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Yezrel

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Zwangssymptome: Zwangh. Persönlichkeit, Zwangh. Langsamkeit, Kontroll-/Zählzwang

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1

Dienstag, 22. Januar 2013, 19:52

Zwanghafte Persönlichkeit PLUS Zwänge und Arbeitsblockaden

Hallo liebe Foris

Mir wurde durch die verstärkte Zwangssymptomatik (Kontroll- und Zählzwang etc.) bewusst, dass meine Arbeitsblockaden dasselbe Muster wie meine Kontrollzwänge aufweisen. Peter Fiedler hat das sehr anschaulich beschrieben, wie die anankastische Persönlichkeit und Zwänge zusammen auftreten können, was bei mir der Fall ist. Früher waren meine Zwänge noch offensichtlicher, bis ich sie durch Zählrituale reduzieren konnte.

Peter Fiedler: Die Dispositionshypothese führt unmittelbar an einen möglichen prämorbiden Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstil und Zwangsstörung heran. Sie besagt, dass es zur Symptomstörung kommen kann, wenn der Persönlichkeitsstil nicht mehr funktional oder tragfähig genug ist, um den Lebensanforderungen hinreichend zu genügen.

(aus: Persönlichkeitsstörungen Theorie und Praxis, Zwänge und Persönlichkeitsstörungen, Schattauer-Verlag: Peter Fiedler, Zwang und anankastische Persönlichkeitsstörung aus verhaltenstherapeutischer Sicht S. 83)

Wie ich mich fühle in meiner Arbeitsblockade, hat Hermann Lang besonders gut beschrieben in seinem Artikel Zwang und Anankastische Persönlichkeitsstörung aus psychoanalytischer Sicht in: Persönlichkeitsstörungen, Theorie und Therapie - Zwänge und Persönlichkeitsstörungen. Schattauer Verlag, S. 91:

Gleichzeitig besteht eine Hemmung motorisch-expansiver, sexueller und aggressiver Antriebe. Man kann deshalb den Zwangscharakter (wie auch den Zwangsneurotiker) als "gehemmten Rebellen" bezeichnen. (Lang 1986).
Der Unterdrückung spontaner Gefühlsäußerungen steht bei zwanghaft strukturierten Personen eine ausgeprägte Dominanz intellektueller Kontrollbedürfnisse gegenüber. Der Ritualisierung von Lebensgewohnheiten, dem Festhalten am Gewohnten entspricht eine Restriktion der auf Veränderung und Autonomie zielenden Regungen. Im Extremfall wird das gesamte Leben schließlich starr, mechanisch und verräumlicht. (Hermann Lang, Zwang und Anankastische Persönlichkeitsstörung aus psychoanalytischer Sicht)
Lieben Gruß
Yezrel

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Dienstag, 22. Januar 2013, 22:15

Zwanghafte Langsamkeit. Ich bin wie festgefahren. Dagegen anzukämpfen, verschlimmert die Arbeitsblockade nur, aber irgendwie muss sie trotzdem aufgelockert bzw. "ausgetrickst" werden. Mir fehlt einfach immer noch diese spontane Beweglichkeit, um die Arbeitsblockade aufzulösen. Aber sicher gut, die Problematik immer besser zu verstehen in ihrer Dynamik. "Auflockerung" scheint das entscheidende Stichwort zu sein, damit Beweglichkeit reinkommt.

Mein Leben ist sehr verräumlicht, aber es herrscht trotzdem Unordnung darin, ich suche Struktur und Ordnung. Kleine Erfolge stabilisieren für die nächsten Schritte, Entlastung durch Routinen, Vereinfachung und Abgrenzung, Halt durch Strukturen und Pläne. Ich versuche, jeden Arbeitsgang, der möglich ist, zu separieren und aus diesem zwanghaften Geflecht von gegenseitig sich blockierenden Prioritäten zu lösen. Aber immer wieder stecke ich fest wie jetzt. Da wird jeder einzelne Schritt fast unmöglich. Und doch muss ich die Kraft dafür aufbringen, um die Alltagspflichten zu bewältigen. Auch wenn berentet (deswegen und auch wegen der Schmerzkrankheit), ist immer noch viel zu erledigen.
Lieben Gruß
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Dienstag, 22. Januar 2013, 22:33

