Genau das, was mir mein Neffe eingeschärft hat. Er blickte mich lieb an und sagte: "Du kannst doch logisch denken, das ist Deine Stärke. Du musst Deine Logik einsetzen und so Deinen Zwang besiegen! Mache alles bewusst und denke logisch, um Dir sicher zu werden, dass es okay ist. "
Lieben Gruß
Yezrel

shira20

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45

Sonntag, 17. November 2013, 08:33

Richtig

Sehe das genau so :lol:
Lg

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Montag, 18. November 2013, 08:42

:lol: :ditsch:

Dann wieder ernst: :breit:

Denn ich habe neue Erkenntnisse gemacht, die ich ohne diesen Aufenthalt hier nie gemacht hätte. Und zwar habe ich hier stationär eine andere Therapeutin als ambulant.
Und diese kam auf die Idee, dass all meine Zwangsgedanken in meinem bisherigen Leben nicht einfach so aufgetreten sind. Sie sollen einen Schutz darstellen. Denn ich hatte schon seit ich ein paar Jahre alt bin nur Probleme (damals mit meiner kranken Mutter und meinem gestressten Vater) Diesmal gab es viele neue Übergänge in meinem Leben, die alle mehr oder weniger aufeinmal kamen udn wohl zuviel für mich waren.
Die Zwangsgedanken sind wohl da, damit ich an die eigentlichen realen Probleme nicht denken KANN und abgelenkt werde, da ich mich ausschließlich nur noch mit ihnen beschäftige, von morgens bis abends. Sie müssen stärker sein/wirken als meine eigentlichen Probleme, damit sie diese übertönen können.

Außerdem habe ich hier in der Klinik einen geschützten Rahmen. Schon immer ging es mir hier sehr gut und diese Erkenntnis dass es daran liegt mache ich erst jetzt, wollte es davor nicht glauben.
Ja, ich habe hier einen Halt!
Sprich: Programm, aber nicht zu viel, also keine seelische Überlastung. Ich habe Gespräche, Mitpatienten mit denen ich mich sehr gut verstehe, Leute (Mitpatienten/Pfleger/Therapeuten/Ärzte) auf die ich mich stützen kann, mit denen ich Gespräche habe und von denen ich weiss, dass sie mich mehr oder weniger halten. Außerdem tut es mir gut wenn ich weiss ich habe nicht als einzige Probleme, sondern die gesamten Mitpatienten haben welche, viele noch größere als ich.

All das gibt mir so viel Halt!
Erst gestern habe ich diese Erkenntnis zum ersten Mal wirklich gemacht, während mir andere Menschen das schon früher bestätigten.
Dieser Halt schützt mich vor den Stimmungsschwankungen, den seelischen Tiefs und den Zwangsgedanken.
Lieben Gruß
Yezrel

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Montag, 18. November 2013, 10:52

Zitat von »Edelstein«

Irgendwann hatte ich ja wirklich alles durch. Also so ziemlich jede Zwangshandlung, an die ich gebunden war oder die neu hinzukam, hatte ich EXZESSIV ausgeführt.
Ich hatte dadurch schlichtweg keine Lust mehr, diese zum 5000. Mal auszuführen und sah auch absolut keinen Sinn mehr darin.
UND PLÖTZLICH HÖRTE DER SPUK AUF!!


Quelle
Lieben Gruß
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Montag, 18. November 2013, 22:24

Mir wurde durch die verstärkte Zwangssymptomatik bewusst, dass meine Arbeitsblockaden dasselbe Muster wie meine Kontrollzwänge aufweisen. Peter Fiedler hat das sehr anschaulich beschrieben, wie die anankastische Persönlichkeit und Zwänge zusammen auftreten können, was bei mir der Fall ist. Früher waren meine Zwänge noch offensichtlicher, bis ich sie durch Zählrituale reduzieren konnte.