Aufgabe: Ich habe zwar derzeit immer noch einen Infekt mit starkem Husten, bin also nicht wirklich leistungsfähig, aber eine Sache MUSS ich JETZT erledigen beim E-Banking und dafür brauche ich einfach Überwindung.
Lieben Gruß
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Dienstag, 22. Januar 2013, 22:51

Die erste Aufgabe wäre für heute erledigt. :)

Aufgabe: Nun muss ich unbedingt noch die aktuelle Post durchsehen. Ich hoffe, es ist keine Mahnung darunter ... Ich spüre eine Angstgefühl in mir.
Lieben Gruß
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Dienstag, 22. Januar 2013, 23:02

Eine Mahnung, nicht so schlimm. *aufatem* :thumbup:

Aufgabe: unbedingt alle Zeitungen und Werbung aussortieren und in den Altpapierkorb entsorgen. Ist allerdings mit Zwängen verbunden, da die Angst besteht, dass etwas zwischen den Zeitungen stecken könnte, was wichtig ist, Rechnungen oder so.
Lieben Gruß
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Mittwoch, 23. Januar 2013, 21:59

Ich beziehe mich auf einen Thread über die Zwanghafte Persönlichkeit, der schon geschlossen ist:
ANANKASTISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG, OBSESSIV-KOMPULSIVES SYNDROM (weiß da jemand bescheid?)

Dazu möchte ich ergänzen, dass die Kriterien wie im obigen Thread logisch ausgeführt tatsächlich in den neuen DSM zusammengefasst werden. Die gibt es aber bisher nur in Englisch:

The new DSM 5 since may 2013

http://www.dsm5.org

T 01 Obsessive-Compulsive Personality Disorder
Proposed Revision
DSM-5

The essential features of a personality disorder are impairments in personality (self and interpersonal) functioning and the presence of pathological personality traits. To diagnose obsessive-compulsive personality disorder, the following criteria must be met:

A. Significant impairments in personality functioning manifest by:
1. Impairments in self functioning (a or b):
a. Identity: Sense of self derived predominantly from work or productivity; constricted experience and expression of strong emotions.

b. Self-direction: Difficulty completing tasks and realizing goals associated with rigid and unreasonably high and inflexible internal standards of behavior; overly conscientious and moralistic attitudes.

AND

2. Impairments in Interpersonal Functioning (a or b):
a. Empathy: Difficulty understanding and appreciating the ideas, feelings, or behaviors of others.
b. Intimacy: Relationships seen as secondary to work and productivity; rigidity and stubbornness negatively affect relationships with others.

B. Pathological personality traits in the following domains:
1. Compulsivity, characterized by:
a. Rigid perfectionism: Rigid insistence on everything being flawless, perfect, without errors or faults, including one‘s own and others‘ performance; sacrificing of timeliness to ensure correctness in every detail; believing that there is only one right way to do things; difficulty changing ideas and/or viewpoint; preoccupation with details, organization, and order.

2. Negative Affectivity, characterized by:
a. Perseveration: Persistence at tasks long after the behavior has ceased to be functional or effective; continuance of the same behavior despite repeated failures.

C. The impairments in personality functioning and the individual’s personality trait expression are relatively stable across time and consistent across situations.
D. The impairments in personality functioning and the individual’s personality trait expression are not better understood as normative for the individual’s developmental stage or socio-cultural environment.
E. The impairments in personality functioning and the individual’s personality trait expression are not solely due to the direct physiological effects of a substance (e.g., a drug of abuse, medication) or a general medical condition (e.g., severe head trauma).
Lieben Gruß
Yezrel

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Donnerstag, 24. Januar 2013, 02:29

Zitat

Aufgabe: unbedingt alle Zeitungen und Werbung aussortieren und in den Altpapierkorb entsorgen.