Peter Fiedler: Die Dispositionshypothese führt unmittelbar an einen möglichen prämorbiden Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstil und Zwangsstörung heran. Sie besagt, dass es zur Symptomstörung kommen kann, wenn der Persönlichkeitsstil nicht mehr funktional oder tragfähig genug ist, um den Lebensanforderungen hinreichend zu genügen.

(aus: Persönlichkeitsstörungen Theorie und Praxis, Zwänge und Persönlichkeitsstörungen, Schattauer-Verlag: Peter Fiedler, Zwang und anankastische Persönlichkeitsstörung aus verhaltenstherapeutischer Sicht S. 83)

Aus diesem Grund lese ich Bücher zu Expositionen bei Ängsten und Zwängen. Ich hoffe, das bringt mich weiter in der Auflockerung meiner Arbeitsblockaden.

Mein Therapeut hat bestätigt, was ich bereits andeutete mit dem Bild der Schnittmenge zwischen Zwanghaftem PersönlichkeitsSTIL (mein Therapeut erklärte, es sei bei mir nur ein Stil, keine Störung) und Zwangserkrankung. Der Leidensdruck bzw. die Störung kommt also nicht primär von meinem zwanghaften PersönlichkeitsSTIL, sondern von meinen Kontroll-Zwängen. Das passt zu Fiedlers Dispositionshypothese über die Zwanghafte Persönlichkeit in Kombination mit Zwängen.
Lieben Gruß
Yezrel

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Dienstag, 19. November 2013, 18:04

Mein nächster Termin bei meinem Therapeuten ist am Freitag.

Bei mir ist einfach auch das Problem, dass so viel passiert in meinem Leben, sodass ich mich wirklich konkret fragen muss, was für mich gerade Priorität hat, damit es mir für diesen Monat etwas bringt, wenn ich es in der Sitzung anspreche. Es kam auch schon vor, dass ich nach der Sitzung für mich dachte, dass jetzt eigentlich ein anderes Thema für mich dringlicher gewesen wäre, ich aber die ganze Stunde mit anderen Themen "verquatscht" habe. Da muss ich wirklich genau vorsortieren, da ich nur einen einzigen Termin pro Monat habe!

Da ich bis auf Ende Monat so viele Fristen einhalten muss, wäre es günstig, wenn mein Thera mich dahingehend unterstützen könnte, wie ich das jetzt cool und ohne Angst und Zwang durchziehen könnte. Mal sehen, wie die Tage bis dahin arbeitsmäßig laufen. Ich habe das ganze WE daran gegeben, dieser Frage nachzugehen und denke schon, dass ich gewisse Erkenntnisse dazugewinnen konnte. Ich muss mir immer wieder vor Augen halten, dass ich nicht ausgeliefert bin, sondern in Wirklichkeit meine Versagensangst mich blockiert, ich diese also überwinden kann. Die Lösung liegt vor mir, es ist ein Schalter, der sich bei vielen Zwänglern und Ängstlern umgedreht hat, was auch bei mir geschehen kann, gerade weil ich in den Symptomen kein schwerer Fall bin. Ich sollte es schaffen und die Angst erfolgreich abbauen können. Ich muss jetzt einfach dranbleiben und darf mich nicht vom Thema ablenken. Ich muss eiserne Nerven und coolen Kopf behalten. Einiges konnte ich in den ersten zwei Wochen in diesem Monat klären, worüber ich froh sein kann. Jetzt muss ich einfach durchstarten, ganz ruhig und im Glauben an mich selbst. Es ist nicht wirklich schwierig, es sind nur Angstgefühle der Überforderung, nichts weiter.