Diese Aufgabe wäre endlich erledigt, war viel, hatte sich mit der Zeit angesammelt. :thumbsup:

Die nächsten Aufgaben werd ich hier nicht hinschreiben. Ich glaube, der Anfang ist jetzt gemacht. ^^
Lieben Gruß
Yezrel

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Freitag, 25. Januar 2013, 20:14

Ich lese gerade in den älteren Beiträgen und fand diesen Thread über den Zusammenhang Zwang - Hochbegabung:

http://zwangserkrankungen.de/index.php?p…d&threadID=1718

Bei mir wurde auch eine Hochbegabung festgestellt, scheint also wirklich einen Zusammenhang zu geben.
Lieben Gruß
Yezrel

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9

Freitag, 25. Januar 2013, 21:26

Ne, das ist kein Blog, aber die jeweiligen alten Threads sind schon geschlossen und ich mache wegen einzelnen Gedanken nicht jedes Mal einen neuen auf. Deshalb schreibe ich das in meinen Thread hier rein, wo es auch hingehört, denn es geht ja um MEINE Problematik. Also passt das schon.
Lieben Gruß
Yezrel

girasol1991

unregistriert

10

Freitag, 25. Januar 2013, 22:51

Ich verstehe nicht so ganz den Sinn oder Nutzen dieses Threads? Du hast in einem anderen Thread zum Thema Schreibzwang geschrieben, dass du einen Schreibzwang hast. Ich glaube, dass du deinen Zwang extrem fütterst und stärkst momentan, indem du hier so viel schreibst.

Mal aber ne andere Frage, was versteht man unter einer Arbeitsblockade? Das klingt ziemlich schwammig und ich hab nicht so ganz den Plan, was das sein soll oder inwiefern das wirklich eine nun ernsthafte Erkrankung sein kann?

Wegen dem Zuasmmenhang zwischen Zwang und Hochbegabung, nun ich denke, dass das nicht immer und zwangsläufig miteinander einhergeht, mir hat man das auch mal erzählt, aber ich glaube da eher weniger dran. Vor allem wenn man sich überlegt, dass sowohl mein Vater als auch ich, beide also, Zwangsstörungen haben und beide nicht hochbegabt sind. Wenn jemand hochbegabt ist innerhalb meiner Familie, dann wohl mein Bruder und der ist kerngesund.
Generell gibt es gewisse Merkmale von Zwänglern, aber es trifft nie alles auf jeden gleichermaßen zu. Ich kenne auch Menschen, die ähnliche Merkmale und Züge an sich haben wie ich, aber eine andere psychische Erkrankung haben.

Yezrel

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Samstag, 26. Januar 2013, 00:46

Hi girasol

Ich bezog mich vor allem auf folgenden Beitrag von M227, was die Hochbegabung betrifft, die bei mir im Gutachten auch erwähnt wurde:
http://zwangserkrankungen.de/index.php?p…11702#post11702

Zitat

Ich kann schnell Informationen suchen und verarbeiten, diese auch miteinander interdisziplinär in Verbindung bringen, was die meisten Leute nicht können (die meisten sind halt eher Spezialisten).

Dennoch schadet mir das zur Zeit mehr als es mir nützt.
Ich fühle mich von Zwängen beherrscht und im Leben eher freudlos. Ich grüble zu viel und geniesse das Leben zu wenig.
Ich versuche immer alles zu konztrollieren und alle Risiken zu minimieren, bis schließlich das Leben nur noch aus Arbeit und Risikobeherrschung besteht.


Der zitierte Beitrag passt auch sehr gut zu mir. Deshalb durchforste ich hier das Forum gezielt nach Informationen, um meine Problematik anzugehen. Klar, dass ich in dieser Suchphase hier auch etwas dazu schreibe, aber das wird bald abgeschlossen sein und dann werde ich wieder woanders weitersuchen, wie viele, wie es aussieht. Stammuser gibt es hier offenbar nur wenige. Vielleicht triggert es langfristig, sich immer mit dem Zwang als Thema auseinanderzusetzen, hab das auch schon in einem Fachbuch gelesen.

Meine Arbeitsblockade bzw. Arbeitsstörung könnte mit Zwanghafter Langsamkeit umschrieben werden. Es hängt auf alle Fälle mit meiner Zwanghaftigkeit und meinen Zwängen zusammen, bin da aber selbst noch am Nachforschen. Ich las auch schon Bücher zur Arbeitsstörung, aber irgendwie hat es mehr mit den Zwängen zu tun. Wie gesagt suche ich noch nach Lösungen, kann Dir da auch nicht mehr sagen, nur dass es mit dem Zwang zu tun hat.
Lieben Gruß
Yezrel

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Sonntag, 27. Januar 2013, 04:13

Ein paar abschließende Gedanken, bevor ich mich hier verabschiede und weiterziehe:

Ich konnte dem Forum einige hilfreiche Informationen entnehmen und durch den Austausch ein paar grundlegende Zwangsstrukturen bei mir deutlicher erkennen und aus der Ich-Syntonie herausheben. Dafür bin ich sehr dankbar. Auf lange Sicht würde mich das Forum aber zu sehr triggern. Diejenigen mit vergleichbarer Kombination im Zwangsverhalten sind leider nicht mehr aktiv, aber trotzdem schön, ihre Beiträge zu lesen und sich darin wiederzuerkennen, auch wenn die Beiträge schon einige Jahre zurückliegen und es wie eine Art Zeitreise anmutet, diese Zeitprotokolle zu lesen und als Lebenszeichen aus früheren Jahren wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Also dann ein liebes Lebewohl an alle, die da waren, noch da sind oder erst kommen werden. :)
Lieben Gruß
Yezrel

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Donnerstag, 31. Januar 2013, 19:37

Ich war gerade gestern bei meinem Therapeuten, der auch Gutachter ist, und besprach mit ihm meine Zwänge. Er sieht es wie ich, dass ich nicht nur eine zwanghafte Persönlichkeit habe, sondern die Zwänge bzw. Zwangsstörung dazukommt. Ich gab ihm einige Beispiele von Zwängen, solche, die ich abbauen konnte auf die kleinstmögliche Ritualvariable (Vereinfachung der Zwangsrituale) und solche, die noch sehr ausgeprägt sind bei mir. Mein Hauptproblem ist meine Selbststeuerung. Ich brauche immer wieder Aufhänger, um mich zwanghaft daran zu klammern, z. B. schrieb ich gerade kürzlich in einem Hausfrauenforum und machte dort die Minuten-Vorgaben mit, sogar die vergangenen holte ich nach. Aber ich will möglichst autark sein, deshalb arbeite ich jetzt mit Sanduhren, das funktioniert im Moment gut. Ich muss mich immer im Jetzt festnageln, dafür eignen sich die Sanduhren. Das passt auch ganz gut zum magischen Denken des Zwänglers. Ich möchte vor allem klarkommen mit meinen Zwängen und sie so steuern, dass sie mir eher dienen und möglichst wenig Zeit verbrauchen.
Lieben Gruß
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Samstag, 9. Februar 2013, 11:07

Im Mai 2013 kommt die revidierte DSM heraus.

Die neuen Kriterien waren letztes Jahr für eine Weile online, deshalb kenne ich diejenigen der Zwanghaften Persönlichkeit. Zum Vegleich gebe ich hier die aktuellen und unterstehend die neuen ab Mai 2013 an:

DSM-IV's criterion for Obsessive Compulsive Personality Disorder:

[A pervasive pattern of preoccupation with orderliness, perfectionism, and mental and interpersonal control, at the expense of flexibility, openness, and efficiency, beginning by early adulthood and present in a variety of contexts, as indicated by four (or more) of the following:

[1] is preoccupied with details, rules, lists, order, organization, or schedules to the extent that the major point of the activity is lost.

[2] shows perfectionism that interferes with task completion (e.g., is unable to complete a project because his or her own overly strict standards are not met)

[3] is excessively devoted to work and productivity to the exclusion of leisure activities and friendships (not accounted for by obvious economic necessity)

[4] is overconscientious, scrupulous, and inflexible about matters of morality, ethics, or values (not accounted for by cultural or religious identification)

[5] is unable to discard worn-out or worthless objects even when they have no sentimental value

[6] is reluctant to delegate tasks or to work with others unless they submit to exactly his or her way of doing things

[7] adopts a miserly spending style toward both self and others; money is viewed as something to be hoarded for future catastrophes

[8] shows rigidity and stubbornness

And the newest criteria:

The new DSM 5 since may 2013

http://www.dsm5.org

T 01 Obsessive-Compulsive Personality Disorder
Proposed Revision
DSM-5

The essential features of a personality disorder are impairments in personality (self and interpersonal) functioning and the presence of pathological personality traits. To diagnose obsessive-compulsive personality disorder, the following criteria must be met:

A. Significant impairments in personality functioning manifest by:
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b. Self-direction: Difficulty completing tasks and realizing goals associated with rigid and unreasonably high and inflexible internal standards of behavior; overly conscientious and moralistic attitudes.