Vielleicht schreibe ich meinem Thera doch noch eine E-Mail dazu, konnte bisher darauf verzichten und schrieb meine Erkenntnisse u. a. in meinen internen Blog, aber ich könnte in dieser zusammenfassenden E-Mail die Basis für die nächste Sitzung vorbereiten, damit er mir wirklich konkret darauf bezogen hilft. Ideal wäre es, wenn es jetzt einfach Klick bei mir macht und es rund läuft. Ich habe das Gefühl, dass ich einfach noch etwas innerlich aufräumen muss dafür, die letzten intensiven Studien diesbezüglich aber schon viel brachten. Jetzt müsste das Ganze nur noch auf meine Situation umgedacht werden, auf meine aktuelle Arbeit. Das ist noch nicht ganz final zu Ende gedacht, auch wenn ich mich schon runder fühle.
Lieben Gruß
Yezrel

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Mittwoch, 20. November 2013, 03:23

Irgendwo hoffe ich auch, dass mein Thera es auf den Punkt bringt. Es ist so viel los bei mir, Aufwühlendes. Ich kann auch nicht immer nur über meine Arbeitsprobleme reden, wenn noch so vieles andere mich beschäftigt. Irgendwo versuchen wir, alles wenigstens kurz zu berühren, wenn irgendwo möglich, wobei mein Thera sich meistens auf meine E-Mails bezieht. Von daher sind meine E-Mails schon ausschlaggebend. Meine Mimik und Gestik sagt so gut wie nichts aus. Ich hab ja eher ein Pokerface, im Gutachten stand "geringe Mimik".

Jetzt zum Beispiel wurde ich wieder voll von meinem Beistandsfall eingenommen, musste alles andere um 1 Tag verschieben, hatte Telefonate, schrieb E-Mails mit Anhängen.

Wenigstens konnte ich mit meiner Mutter über meine Arbeit reden, sie half mir, Durchblick zu bekommen. Sobald ich das Vereinbarte erledigt habe, werde ich wieder mit ihr darüber reden. Vielleicht muss ich das also gar nicht beim Thera ausbreiten, da mir meine Mutter gerade eine sehr große Hilfe ist in dieser Sache. Ich glaube, meine Mutter ist mir da fast hilfreicher, sie versteht meine zwanghafte Denkweise, da sie selbst so ist. Mit meinem Thera könnte ich höchstens das "Warum" besprechen, nur ändert das nichts, hab auch schon so unendlich viele Fachbücher zu meiner Problematik gelesen, weiß eigentlich schon warum, muss es aber nun ändern, was das eigentliche Problem ist.

Ich sehe einfach zu viele Details und komme deshalb in Panik, weil ich vor lauter Bäumen (Details), den Wald nicht sehe. Das führt zu den Arbeitsblockaden und meinem Vermeidungsverhalten. Von dorther rühren die dadurch aufkommenden Angstgefühle und der Zwang. Deshalb muss ich den Selbsthalt bzw. die Selbstkonstituierung in meinem logisch herangehenden, ordnenden Verstand finden. Ich denke, das ist ein Fortschritt, auch dass ich auf die Hilfe meiner Mutter zurückgreifen kann. Sie versteht, wo es hakt. Allein schon das hilft mir, dass ich dann selbst auf die Lösung komme.
Lieben Gruß
Yezrel

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Freitag, 29. November 2013, 12:43

In letzter Zeit wurde ich vermehrt mit unheilbaren Krankheiten konfrontiert, was mich sehr beschäftigte. Da fragte ich mich auf einmal, was wäre, wenn ich auf einmal meiner Familie auf diese plötzliche Weise entrissen würde. Ich muss unbedingt schauen, dass ich mein Leben in Ordnung bringe, damit meine Familie nicht mehr so abhängig von mir ist.