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2. Impairments in Interpersonal Functioning (a or b):
a. Empathy: Difficulty understanding and appreciating the ideas, feelings, or behaviors of others.
b. Intimacy: Relationships seen as secondary to work and productivity; rigidity and stubbornness negatively affect relationships with others.

B. Pathological personality traits in the following domains:
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a. Rigid perfectionism: Rigid insistence on everything being flawless, perfect, without errors or faults, including one‘s own and others‘ performance; sacrificing of timeliness to ensure correctness in every detail; believing that there is only one right way to do things; difficulty changing ideas and/or viewpoint; preoccupation with details, organization, and order.

2. Negative Affectivity, characterized by:
a. Perseveration: Persistence at tasks long after the behavior has ceased to be functional or effective; continuance of the same behavior despite repeated failures.

C. The impairments in personality functioning and the individual’s personality trait expression are relatively stable across time and consistent across situations.
D. The impairments in personality functioning and the individual’s personality trait expression are not better understood as normative for the individual’s developmental stage or socio-cultural environment.
E. The impairments in personality functioning and the individual’s personality trait expression are not solely due to the direct physiological effects of a substance (e.g., a drug of abuse, medication) or a general medical condition (e.g., severe head trauma).
Lieben Gruß
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Samstag, 9. Februar 2013, 11:26

Hier der Link zur ICD 11, die 2015 herauskommen soll in Deutschland, und hier der Link der Who.

Mein Thera, der Gutachter ist, sprach davon, dass künftig eher statistisch ausgewertet wird mit Anteilen bestimmter Eigenschaften, die Diagnosen werden schwammiger.
Lieben Gruß
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Samstag, 9. Februar 2013, 11:43

Die ICD wird sich offenbar an der DSM orientieren, siehe hier ein interessanter Beitrag.

Also weg nur vom Katalog zur vertieften Persönlichkeitsstruktur, wofür das Beispiel oben zur Zwanghaften Persönlichkeit einen ersten Eindruck vermittelt. (Finde ich übrigens besser, trifft bei mir auch zu.)
Lieben Gruß
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Samstag, 9. Februar 2013, 13:01

Hier die zwanghafte Persönlichkeit im neuen DSM 5 als PDF: dsm5.org

Mit dabei auch die anderen Persönlichkeitsprofile.
Lieben Gruß
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Sonntag, 10. Februar 2013, 02:26

Es geht nicht nur um Selbststeuerung, sondern Individuation und Stärkung des Selbst, um die Krücken des Zwangs abbauen bzw. zumindest besser nach Wunsch steuern zu können. Ich merke, dass mein Selbst stärker geworden ist durch den therapeutischen Prozess. Das zuerst asthmatisch schwache innere Kind ist in meinen Träumen zu einer starken konfliktfähigen jungen Frau herangewachsen. Ich kann nun auch meine Leistungen besser erkennen und würdigen bzw. mich wirklich darüber freuen und dabei eine Selbstevidenz empfinden.Es fühlt sich so an, als würde sich mein Selbstgefühl organischer und weniger zwanghaft zerrissen anfühlen. Trotzdem geht es noch nicht ohne Krücken. Nur ist es tröstlich, den Zwang wenigstens etwas steuern zu können durch Faktorenveränderung. Leicht ist es nicht, ich fühle den Leidensdruck, das Gefälle durch die Lücken, überall, wo Krücken wegfallen, und ich auf eigenen Beinen stehen muss, ohne Zwang.

Bei mir hilft der "große Zwang" meiner zwanghaften Persönlichkeit, die Zwänge zu kontrollieren. Zwänge sind zwar kontrollsuchend, aber sie können selbst auch ausufern. Deshalb ist eine "Dachorganisation des Zwangs" über den "Tochtergesellschaften der Zwänge" ganz nützlich, um das alles irgendwie im Rahmen zu behalten. Das wurde mir heute klar. Ich muss meinen Zwang besser steuern, das steht für mich im Vordergrund.

Ich merke im Alltag, wie ich mich in allem zwanghaft absichere, es gibt nur noch wenig Spontanes und kaum noch organische Handlungen, alles muss zwanghaft programmiert werden. Deshalb die Sanduhr, die mir Halt geben soll, damit ich meine Pflichten erledigen kann in zwanghaften Mini-Schrittchen. Ich kann nicht über die Schnur gehen ohne dieses Rettungsnetz. Ich kann keine Risiken und Lücken eingehen, sogar solche kleine Lücken wie fehlende Lesebestätigungen sind unerträglich. Mein Zwangsnetz ist engmaschig und erstreckt sich über ein zwanghaftes Lesen, Schreiben, Denken, Arbeiten, Handeln, Sein. Es ist so viel, dass ich längst blockiert und ausgebremst innehalte in zwanghafter Langsamkeit.