Bei diesem Gedanken frage ich mich, warum ich mich eigentlich vom Leben so frustrieren lasse, wenn doch alles so schnell vorbei ist. Ich möchte diese negativen Gefühle einfach nicht haben, sondern will bei allem, was ich tue, auch und gerade wenn ich enorm unter Stress stehe durch den Termindruck, mich möglichst unbelastet fühlen, es nicht so nahe an mich herankommen lassen. Ich möchte einfach nicht leiden. Es reicht schon, wenn ich mich ständig so durchkämpfen muss. Dort, wo ich mich gefühlsmäßig distanzieren kann, z. B. was all die Frustmomente wegen meines Beistandfalls betrifft, möchte ich mir einfach sagen, dass er im Grunde noch ein Kind ist. Solange er niemanden umbringt, ist alles im grünen Bereich. So wichtig ist das nicht, dass er kein optimales Leben führt, soll er doch Zeit haben, sich im Leben zurechtzufinden, wenn das sogar mein überdurchschnittlich intelligenter Neffe braucht. Solange sie wohlbehalten leben und niemanden an Leib und Leben schaden, ist alles nur halb so wild, auch wenn mein Beistandsfall den zuständigen Behörden und Anwälten eine Menge Arbeit und Ärger bringt.

Aber ich entscheide für mich, dass ich das alles nicht mehr so ernst nehmen, sondern optimistisch denken will. Ich werde mein Bestes geben, damit es den Kindern gut geht. Sie brauchen meinen Optimismus, damit sie das Leben als Abenteuer und Herausforderung begreifen und nicht als unüberwindliches Labyrinth. Das Leben ist so kurz. Wir ärgern uns zu oft und machen uns zu viele Sorgen bei jeder Kleinigkeit. Das ist es einfach nicht wert. Ich möchte das nicht mehr. Ich werde mich weiter durchbeißen und meine Pflichten erledigen, indem ich sie in mein Weltbild integriere und nicht panisch von mir stoße. Doch will ich mich nicht noch gefühlsmäßig davon vereinnahmen lassen. Das hindert mich nur daran, meine Aufgaben anzugehen. Es ist absolut sinnlos und eine reine Zeitverschwendung, dazu extrem kraftraubend, sich zusätzlich zum schon zu bewältigenden Arbeitsstress noch frustrieren zu lassen. Das kann ich mir nicht leisten. Ich möchte möglichst kraftvoll und "unbeschwert" durch das Leben "shuffeln", wie Pae & Sarah in folgendem Video hier.

Das fasziniert mich, ich möchte das Leben genießen, in jedem Atemzug, denn es ist so erschreckend kurz ... Es würde mich jetzt sogar ärgern, dass ich das so lange zugelassen habe, wenn nicht dieser Ärger genauso wieder eine dumme Zeitverschwendung wäre. Nur aus diesem Grund ärgere ich mich jetzt nicht, dass das Leben so kurz ist. Ich muss es akzeptieren. Ich werde aber nicht darüber grübeln. Es reicht schon, wenn der Tod irgendwann wieder anklopft und jemand von meiner Familie dran ist. Toll finde ich es nicht, aber ich glaube an ein Weiterleben nach dem Tod. Das macht es leichter für mich, es als Übergang in etwas Neues zu sehen, denn eine völlige Auslöschung könnte ich niemals glauben und für sinnvoll achten, sogar wenn es so wäre, was aber niemand wirklich weiß. Also bleibt vieles offen, so wie der Kosmos. Das macht das Leben und sogar den Tod als Tor zu etwas Neuem und Unbekanntem irgendwo spannend. Ich träumte damals, dass mein Vater in eine andere Welt geboren wird und sich wie ein Kind dafür öffnete und er diese Welt hier beim Sterben auf einmal ganz leicht und fröhlich verlassen konnte.

Und diese "blöden" kraftraubenden und ebenso sinnlosen Zwänge werde ich auch besiegen. Ich bin nicht bereit, mich durch die Zwänge derart einschränken zu lassen. Ich möchte noch etwas aus diesem kurzen Leben herausholen, denn wir alle stehen ja eigentlich vor demselben "Todesurteil", auch wenn nicht gleich so bewusst nahegerückt, wie es gerade Todkranke erleben.
Lieben Gruß
Yezrel