So wie ich wegen meiner Schmerzkrankheit Schienen trage, brauche ich Zwangsstrukturen als Krücken in allem, was ich tue. Mein Selbst kann nicht auf eigenen Beinen stehen, nur noch mit Sicherheitsnetzen und haltgebenden Strukturen, die ich auch in der Lesebestätigung meines Theras suche.

Die Sanduhr soll mir helfen, alles bewusster anzugehen im Alltag und ganz präsent zu sein (eine Art Exposition). Ich drehe sie ab und zu, nicht immer. Das Unvollständigkeitsgefühl kommt ja auch daher, dass diese Wachheit und Eigenpräsenz während zwanghafter Handlungen zu wenig Spannkraft aufweist. Es wirkt zwar zwanghaft (und ist es wohl auch), immer wieder eine Sanduhr zu drehen, aber das mit der verstärkten Präsenz ist eine wichtige Exposition bei Zwangserkrankungen. Ich muss meine Selbstregulierung im Alltag stärken.
Lieben Gruß
Yezrel

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Montag, 11. Februar 2013, 23:03

Zur späteren Vertiefung:

Ich hab meinem Hausarzt, der mich in der Therapie mitbetreut, eine E-Mail geschrieben, u. a.:

Mein Therapeut hat bestätigt, was ich Ihnen bereits letztes Mal andeutete mit dem Bild der Schnittmenge zwischen Zwanghaftem PersönlichkeitsSTIL (mein Therapeut erklärte, es sei bei mir nur ein Stil, keine Störung) und Zwangserkrankung. Der Leidensdruck bzw. die Störung kommt also nicht primär von meinem zwanghaften PersönlichkeitsSTIL, sondern von meinen Kontroll-Zwängen. Das passt zu Fiedlers Dispositionshypothese über die Zwanghafte Persönlichkeit in Kombination mit Zwängen:

Die Dispositionshypothese führt unmittelbar an einen möglichen prämorbiden Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstil und Zwangsstörung heran. Sie besagt, dass es zur Symptomstörung kommen kann, wenn der Persönlichkeitsstil nicht mehr funktional oder tragfähig genug ist, um den Lebensanforderungen hinreichend zu genügen. (aus: Persönlichkeitsstörungen Theorie und Praxis, Zwänge und Persönlichkeitsstörungen, Schattauer-Verlag: Peter Fiedler, Zwang und anankastische Persönlichkeitsstörung aus verhaltenstherapeutischer Sicht S. 83)

Aus diesem Grund lese ich nun das Buch Hoffmann & Hofmann, Expositionen bei Ängsten und Zwängen.
Lieben Gruß
Yezrel

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Montag, 11. Februar 2013, 23:58

Nachdem ich Hermann Langs Fallbeispiel mit dem Fachhochschuldozenten sehr aufschlussreich fand und mich danach ähnlich emotionalisiert und entidealisiert fühlte wie der Fachhochschuldozent, hätte ich aber dann doch gerne konkreter gewusst, wie der Fachhochschuldozent im Detail weitere Spitzen seiner anankastischen Persönlichkeit abbaute, abgesehen von ein paar allgemeinen Hinweisen.

Ich wurde fündig in folgender Darstellung von Prof. Dr. Rainer Sachse über die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung.

Ich kann mich dort wirklich wiederfinden mit meiner Problematik, wobei die Eigenschaften des gesamten Clusters C (Motiv: Angst) Prof. Sachse in der anankastisch-kontrollierenden Persönlichkeitsstruktur begründet erklärt. Er hat das wirklich gut erkannt in der strategisch absichernden Motivation der zwanghaften Persönlichkeit, auch in seinen Büchern. So ergibt es für mich auch einen logischen Sinnzusammenhang, der mit meiner Biografie und Haltung übereinstimmt. Das hat bei mir zu einem weiteren Aha-Erlebnis geführt.
Lieben Gruß
Yezrel

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